Avrupa Türk-İslam Birliği

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Logo der ATIB

Die Avrupa Türk-İslam Birliği (ATİB - „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.“) ist ein Dachverband türkisch-islamischer Kulturvereine mit Sitz in Köln. Ihr sind nach eigenen Angaben zufolge bundesweit 123 Moscheevereine angeschlossen [1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband entstand nach der Abspaltung einer Gruppe von Mitgliedsvereinen der Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (ADÜTDF) im Oktober 1987. Die abgespaltenen Vereine schlossen sich am 21. Mai 1988 in Koblenz zur „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine e.V.“ (Türk Islam Dernekleri Birligi – TIKDB) zusammen. Seit 1993 führt der abgespaltene Verband den heutigen Namen.[2]

Selbstbild und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ATİB gibt an, ihr Zweck sei die islamische Religionsausübung und die Förderung der Völkerverständigung. Das Ziel sei die Pflege der kulturellen und religiösen Identität und die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der in den 60er Jahren immigrierten Türken in Europa, sowie ihre Artikulation nach innen und außen. Die ATİB setzt sich nach eigenen Angaben für Toleranz und Freundschaft ein und wendet sich gegen Isolation und Diskriminierung.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Mitglieder wird mit 11.500 angegeben[1], nach Schätzung des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sind es 8-10.000.[3] Die ATİB ist unter anderem Gründungsmitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und im Rat türkeistämmiger Staatsbürger in Deutschland (RTS). Bei den Imamen der von der ATİB betriebenen Moscheen handelt es sich teilweise um Religionsbeamte der türkischen Anstalt für religiöse Angelegenheiten, deren Gehalt zum Teil vom türkischen Staat, zum Teil von der Organisation bezahlt wird.[1]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es sich bei der ADÜTDF um die Auslandsorganisation der Grauen Wölfe handelt, wird ATİB auch heute noch mit diesem Begriff in Verbindung gebracht. Der Verband weist diese Vorwürfe zurück und hat sich von den Gewalttaten der Grauen Wölfe in den 1970er Jahren in der Türkei und der Bundesrepublik distanziert. Das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen hingegen rechnet insbesondere die ATİB dem türkischen Nationalismus der „Grauen Wölfe“ zu, in deren Vereine die Ideologie der „Grauen Wölfe“ gepflegt und vermittelt wird.[4][1][5]

Das deutsch-türkische Onlinemagazin Kozmopolit bezweifelt, dass ATİB die Integration seiner Mitglieder in die deutsche Gesellschaft fördert und wirft der Organisation die Idee einer „nationalistisch – islamistisch geprägten Parallelgesellschaft“ vor.[6] Auch Vertreter der Aleviten und der Armenier kritisieren, ähnlich wie bei den Verbänden Millî Görüş und DİTİB, eine „mangelnde Distanz zu extremistischen Verbänden“ durch ATİB.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Verbände Türkeistämmiger in Deutschland, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  2. Türkischer Nationalismus: 'Graue Wölfe' und 'Ülkücü' (Idealisten)-Bewegung (Memento vom 30. November 2004 im Internet Archive), Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Oktober 2004
  3. Fachtagung „Integration und Islam“ (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive), Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (PDF)
  4. Die „Grauen Wölfe“: Nationalismus und Rechtsextremismus unter türkischen Migranten in Deutschland. Landesamt für Verfassungsschutz Hessen
  5. Rheinische Post, 31. Dezember 2008: Streit um Graue Wölfe im NRW-Elternnetzwerk (Memento vom 17. Mai 2009 im Internet Archive).
  6. http://www.kozmopolit.com/haziran03/Dosya/islamistenatib.html
  7. Streit im Rat der Religionen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 27. Oktober 2008, online