Bahamas (Zeitschrift)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bahamas
Bahamas Logo
Erstausgabe 1992
Erscheinungsweise 2–3x/Jahr
Weblink www.redaktion-bahamas.org
ISSN 1614-7057

Bahamas ist eine politische Zeitschrift, die zwei- bis dreimal jährlich in Berlin erscheint. Seit 2009 versteht sich die Zeitschrift ihrem programmatischen Vordenker Justus Wertmüller zufolge als ideologiekritisch im Sinne der Kritischen Theorie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Bahamas 1992 in Hamburg durch die damals von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes (KB) gebildete Gruppe K. Sie war hervorgegangen aus den 1990 im KB geführten Auseinandersetzungen um das Verhalten zur sich abzeichnenden Wiedervereinigung Deutschlands: Während die Mehrheitsströmung auf ein Zusammengehen mit der Linken des Ostens (PDS) und eine Ausrichtung auf die von ihr erwartete soziale Opposition gegen die Folgen der Wiederherstellung des Kapitalismus setzte, sah die Minderheit angesichts einer wahrgenommenen Marginalisierung der Linken eine radikale Opposition gegen die deutsche Einheit, den neuen Nationalismus, das Wiedererstarken von Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus und das neue deutsche Großmachtstreben als geboten an. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein exponierter Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer pessimistischen Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die KB-Minderheit/Gruppe K griff dies ironisch in der Namensgebung ihres Publikationsorgans auf[1]. Ein Mitglied und Mitherausgeber war damals der später bekannter gewordene Journalist Jürgen Elsässer, der 1990 im Vorläufer, der KB Zeitung Arbeiterkampf, den programmatischen Artikel „Warum die Linke antideutsch sein muß“, geschrieben hat.[2]

In den ersten Jahren stellte die Bahamas ein pluralistisches Diskussionsorgan von Kräften der radikalen Linken unterschiedlicher Herkunft mit gemeinsamer Orientierung auf Opposition gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus sowie ihre Verharmlosung in Teilen der traditionellen Linken dar. Nach und nach wandelte sich jedoch die Ausrichtung der Redaktion in Richtung der Positionen der Freiburger Initiative Sozialistisches Forum. Unter Berufung auf die Kritische Theorie,[3] insbesondere Theodor W. Adorno, wurde eine weitergehende Distanzierung von überkommenen Positionen der Linken vollzogen und nun der Antisemitismus in den Fokus gerückt. Die meisten ehemaligen KB-Mitglieder verließen daraufhin die Redaktion.

Zum für die Zeitschrift verbindlichen theoretischen Kern wurde die Auffassung, dass Kapitalismuskritik nur dann „emanzipatorisch“ sei, wenn ihr eine theoretische Einsicht in den „Fetischismus“ des kapitalistischen Produktionsverhältnisses zugrunde liegt und wenn sie die progressiven Leistungen der liberalen bürgerlichen Gesellschaft, nämlich die Emanzipation des Individuums aus naturwüchsigen Lebensformen und Kollektiven, bejaht und weiterführt; gemeinhin also über den Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft hinaus und nicht hinter sie zurück will. Fetischisierte Kapitalismuskritik, die an der Zirkulationssphäre (Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, moralischer Protest gegen ausbeuterisches Verhalten, Streben nach solidarischen Wertegemeinschaften) ansetzt, wird dagegen als „völkisch“ und „antisemitisch“ angegriffen. Deutschland gilt als Inbegriff des „völkischen“ Prinzips (Staatsbürgerschaft auf der Grundlage der Abstammung). Als positives Gegenmodell fungierte in der Bahamas zunächst Frankreich als republikanische, auf Bürgerrechten statt auf eine Abstammungsgemeinschaft gegründete Nation. Vor allem aber wurde die bedingungslose Solidarität mit Israel zum obersten Prinzip.[4]

Im Verlauf der Verschärfung der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten thematisierte die Bahamas-Redaktion verstärkt den Islamismus und seine Vertreter als „djihadistischen“ Feind der modernen Zivilisation und zog Parallelen islamischer Denkstrukturen und Organisationen zum Faschismus und Nationalsozialismus. Damit einher ging schließlich eine Parteinahme für die USA und ihren „Krieg gegen den Terror“.

Die ursprüngliche (Hamburger) Bahamas-Redaktion aus dem früheren KB räumte ein, dass der Linken gerade in Deutschland in der Situation einer schweren historischen Niederlage nichts anderes übrig bleibe, als ein Dasein als radikale und „unpopuläre“ Minderheit ohne die traditionell in der „Arbeiterklasse“, in „unterdrückten Völkern“ und „sozialistischen Staaten“ imaginierten Verbündeten zu akzeptieren, um kompromisslose Opposition gegen Kapital, Nation, Rassismus usw. betreiben zu können. Demgegenüber vertritt die heutige (Berliner) Redaktion die Auffassung, dass die unerlässliche Mindestvoraussetzung künftiger „emanzipatorischer“ Veränderungen der Erhalt der bereits erkämpften individuellen Rechte sei, also die Verteidigung der Zivilisation gegen regressive „antisemitische“, „völkische“ und „faschistische“ Tendenzen.

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren der Zeitschrift Bahamas sind[5]

  • Matthias Achersleben
  • Klaus Anton
  • Stefan Baum
  • Thomas Becker
  • Andreas Benl
  • Reinhold Brenner
  • Joachim Bruhn
  • Berthold Brunner
  • Manfred Dahlmann
  • Andrea Dielle
  • Devi Dumbadze
  • Knut Egbers
  • Rajko Eichkamp
  • Ulrich Enderwitz
  • Mark Felton
  • Paulette Gensler
  • Jan-Georg Gerber
  • Knut Germar
  • Nina Grebe
  • Stephan Grigat (3 Artikel bis 1999)
  • Dominique Goubelle
  • Tina Heinz
  • Jörg Huber
  • Martin Janz
  • Nicole Jesen
  • Jovan Jovanovic
  • Franz Katz
  • Fabian Kettner
  • Magnus Klaue
  • Katharina Klingan
  • Christian Knoop
  • Michael Koltan
  • Uli Krug
  • Matthias Küntzel (Bahamas Nr. 39 Herbst 2002)
  • Tjark Kunstreich
  • Carlos Kunze
  • Anton Landgraf
  • Daniel Laskell
  • Lisa Lübars
  • Marcel Malachowski
  • Thomas Maul
  • Felix Mauser
  • Mario Möller
  • Jurek Molnar
  • Elfriede Müller (bis Bahamas Nr. 23 Sommer 1997)
  • Clemens Nachtmann
  • Karl Nele
  • Horst Pankow
  • Sonja Petersen
  • Mario Poggia
  • Sören Pünjer
  • Lars Quadfasel
  • Samuel Salzborn
  • Gerhard Scheit
  • Birgit Schmidt
  • David Schneider
  • Sabine Schulzendorf
  • Kerstin Stakemeier
  • Martin Stobbe
  • Stefan Vogt
  • Bernd Volkert
  • Christian Wagner
  • Ingo Way
  • Klaus Wehmeier
  • Justus Wertmüller
  • Heinz Willemsen
  • Jutta Willutzki
  • Natascha Wilting
  • Philippe Witzmann
  • Murat Yörük

Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 erwähnte der Verfassungsschutz NRW die Bahamas in der Publikation Die Antideutschen - kein vorübergehendes Pänomen als Szeneblatt des linksradikalen Spektrums der Antideutschen.[6] Rudolf van Hüllen ordnet die Bahamas innerhalb der linksradikalen Szene als „informelle[s] idiologische[s] Zentralorgan der Antideutschen“ ein.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Schmid: Deutschlandreise in die „Bahamas“. Vom Produkt der Linken zur neo-autoritären Sekte. In: Gerhard Hanloser (Hrsg.): „Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken“. UNRAST-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-89771-432-9, S. 25.
  2. Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 226f.
  3. Justus Wertmüller: Bahamas – Ideologiekritisch und sonst nichts. In: redaktion-bahamas.org. 57/2009, abgerufen am 3. Januar 2016.
    Jörn Schulz: Tagung: Radikal pro Israel – Jüdische Allgemeine. In: juedische-allgemeine.de. 20. Februar 2014, abgerufen am 3. Januar 2016.
  4. Redaktion Bahamas: Für Israel – Gegen die palästinensische Konterrevolution. Abgerufen am 29. April 2016.
  5. http://www.redaktion-bahamas.org/heft/
  6. Innenministerium NRW: Die Antideutschen - kein vorübergehendes Pänomen, mik.nrw.de, Oktober 2006.
  7. Bundeszentrale für politische Bildung: "Antiimperialistische" und "antideutsche" Strömungen im deutschen Linksextremismus, bpb.de, 5. Januar 2015.