Avro York

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Avro 685 York
Avro York
Typ: Verkehrsflugzeug, Transportflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Hersteller: A.V.Roe & Company
Erstflug: 5. Juli 1942
Stückzahl: 259

Die Avro 685 York war ein viermotoriges britisches Passagier- und Transportflugzeug. Es gab sowohl zivile als auch militärische Versionen. Die York flog erstmals am 5. Juli 1942.

Die Tragflächen und das Leitwerk des Schulterdeckers stammten von der Avro Lancaster. Da die „York“ einen viel größeren und tieferen Rumpf besaß, musste ein zusätzliches Seitenleitwerk eingebaut werden.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste zivile Variante der York wurde 1944 an die BOAC geliefert. Einer der Prototypen war ein fliegendes Konferenzzimmer für Winston Churchill. Das Flugzeug wurde Ascalon genannt und flog Churchill zur Konferenz von Jalta 1945. Andere Yorks wurden von Lord Mountbatten als Vizekönig von Indien benutzt. Weitere Benutzer waren Henry, Duke of Gloucester als Generalgouverneur Australiens sowie Jan Christiaan Smuts, ein südafrikanischer Staatsmann.

Die Royal Air Force nutzte die York für Transportflüge nach Indien. Gebaut wurden 208 militärische und 50 zivile York. Viele RAF-Maschinen wurden nach der Ausmusterung zivil weiterverwendet. Während der Berliner Blockade 1948/49 flogen die Yorks über 58.000 Einsätze, was etwa die Hälfte der britischen Lieferungen nach West-Berlin ausmachte. Den Rest bestritten hauptsächlich Douglas DC-3 und Handley Page Hastings.

Die BOAC verwendete in der Nachkriegszeit die York für Flüge von Kairo nach Durban, die vorher mit Short-Flugbooten durchgeführt worden waren. Weitere zivile Nutzer in Großbritannien waren unter anderem Eagle Aviation, Dan-Air, British South American Airways und Scottish Airlines. Im Ausland wurde die York unter anderem von Trans Mediterranean Airways, Air Liban und Middle East Airlines aus dem Libanon sowie die argentinische Flota Aérea Mercante Argentina eingesetzt. In Kanada wurde sie von Arctic Wings, Associated Airways, Maritime Central Airways, Pacific Western Airlines, Spartan Air Services und Transair Canada genutzt. Die letzten Maschinen wurden 1964 bei Dan-Air und Skyways außer Dienst gestellt.

Die Militärversionen kamen außer in Großbritannien in Australien, Frankreich und Südafrika zum Einsatz.

Sonderversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Avro 685 York (ZS-DGN) der Tropic Airways, die von Kurt Kaye geflogen wurde.
  • Die dem südafrikanischen Premierminister und Feldmarschall Jan Smuts zur Verfügung gestellte York wurde nach seiner Amtszeit von der Tropic Airways für Flugreisen zwischen Johannesburg und Amsterdam bzw. London eingesetzt.
  • Die Avro York „Ascalon“ war eine Konferenzmaschine. Sie sollte eine separate Druckkabine bekommen, um Passagieren wie Winston Churchill das Aufsetzen von Sauerstoffmasken zu ersparen. Das Flugzeug war luxuriös mit Telefon, Bar und kleiner Bibliothek ausgestattet. Die Druckkabine aus Aluminium wurde zwar erfolgreich bei Avro getestet, aber aus Zeitgründen nicht eingebaut. Später sollte sie in das Nachfolgeflugzeug Douglas C-54B eingebaut werden, aber der Vertragspartner Armstrong Whitworth entschied sich schließlich dagegen.
  • Die „Endeavour“ genannte York mit der RAF-Seriennummer MW104 flog 1945 nach Australien und wurde das persönliche Flugzeug des Generalgouverneurs von Australien. Es war die einzige Maschine dieses Typs im Dienst der Royal Australian Air Force.

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AustralienAustralien Australien
FrankreichFrankreich Frankreich
Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1945 bis zu den letzten Flügen im Jahr 1964 kam es zu 87 Totalverlusten von Avro York. Dabei kamen 242 Menschen ums Leben.[1] Beispiele:

  • Am 13. April 1947 wurden bei der Bruchlandung einer Maschine der BSAA auf dem Flughafen Dakar-Yoff (G-AHEZ) in schlechter Sicht sechs Passagiere getötet, die anderen neun Insassen überlebten.[4]
  • Am 4. Juli 1948 stieß eine erst zwei Monate alte Douglas DC-6 der SAS Scandinavian Airlines (SE-BDA) im Flug über Großbritannien mit einer Avro York C.1 der Royal Air Force (MW248) zusammen. Beide Maschinen waren im Anflug auf den Flughafen Northolt, kollidierten gut 6 Kilometer nördlich des Flugplatzes und stürzten ab. Alle 32 Menschen an Bord der DC-6 sowie die sieben Insassen der York kamen ums Leben.[5][6][7]
  • Am 19. September 1948 verunglückte eine Avro York C.1 der Royal Air Force (MW288) bei einem Nachtstart auf der Wunstorf RAF Station (Niedersachsen). Als sich ein Triebwerksausfall ereignete und das Frachtflugzeug von der Startbahn abkam, versuchten die Piloten, der Kollision mit einem Radar-Fahrzeug auszuweichen. Die Maschine wurde überzogen, es kam zu einem Strömungsabriss und zum Absturz bei Klein Heidorn. Das Flugzeug war für die Berliner Luftbrücke im Einsatz. Alle fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.[8][9]
  • Am 5. Januar 1949 brach bei der York G-AHEX der BSAA im Steigflug ein nicht löschbarer Triebwerksbrand aus. Bei der erforderlichen Notlandung in der Caravelas Bay, Brasilien, wurden drei Passagiere getötet, die anderen zwölf Insassen überlebten.[10]
  • Am 2. Februar 1953 verschwand eine Avro York der britischen Skyways (G-AHFA) im Atlantischen Ozean, etwa 500 Kilometer östlich von Neufundland (Kanada). Die Maschine war auf dem Flug von Lajes (Azoren) nach Gander. An Bord befanden sich 33 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder.[11]
  • Am 18. Februar 1956 stürzte die York mit dem Kennzeichen G-ANSY der Scottish Airlines kurz nach dem Start vom Flughafen Malta nach einem Triebwerksschaden ab. Alle 50 Personen an Bord kamen ums Leben.[12]
  • Am 25. Mai 1958 führte die Besatzung der York C.1 der britischen Dan-Air (G-AMUV) auf dem Flug von Karachi nach Delhi wegen eines brennenden Triebwerks nahe Gurgaon (Indien) eine Notlandung durch. Im unebenen Gelände zerbrach die Frachtmaschine, und vier der fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.[13]
  • Am 15. März 1963 flog eine York C.1 der libanesischen Trans Mediterranean Airways (OD-ACZ) zehn Minuten nach dem Start 26 km westlich des Flughafens Teheran-Mehrabad bei gutem Wetter ins Gebirge. Wahrscheinlich wurde durch den als dritter Pilot anwesenden Prüfkapitän ein Triebwerksausfall von Motor Nr. 4 simuliert, gefolgt vom tatsächlichen Ausfall des Triebwerks Nr. 3. Ein rechtzeitiger Wiederstart des intakten Triebwerks Nr. 4 fand offenbar nicht statt. Alle vier Besatzungsmitglieder der Frachtmaschine kamen ums Leben. Dies war der letzte Unfall einer Avro York vor dem Betriebsende im Jahr 1964.[16][17]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

York Silh.jpg

Kenngröße Daten
Länge    23,9 m
Spannweite    31,1 m
Tragflügelfläche    111,9 m²
Höhe    5 m
Antrieb    vier Rolls-Royce Merlin XX V-12 mit je 1.280 PS (950 kW)
Höchstgeschwindigkeit    479 km/h in 6.400 m Höhe
Reichweite    4.830 km
Besatzung    fünf Mann, 24 Passagiere
Dienstgipfelhöhe    7.010 m
Leermasse    15.060 kg
Flugmasse    29.480 kg

Erhaltene Exemplare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Momentan werden zwei nicht flugfähige Flugzeuge ausgestellt. Eines steht in der RAF Cosford Collection und das andere im Imperial War Museum Duxford. Beide sind vom Typ York C.1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leonard Bridgeman: The Avro Type 685 York. In: Jane's Fighting Aircraft of World War II. Studio, London 1946, ISBN 1-85170-493-0.
  • Donald Hannah: The Avro York. In: Aircraft Profile 168. Profile Publications Ltd., Leatherhead 1967.
  • Harry Holmes: Avro. The History of an Aircraft Company. Second edition, Crowood Press, Marlborough 2004, ISBN 1-86126-651-0.
  • A.J. Jackson: Avro Aircraft since 1908. 2nd edition, Putnam Aeronautical Books, London 1990, ISBN 0-85177-834-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Avro York – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unfallstatistik Avro York, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Juni 2017.
  2. Unfallbericht Avro York G-AHEW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  3. Unfallbericht Avro York LV-XIG, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 29. November 2015.
  4. Unfallbericht Avro York G-AHEZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  5. Unfallbericht Kollision Northolt, DC-6 SE-BDA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 18. Dezember 2018.
  6. Unfallbericht Kollision Northolt, Avro York MW248, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 18. Dezember 2018.
  7. James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 76.
  8. Unfallbericht Avro York MW288, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. März 2019.
  9. James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 79.
  10. Unfallbericht Avro York G-AHEX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  11. Unfallbericht Avro York G-AHFA, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. Januar 2018.
  12. Unfallbericht Avro York G-ANSY, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  13. Unfallbericht Avro York G-AMUV, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  14. Unfallbericht Avro York OD-ADB, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. November 2018.
  15. Unfallbericht Avro York OD-ACN, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Januar 2016.
  16. ICAO Aircraft Accident Digest 15 Volume II, Circular 78-AN/66, S. 29–33
  17. Unfallbericht Avro York OD-ACZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.