Willy Moog

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wilhelm Moog (* 22. Januar 1888 in Neuengronau; † 24. Oktober 1935 in Braunschweig) war ein deutscher Philosoph, Altphilologe und Reformpädagoge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Willy Moog, Sohn des Lehrers Emil Moog, verbrachte seine Kindheit in Griesheim bei Darmstadt und ging in Darmstadt aufs Neue Gymnasium. Er studierte von 1906 bis 1909 in Berlin, München und Gießen Klassische Philologie, Germanistik und Philosophie und widmete sich schon früh, inspiriert durch die Vorlesungen von Georg Simmel in Berlin, intensiv der Philosophie des Neukantianismus. Er promovierte 1909 bei Karl Groos an der heimatlichen Universität Gießen zu einem literarpsychologischen Thema. Nach der Promotion lehrte er in Darmstadt am Ludwig-Georgs-Gymnasium und dem Neuen Gymnasium. In dieser Zeit verfasste er u.a. eine größere Arbeit zu Homer. Er ließ sich 1913 vom Lehrdienst zu Zwecken der Habilitation beurlauben und führte in Berlin Recherchen philosophischer Natur durch und arbeitete als Lehrer an einer Höheren Mädchenschule. Moog leistete seinen unfreiwilligen Kriegsdienst von 1915 bis 1918 in der Grenzüberwachungsstation Alexandrowo/Aleksandrowo in der Nähe von Thorn ab (vermutlich keine Gefechtsberührungen).

Ab 1919 (Habilitation) war er an der Universität Greifswald tätig, zunächst als Privatdozent, ab 1922 als außerordentlicher Professor für Philosophie. Im Herbst 1924 erhielt Moog einen Lehrstuhl als ordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik an der Technischen Universität Braunschweig. 1927–1930 stand Moog als Dekan der neu gegründeten Abteilung für Kulturwissenschaften der Technischen Hochschule Braunschweig vor. 1930 entstand sein berühmtestes Buch Hegel und die Hegelsche Schule, das international rezipiert und von José Gaos 1931 ins Spanische übersetzt wurde. Moogs 1917 erschienenes, aber bereits 1915 vorliegendes Buch über Kants Ansichten über Krieg und Frieden weist eine pazifistische Grundhaltung aus.[1]

Moogs berufliche Situation als Philosophieprofessor in Braunschweig änderte sich dramatisch unter dem Braunschweiger NSDAP-Ministerpräsidenten Dietrich Klagges, der die Technische Hochschule gleichschalten und zahlreiche von Moogs Kollegen zwangsentlassen ließ. Seit 1934 lehrte nun auch der von einer rassisch-völkischen Anthropologie geprägte Tübinger Philosoph Friedrich Berger (1901–1974), Schüler von Oswald Kroh, als neu berufener Professor für Theoretische Pädagogik an der TH Braunschweig und nahm maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung des Curriculums im Sinne des Nationalsozialismus. Berger wurde später kommissarischer Direktor der Bernhard-Rust-Hochschule für Lehrerbildung, die 1937 in Braunschweig eröffnet wurde. Dort gab es kein Unterrichtsfach Philosophie mehr. Berger hatte sich bereits kurz nach Moogs Tod im Herbst 1935 dafür ausgesprochen, dessen Lehrstuhl nicht wiederzubesetzen.[2] Wie seiner Personalakte zu entnehmen ist, war Moog selbst seit dem 1. Juni 1933 Mitglied des NS-Lehrerbundes, seit dem 1. Juli 1933 Mitglied des Opferrings, seit dem 11. Oktober 1933 der NS-Kulturvereinigung und des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller. Zudem war er seit dem 1. Mai 1934 Förderndes Mitglied der SS.[3]

Moog beging am 24. Oktober 1935 Suizid. Der Tod trat durch Ertrinken im Flüsschen Oker ein. Wenige Stunden zuvor war dem Philosophen seine Beurlaubung vom Dienst mitgeteilt worden.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moog beschäftigte sich hauptsächlich mit der Geschichte der Philosophie und der Philosophie der Pädagogik und gehörte zusammen mit Max Frischeisen-Köhler zu den Herausgebern des von Friedrich Ueberweg begründeten Standardwerks Grundriß der Geschichte der Philosophie (Band 18. Jahrhundert, 1924). In den Jahren 1917–1920 widmete er sich auch intensiv dem Psychologismus-Streit und setzte sich mit Logik und Erkenntnistheorie auseinander (vgl. seine Habilitationsschrift von 1919, veröffentlicht im Verlag Max Niemeyer 1920). Wichtig sind auch seine durchgängigen Forschungen zum Deutschen Idealismus.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Natur und Ich in Goethes Lyrik (1909), Dissertationsschrift, veröffentlicht Darmstadt: E. Röther.
  • Kants Ansichten über Krieg und Frieden (1917)
  • Logik, Psychologie und Psychologismus (1919), Habilitationsschrift, veröffentlicht Leipzig: Niemeyer 1920.
  • Philosophie (Forschungsberichte, Hg. v. K. Hönn) (1921), Gotha: Perthes.
  • Philosophische und pädagogische Strömungen der Gegenwart in ihrem Zusammenhang (1926)
  • Geschichte der Pädagogik in 3 Bänden (1928 - 1933, nur Bd. 2 und 3 erschienen)
  • Hegel und die Hegelsche Schule (1930), 1931 ins Spanische übersetzt durch José Gaos, ersch. in Madrid.
  • Das Leben der Philosophen (1932)
  • Die Pädagogik der Neuzeit vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart (1933)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Lammers: Zurück in die Welt der Lebenden. Das faszinierende, unbekannte Leben des Philosophen Willy Moog in: Bergwinkel-Bote 56.Heimatbuch des Kreises Schlüchtern (2004)
  • Uwe Lammers: Zwei seltsame Weggefährten. Immanuel Kant und Wilhelm Moog (2005) (PDF-Datei im Internetportal zur Geschichte in Braunschweig)
  • Nicole C. Karafyllis: Willy Moog (1888-1935) Ein Philosophenleben. Karl Alber, Freiburg/Br. Jan. 2015, ISBN 978-3-495-48697-9.
  • Nicole C. Karafyllis (Hg.): 90 Jahre Braunschweiger Philosophie. Grundlegungen durch Willy Moog und Einblicke in sein Philosophenleben. Braunschweig, Feb. 2016 (Digital als pdf über Digitale Bibliothek der TU Braunschweig)
  • Nicole C. Karafyllis: "Ein Braunschweiger kehrt zurück: Der Philosophieprofessor Willy Moog (1888-1935)", in: Jahrbuch der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft 2015. Braunschweig: Cramer 2016, S. 13-40.
  • Nicole C. Karafyllis: Die Philosophen Herman Schmalenbach und Willy Moog und ihr Wirken an den Technischen Hochschulen in Hannover und Braunschweig. Mit einem Seitenblick auf Schmalenbachs Leibniz. Hannover: Wehrhahn Verlag (ersch. Nov. 2016)
  • Helmut Schneider: Moog, Willy (Wilhelm). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 67 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Nicole C. Karafyllis: Willy Moog (1888–1935): Ein Philosophenleben. Freiburg 2015, Kap. 3.4 (S. 540-560). Auch Peter Hoeres, Der Krieg der Philosophen, Paderborn: Schöningh 2004, ordnet Moog den pazifistisch gesinnten Kräften zu
  2. Vgl. Nicole C. Karafyllis: Willy Moog (1888–1935): Ein Philosophenleben. Freiburg 2015, Kap. 2.7
  3. Siehe die Personalakte im Archiv der Universitätsbibliothek der TU Braunschweig: Willy Moog-Akte B 7 : 387.