Azure Window

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Azure Window, Landseite

Das Azure Window (maltesisch Tieqa Żerqa, deutsch Blaues Fenster) war ein durch Umwelteinflüsse entstandenes Felsentor im Westen der maltesischen Insel Gozo an der Küste vor der Ortschaft San Lawrenz. Es war etwa 100 Meter lang und 20 Meter hoch. Am 8. März 2017 stürzte das Felsentor während eines Sturms vollständig ein.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Azure Window vor und nach Zerstörung 2017

Die Felsformationen entstanden vor mehreren Millionen Jahren. Der Torbogen sowie die ganze umliegende Felsküste bestehen aus Korallen- und Globigerinenkalk. Das Azure Window und das vorgelagerte Blue Hole bildeten sich durch das Einstürzen zweier großer Höhlen. Die gesamte Steilküste der Insel stellt den letzten Teil einer ehemaligen Landbrücke zwischen Europa und Afrika dar, die vor etwa 13.000 Jahren zum Ende der Würmeiszeit[2] unterbrochen wurde. Zu dieser Zeit bestand die Vegetation aus Misch- und Laubwald und entsprach somit der, die im heutigen Mitteleuropa vorherrscht. In unterschiedlichen Erdzeitaltern variierte der Wasserspiegel stark. Dies ist an fossilen Überresten der umliegenden Steilküste und in unmittelbarer Nähe des Azure Window gut zu erkennen. In der Umgebung des Azure Window sind Versteinerungen alter Seegraswiesen zu besichtigen.

Erosion und Zerfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riesiger Felsabbruch, der nach dem partiellen Einsturz im April 2012 fast bis zur Wasseroberfläche ragt

Das Azure Window war permanent den teilweise sehr starken Umwelteinflüssen wie Wind und heftigen Wellen ausgesetzt. Die Auswirkungen waren fast jährlich durch eine Vergrößerung des Torbogens zu erkennen. Auf älteren Postkarten und Motiven aus den 1960er und 1970er Jahren ist ein Torbogen mit einer stärkeren Decke zu sehen. Die teilweise sehr großen Abbruchstücke zeigen sich besonders unter Wasser. Der über das gesamte Jahr vorherrschende Nordwestwind (Mistral) wirkt sich sehr stark auf die Erosion der Steilküste aus.

Seit dem partiellen Einsturz im April 2012 war das Betreten des Torbogens verboten. Dieses Verbot wurde jedoch so häufig ignoriert, dass das Betreten im Januar 2017 unter Strafe gestellt wurde. Am 8. März 2017 stürzte die Felsformation inklusive dem Großteil des seeseitigen Pfeilers während eines Sturms ein.[3] Personen kamen dabei nicht zu Schaden.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Azure Window, Seeseite

Das Azure Window sowie das ganze Gebiet Dwejra Point sind als Naturpark deklariert. Dabei erlangte Dwejra Point den Status Special Area of Conservation (SAC) (Besonderes Erhaltungsgebiet (BEG)). Das Projekt wurde hauptsächlich von der EU finanziert. Die Gesamtkosten des Projekts lagen bei 321.000 , wobei die Europäische Union 211.000 € beisteuerte. Den Rest finanzierten der Nature Trust Malta und der MEPA (Malta Environment and Planning Authority)[4] Die Ziele des Projekts waren Ende 2016 noch nicht gänzlich erreicht.

Nach wie vor wird im Park vereinzelt illegal harpuniert, und die Küstenfischerei ist ebenfalls noch nicht vollständig kontrolliert. Im Jahr 2010 wurde ein Teil der HBO-Serie Game of Thrones in unmittelbarer Nähe des Azure Window gedreht. Hierbei entstanden Schäden an fossilen Seegraswiesen, auf denen ein Filmset mit Sand und Zeltdorf aufgeschüttet wurde. Nachträglich verurteilte ein Gericht den maltesischen Koordinator und Subunternehmer der Filmaufnahmen zur Zahlung von 36.500 €.[5] Die Summe wurde zur Reinigung des Areals und der Behebung der Schäden verwendet. Der starke touristische Andrang wirkt sich ebenfalls negativ auf die Vegetation sowie die fossilen Tier- und Pflanzenfunde aus.

Marines Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwarm Barrakudas
Großer Bärenkrebs

Das Meer fällt auf der Rückseite des Azure Window abrupt auf Tiefen jenseits von 60 Metern ab. Die großen Abbruchstücke des Torbogens und der umliegenden Steilküste bieten Versteckmöglichkeiten für eine Vielzahl von Meerestieren. Durch unzählige Spalten und Felsen bedingt gibt es viele Langusten und Bärenkrebse. Neben den küstenüblichen Tieren und Lebensformen kommen auch pelagische Vertreter vor. Typische Vertreter sind Arten wie Goldstriemen, Meerjunker, Mönchsfische und Kraken.[6]

Der Europäische Papageifisch, der aus dem Atlantik ins zentrale Mittelmeer kam, ist hier häufig zu beobachten.[7] Er ist an den meisten anderen Mittelmeerküsten nicht so stark vertreten wie um den maltesischen Archipel. Der große Zackenbarsch[8] (Serranus gigas) ist in den letzten Jahren nicht mehr so häufig anzutreffen wie noch vor einigen Jahren. Auf der Rückseite des Azure Window sind pelagische Arten wie die große Bernsteinmakrele[9] (Seriola dumerili), Barrakudas und kleine Thunfische anzutreffen. Bei den niederen Tieren sind viele große Kalkröhrenwürmer zu finden, die in der Größe tropische Vertreter der Art durchaus übertreffen. Die Steilwände sind an vielen Stellen mit bunten Krustenanemonen bewachsen. Häufig sind Kalkrotalgen und Schwämme zu finden.

Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cheirolophus crassifolius, die stark gefährdete Nationalpflanze Maltas

Durch das Fehlen nährstoffreicher Böden ist die Vegetation um das Azure Window äußerst spärlich, hinzu kommt der Einfluss des Mistrals und die daraus resultierende Gischt. Somit wachsen in unmittelbarer Nähe nur wenige, widerstandsfähige Pflanzen. Auf dem Weg talwärts, von San Lawrenz kommend, stehen große Agaven (Agave americana). Relativ häufig ist die Kapernpflanze (Capparis spinosa) in sonnigen geschützten Felsnischen zu finden, vereinzelt kommt auch die Nizza-Fetthenne (Sedum sediforme) vor, die auch in steinigen, kargen Böden überlebt.

Als Besonderheit gilt die „Nationalpflanze Maltas“, Cheirolophus crassifolius. Diese vom Aussterben bedrohte Pflanze ist ausschließlich auf Malta, Gozo und dem Fungus Rock zu finden.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonnenuntergang am Azure Window

Das Azure Window war bis zum 8. März 2017 die touristische Hauptattraktion Gozos. Vor allem bei Tagestouristen aus Malta erfreute es sich einer großen Beliebtheit. Bedingt durch die große Menge an Besuchern kam es zu einem erhöhten Aufwand bei der Abfallentsorgung und einer Mehrbelastung des Areals.

Die lokalen Fischer organisieren Bootsfahrten vom nahe liegenden Inland Sea durch den Inland Sea Tunnel. Dies stellt eine wichtige Nebenerwerbsquelle für die Fischer dar. In der Nähe bieten einheimische Händler verschiedene Waren und Erfrischungen an.

Durch seine Lage an der Westseite der Insel bot das Azure Window eine beeindruckende Kulisse für Sonnenuntergänge.

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachturm in der Nähe des Azure Window; Dwejra Tower

In unmittelbarer Nähe des Azure Window befindet sich der Fungus Rock, ein großer Fels im Meer, auf dem mehrere endemische Pflanzen- und Tierarten leben.

Zwischen dem Azure Window und Inland Sea steht eine kleine Kirche.

Etwas höher befindet sich ein alter Wachturm des Johanniterordens. Der als Dwejra Tower bezeichnete Turm wurde 1652 während der Herrschaft des Großmeisters Jean de Lascaris-Castellar fertiggestellt.[10][11] Der Turm sollte einen Küstenabschnitt, der für eine Landung feindlicher Truppen oder von Korsaren geeignet war, überwachen und die Garnison in Victoria alarmieren. Zu diesem Zweck wurde der Turm in Sichtweite anderer Türme errichtet. Die Alarmierung erfolgte tagsüber durch den Abschuss einer kleinen Kanone oder Muskete, nachts durch Entzünden eines Leuchtfeuers. Zur Verteidigung war der Dwejra Tower ebenso wie die anderen Lascaris Towers nur bedingt geeignet, da konstruktionsbedingt keine schweren Waffen aufgestellt werden konnten.[10][12][13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans E. Latzke: ADAC Reiseführer Plus Malta, Malta, Cozo, Comino, Kirchen, Paläste, Tempel, Museen, Strände, Feste, Cafés und Bars, Hotels, Restaurants. ADAC bei Travel House Media, München 2115, ISBN 978-3-95689-120-5 / ISBN 978-3-89905-887-1.
  • Lawson Wood: Sea Fishes and Invertebrates of the maltese Islands and the Mediterranean Sea, Bloomsbury, London 2015, ISBN 978-1-472-92178-9.
  • Hans E. Latzke: DuMont Reise-Taschenbuch Malta mit Gozo und Comino. 3. Auflage, DuMond, Ostfildern 2004, ISBN 978-3-7701-5972-7.
  • Ernle Bradford: Der Schild Europas – der Kampf der Malteserritter gegen die Türken 1565. Wundrelich, Tübingen 1965; Universitas, Berlin 1976; Ullstein Frankfurt 1999, ISBN 3-548-34912-9.
  • Werner Lips: Malta, Gozo, Comino. Reise-Know-How-Verlag Rump, Bielefeld - Brackwede 1999, ISBN 3-89416-659-2.
  • Guido G. Lanfranco: Il-Hut Madwar Malta. The Fish Around Malta, Allied Publications, Valletta 1993, 1999, ISBN 978-99909-3-146-4, maltäsisch und englisch.
  • Heinz Gstrein: Malta, mit Gozo und Comino (= Walter Reiseführer). Herder, Freiburg im Breisgau u.a. 1992, ISBN 978-3-451-22758-5.
  • Claus Valentin: Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, Zeichnungen: Rosella Faleni, Hartmut Sönnichsen, Parey, Hamburg / Pacini, Piza 1986, 1990, ISBN 3-490-12018-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Azure Window – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Watch: The Azure Window is lost and gone forever. Times of Malta, 8. März 2017, abgerufen am 8. März 2017 (englisch).
  2. Steinzeitung: Eiszeiten, abgerufen am 21. Februar 2013.
  3. Allied Newspapers Ltd: The Azure Window: lost and gone forever. In: Times of Malta. (timesofmalta.com [abgerufen am 8. März 2017]).
  4. Dwejra – A Coastal Nature Park (pdf).
  5. Dwejra sand saga cost local production company €36,500., veröffentlicht am 25. April 2011 auf www.timesofmalta.com.
  6. Claus Valentin: Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, 1986.
  7. Guido G. Lanfranco: The Fish Around Malta, 1993, S. 43, Tafel 28.
  8. Claus Valentin: Faszinierende Unterwasserwelt des Mittelmeeres, 1986, S. 137.
  9. Sea Fishes and Invertebrates of the maltese Islands and the Mediterranean Sea, Lawson Wood, 2002, S. 100
  10. a b Stephen C. Spiteri: Mgarr ix-Xini Tower, Gozo auf Military Architecture (englisch)
  11. Dín l-Art Ħelwa, Dwejra Tower, Gozo (englisch)
  12. Stephen C. Spiteri: Naxxar and its fortifications auf Military Architecture (englisch)
  13. Stephen C. Spiteri: Madliena Tower - Malta’s ‘Martello’ Tower auf Military Architecture (englisch)

Koordinaten: 36° 3′ 14″ N, 14° 11′ 19″ O