Aus dem Winckel

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Wappen derer Aus dem Winkel

Aus dem Winckel (auch Winckell, aus dem Winkel) war der Name einer deutschen Uradelsfamilie in Meißen, Anhalt und dem Herzogtum Magdeburg. Nicht zu verwechseln mit den Familien: von Winkel, vom Winkel, von dem Winkel und am Winkel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei unterschiedliche Abstammungsversionen:

1. Die Freiherrn aus dem Winckel, auch Freiherrn von Krosigk-Winckel, stammen nach den Forschungsergebnissen aus dem Archiv der Familie vermutlich aus der italienischen Uradelsfamilie der Barone von Galléra ab, die sich wahrscheinlich im 10. Jahrhundert im Harz niederließ. Urkundlich erstmals erwähnt wurde am 27. Februar 1283 Hinricus dictus de Angulo in einer Urkunde des Bistums Halberstadt. Dieser Heinrich vom Winkel gilt als Erster aus der Familie Aus dem Winckel. (Ergänzend muss hier mitgeteilt werden, dass es in Gandersheim die Patrizierfamilie de Angulo, dictus de Winkele, vom Winkel gegeben hat. Bartoldus de Angulo, Sohn des 1311 verstorbenen Heinrich de Angulo war 1345 canonicus und consul im Stift Gandersheim im Bistum Hildesheim.) Der Name Winckel (lat. Angulo) ist eine örtliche Bezeichnung einer Landschaft am Nordrand des Harzes, ist aber auch sonst weit verbreitet. Nach ihren Ergebnissen lässt sich eine Stammesverwandtschaft mit der Familie Krosigk nicht beweisen.

2. Nach der gängigen Adelsliteratur (der auch die Familie folgte) legte der Sohn des Burggrafen zu Calbe Eberhard von Krosigk, Curt von Krosigk um 1384 seinen alten Namen ab und nannte sich fortan aus dem Winckel. Ein Grund für den Namenswechsel ist nicht überliefert. Aber es war damals nicht unüblich, seinen angestammten Namen abzulegen und sich – meist nach neuen Besitzungen – zu benennen. Das Siebmacher Wappenbuch zeigt auch eine Wappenverwandtschaft mit den Familien von Krosigk und von Köhler.

Zwei Linien aus dem Winckel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den aus dem Winkel gab es zwei Linien:

1. die Linie zu Schierau (1527 bis Mitte 19. Jh.) und 2. die zu Wettin (1446 bis 2014), die auch Güter zu Brandis (1612–1690) und zu Oppin (1601–1686) besaß. Auch diese Linie ist mit dem Tode von Sibylle aus dem Winckel (* 20. August 1925 in Luggendorf, Prignitz; † 1. April 2014 in Reinbek), der letzten ihres Geschlechts, abgestorben.[1]

Die Burg Krosigk hatte die Familie von 1423 bis 1439 und von 1444 bis 1451 als Lehen inne.

Linie Schultze – Schultze-Galléra – Galléra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Heirat des Christian Wilhelm aus dem Winkel-Schierau mit der Reichsgräfin Christine Elisabeth von Anhalt kam am 29. März 1760 in Wien eine Verbindung zustande, die später von der Familie Aus dem Winkel wie auch vom Oberhaupt des Hauses Askanien aus konfessionellen und standespolitischen Gründen missbilligt wurde. Sohn dieser Verbindung und Stammvater eines neuen Familienzweiges ist Johann Christoph Wilhelm, der am 12. Januar 1761 auf Schloss Reinharz geboren und am 23. Januar vom calvinistischen Pfarrer Le Coque in Oranienbaum getauft wurde. Die späteren Zwistigkeiten führten zum „Raub“ des angestammten Familiennamens durch die eigene Verwandtschaft. Seitdem ist dieser Familienzweig unter einem anderen Namen bekannt geworden, deren markantester Vertreter Karl Siegmar Schultze (1865–1945) ist. Durch spätere Adoption (1904) nannte er sich Siegmar Baron von Schultze-Galléra. Über diese Linie besteht die Familie bis in die Gegenwart weiter.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im silbernen Schild drei waagrecht übereinander liegende rote Pflugschare. Auf dem Helm ein rot und weißer Türkenbund, aus dem zwei aufrechtstehende, mit dem Rücken gegeneinander gekehrte, rote Pflugschare herausragen. Decken: Rot Weiß. Die Darstellung des Wappens mit nach links weisenden Pflugscharen wird den Familien v.Krosigk, v.Karl und v.Köhler zugerechnet. In der zweiten verbesserten Auflage von 1989 des Siebmacher-Nachdrucks von 1605 in der Edition „Die bibliophilen Taschenbücher“ (S. 169) wird der Wappenverbund dargestellt. Dort zeigen die Pflugschare im Wappen der Aus dem Winkel nach rechts. Mit der Darstellung im Siebmacher korrespondiert die Darstellung auf einem Epitaph in der Ruine der Patronatskirche der Familie Aus dem Winkel in Schierau. Letztlich ist dies kein heraldisches Unterscheidungsmerkmal, sondern es handelt sich um ein gemeinsames Wappen, das die vier Familien gemeinsam führten, und das bei allen entweder mit rechts oder links liegenden Scharen dargestellt wird. Das Familienwappen war als Allianzwappen der Familien Aus dem Winkel, Gramont und Manteuffel-Szöge, in Form einer Brokat-Seidenstickerei aus dem 18. Jahrhundert. Es wurde 1949 einschließlich des Familienarchivs auf dem Schloss Burgscheidungen untergebracht und 1990 der Familie übergeben.

Bekannte Familienangehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oswald aus dem Winckel: Geschichte der Familie aus dem Winckel. 3 Bände. Ober-Schreiberhau 1921.
  • Johann Christoph von Dreyhaupt: Geschlechts – Register derer aus dem Winckel, Wettiner Linie. Saalkreis. II. Anhang. Halle 1750, S. 220–221.
  • Leopold Nedopil: Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-Central-Archive. Band 2, 1868, S. 518–519.
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preußisches Adelslexicon. Band 4, 1837, S. 340.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Todesanzeige in „Deutsches Adelsblatt“, 53. Jahrgang, Nr. 10, 15. Oktober 2014.