Bahamas (Zeitschrift)

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Bahamas
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Erstausgabe 1992
Erscheinungsweise 2–3x/Jahr
Weblink www.redaktion-bahamas.org
ISSN 1614-7057Vorlage:Infobox Publikation/Unspezifische ISSN-Angabe

Bahamas ist eine politische Zeitschrift, die zwei- bis dreimal jährlich in Berlin erscheint. Seit 2009 versteht sich die Zeitschrift ihrem programmatischen Vordenker Justus Wertmüller zufolge als ideologiekritisch im Sinne der kritischen Theorie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Bahamas 1992 in Hamburg durch die damals von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes (KB) gebildete Gruppe K. Sie war hervorgegangen aus den 1990 im KB geführten Auseinandersetzungen um das Verhalten zur sich abzeichnenden Wiedervereinigung Deutschlands: Während die Mehrheitsströmung auf ein Zusammengehen mit der Linken des Ostens (PDS) und eine Ausrichtung auf die von ihr erwartete soziale Opposition gegen die Folgen der Wiederherstellung des Kapitalismus setzte, sah die Minderheit angesichts einer wahrgenommenen Marginalisierung der Linken eine radikale Opposition gegen die deutsche Einheit, den neuen Nationalismus, das Wiedererstarken von Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus und das neue deutsche Großmachtstreben als geboten an. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein exponierter Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer pessimistischen Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die KB-Minderheit/Gruppe K griff dies ironisch in der Namensgebung ihres Publikationsorgans auf[1]. Ihr prominentestes Mitglied war damals der Journalist Jürgen Elsässer, der auch als Urheber der Wortschöpfung „antideutsch“ gilt.

In den ersten Jahren stellte die Bahamas ein pluralistisches Diskussionsorgan von Kräften der radikalen Linken unterschiedlicher Herkunft mit gemeinsamer Orientierung auf Opposition gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus sowie ihre Verharmlosung in Teilen der traditionellen Linken dar. Nach und nach wandelte sich jedoch die Ausrichtung der Redaktion in Richtung der Positionen der Freiburger Initiative Sozialistisches Forum. Unter Berufung auf die Kritische Theorie,[2] insbesondere Theodor W. Adorno, wurde eine weitergehende Distanzierung von überkommenen Positionen der Linken vollzogen und nun der Antisemitismus in den Fokus gerückt. Die meisten ehemaligen KB-Mitglieder verließen daraufhin die Redaktion.

Zum für die Zeitschrift verbindlichen theoretischen Kern wurde die Auffassung, dass Kapitalismuskritik nur dann „emanzipatorisch“ sei, wenn ihr eine theoretische Einsicht in den „Fetischismus“ des kapitalistischen Produktionsverhältnisses zugrunde liegt und wenn sie die progressiven Leistungen der liberalen bürgerlichen Gesellschaft, nämlich die Emanzipation des Individuums aus naturwüchsigen Lebensformen und Kollektiven, bejaht und weiterführt; gemeinhin also über den Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft hinaus und nicht hinter sie zurück will. Fetischisierte Kapitalismuskritik, die an der Zirkulationssphäre (Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, moralischer Protest gegen ausbeuterisches Verhalten, Streben nach solidarischen Wertegemeinschaften) ansetzt, wird dagegen als „völkisch“ und „antisemitisch“ angegriffen. Deutschland gilt als Inbegriff des „völkischen“ Prinzips (Staatsbürgerschaft auf der Grundlage der Abstammung). Als positives Gegenmodell fungierte in der Bahamas zunächst Frankreich als republikanische, auf Bürgerrechten statt auf eine Abstammungsgemeinschaft gegründete Nation. Vor allem aber wurde die bedingungslose Solidarität mit Israel zum obersten Prinzip.[3]

Im Verlauf der Verschärfung der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten thematisierte die Bahamas-Redaktion verstärkt den Islamismus und seine Vertreter als „djihadistischen“ Feind der modernen Zivilisation und zog Parallelen islamischer Denkstrukturen und Organisationen zum Faschismus und Nationalsozialismus. Damit einher ging schließlich eine Parteinahme für die USA und ihren „Krieg gegen den Terror“.

Die ursprüngliche (Hamburger) Bahamas-Redaktion aus dem früheren KB räumte ein, dass der Linken gerade in Deutschland in der Situation einer schweren historischen Niederlage nichts anderes übrig bleibe, als ein Dasein als radikale und „unpopuläre“ Minderheit ohne die traditionell in der „Arbeiterklasse“, in „unterdrückten Völkern“ und „sozialistischen Staaten“ imaginierten Verbündeten zu akzeptieren, um kompromisslose Opposition gegen Kapital, Nation, Rassismus usw. betreiben zu können. Demgegenüber vertritt die heutige (Berliner) Redaktion die Auffassung, dass die unerlässliche Mindestvoraussetzung künftiger „emanzipatorischer“ Veränderungen der Erhalt der bereits erkämpften individuellen Rechte sei, also die Verteidigung der Zivilisation gegen regressive „antisemitische“, „völkische“ und „faschistische“ Tendenzen.

Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Bahamas wurde bis 2008 von einigen Verfassungsschutzbehörden der Länder dem linksradikalen Spektrum der Antideutschen zugeordnet und in Berichten erwähnt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Schmid: Deutschlandreise in die „Bahamas“. Vom Produkt der Linken zur neo-autoritären Sekte. In: Gerhard Hanloser (Hrsg.): „Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken“. UNRAST-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-89771-432-9, S. 25.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJustus Wertmüller: Bahamas – Ideologiekritisch und sonst nichts. In: redaktion-bahamas.org. 57/2009, abgerufen am 3. Januar 2016.
    Jörn Schulz: Tagung: Radikal pro Israel – Jüdische Allgemeine. In: juedische-allgemeine.de. 20. Februar 2014, abgerufen am 3. Januar 2016.
  3. Redaktion Bahamas: Für Israel – Gegen die palästinensische Konterrevolution. Abgerufen am 29. April 2016.