Maltesische Sprache

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Malti ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Psychotherapeutin und Entwicklungspsychologin siehe Tina Malti.
Maltesisch (Malti)

Gesprochen in

Malta
Sprecher mehr als 400.000
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von MaltaMalta Malta
Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union
Sprachcodes
ISO 639-1:

mt

ISO 639-2:

mlt

ISO 639-3:

mlt

Maltesisch (Eigenbezeichnung: Malti) ist die Sprache Maltas. Sie ist ursprünglich aus einem arabischen Dialekt (Maghrebinisch) entstanden und gehört somit zu den semitischen Sprachen.

Das Maltesische ist einerseits die einzige autochthone semitische Sprache in Europa sowie andererseits auch die einzige semitische Sprache weltweit, die lateinische Buchstaben verwendet.

Maltesisch ist eine der Amtssprachen der Europäischen Union.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maltesisch ist aus dem maghrebinischen Arabisch entstanden und hat sich zu einer eigenständigen Sprache mit Besonderheiten in Syntax und Phonologie entwickelt, die es vom Arabischen abheben. Dennoch ist die Grundstruktur des Maltesischen, insbesondere die Formenbildung, semitisch. Der Wortschatz wurde vom Mittelalter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein vom Italienischen (zunächst besonders vom Sizilianischen) und seit der Besetzung Maltas durch die Briten in napoleonischer Zeit auch zunehmend vom Englischen beeinflusst. Oft wird behauptet, dass sich auch aramäische, phönizisch-punische und weitere vorarabische Wortstämme im Maltesischen finden; als Beispiele hierfür werden u.a. die Namen der beiden Hauptinseln „Malta“ und „Gozo“ angeführt, deren Ursprung jedoch nicht eindeutig geklärt ist – Malta von griech. melita/Biene oder pun. malat/Zuflucht? Tatsächlich sind fast alle semitischen Wurzeln, die zuweilen als vorarabisch angenommen werden, gemeinsemitisches Sprachgut, das sowohl im Punisch-Kanaanäischen und Aramäischen als auch im Arabischen vorkommt und dessen Präsenz im Maltesichen durchaus mit einer Herkunft direkt aus dem Arabischen begründet werden kann. Schriftliche Belege für eine ältere Herkunft gibt es nicht, so wie auch die sprachlichen Verhältnisse sowohl in der Antike als auch zur Zeit der arabischen Eroberung im Mittelalter in Ermangelung entsprechender Dokumente ungeklärt sind: Sprach man in der Antike neben Punisch auch Griechisch auf Malta? Wurde Malta durch die Araber neu besiedelt, sodass anzunehmen wäre, dass Maltesisch allein arabische und bis auf ältere topographische Namen keine vorarabischen Ursprünge aufweist? Oder gab es bei der Ankunft der Araber noch Reste einer punischsprachigen Bevölkerung, die das Punische allmählich zugunsten des Arabischen aufgaben und das maltesische Arabisch mit punischen Wörtern bereicherten? Die Punierthese wird gern ins Feld geführt, wenn Malta gegenüber der muslimischen Welt als Außenposten des Okzidents abgegrenzt werden soll.

Nach der Eroberung und wahrscheinlichen Neubesiedlung Maltas durch die Araber ab 870 entwickelte sich auf Malta aus dem Arabischen eine eigenständige lokale Umgangssprache. Handelte es sich zunächst noch um einen arabischen Dialekt, so löste sich das Maltesische durch die Christianisierung der Bevölkerung und ihre Anbindung an den katholisch-europäischen Kulturraum allmählich aus dem Einflussbereich der arabischen Hochsprache und Bildung. Diese wurden von europäischen Einflüssen abgelöst. Seit der politischen Anbindung an Sizilien (und später an das Königreich Aragón) ab dem 11. Jahrhundert mit der Zuwanderung sizilianischer Adelsfamilien, die das Land verwalteten, war das Italienische, zunächst in seiner sizilianischen Ausprägung, auf Malta präsent. Französisch gewann eine gewisse Bedeutung als Verbindungssprache der maltesischen Bevölkerung zum geistlichen Ritterorden der Johanniter, denen die Herrschaft über die Inseln 1530 übertragen wurde und die überwiegend französisch geprägt waren. 1814 wurde Malta britische Kronkolonie und damit Englisch neue Verwaltungssprache. Italienisch behielt daneben ebenfalls wichtige Funktionen, etwa als Gerichtssprache, und blieb die Bildungssprache der einheimischen Oberschicht. Trotzdem ist Maltesisch in der Regel die Muttersprache und Alltagssprache der maltesischen Bevölkerung. Die englischen Kolonialherren förderten die Standardisierung und Verschriftlichung der maltesischen Sprache, um den Einfluss des Italienischen, italienischer Zeitungen und Bücher und damit der faschistischen Regierung Italiens zurückzudrängen. 1924 wurden verbindliche Rechtschreibregeln erlassen. 1934 wurde Maltesisch Amtssprache neben dem Englischen, das heute vor allem in der höheren Schulbildung und der Hochschulbildung als Unterrichtssprache (neben dem Maltesischen) eine wichtige Rolle spielt, ebenso im Fernhandel, technischen Berufen und dem Tourismusgewerbe. Die italienische Sprache verlor ihren Status als offizielle Sprache Maltas 1934, wird aber noch von vielen Maltesern beherrscht und in den Schulen als Fremdsprache gelernt; etwa die Hälfte der maltesischen Kinder wählt es als dritte Sprache nach Maltesisch und Englisch, während Französisch und Deutsch deutlich seltener belegt werden. Das italienische Fernsehen und der italienische Rundfunk spielen bei der Verbreitung italienischer Sprachkenntnisse auf Malta eine wichtige Rolle. Ohnehin erleichtern die zahlreichen italienischen Lehnwörter im Maltesischen das Verstehen der Sprache des Nachbarlandes. In Zusammenhang mit der Unabhängigkeit Maltas von Großbritannien (1964) und der Abschaffung der Monarchie (bis 1974 war die englische Königin Staatsoberhaupt Maltas) verfolgte die Regierung eine Zeitlang die Annäherung an Libyen und führte Arabisch als Schulfach ein. Heute ist der Prozentsatz der Arabischschüler jedoch äußerst gering; entsprechend hat das moderne Standardarabisch keinen spürbaren Einfluss auf die weitere Entwicklung der maltesischen Sprache.

Seit dem 1. Mai 2004 ist Maltesisch eine der Amtssprachen in der EU. Vielen der rund 1,5 Millionen maltesischstämmigen Menschen außerhalb Maltas dient das Maltesische auch fern der Heimat ihrer Vorfahren als Identifikationssymbol. Maltesisch und Englisch sind nach der Verfassung des Staates Malta gleichberechtigte Verwaltungssprachen, Maltesisch hat zudem den Status der Nationalsprache. Dementsprechend finden die Debatten der Volksvertretung, des maltesischen Parlaments, auf Maltesisch statt.

Alphabet und Aussprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einzige semitische Sprache wird Maltesisch mit lateinischen Buchstaben geschrieben, besitzt aber die Sonderzeichen Ċ/ċ, Ġ/ġ, Ħ und Ż/ż sowie den Digraphen Għ/għ, der ebenfalls als eigener Buchstabe behandelt wird. In manchen italienischen Lehnwörtern werden außerdem die mit einem Akzent besetzten Buchstaben à, è, ì, ò, ù im Auslaut verwendet.

Bei der Aussprache ist zu beachten (IPA-Lautschrift):
': ​[⁠ħ⁠]​, tritt nur am Ende des Wortes auf und steht dort anstelle von
c: ​[⁠dz⁠]​, fast wie z, jedoch stimmhaft wie in ital. zucchero, tritt in italienischen Lehnwörtern auf
ċ: ​[⁠⁠]​, wie tsch in deutsch, tritt in italienischen Lehnwörtern auf
e: ​[⁠ɛ⁠]​, wie ä in Äpfel
ġ: ​[⁠⁠]​, wie dsch in Dschungel
għ: bezeichnete ursprünglich einen Kehllaut (aus arabisch Ain (ع) und Ghain (غ) hervorgegangen); heute wird es von den meisten Sprechern als Vokal ausgesprochen, d.h. es äußert sich in einer Längung des vorangehenden oder folgenden Vokals oder bildet mit ihm einen Diphthong, z.B. għi ​[⁠ɛi⁠]​, għu []; am Ende des Wortes ähnelt die Aussprache ħ
h: stumm
ħ: ​[⁠ħ⁠]​, stark gehauchtes h, zwischen deutschem h und ch in Bach (wie arabisch Ḥa (ح))
j: ​[⁠j⁠]​, wie deutsches j
o: ​[⁠ɔ⁠⁠]​, wie o in Ort
q: ​[⁠ʔ⁠]​, sehr deutlicher Glottisschlag (wie im deutschen ver(')eisen im Gegensatz zu verreisen), geht auf das in vielen arabischen Varietäten abgeschwächte oder verstummte Qaf (ق) zurück
r: ​[⁠r⁠]​, gerolltes r, bei manchen Sprechern auch retroflex und dem englischen r nahestehend, aber nicht mit diesem identisch
s: ​[⁠s⁠]​, immer stimmlos wie in Gras
v: ​[⁠v⁠]​, wie w in Wasser
w: ​[⁠w⁠]​, wie engl. w, z.B. in water
x: ​[⁠ʃ⁠]​, wie sch in schön
y: ​[⁠ʒ⁠]​, wie g in Etage
z: ​[⁠ts⁠]​, wie z in Zunge
ż: ​[⁠z⁠]​, wie stimmhaftes s in Rose

Diphtonge:
aw: [], wie au in Haus
ew: [ɛʊ], ein getrennt gesprochenes e-u, nicht wie deutsches eu; entspricht kurzem e wie in „hell“, auf das kurzes u wie in „Kuss“ folgt
ie: [iɛ, iː], getrennt zu sprechen als i-e; gelegentlich auch nur ein langes i mit leichter Tendenz zu e

Stimmhafte Laute werden stimmlos, wenn sie im Auslaut stehen, etwa d > t und b > p.

Wortschatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiele für Wörter arabischen Ursprungs:

  • belt („Ort, Stadt“) < بلد balad
  • ħobż („Brot“) < خبز ḫubz
  • id („Hand“) < يد yad
  • kelma („Vokabel, Wort“) < كلمة kalima
  • kbir („groß“) < كبير kabīr
  • marid („krank“) < مريض marīḍ
  • marsa („Hafen“) < مرسى marsan („Ankerplatz“)
  • qamar („Mond“) < قمر qamar
  • raġel („Mann“) < رجل raǧul
  • saba' („Finger“) < إصبع ʾiṣbaʿ
  • sema („Himmel“) < سماء samāʾ
  • tajjeb („gut“) < طيب ṭayyib
  • tifla („Mädchen“) < طفلة ṭifla („kleines Mädchen“)
  • tqil („schwer“) < ثقيل ṯaqīl
  • wieħed („eins“) < واحد wāḥid
  • xahar („Monat“) < شهر šahr

Beispiele für Wörter italienischen Ursprungs:

  • avukat (Rechtsanwalt) < avvocato, Sizil. abbucatu
  • frotta („Frucht“) < frutto
  • gravi („wichtig, bedeutend“) < grave, Sizil. gravi
  • griż („grau“) < grigio
  • kriżi („Krise“) < crisi
  • lvant („Osten“) < levante
  • natura („Natur“) < natura
  • parti („Anteil, Teil“) < parte, Sizil. parti
  • skola („Schule“) < scuola, Sizil. scola

Siehe auch:

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die markanteste Besonderheit des Maltesischen im Unterschied zu den indoeuropäischen Sprachen ist das Prinzip des Trilitteru und Kwadrilitteru, das besagt, dass Wörter aus dem gleichen Bedeutungsfeld identische Wortwurzeln (Radikale) enthalten, die jeweils aus drei oder vier Konsonanten bestehen. Wortstämme in europäischen Sprachen bestehen in der Regel aus Konsonanten und Vokalen, die in abgeleiteten Formen und Wörtern in der Regel konstant bleiben; Ableitungen werden hier durch das Hinzufügen von Vor- und Nachsilben oder durch das Zusammensetzen mehrerer Wörter gebildet. Die Unterscheidung der Wörter eines Wortfeldes im Maltesischen geschieht hingegen insbesondere durch die zwischen die Wurzelkonsonanten gestellten, je nach Bedeutung differierenden Vokale; hinzu kommen ggf. Morpheme, die der Wurzel voran- oder nachgestellt werden (Prä- und Afformative, d.h. Vor- und Nachsilben). Dieses Prinzip ist typisch für die semitische Sprachfamilie. Beispiel: aus der Wurzel ktb (Grundbedeutung: schreiben) abgeleitete Wörter: ktibt „ich schrieb“, kiteb „er schrieb“, kitbet „sie schrieb“, miktub „geschrieben“ (Partizip Passiv), kittieb „Schreiber“, kitba „Dokument“, ktieb „Buch“, kotba „Bücher“, ktejjeb „Heft“.

Die semitische Wortbildung und Flexion wird auch weitgehend auf die zahlreichen romanischen und englischen Lehnwörter angewandt. Vgl. etwa nitkellem / titkellem / jitkellem / titkellem / nitkellmu / titkellmu / jitkellmu (ich spreche / du sprichst / er spricht / sie spricht / wir sprechen / ihr sprecht / sie sprechen) von der semitischen Wurzel klm (Grundbedeutung: sprechen, Wort) mit dem aus dem Englischen entlehnten to book: Ich reserviere / du reservierst / er reserviert / ... heißt nibbukkja / tibbukkja / jibbukkja / tibbukkja / nibbukkjaw / tibbukkjaw / jibbukkjaw. Die in den beiden Wortreihen erkennbaren Vorsilben n(i)- / t(i)- / j(i)- / t(i)- sind die in den meisten semitischen Sprachen auftretenden Morpheme, die das Verb im Imperfekt (= nicht abgeschlossene Handlung, Präsens/Futur) der 1., 2., 3. Person zuordnen. Im Plural gibt es außerdem eine Endung (-u oder -w), um ihn vom Singular zu unterscheiden. In allen semitischen Sprachen werden nicht nur originär semitische, sondern auch Lehnwörter, insbesondere Verben, nach diesem Prinzip behandelt. Das Maltesische bewahrt jedoch dabei in der Regel den fremden Vokalismus des Wortstamms, während in den Schwestersprachen die zur jeweiligen Konjugation gehörenden und bei allen Verben dieser Konjugation auftretenden Vokale im Wortstamm, der Wurzel, stehen müssen, also vom europäischen Wortstamm tatsächlich nur die Konsonanten erhalten bleiben; z.B. hebr. jetalfen, tetalfen, tilfen, tilfanti (er wird telefonieren, sie wird telefonieren, er telefonierte, ich telefonierte) usf.

Während das Präsens/Futur mit Präformativen gebildet wird (Präformativkonjugation), wird die Vergangenheit als Afformativkonjugation beschrieben. An alle Verben, ob regelmäßig oder unregelmäßig, treten dieselben Endungen, mit denen die Person, der Numerus und zum Teil auch das Genus des Handelnden angezeigt wird. Nur die 3. Pers. masc. Sing. hat keine Endung; sie ist somit die einzige Form des Verbs ohne temporales Prä- oder Afformativ und lässt den Wortstamm am deutlichsten erkennen. Z.B. (jien, jiena) ktibt / (int) ktibt / (hu) kiteb / (hi) kitbet / (ahna) ktibna / (intu) ktibtu / (huma) kitbu = (ich) schrieb / (du) schriebst / (er) schrieb/ (sie) schrieb / (wir) schrieben / (ihr) schriebt / (sie) schrieben; ebenso: tkellimt / tkellimt / tkellem / tkellmet / tkellimna / tkellimtu / tkellmu = sprach / sprachst / sprach / .... Die bei allen Verben wiederkehrenden Endungen sind demnach -t / -t / - / -(e)t / -na / -tu / -u. (Letzteres kann -w lauten, wenn ein Vokal vorausgeht.)

Im zweiten Beispiel, das von der Wurzel klm abgeleitet ist, wird außerdem sichtbar, dass es Konjugationen gibt, in denen die Verben in allen Formen zusätzlich zur tempustypischen Vor- und/oder Nachsilbe ein konjugationstypisches Präformativ tragen. Im Fall von klm mit der Bedeutung sprechen ist dies t-, das unmittelbar vor die Wurzel tritt. (Er) sprach lautet somit tkellem (Konjugationspräformativ + Stamm), während im Präsens/Futur außerdem die temporale Vorsilbe (n- / t- / j- / t-), die neben dem Tempus auch die Person und in der 3. Pers. Sing. das Genus anzeigt, vorangestellt wird: nitkellem / titkellem / ... (Tempuspräformativ + Konjugationspräformativ + Stamm). Diese Art der Konjugationsbildung ist ein Charakteristikum der semitischen Sprachen. Das Maltesische kennt insgesamt zehn Konjugationen (Form I–X), von denen mehrere mit einem Konjugationspräformativ gebildet werden. Andere zeichnen sich durch die Längung des Vokals zwischen erstem und zweitem Wurzelkonsonanten oder die Verdopplung des mittleren Wurzelkonsonanten aus. Letzteres ist auch in tkellem und allen anderen Formen des Verbs sprechen erkennbar.

Erhalten hat sich im Maltesischen auch die für die semitischen Sprachen typische Anhängung von Pronominalsuffixen; echte Personalpronomen gibt es nur im Nominativ (jiena / int / huwa usf. für ich / du / er usf.). Die Suffixe können an Präpositionen, aber auch an Verbformen treten, z.B.: tqarribna = sie bringt uns näher (-na ist Pronominalsuffix); f’ (in) > fiha = in ihr (-ha ist Pronominalsuffix). Kaum erhalten ist hingegen die klassische Possessivbildung, z.B. arab. daar(u)hum = ihr (Pl.) Haus. Stattdessen wird dem Substantiv der Artikel vorangestellt, um es zu determinieren, und hinter das Substantiv tritt dann als selbstständiges Wort die Präposition ta’ mit dem Suffix, also id-dar taghhom = das Haus von ihnen (-hom ist Pronominalsuffix).

An anderer Stelle wurde das Suffixsystem ausgebaut. Entgegen dem klassischen arabischen Sprachgebrauch, in dem i.d.R. nur Personalpronomen im Akkusativ an Verben angehängt werden, haben sich im Maltesischen zusätzlich Dativsuffixe gebildet. Sie gehen auf die klassisch-arabische Präposition ila (für, zu), zu l- gekürzt, zurück, an die das eigentliche Pronominalsuffix angehängt wird, z.B.: nipprezentalek = ich stelle dir vor (-lek ist Pronominalsuffix im Dativ, bestehend aus der früheren Präposition -l- und dem Suffix -ek).

Wie im Arabischen gibt es keinen unbestimmten Artikel. Die Grundform des bestimmten Artikels lautet il- (z.B. il-jum = der Tag). Wie im Arabischen wird das -l- des Artikels an Dentalkonsonanten assimiliert, d.h. an d, t, n, x, z, s, r, wenn diese dem Artikel unmittelbar folgen wie in id-dinja (die Welt), is-sena (das Jahr), ix-xems (die Sonne) u.ä.. Sonst ist -l- immer erhalten (il-karozza = das Auto, il-bint = die Tochter, il-ħbieb = die geliebten Menschen u.ä.). Wenn das vorherige Wort mit einem Vokal endet, entfällt das i- im Anlaut des Artikels. Es entfällt ebenfalls, wenn das folgende Wort mit einem Vokal anlautet. In beiden Fällen lautet der Artikel nur l- (l-istudenti u l-professuri = die Studenten und die Professoren u.ä.) bzw. d-, t-, n-, x-, z-, s- oder r-, wenn wie oben erläutert assimiliert werden muss.

In Auflösung befindet sich die doppelte Determination des Arabischen; darin steht der bestimmte Artikel nicht nur vor dem Substantiv, sondern auch vor dem anschließenden Adjektiv. Erhalten ist sie noch in feststehenden Wendungen und Begriffen wie l-assedju l-kbir (die Große Belagerung von 1565), il-Milied it-tajjeb (frohe Weihnachten), l-ikla t-tajba (guten Appetit), is-saba' l-kbir (der große Finger, der Daumen). Normalerweise steht der bestimmte Artikel nur noch vor dem Substantiv, nicht aber vor dem folgenden Adjektiv, also stets zu Beginn der Substantiv-Adjektiv-Phrase, z.B. id-dar ħamra qadima statt älterem id-dar il-ħamra l-qadima (das alte rote Haus). Steht aus idiomatischen Gründen das Adjektiv ausnahmsweise vor dem Substantiv, so erscheint der Artikel auch in diesen Fällen am Anfang der Phrase, d.h. vor dem Adjektiv und nicht vor dem Substantiv, z.B. it-tieni gwerra dinjija (der Zweite Weltkrieg).

Die semitische Genitivverbindung (Konstruktus) ist fast völlig verschwunden und wird unter Verwendung der Präposition ta' (von) , mit Artikel tal- oder je nach Assimilation tad-, tat-, tan- u.ä. umschrieben, z.B. il-ktieb tal-bint (das Buch von der Tochter) statt klassisch-arabisch kitaab al-bint (der Tochter Buch). Im Konstruktus steht der Artikel nur vor seinem letzten Glied; bei der Umschreibung mit ta’ (von) steht er sowohl vor dem ersten als auch vor dem zweiten Glied der Phrase. Genitivverbindungen der klassischen Art sind selten, meist handelt es sich hierbei um feststehende Begriffe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arne A. Ambros: Bonġornu, kif int? Einführung in die maltesische Sprache. Wiesbaden: Reichert 1998, ISBN 3-89500-085-X
  • Arne A. Ambros: Bonġornu, kif int? Einführung in die maltesische Sprache. Schlüssel und Wörterverzeichnis. Wiesbaden: Reichert 2006, ISBN 3-89500-534-7
  • Manfred Moser: Dizzjunarju Wörterbuch = Malti-Ġermaniż/Maltesisch-Deutsch; Deutsch-Maltesisch/Ġermaniż-Malti. Megħjun minn Christopher Meilak. – San Ġwann, Malta: Publisher Enterprises Group (PEG) Ltd 1999; ISBN 99909-0-176-7
  • Manfred Moser: Malti-Ġermaniż – Dizzjunarju kbir / Deutsch-Maltesisch – Großes Wörterbuch. Unter Mitw. von Sharon Meyer und Joe Felice-Pace. – Wiesbaden: Reichert 2005, ISBN 9783895004681
  • Manfred Moser: Malti-Ġermaniż – Dizzjunarju kbir / Deutsch-Maltesisch – Großes Wörterbuch. Interaktives E-Book. – Wiesbaden: Reichert 2015, ISBN 9783954901029
  • Brigitte Ohk: Sprechen Sie Maltesisch? Qormi: Kimmik, 1995.
  • K. Ohk: Kauderwelsch Band 117. Maltesisch. Wort für Wort. Bielefeld: Reise Know-How Verlag Rump 2001, ISBN 3-89416-568-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikipedia auf Maltesisch