Avro York

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Avro 685 York
Avro York
Typ: Verkehrsflugzeug, Transportflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: A.V.Roe & Company
Erstflug: 5. Juli 1942
Stückzahl: 259

Die Avro 685 York war ein britisches Passagier- und Transportflugzeug von 1942. Es gab sowohl zivile als auch militärische Versionen. Die York flog erstmals am 5. Juli 1942.

Die Tragflächen und das Leitwerk stammten von der Avro Lancaster. Da die „York“ einen viel größeren und tieferen Rumpf besaß, musste ein zusätzliches Seitenleitwerk eingebaut werden.

Nutzung[Bearbeiten]

Die erste zivile Variante der York wurde 1944 an BOAC geliefert. Einer der Prototypen war ein fliegendes Konferenzzimmer für Winston Churchill. Das Flugzeug wurde Ascalon genannt und flog Churchill zur Konferenz von Jalta 1945. Andere Yorks wurden von Lord Mountbatten als Vizekönig von Indien benutzt. Weitere Benutzer waren Henry, Duke of Gloucester als Generalgouverneur Australiens sowie Jan Christiaan Smuts, ein südafrikanischer Staatsmann.

Die Royal Air Force nutzte die York für Transportflüge von England nach Indien. Fünfzig zivile und 208 Maschinen für die RAF wurden gebaut. Viele RAF-Maschinen wurden nach der Ausmusterung als zivile Versionen verwendet. Während der Berliner Blockade flogen die Yorks über 58.000 Einsätze, was etwa die Hälfte der britischen Lieferungen an Berlin ausmachte, der Rest wurde meist mit Douglas DC-3 und Handley Page Hastings geflogen.

Die BOAC verwendete in der Nachkriegszeit die Maschinen für Flüge von Kairo nach Durban, die vorher mit Short-Flugbooten durchgeführt worden waren. Weitere zivile Nutzer in Großbritannien waren unter anderem Eagle Aviation, Dan-Air, British South American Airways und Scottish Airlines. Im Ausland wurde die York unter anderem von Trans Mediterranean Airways, Air Liban und Middle East Airlines aus dem Libanon sowie Flota Aérea Mercante Argentina eingesetzt. In Kanada wurde sie von Arctic Wings, Associated Airways, Maritime Central Airways, Pacific Western Airlines, Spartan Air Services und Transair Canada genutzt. Die letzten Maschinen wurden 1964 bei Dan-Air und Skyways außer Dienst gestellt.

Die Militärversionen kamen in Australien, Frankreich, Südafrika und Großbritannien zum Einsatz.

Sonderversionen[Bearbeiten]

  • Die Avro York „Ascalon“ war eine Konferenzmaschine. Sie sollte eine separate Druckkabine bekommen, um Passagieren wie Winston Churchill das Aufsetzen von Sauerstoffmasken zu ersparen. Das Flugzeug war luxuriös mit Telefon, Bar und kleiner Bibliothek ausgestattet. Die Druckkabine aus Aluminium wurde zwar erfolgreich bei Avro getestet, aber aus Zeitgründen nicht eingebaut. Später sollte sie in das Nachfolgeflugzeug Douglas C-54B eingebaut werden, aber der Vertragspartner Armstrong Whitworth entschied sich schließlich dagegen.
  • Die „Endeavour“ genannte York mit der RAF-Seriennummer MW104 flog 1945 nach Australien und wurde das persönliche Flugzeug des Generalgouverneurs von Australien. Es war die einzige Maschine dieses Typs im Dienst der Royal Australian Air Force.

Militärische Nutzer[Bearbeiten]

AustralienAustralien Australien
FrankreichFrankreich Frankreich
Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich

Zwischenfälle[Bearbeiten]

  • 13. April 1947 – Flughafen Dakar-Yoff. Bei der Bruchlandung einer Maschine der BSAA (G-AHEZ) in schlechter Sicht wurden sechs Passagiere getötet, die anderen neun Insassen überlebten.[2]
  • 5. Januar 1949 – Caravelas Bay, Brasilien. Bei der York G-AHEX der BSAA brach im Steigflug ein nicht löschbarer Triebwerksbrand aus. Bei der erforderlichen Notlandung wurden drei Passagiere getötet, die anderen zwölf Insassen überlebten.[3]
  • Am 18. Februar 1956 stürzte die York mit dem Kennzeichen G-ANSY der Scottish Airlines kurz nach dem Start vom Flughafen Malta nach einem Triebwerksschaden ab. Alle 50 Personen an Bord kamen ums Leben.[4]
  • Am 25. Mai 1958 führte die Besatzung der York C.1 der britischen Dan-Air (G-AMUV) auf dem Flug von Karachi nach Delhi wegen eines brennenden Triebwerks nahe Gurgaon (Indien) eine Notlandung durch. Im unebenen Gelände zerbrach die Frachtmaschine, und vier der fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.[5]
  • Am 15. März 1963 flog eine York C.1 der libanesischen Trans Mediterranean Airways (OD-ACZ) zehn Minuten nach dem Start 26 km westlich des Flughafens Teheran-Mehrabad bei gutem Wetter ins Gebirge. Wahrscheinlich wurde durch den als dritter Pilot anwesenden Prüfkapitän ein Triebwerksausfall von Motor Nr. 4 simuliert, gefolgt vom tatsächlichen Ausfall des Triebwerks Nr. 3. Ein rechtzeitiger Wiederstart des intakten Triebwerks Nr. 4 fand offenbar nicht statt. Alle vier Besatzungsmitglieder der Frachtmaschine kamen ums Leben.[7][8]

Technische Daten[Bearbeiten]

York Silh.jpg
Kenngröße Daten
Länge    23,9 m
Spannweite    31,1 m
Tragflügelfläche    111,9 m²
Höhe    5 m
Antrieb    vier Rolls-Royce Merlin XX V-12 mit je 1.280 PS (950 kW)
Höchstgeschwindigkeit    479 km/h in 6.400 m Höhe
Reichweite    4.830 km
Besatzung    fünf Mann, 24 Passagiere
Dienstgipfelhöhe    7.010 m
Leermasse    15.060 kg
Flugmasse    29.480 kg

Erhaltene Exemplare[Bearbeiten]

Momentan werden zwei nicht flugfähige Flugzeuge ausgestellt. Eines steht in der RAF Cosford Collection und das andere im Imperial War Museum Duxford. Beide sind vom Typ York C.1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonard Bridgeman: The Avro Type 685 York. In: Jane's Fighting Aircraft of World War II. Studio, London 1946, ISBN 1-85170-493-0.
  • Donald Hannah: The Avro York. In: Aircraft Profile 168. Profile Publications Ltd., Leatherhead 1967.
  • Harry Holmes: Avro. The History of an Aircraft Company. Second edition, Crowood Press, Marlborough 2004, ISBN 1-86126-651-0.
  • A.J. Jackson: Avro Aircraft since 1908. 2nd edition, Putnam Aeronautical Books, London 1990, ISBN 0-85177-834-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Avro York – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unfallbericht G-AHEW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  2. Unfallbericht G-AHEZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  3. Unfallbericht G-AHEX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  4. Unfallbericht G-ANSY, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. Januar 2016.
  5. Unfallbericht G-AMUV, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.
  6. Unfallbericht OD-ACN, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Januar 2016.
  7. ICAO Aircraft Accident Digest 15 Volume II, Circular 78-AN/66, S. 29–33
  8. Unfallbericht OD-ACZ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 21. Januar 2016.