Atlas Elektronik

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ATLAS ELEKTRONIK GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1902
Sitz Bremen, Deutschland

Leitung

  • Jens Bodo Koch
  • Alexander Kocherscheidt
Mitarbeiter 1581 (2013)[1]
Umsatz 440 Mio. Euro (2013)[1]
Branche Marineelektronik
Website www.atlas-elektronik.com

Die Atlas Elektronik GmbH entstand aus einem 1902 gegründeten deutschen Unternehmen. Es stellt Elektronik für maritime Anwendungen her, dabei hat es sich auf Ausrüstung und Systeme für Über- und Unterwasser-Seestreitkräfte spezialisiert.

Das Unternehmen ist ein renommierter Anbieter in der Entwicklung und Herstellung von integrierten Sonarsystemen für U-Boote, Minenjagd-Boote und Kampfschiffe sowie Torpedos.

Das Unternehmen hat seine Hauptniederlassung in Bremen-Sebaldsbrück und Zweigstellen in Wedel und Wilhelmshaven.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde auf Initiative des Norddeutschen Lloyds am 15. Januar 1902 als Norddeutsche Maschinen- und Armaturenfabrik GmbH in Bremen gegründet. Ab 1905 war es auf dem ehemaligen Gelände der Schiffswerft AG Weser auf der Stephanikirchenweide angesiedelt.

Zum damaligen Produktionsprogramm gehörten neben dem Schiffbau bis 1.500 t Tragfähigkeit vor allem der Bau von Hilfsaggregaten und Spezialeinrichtungen für Schiffe.

1905 erfolgte die Übernahme eines Geländes der AG Weser auf der Stephanikirchenweide. 1911 wurde der Name in Atlas Werke AG geändert. 1913 hatte der Betrieb 2000 Beschäftigte.

Von Weltkrieg zu Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg bauten die Werke für die Kaiserliche Marine U-Boote und auch kleinere Schiffe.

Nach dem Krieg orientierte sich das Unternehmen auf Exporte. Die Unterwasser-Schalltechnik und Seewasser-Aufbereitungsanlagen kamen als neue Aufgaben hinzu. 1931 hatte das Werk 600 Beschäftigte. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte auch eine starke Aufwärtsentwicklung in der Produktion für die Kriegsmarine ein. Es wurden unter anderem Echolote und Horchgeräte hergestellt. 1939 hatte das Unternehmen wieder 2000 Beschäftigte; 1943, im Zweiten Weltkrieg, sogar um die 3100. Im Krieg wurden auch Minensuchboote, Torpedos sowie die Chiffriermaschine Enigma hergestellt. Letztere trug aus Geheimhaltungsgründen auf dem Typenschild nicht den Firmennamen, sondern das codierte Fertigungskennzeichen jmz. Das Werk wurde durch Bomben teilweise zerstört und einige Einrichtungen nach Schlesien und Elmshorn verlegt.

Nach 1945 - Maschinen und Elektronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheres Logo bis 2017

Ab 1945 erfolgte der Wiederaufbau des Betriebes. Hergestellt wurden Maschinen und Geräte, der Schiffbau musste aufgegeben werden.

1965 erfolgte die Eingliederung der Werke in die Friedrich Krupp GmbH und 1966 entstand zusammen mit der MaK Maschinenbau Kiel die Krupp-Atlas Maschinenbau GmbH. Der Elektronikbereich wurde zur selbstständigen Krupp Atlas Elektronik, Bremen, ab 1983 dann Krupp Atlas Elektronik GmbH. 1991 erwarb der Bremer Vulkan die Firma. Zusammen mit der STN Systemtechnik Nord GmbH (eine Fusion von MBB-UM mit DMT – Marinetechnik GmbH) entstand bis 1992 die STN Atlas Elektronik GmbH.

1997 erfolgte eine Beteiligung von Rheinmetall (51 %) und der britischen BAE Systems (49 %) an der STN Atlas Elektronik GmbH und eine Mehrheitsbeteiligung an der 3Sigma. Zum 1. Januar 2003 wurde Atlas Elektronik dann am 7. August 2003 unter Rheinmetall DeTec AG und BAE SYSTEMS Deutschland GmbH in zwei Unternehmen der Heeres- („Rheinmetall Defence Electronics GmbH“) bzw. der Marinetechnik („ATLAS ELEKTRONIK GmbH“) rückwirkend aufgeteilt.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die britische BAE Systems veräußerte das Unternehmen im Jahr 2006 für rund 217 Millionen Euro an ThyssenKrupp und EADS.

Eine Bietergruppe um den französischen Thales-Konzern hatte einen deutlich höheren Betrag geboten, scheiterte aber an der Drohung der Bundesregierung, ein Veto nach den Vorschriften des Außenwirtschaftsgesetzes einzulegen, um das militärische Know-how des Unternehmens in Deutschland zu halten. Mit ThyssenKrupp war Atlas Elektronik schon zuvor als Zulieferer verbunden. EADS wollte seine Marineelektroniksparte in die Atlas Elektronik GmbH einbringen und damit Synergien schaffen. ThyssenKrupp hielt nun 51 % der Geschäftsanteile, EADS 49 %.

2007 erfolgte die Eingliederung der Hagenuk Marinekommunikation, der EADS UK (Naval Business) und der EADS GER (Naval Business). Im Oktober 2009 erfolgte die Übernahme des „Unterwasser-Systeme“ Bereichs der britischen QinetiQ-Gruppe.

Am 3. April 2017 wurde Atlas Elektronik in ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) integriert, nachdem ThyssenKrupp die restlichen Anteile (49 %) der Airbus Group (EADS) aufkaufte.[2]

Betriebe und Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Atlas Elektronik Gruppe beschäftigt etwa 1800 Mitarbeiter. Als Töchter und Gemeinschaftsfirmen bestehen die folgenden Werke oder Firmen (Stand 2009): Hagenuk Marinekommunikation (Deutschland), Atlas Elektronik UK (Großbritannien), Sonartech Atlas (Australien), Atlas Hydrographic (Deutschland), Atlas Naval System und Atlas Defence Technology (beide Malaysia) sowie Atlas Maridan (Dänemark).

Das Unternehmen entwickelt Produkte für zivile und militärische Zwecke, vornehmlich im maritimen Bereich. Es hat eine führende Position bei der maritimen Hochtechnologie, beispielsweise Vermessungsecholoten oder Schwergewichtstorpedos, für den Küstenschutz, bei Minenjagdwaffen und bei Führungssystemen inklusive der Funk- und Kommunikationsanlagen für U-Boote, Kampfschiffe und Minenjagdboote.

Hergestellt werden Produkte wie Sensoren, Systeme zur Signalverarbeitung, Effektoren, Sonar- und Führungssysteme, Navigationssysteme, Torpedos (z. B. DM2A4 Seehecht), Seeminen - Jagdsysteme, Unterwasserfahrzeuge zur Minenvernichtung, Überwachungssysteme für den Schiffsverkehr oder hydrographische Vermessungssysteme von Flussläufen, See- und Meeresböden für Fluss- und Seekarten.

Käufer sind viele Marinen, Hafenbehörden und andere Institutionen. Die Bremer Firma ist ein wesentlicher Lieferant der deutschen Marine und der Handelsschifffahrt.

Exportgeschäft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsanwaltschaft Bremen führt gegen Manager der Atlas Elektronik sowie des Rüstungskonzern Rheinmetall ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts, neun Millionen Euro Bestechungsgelder an griechische Politiker und Beamte gezahlt zu haben, um den Verkauf von U-Boot-Ausrüstungen an Griechenland anzukurbeln. Atlas hat den Verdacht selbst angezeigt. [3]

Im Januar 2014 hatte der ehemalige Griechenland-Repräsentant von Atlas, Panagiotis Efstathiou, gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass er Militärs und Beamte des griechischen Verteidigungsministeriums unter ausdrücklicher Kenntnis der Chefetage mit mehreren Millionen Euro bestochen habe. In einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Bremen heißt es: "Schon im Jahr 1999 hatte die damalige STN Atlas Elektronik GmbH bei der Konzernspitze wegen der Handhabung ungewöhnlich hoher Provisionszahlungen an den ,Kooperationspartner' eines griechischen Handelsvertreters angefragt." Der ehemalige Manager Ulrich Grillo, seit 2013 BDI-Präsident, sagte, der entsprechende interne Brief sei einen Monat, bevor er in die Firma eintrat, verfasst worden.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ATLAS ELEKTRONIK GmbH: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2013
  2. Atlas Elektronik jetzt Teil des Konzerns ThyssenKrupp. In: bundeswehr-journal.de. 4. April 2017, abgerufen am 7. April 2017.
  3. Razzia bei deutschen Rüstungsfirmen. In Süddeutsche vom 23. August 2013
  4. Schmiergeldermittlungen in ehemaligem Unternehmen von BDI-Präsident Ulrich Grillo. In: Der Spiegel Ausgabe 5/2014. Abgerufen am 31. Januar 2014.

Koordinaten: 53° 3′ 29″ N, 8° 53′ 57″ O