atmosfair

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Atmosfair
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Rechtsform Gemeinnützige GmbH
Gründung 2005
Sitz Bonn
Schwerpunkt Luftfahrt
Methode Kompensation von CO2-Emissionen
Aktionsraum Klimaschutz
Umsatz 7,1 Mio. Euro (2017)
Mitarbeiter 24
Website www.atmosfair.de

Die Non-Profit-Organisation atmosfair bietet auf ihrer Website an, Treibhausgasemissionen von Flugreisen, Hochseekreuzfahrten, Fernbusfahrten oder Veranstaltungen auszugleichen (Klimakompensation), und führt im Gegenzug Klimaschutzprojekte durch. Im Mai 2005 gegründet fungiert die Stiftung Zukunftsfähigkeit als Gesellschafterin der gGmbH, die aus einem Forschungsprojekt vom Bundesumweltministerium und von Germanwatch hervorgegangen ist. Zu den Schirmherren von atmosfair gehören Klaus Töpfer, Mojib Latif und Hartmut Graßl.

Die Organisation ist Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[1] atmosfair wird von der Geschäftsstelle in Berlin-Kreuzberg gesteuert und hat ihren Sitz in Bonn.[2]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem von atmosfair entwickelten Emissionsrechner können Kunden die Menge Kohlenstoffdioxid berechnen, die durch eine Reise verursacht wird und kompensieren diese Emissionen mit einem freiwilligen Klimaschutzbeitrag. Für Flugreisen wird das emittierte CO2 anhand der Distanz zwischen Abflug- und Zielflughafen, der prognostizierten Auslastung sowie mit Hilfe des Flugzeugtyps bestimmt.[3] Für Schiffsreisen werden zur Ermittlung des CO2-Ausstoßes unter anderem die Schiffsklasse, Kabinenkategorie sowie die Reisetage und Tage auf See herangezogen.[4] Dabei werden neben Kohlenstoffdioxid auch andere klimarelevante Emissionen wie Stickoxide und Rußpartikel berücksichtigt. Bei Flügen haben diese insbesondere in großen Flughöhen eine spürbare Auswirkung auf den Treibhauseffekt (beispielsweise durch Ozonaufbau oder Kondensstreifen). Dies führt laut einer Studie des Umweltbundesamtes zu einem Faktor von 3–5, um den ein Liter Flugtreibstoff klimaerwärmender wirkt, als sein alleiniger CO2-Ausstoß.[5]

Nach Durchführung der Berechnungen kann der Kunde den empfohlenen Betrag spenden, der nötig ist, um Emissionen mit Hilfe von Klimaschutzprojekten an anderer Stelle wieder einzusparen.

Das Unternehmen finanziert ausschließlich Klimaschutzprojekte im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM, Kyoto-Protokoll)[6], die den Gold Standard[7] einhalten. Damit erzeugen die Klimaschutzprojekte Gold Standard CERs (Certified Emissions Reductions), die auch „Emissionsgutschriften“ genannt werden und die nach Artikel 12 des Kyoto-Protokolls von atmosfair stillgelegt werden. Nach Angaben von atmosfair werden keine Verified Emission Reduction (VERs) akzeptiert, da deren Wirksamkeit nicht streng genug überprüft wird.[8]

Neben Flugreisen und Hochseekreuzfahrten können auch andere CO2-Emissionen kompensiert werden. So bietet atmosfair die Kompensation von Tagungen und Kongressen an.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einnahmen
Spenden Sonstige
2005 166.160 € 144 €
2006[9] 190.113 € 4.263 €
2007[10] 1.328.208 € 46.310 €
2008[8] 2.036.912 € 114.198 €
2009[11] 2.255.464 € 381.899 €
2010[12] 2.153.162 € 978.485 €
2011[13] 1.913.851 € 2.163.050 €
2012[14] 1.962.374 € 1.298.283 €
2013[15] 2.297.204 € 1.641.127 €
2014[16] 3.657.294 € 935.657 €
2015[17] 2.873.114 € 478.520 €
2016[18] 3.509.649 € 675.717 €
2017[19] 6.553.822 € 562.337 €

Das Unternehmen finanziert sich hauptsächlich aus Kompensationsbeiträgen und Spenden. Weitere Einnahmequellen sind Zinseinnahmen aus Rücklagen sowie Erträge aus dem Verkauf von CO2-Bilanzierungssoftware. Hinzu kommen Klimaschutzprojekte und Beratungsprojekte, die im Kundenauftrag durchgeführt wurden.

Laut Jahresberichten für die Jahre 2009 bis 2017 wurden jeweils über 90 Prozent der in diesen Jahren eingenommenen Spenden direkt an die Betreiber der Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern gezahlt. Da die Projekte langfristig angelegt sind, erfolgt die Auszahlung in der Regel nicht sofort, sondern innerhalb von zwei Jahren.[17]

Auch in den Jahren davor lag laut den veröffentlichten Jahresberichten die Summe der Verwaltungskosten bei 10 % oder darunter. Somit hat atmosfair seinen eigenen Anspruch übererfüllt, wonach höchstens 20 Prozent der Spendeneinnahmen in Personalaufwendungen zur Betreuung von Klimaschutzprojekten und Spendern sowie in allgemeine Verwaltungsausgaben (wie Miete, IT etc.) fließen sollen.

Unterstützte Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Effizienter Kochherd zur Verbrennung von Biomasse "Save-80", dessen Verbreitung von atmosfair unterstützt wird

Bis zum Jahr 2017 finanzierte atmosfair Projekte in folgenden vier Kategorien:[16]

  • Effiziente Kochherde: Verbreitung effizienter Kochherde in Zusammenarbeit mit der Global Alliance for Clean Cookstoves. Die erbrachte oder vertraglich gebundene Ersparnis betrug 763.780 Tonnen CO2 im Zeitraum 2009–2017. Im Schnitt spart ein Ofen drei Tonnen CO2 pro Jahr, unterstützt wurden Projekte in Nigeria, Ruanda, Kamerun, Lesotho und Indien.
  • Biogas & Biomasse: Bau von kleinen Biogasanlagen, Stromproduktion aus Ernteresten, Kompostierung von organischen Abfällen mit einer erbrachten oder vertraglich gebundenen Ersparnis von 1.459.800 Tonnen CO2 im Zeitraum 2007–2017. Im Schnitt spart eine Biogas/Biomasse-Anlage pro Jahr vier Tonnen CO2, unterstützt wurden Projekte in Indien, Kenia, Thailand und Nepal.
  • Wind, Wasser & Sonne: Projekte zur Nutzung regenerativer Energien mit einer erbrachten oder vertraglich gebundenen Ersparnis von 549.900 Tonnen CO2 im Zeitraum 2007–2017. Das Wasserkraftwerkprojekt in Honduras spart ca. 73 Tonnen CO2 pro Tag, die Solar- oder Windkraftanlagen sparen pro Jahr rund 1,1 Tonnen CO2.
  • Umweltbildung: Schulprojekte an deutschen Schulen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Bericht von Greenpeace, ein Spender von atmosfair, heißt es, dass atmosfair als seriös und einzig empfehlenswerter Anbieter zu bewerten sei.[20]

Eine Studie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde hat deutschlandweit Kompensationsanbieter untersucht, wobei atmosfair als einziger Anbieter das Prädikat „sehr gut“ erhielt. atmosfair wurde in den Kategorien realitätsnahe Berechnung, Qualität der Kompensation und Verbraucherkommunikation mit „sehr gut“ ausgezeichnet.[21]

Die Klimaabteilung der amerikanischen Universität Tufts hat in einer Studie 13 Organisationen untersucht, die Kompensationen für CO2-Emissionen anbieten. Kriterien waren Transparenz, Genauigkeit der Emissionsberechnungen, Preis der Kompensationen und Verwaltungskosten. atmosfair war dabei einer von vier Anbietern, die die Note „sehr gut“ erreichten.[22]

Des Weiteren belegte atmosfair in folgenden Rankings den ersten Platz:[23]

  • 2018: Stiftung Warentest – Finanztest – CO2-Kompensation: Diese Anbieter tun am meisten für den Klimaschutz[24]
  • atmosfair erhielt in einer vergleichenden Studie der Universität Graz als einziger der getesteten Anbieter das Urteil „sehr empfehlenswert“. In den Hauptkategorien „Qualität des Ausgleichs“ und „Transparenz“ wurde atmosfair Klassenbester.[25]
  • Eine Studie der Universität Brüssel sieht atmosfair als den empfehlenswertesten Anbieter.[26]
  • Testsieger des britischen Umweltmagazins „BBC Wildlife“ mit 8 von 10 Punkten.
  • Testsieger der schwedischen Tageszeitung „Aftonbladet“.
  • Mit zwei anderen Anbietern „uneingeschränkt empfehlenswert“ des Verbraucherzentrale Bundesverband 2010.[27]

In anderen Rankings war das Unternehmen in der Spitzengruppe.[22][28]

Umweltintegrität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beirat, besetzt u. a. mit Vertretern des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), überwacht atmosfair bei der Einhaltung von Standards, die im Jahresbericht wiedergegeben sind.[29] Dazu gehören u. a. keine Annahme von Spendengeldern von Spendern, die sich bei der CO2-Berechnung nicht an die atmosfair Standards halten: den CDM-Gold-Standard für alle Kompensationsprojekte, die CO2-Berechnung der Klimawirkung von Flugreisen nach dem Stand der Wissenschaft und keine Verwendung des Begriffes „klimaneutral“ oder ähnlicher verharmlosender Begriffe.

So führte die Einbeziehung weiterer Schadstoffe in die Emissionsberechnung zusätzlich zum CO2 2008 dazu, dass atmosfair nicht mit der Lufthansa kooperieren konnte.[30] Die Haltung von atmosfair wurde im Kreise von Wissenschaftlern und Klimaschützern sowie in den Medien begrüßt.[31]

Im Mai 2019 erhob ein Beitrag von Report Mainz Kritik an Atmosfair und der CO2-Kompensation allgemein.[32] Er legte nahe, dass Projekte wenig zur Emissionsminderung beitrügen. Im Beitrag äußerte sich Biologin Jutta Kill, die die Verwendung nicht-emissionsneutraler Brennstoffe in einem Kompensationsprojekt beobachtet habe[33], und Soziologe Andreas Knie, der von „Ablasshandel“ sprach. Die Atmosfair-Schirmherren widersprachen und brachten Überprüfungen ihrer Projekte und einen anderen Beitrag vor: Die Kompensation sei immer nur eine ergänzende Maßnahme, wenn sich CO2 nicht vermeiden oder reduzieren lasse[34].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.transparency.de (Memento vom 5. September 2017 im Internet Archive), abgerufen am 4. März 2014
  2. Signees of the Declaration against Corruption. Transparency International Deutschland e.V..
  3. Der Emissionsrechner. (PDF; 297 KiB) (Nicht mehr online verfügbar.) atmosfair, 2008, archiviert vom Original am 17. Oktober 2016; abgerufen am 17. Oktober 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.atmosfair.de
  4. CO2 Emissionsrechner für Hochseekreuzfahrten: Dokumentation der Berechnungsmethode, Version 1.1. (PDF; 1,2 MiB) (Nicht mehr online verfügbar.) atmosfair, Oktober 2010, archiviert vom Original am 17. Oktober 2016; abgerufen am 17. Oktober 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.atmosfair.de
  5. Klimawirksamkeit des Flugverkehrs (PDF; 214 kB) Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  6. United Nations Framework Convention on Climate Change: UNFCCC. Cdm.unfccc.int. 26. November 2010. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  7. Gold Standard für Klimaschutzprojekte, cdmgoldstandard.org
  8. a b atmosfair Jahresbericht 2008 (PDF; 2,4 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  9. atmosfair Jahresbericht 2006 (PDF; 1,1 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  10. atmosfair Jahresbericht 2007 (PDF; 1,0 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  11. atmosfair Jahresbericht 2009 (PDF; 3,0 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  12. atmosfair Jahresbericht 2010 (PDF; 2,6 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  13. atmosfair Jahresbericht 2011 (PDF; 4,2 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  14. atmosfair Jahresbericht 2012 (PDF; 7,8 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  15. atmosfair Jahresbericht 2013 (PDF; 9,2 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  16. a b atmosfair Jahresbericht 2014 (PDF; 8,5 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  17. a b atmosfair Jahresbericht 2015 (PDF; 6,2 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  18. atmosfair Jahresbericht 2016 (PDF; 7,2 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  19. atmosfair Jahresbericht 2017 (PDF; 6,0 MB) Abgerufen am 17. Oktober 2018.
  20. Klima - Schnäppchen. Greenpeace-magazin.de. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  21. Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland (PDF; 3,3 MB) Archiviert vom Original am 16. Oktober 2013. Abgerufen am 2. Mai 2014.
  22. a b Voluntary Offsets For Air-Travel Carbon Emissions: Evaluations and Recommendations of Thirteen Offset Companies (PDF; 652 kB) Archiviert vom Original am 12. Mai 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sustainability.tufts.edu Abgerufen am 10. Mai 2012.
  23. Testberichte und Studien. atmosfair, abgerufen am 17. Oktober 2016.
  24. Stiftung Warentest: CO2-Kompensation – Diese Anbieter tun am meisten für den Klimaschutz – Test – Stiftung Warentest. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
  25. Studie der Universität Graz (PDF) Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  26. André Heughebaert: Etude comparative des programmes de compensation volontaire de CO2 en Belgique (Memento des Originals vom 19. Mai 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.atmosfair.de (PDF; 1,2 MB), Juni 2008, Kurzfassung.
  27. Verbraucherfuersklima.de: Pressemitteilung vom 6. Juli 2010 (Memento vom 12. Januar 2012 im Internet Archive)
  28. What are the Top-Rated Carbon Offset Companies? - Planet Green. Planetgreen.discovery.com. 23. Februar 2009. Abgerufen am 28. Dezember 2010.
  29. Gesellschaftsvertrag der atmosfair gGmbH. atmosfair, abgerufen am 17. Oktober 2016.
  30. Benjamin Hammer: Lufthansa bietet Kunden freiwillige Klimaabgabe an. In: Berliner Zeitung. 18. September 2007, abgerufen am 12. Juni 2015.
  31. Video Fliegen mit reinem Umwelt-Gewissen in der ZDFmediathek, abgerufen am 25. Januar 2014. (offline)
  32. Monika Anthes, Ulrich Neumann, Marius Meyer, Philipp Reichert: Freiwillig zahlen fürs Klima. Gutes Geschäft mit dem schlechten Gewissen. In: DasErste.de/Report Mainz. Bayerischer Rundfunk BR/Ulrich Wilhelm, 7. Mai 2019, abgerufen am 31. Juli 2019.
  33. Brigitta Weber: Antwortschreiben an atmosfair vom 23. Mai 2019. In: atmosfair. 23. Mai 2019, abgerufen am 31. Juli 2019.
  34. Report Mainz. In: atmosfair. atmosfair gGmbH, 18. Mai 2019, abgerufen am 31. Juli 2019.