Landesdenkmal (Wiesbaden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bahnhof Landesdenkmal)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Landesdenkmal in Wiesbaden

Das Landesdenkmal an der Biebricher Allee auf der Adolfshöhe in Wiesbaden, unweit der Sektkellerei Henkell, wurde zu Ehren des nassauischen Herzogs Adolf am 26. Oktober 1909 eingeweiht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herzogtum Nassau bestand schon seit der Annexion durch Preußen im Deutschen Krieg im Jahre 1866 nicht mehr. Der abgesetzte Herzog Adolph wurde 1890 nach dem Aussterben des dortigen Fürstenhauses Großherzog von Luxemburg. In der Folge wollten die Wiesbadener Bürger ihm ein Denkmal errichten. Gleichzeitig sollte das Denkmal die Eigenständigkeit Nassaus als preußische Provinz Hessen-Nassau verdeutlichen. Adolf willigte ein, jedoch nur unter der Bedingung, dass das Denkmal erst nach seinem Tod errichtet werden sollte. Nach seinem Ableben am 17. November 1905 sammelten sie über 100.000 Mark, zu denen die Städte Wiesbaden und Biebrich je 10.000 Mark beisteuerten. Für den Entwurf wurde der in Wiesbaden geborene Berliner Bildhauer Fritz Gerth beauftragt. Die Einweihung fand im Beisein der großherzoglichen Familie statt, zu welchem auch ein Empfang im Schloss Biebrich gehörte (das Schloss gehörte damals noch der Familie und wurde erst 1935 an den Staat Preußen verkauft). [1]

Gestaltung und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henkell-Schloss

Das Denkmal besteht aus einem Obelisken, vor dem eine Bronze-Statue des Herzogs steht. Um den Sockel ist ein reich geschmückter Bronze-Fries angeordnet. Die Inschrift am Denkmal lautet:

ADOLPH – HERZOG ZU NASSAU 1817–1905
GROSSHERZOG VON LUXEMBURG 1890–1905

Der zweite Teil der Inschrift, der die Regierungszeit Adolfs als Großherzog von Luxemburg erwähnt, wurde erst 1985 hinzugefügt. [2]

Das Denkmal ist umgeben von einer rechteckigen Rasenfläche, die sich auf einem Plateau befindet und auf drei Seiten von einer Mauer begrenzt ist. In den Ecken sind jeweils kleine Obelisken angeordnet. Unterhalb des Denkmals grenzt die Richard-Wagner-Anlage an, die auch Henkell-Park genannt wird.[3] Auf der anderen Straßenseite der Biebricher Allee steht das Henkell-Schloss, in dem sich der Hauptsitz der Henkell & Co. Sektkellerei befindet.

Bahnhof Landesdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Landesdenkmal um 1910
Blick vom ehemaligen Bahnsteig auf die Unterführung Biebricher Allee

In der Nähe des Denkmals unterquert die Aartalbahn die Biebricher Allee. Diese seit 1889 existierende Verbindung zwischen Langenschwalbach und dem Wiesbadener Rheinbahnhof führte ursprünglich nicht am Landesdenkmal vorbei, für die Inbetriebnahme des Wiesbadener Hauptbahnhofs 1906 musste sie jedoch neu trassiert werden. Die neue Strecke wurde am 2. Mai 1904 in Betrieb genommen und führte durch den Einschnitt am Landesdenkmal nach Dotzheim, wo sie auf die alte Trasse traf.[4] Biebrich forderte je einen Bahnhof für seine Wohngebiete Adolfshöhe und Waldstraße, die Adolfshöhe war jedoch noch dünn besiedelt. Der Biebricher Verschönerungsverein reichte eine Petition ein, die Eisenbahnverwaltung zeigte im Gegensatz zum Bahnhof Waldstraße jedoch kein Entgegenkommen und forderte die kostenlose Überlassung des Grundes und eine finanzielle Beteiligung beim Bau. [5]

Im Jahr 1907 wurde der Bahnhof „Landesdenkmal“ () „für den Personen-, Gepäck-, Expreßgut- und Paketverkehr“[6] eingeweiht, der sich neben dem Henkell-Schloss auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet.[7] Vom Empfangsgebäude mit rotem Sandsteinsockel, hellem Mauerwerk und Schieferdachverkleidung, dessen Eingang auf Straßenhöhe war, führte eine überdachte Treppe zum Bahnsteig.[8] In östlicher Richtung fand die räumlich Trennung der Strecken in Richtung Wiesbaden Hauptbahnhof und Wiesbaden Ost statt, die vom Bahnhof Waldstraße aus parallel verliefen. Im ersten Winterhalbjahr wurden rund 10.000 Personen abgefertigt.[5] Am 1. Januar 1960 wurde der Bahnhof „aufgelöst“,[9] jedoch der Bahnsteig blieb für den Ausflugsverkehr noch eine Weile in Betrieb. Am 25. September 1983 wurde der Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt Wiesbaden – Bad Schwalbach eingestellt. Vier Jahre später wurden die Gebäude und technischen Anlagen der Strecke und des Bahnhofs unter Denkmalschutz gestellt.[10] Der nahe dem Bahnhof abzweigende Gleisanschluss zur Firma Henkell wurde 2007 reaktiviert. Heute befindet sich ein Kindergarten der Privatschule Obermayr im Bahnhofsgebäude.[7][11] Im Rahmen der möglichen Reaktivierung der Aartalbahn wird ein Neubau des Bahnhofs in Betracht gezogen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Landesdenkmal (Wiesbaden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bahnhof Landesdenkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gottfried Kiesow: Architekturführer Wiesbaden - Die Stadt des Historismus, ISBN 978-3-936942-71-2, S. 287
  2. www.nassau-info.de
  3. Richard-Wagner-Anlage auf der Seite der Stadt Wiesbaden.
  4. odenwald-bahn.de: Die Eisenbahn in Wiesbaden, abgerufen am 9. Juli 2011
  5. a b Andreas Schmidt-von Rhein: Adolfshöhe und Biebricher Allee: Bindeglied zwischen Wiesbaden und Biebrich. In: specknet.de, abgerufen am 24. Februar 2012
  6. Eisenbahnverordnungsblatt, Band 30, C. Heymanns verlag, 1907, Seite 343
  7. a b Sehenswertes Biebrich: Der ehemalige Bahnhof Landesdenkmal
  8. Der ehemalige Bahnhof Landesdenkmal in Wort und Bild
  9. D. Glatthaar: Viertelbildung in Wiesbaden, Geographisches Institut der Ruhr-Universität, Seite 27
  10. NTB: Die Geschichte der Aartalbahn
  11. Expansionsdrang: Wiesbadener Privatschule zieht es hinaus ins Umland. In: Frankfurter Rundschau, 11. September 2008. Abgerufen am 24. Februar 2012

Koordinaten: 50° 3′ 15,8″ N, 8° 14′ 34,6″ O