August Christian Riekel

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August Christian Riekel (* 23. September 1897 in Wolfsanger bei Kassel; † 1. August 1967 in Tutzing) war ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Drehbuchautor. In letzterer Funktion benutzte er das Pseudonym Harald Bratt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Werkmeisters besuchte bis 1914 die Oberrealschule in Kassel. Der Erste Weltkrieg – Riekel leistete von 1914 bis 1918 Kriegsdienst – verhinderte sein Abitur, das er erst 1920 ablegte. Nach dem Krieg studierte er an den Universitäten Marburg, München und Göttingen und promovierte am 21. Februar 1922 mit einer Arbeit über „Die physiologische Psychologie von Tieren und Kleinkindern“.

1923 habilitierte er sich in Philosophie und Psychologie und erhielt an der TH Braunschweig die Lehrerlaubnis als Privatdozent für Philosophie. Im folgenden Jahr wurde er Assistent am Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik und 1927 bekam er einen Lehrauftrag für Erziehungswissenschaften (Pädagogik).

1928 wurde er zum Professor für allgemeine Erziehungswissenschaften ernannt. Zwei Jahre später gründete er das Forschungsinstitut für Erziehungswissenschaften in den Räumen der Villa Salve Hospes in Braunschweig. Doch dem zu groß angelegten Institut war keine langes Leben beschieden – bereits 1931 wurde es wieder geschlossen.

Riekel war sowohl wissenschaftlich als auch als Mensch sehr umstritten. Die bürgerlichen Kreise im Freistaat Braunschweig störten sich an seinen fortschrittlichen Ideen in der Erziehungs- und Schulpolitik. Seine Kollegen und Parteigenossen (Riekel war Mitglied der SPD) gerieten immer wieder persönlich in Konflikt mit ihm.

Schließlich wurde er am 13. April 1931 zwangsweise emeritiert – zu diesem Zeitpunkt scheinen keine politischen Gründe dahinter zu stehen, da der Antrag von seinen eigenen Kollegen in der Abteilung für Kulturwissenschaften (die meisten ebenfalls Sozialdemokraten) gestellt wurde. Zwei Jahre später jedoch, am 1. Oktober 1933, wurde seine Emeritierung durch den NSDAP-Volksbildungsminister Dietrich Klagges auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, § 4 „politische Unzuverlässigkeit“, in eine Entlassung umgewandelt. Damit erhielt er statt der vollen Bezüge nur noch ein stark gekürztes Ruhegehalt.

Neben seiner Tätigkeit als Erziehungswissenschaftler, die er nach seiner Entlassung im Jahr 1933 aufgeben musste, hielt sich August Riekel mit dem Schreiben von Bühnenstücken und Drehbüchern unter dem Pseudonym Harald Bratt finanziell über Wasser. Waren seine Theaterstücke und ersten Filme politisch noch unverfänglich, so geriet er durch die Mitarbeit an den Propagandafilmen Ohm Krüger und Ich klage an in die nationalsozialistische Propagandamaschinerie, was ihn nach dem Krieg zu Rechtfertigungen zwang.

Die Rechte an seinem Theaterstück „Der Herrscher“, das Motive aus Gerhart Hauptmanns Schauspiel Vor Sonnenuntergang enthält, verkaufte er, so dass es 1937 Grundlage zu Veit Harlans Film Der Herrscher wurde, mit dessen Produktion er allerdings nichts zu tun hatte.

Im Herbst 1945 eröffnete er in Wien das „Künstlertheater“ in der Praterstraße 25 (ehemalige Spielstätte der Rolandbühne und der Exl-Bühne), das nach ihm Fritz Eckhardt leitete.

Das Theaterstück „Sprechstunde“ oder „Die Nacht zum Vierten“ wurde 1953 von der BBC verfilmt („Night of the Fouth“) und zur besten Fernsehsendung des Jahres gekürt. In den 1950er Jahren wurde er vom nordrheinwestfälischen Kultusministerium mit der Produktion eines Films mit dem Titel „Triumph über Trümmer“ beauftragt, doch Riekels nach dem Krieg gegründete Produktionsfirma ging in Konkurs.

Er siedelte 1938 nach Baden bei Wien um und nach dem Krieg nach Bloemendaal in den Niederlanden. Später kehrte er nach Deutschland zurück und stellte einen Wiedergutmachungsantrag. 1956 erhielt er den Status eines emeritierten Professors zurück und wurde damit rehabilitiert.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kant und die kommende Generation. Eine Rede zum zweihundertsten Geburtstage Kants, gehalten vor den Professoren und Studenten der Technischen Hochschule zu Braunschweig. Braunschweig 1925.
  • Die Philosophie der Renaissance. München 1925.
  • Die Probleme der Lehrerbildung. Gedanken u. Vorschläge. Braunschweig 1925.
  • Aufgaben und Grenzen der öffentlichen Erziehung. Osterwieck/Harz 1926.
  • Probleme der pädagogischen Psychologie. Eine Untersuchung über den gegenwärtigen Stand und die künftigen Möglichkeiten der pädagogisch gerichteten Selenforschung und Seelenkunde. München 1927.
  • Vom Wesen der Erziehung. Untersuchungen über die Problematik des Erziehungsbegriffs. Braunschweig 1927.
  • Die Demokratisierung der Bildung. Leipzig 1928.
  • Probleme der pädagogischen Psychologie. Eine Untersuchung über den gegenwärtigen Stand und die künftigen Möglichkeiten der pädagogisch gerichteten Seelenforschung und Seelenkunde. München 1930.
  • Die akademische Lehrerbildung: Idee und Gestalt. Langensalza 1931.

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimkehr eines Olympiasiegers (1932)
  • Jenseits der Sorgen (1932)
  • Seine Excellenz, der Narr (1933)
  • Die Insel (1933)
  • Der Herrscher (1934)
  • Gustav Kilian (1935)
  • Ein großer Man privat (1936)
  • Das Haus Romanow (1937)
  • Duschenka (1938)
  • Die Frauen von Schanghai (1939)
  • Das Hotel der Emigration (UA 28. September 1945, Wiener Künstlertheater)

Drehbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wiedergutmachungsakte Riekel, Hauptstaatsarchiv Hannover
  • Claudia Bei der Wieden: Vom Seminar zur NS-Lehrerbildungsanstalt. Die Braunschweiger Lehrerausbildung 1818 bis 1945. Köln 1996.
  • Uwe Sandfuchs: Universitäre Lehrerbildung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Eine historisch-systematische Untersuchung am Beispiel der Lehrerbildung an der Technischen Hochschule Braunschweig (1918–1940). Bad Heilbrunn 1978, ISBN 3-7815-0390-9.
  • Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon – 19. und 20. Jahrhundert. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8.
  • Helmut Hirsch: Lehrer machen Geschichte. Das Institut für Erziehungswissenschaften und das Internationale Schulbuchinstitut. Wuppertal 1971

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]