Avenwedde

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Koordinaten: 51° 56′ 16″ N, 8° 26′ 41″ O

Avenwedde
Höhe: 89 m ü. NN
Fläche: 21,64 km²
Einwohner: 17.410 (1. Jan. 2009)
Bevölkerungsdichte: 805 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 33335
Vorwahlen: 05241, 05209
Karte

Ortsteile der Stadt Gütersloh

Audio-Datei / Hörbeispiel Avenwedde?/i ist ein nordöstlicher Stadtteil der ostwestfälischen Kreisstadt Gütersloh. Es besteht aus den drei Teilen Avenwedde-Mitte, Avenwedde-Bahnhof sowie dem direkt in den Stadtteil Friedrichsdorf übergehenden Avenwedde-Nord.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Avenwedde liegt auf einer Höhe von 89 m ü. NN und umfasst eine Fläche von 21,70 km².

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden beginnend im Uhrzeigersinn grenzen an Avenwedde der Bielefelder Stadtbezirk Brackwede, der Gütersloher Stadtteil Friedrichsdorf, der Bielefelder Stadtbezirk Senne und die Gütersloher Stadtteile Spexard, Sundern, Nordhorn und Isselhorst. Im Süden grenzt Avenwedde an den Verler Stadtteil Sürenheide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Avenwedde
Ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Isselhorst-Avenwedde
Musikzentrum Stiftung Altewischer
Christuskirche in Avenwedde-Bahnhof
Ruthmanns Mühle: Die 1823 erbaute Getreidemühle steht seit 2007 unter Denkmalschutz und ist noch immer voll einsatzfähig.

Avenwedde stammt aus dem Altniederdeutschen und heißt übersetzt „Mufflonweide“. Aus dieser Erklärung wurde später auch die Gestaltung des redenden Gemeindewappens hergeleitet, ein goldener Mufflon auf schwarzem Grund.

Das ehemalige Amt Avenwedde führte ein eigenes Wappen, dieses entsprach dem oben gezeigten Gemeindewappen, ergänzt durch das sechsspeichige Rad des ehemaligen Landesteiles Reckenberg des Fürstbistums Osnabrück. Das Rad findet sich heute auch noch in den Wappen des Kreises Gütersloh und der Stadt Rheda-Wiedenbrück wieder.

Die Avenwedder selbst bezeichnen ihren Ort auch als Bonnevie (auch: Bonewie). Dieser Name soll aus einer Verballhornung des französischen „bonne ville“, also so viel wie „Schönes Dorf“, entstanden sein und aus der Zeit der französischen Besatzung Westfalens unter Napoleon stammen.

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung Avenweddes als Bauerschaft Ovenwide datiert vom 17. April 1196.[1] Avenwedde bildete sich nicht um einen Ortskern herum, sondern war und ist bis heute durch Streusiedlung geprägt.

Avenwedde gehörte zum Amt Reckenberg, einer Exklave des Fürstbistum Osnabrück. 1803 wurde das Bistum Osnabrück durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben und Kurfürstentum Hannover zugeschlagen, das wiederum 1806 an Preußen fiel. Nach dem Sieg Napoleons über Preußen gehörte Avenwedde zwischen 1807 und 1813 zum Kanton Wiedenbrück im Distrikt Paderborn des Departments der Fulda im Königreich Westfalen. 1815 fiel das Amt Reckenberg endgültig an Preußen. Von 1816 bis 1888 bildete Avenwedde mit den Orten Kattenstroth-Spexard und Lintel die Großgemeinde Avenwedde im Kreis Wiedenbrück.

Am 21. Januar 1851 entgleiste ein Zug von Minden ins Rheinland im Bereich des heutigen Haltepunktes Isselhorst-Avenwedde, der allerdings erst 1891 eingerichtet wurde. Drei Todesopfer waren die Folge. Es war der bis dahin schwerste Eisenbahnunfall in Deutschland. In dem Zug reiste auch Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Friedrich III., der aber nur leicht verletzt wurde. Als Dank für seine Rettung bei dem Eisenbahnunglück stiftete er 1860 den Zinkdruckguss eines Taufengels von Bertel Thorvaldsen für die Martin-Luther-Kirche in Gütersloh.

Am 10. Dezember 1888 wurden die Gemeinden Kattenstroth-Spexard und Lintel aus der Gemeinde Avenwedde ausgegliedert.[2] 1914 wurden die Gemeinden Avenwedde, Spexard und Friedrichsdorf aus dem Amt Reckenberg aus- und in das neue Amt Avenwedde eingegliedert.

Am 1. Januar 1970 wurde die Gemeinde Avenwedde im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen in die Stadt Gütersloh eingemeindet.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Herz-Jesu-Kirche wurde ursprünglich 1913-14 als dreischiffige neugotische Backstein-Hallenkirche errichtet. An das dreijochige Langhaus schloss sich im Osten ein polygonaler Chor an. Die Ausmalung erfolgte erst 1928. 1953/54 wurde die Kirche um das Doppelte erweitert. Dabei wurden die historisierenden Formen des Altbaus übernommen. Im Rahmen des Umbaus wurde der Chor nach Westen verlegt. Den achteckigen, 55 m hohen Turm fügte man dem zunächst lediglich mit einem Dachreiter ausgestatteten Bau erst 1964 hinzu. 1977 wurde im Inneren eine umfassende Renovierung der Kirche durchgeführt.

Zu den ältesten noch vorhandenen Fachwerkbauten der Gemeinde zählt das Gasthaus Immelwirt (Immelstraße 134), ein 1679 bezeichneter Vierständerbau. Der ebenfalls an der Immelstraße gelegene Hof Wiesreker (Haus-Nr. 95) verfügt über einen wohl noch im 17. Jahrhundert entstandenen Speicher, der angeblich einstmals auch als Backhaus diente. Hinweise auf diese Nutzung gibt es jedoch nicht. Schornstein und Backofen sind nicht (mehr) vorhanden. Sein äußeres Erscheinungsbild ist heute durch neuere Anbauten beeinträchtigt.

Neben Immelwirth stehen 22 weitere Objekte aus Avenwedde auf der Liste der Baudenkmäler in Gütersloh, darunter das Mahnmal, das Landhaus und die Brennerei Altewischer, die technische Ausstattung der Wassermühle Ruthmann, das Bahnhofsgebäude, das Eisenbahnkreuz Röhrheide sowie mehrere Landesgrenzsteine.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bertelsmann Corporate Center, die Firmenzentrale des Medienunternehmens Bertelsmann, befindet sich auf Avenwedder Gebiet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Isselhorst-Avenwedde liegt an der Bahnstrecke Hamm–Minden. Er wird u.a. von der Ems-Börde-Bahn (Bielefeld–HammMünster) bedient. Das alte Bahnhofsgebäude wird heute in Trägerschaft eines Vereines als Bürgerhaus für den Stadtteil genutzt.

Die Buslinie 201 verbindet Avenwedde mit Friedrichsdorf und Gütersloh.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit Avenwedde in Verbindung stehen:

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Avendwedde finden vor allem regelmäßige Veranstaltungen der örtlichen Vereine statt. Zu nennen wären hier das Sommerfest und das Zeltlager des Kolpingverbandes, das Fest der Freiwilligen Feuerwehr und die Schützenfeste der beiden Schützenbruderschaften St. Hubertus (Pfingsten) und St. Sebastian. Im Juni kann das Pfarrgemeindefest besucht werden. Ebenfalls im Frühling wird das Fronleichnamskonzert im Musikzentrum Altwischer organisiert. Schließlich gibt es in der Regel am zweiten Adventswochenende einen Weihnachtsmarkt und an der Kapellenschule das Lindenblütenfest.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1925 gegründete SV Avenwedde spielt in der Saison 2012/13 in der Fußball-Landesliga Westfalen Gruppe 1 (Ost) und trägt seine Heimspiele im Stadion an der Isselhorster Straße aus, das im Sommer 1989 erbaut wurde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Avenwedde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Flötotto: 800 Jahre Avenwedde : 1196 - 1996 ; Ereignisse, Erlebnisse, Eindrücke, Erinnerungen. Bonewie-Verlag, Gütersloh 1996, ISBN 3-929494-07-8
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 211.
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 110.