Bahnhof Landesdenkmal

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Landesdenkmal
Blick vom ehemaligen Bahnsteig auf die Überführung der Biebricher Allee
Blick vom ehemaligen Bahnsteig auf die Überführung der Biebricher Allee
Daten
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 1
Eröffnung 1. Oktober 1907
Auflassung 1. Januar 1960
Lage
Stadt/Gemeinde Wiesbaden
Ort/Ortsteil Biebrich
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 3′ 17″ N, 8° 14′ 38″ OKoordinaten: 50° 3′ 17″ N, 8° 14′ 38″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Hessen
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Der Bahnhof Landesdenkmal ist ein stillgelegter Bahnhof an der Strecke der Aartalbahn auf dem Stadtgebiet von Wiesbaden. Benannt ist er nach dem „Landesdenkmal“.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof lag an der Kreuzung der Biebricher Allee mit der Bahnstrecke[1] und vermittelte so im Verkehr umsteigender Reisender. Die Biebricher Allee ist die Hauptverbindung zwischen der Wiesbadener Innenstadt und der am Rheinufer gelegenen, ehemals selbständigen Gemeinde Biebrich. Bei Eröffnung der Strecke und des Bahnhofs verkehrte hier schon seit 1889 die Wiesbadener Dampfstraßenbahn, betrieben von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG). Die Allee wird mit einer Brücke über die Bahn geführt, die hier in einem Einschnitt verläuft. Auf der Südseite der Bahnstrecke, unmittelbar gegenüber dem Empfangsgebäude, befindet sich das „Henkell-Schloss“.

Die Aartalbahn verband den Wiesbaden Hauptbahnhof und seine Vorgänger-Bahnhöfe einerseits und Bad Schwalbach (damals: Langenschwalbach) und Diez andererseits. Die heutige Streckenführung entstand, als der 1906 eröffnete Hauptbahnhof Wiesbaden eine neue Zuführung der Strecke erforderte.[2]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Landesdenkmal um 1910

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biebrich wünschte anlässlich dieser Streckenverlegung je einen Bahnhof an der Aartalbahn für seine Wohngebiete Adolfshöhe, wo später das Landesdenkmal entstand, und Waldstraße. Auch der Biebricher Verschönerungsverein reichte eine Petition für einen Bahnhof an der Adolfshöhe ein. Diese war damals jedoch noch dünn besiedelt. So machte die zuständige Königlich Preußische und Großherzoglich Hessische Eisenbahndirektion Mainz den Bau eines Bahnhofs an dieser Stelle – im Gegensatz zum Bahnhof Waldstraße – davon abhängig, dass die Gemeinde der Bahn kostenlos das Gelände überließ und sich finanziell am Bau beteiligte.[3]

Die neue Streckenführung der Aartalbahn im Wiesbadener Stadtgebiet wurde am 2. Mai 1904 in Betrieb genommen, zum 1. Oktober 1907 der Bahnhof Landesdenkmal „für den Personen-, Gepäck-, Expreßgut- und Paketverkehr“[4] eröffnet. Kurz darauf wurde er auch an die Eisenbahn-Telegrafenleitung angeschlossen.[5] Im ersten Winterhalbjahr wurden rund 10.000 Personen abgefertigt.[6]

Am 1. Januar 1960 wurde der Bahnhof aufgegeben.[7] Der Bahnsteig blieb für Sonderverkehre noch eine Weile bestehen. Am 25. September 1983 wurde der Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt Wiesbaden–Bad Schwalbach eingestellt. Der nahe dem Bahnhof abzweigende Gleisanschluss zur Firma Henkell wurde 2007 reaktiviert.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude heute

Das Empfangsgebäude steht auf einem roten Sandsteinsockel und ist hell verputzt. Sein Doppelgieberl ist mit Schiefer eingedeckt. Da der straßenseitige Eingang in das Gebäude auf der Ebene der Biebricher Allee lag, führte eine überdachte Treppe zum tiefer gelegenen Bahnsteig im Geländeeinschnitt, den die Bahnstrecke nutzte.[8] Das Empfangsgebäude ist ein Kulturdenkmal aufgrund des Hessischen Denkmalschutzgesetzes.[9] Heute nutzt es ein Kindergarten der Privatschule Obermayr.[10]

Übrige Infrastruktue[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich des Bahnhofs fand die verzweigen sich die Strecken in Richtung Wiesbaden Hauptbahnhof und nach Wiesbaden Ost. Westlich folgte der Bahnhof Waldstraße.

Im Rahmen der Überlegungen zur Reaktivierung der Aartalbahn wird erwogen, hier wieder einen Haltepunkt anzulegen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Landesdenkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 10. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2017, ISBN 3-921679-13-3., Tafel S. 156 oben, verzeichnet den Bahnhof nicht.
  2. Die Eisenbahn in Wiesbaden. In: odenwald-bahn.de, abgerufen am 23. März 2018.
  3. Andreas Schmidt-von Rhein: Adolfshöhe und Biebricher Allee: Bindeglied zwischen Wiesbaden und Biebrich. In: specknet.de, abgerufen am 23. März 2018.
  4. Eisenbahnverordnungsblatt, Band 30, C. Heymanns Verlag, 1907, S. 343; Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 28. September 1907, Nr. 49. Bekanntmachung Nr. 507, S. 563.
  5. Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 2. November 1907, Nr. 56. Bekanntmachung Nr. 600, S. 653.
  6. Andreas Schmidt-von Rhein: Adolfshöhe und Biebricher Allee: Bindeglied zwischen Wiesbaden und Biebrich. In: specknet.de, abgerufen am 23. März 2018.
  7. Dieter Glatthaar: Viertelbildung in Wiesbaden = Diss. Mainz, 1969, S. 27.
  8. NN: Der ehemalige Bahnhof Landesdenkmal; Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.1. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 19 ff. (Strecke 001). S. 435.
  9. Heinz Schomann: Eisenbahn in Hessen. Eisenbahnbauten und -strecken 1839–1939. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Drei Bände im Schuber. Band 2.1. Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1917-6, S. 19 ff. (Strecke 001). S. 435.
  10. Expansionsdrang: Wiesbadener Privatschule zieht es hinaus ins Umland. In: Frankfurter Rundschau, 11. September 2008. Abgerufen am 24. Februar 2012.