Bundesstraße 88

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vorlage:Infobox hochrangige Straße/Wartung/DE-B
Bundesstraße 88 in Deutschland
Bundesstraße 88
Karte
Verlauf der B 88
Basisdaten
Betreiber: DeutschlandDeutschland Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Eisenach
(50° 59′ N, 10° 21′ O)
Straßenende: Naumburg
(51° 9′ N, 11° 48′ O)
Gesamtlänge: 167 km

Bundesland:

Ausbauzustand: zweistreifig[1]
Kreuzung auf der B88 mit Zufahrt zur Ortschaft Tabarz.jpg
B 88 bei Bad Tabarz

Die Bundesstraße 88 (Abkürzung: B 88) ist eine Bundesstraße in Deutschland. Sie beginnt in Eisenach und führt von dort über Ilmenau, Rudolstadt und Jena nach Naumburg. Die B 88 ist insgesamt 167 Kilometer lang, von denen nur die letzten elf Kilometer in Sachsen-Anhalt liegen, die übrige Strecke in Thüringen. Sie dient im Wesentlichen dem lokalen und regionalen Verkehr, da der Fernverkehr in den meisten Abschnitten die parallel verlaufenden Autobahnen A 4, A 9 und A 71 nutzt. Dennoch weisen einige Abschnitte hohe Verkehrsstärken auf, beispielsweise bis zu 20.000 Kfz/Tag im Stadtverkehr von Jena und in Rudolstadt sowie mehr als 10.000 Kfz/Tag zwischen Eisenach und Wutha-Farnroda sowie zwischen Ilmenau-Ost (A 71) und Gehren.[2]

Nach der Wiedervereinigung wurde die B 88 in den Bereichen Eisenach, Ilmenau, Rudolstadt und Jena ausgebaut und teilweise neu trassiert. Aktuelles Ziel des Bundesverkehrswegeplans 2030 ist insbesondere der ortsdurchfahrtsfreie Ausbau des Abschnitts Rudolstadt – Jena, während einige andere dort aufgenommene Projekte im weiteren Bedarf nur geringe Realisierungschancen haben.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stationszeichen der B 88 am Grenzhammer in Ilmenau

Eisenach – Ilmenau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich begann die B 88 in Wutha-Farnroda an der Bundesstraße 7. Nachdem diese zwischen Gotha und Eisenach zur Landesstraße herabgestuft wurde, wurde der westlich von Wutha gelegene Streckenabschnitt in die B 88 integriert, die seitdem in Eisenach beginnt. Hier benutzt die Bundesstraße auf den ersten Kilometern einen ehemaligen Abschnitt der Bundesautobahn 4, der deshalb vierstreifig ausgebaut ist. Westlich von Wutha wird die alte Autobahntrasse verlassen und die B 88 führt hinab ins Hörseltal. In diesem Bereich ist eine Kreuzung mit der geplanten Eisenacher Ostumgehung der Bundesstraße 19 als weiterer Bedarf im Bundesverkehrswegeplan 2030 geplant.

In Wutha zweigt die B 88 südlich ab ins Tal des Erbstroms, dem sie bis zum Ruhlaer Stadtteil Thal folgt. Dort zweigt sie östlich ab in Richtung Seebach, in dessen Ortslage sie bereits zu DDR-Zeiten parallel zur alten Dorfstraße neu trassiert wurde. Im weiteren Verlauf folgt der Kurort Bad Tabarz, der ebenfalls bereits zu DDR-Zeiten eine Ortsumgehung erhielt. In Friedrichroda quert die Bundesstraße die Thüringerwaldbahn und führt über mehrere Kreuzungen um den Stadtkern herum nach Engelsbach, Altenbergen und Catterfeld, die schon lange über Ortsumgehungen verfügen. Es folgt Georgenthal im schmalen Tal der Apfelstädt mit einer Ortsdurchfahrt auf der alten Hauptstraße. Die westlich angrenzenden Orte Nauendorf und Gräfenhain sollen zukünftig durch eine Ortsumgehung entlastet werden. Diese Neubautrasse wird östlich von Georgenthal abzweigen und nach Nordosten zur B 247 südlich von Hohenkirchen führen und damit auch den Verkehr der L 1028 aufnehmen, um die Ortsdurchfahrten von Herrenhof und Hohenkirchen ebenfalls vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Ohrdruf erhielt zu DDR-Zeiten schon eine westliche Ortsumgehung, hauptsächlich für die B 247, gefolgt von einer südlichen Fortsetzung für die B 88 im Jahr 2008. Im weiteren Verlauf bis zur A 71 folgen die verwinkelten Ortsdurchfahrten von Crawinkel, Frankenhain und Gräfenroda. Der Bundesverkehrswegeplan 2003 sah in diesem Bereich eine östliche Neutrassierung vor, die jedoch im folgenden Bundesverkehrswegeplan wieder gestrichen wurde. Die Verkehrsverlagerung von der ehemaligen B 247 von Ohrdruf nach Zella-Mehlis stellte sich nicht im prognostizierten Umfang ein, dazu kam eine schwierige Topografie mit erhöhten ökologischen Risiken, sodass das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu gering wurde. Geschwenda erhielt bereits mit dem Bau der A 71 2003 eine eigene Ortsumgehung mit der Wirrbachtalbrücke als größtem Einzelbauwerk. Seit 2004 ist die B 88 zwischen den Anschlussstellen Gräfenroda und Ilmenau-West, seit 2012 bis Ilmenau-Ost auf die A 71 verlegt worden. Die Altstrecke führte über Geraberg, Elgersburg und Roda nach Ilmenau.

Ilmenau – Rudolstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der A-71-Abfahrt Ilmenau-Ost bis zum Ortseingang von Gehren ist die neue B 88 im Herbst 2012 unter Umgehung von Ilmenau und Langewiesen fertiggestellt worden.[3] Als nächster Ort folgt Gehren mit einer engen Ortsdurchfahrt, für die ebenfalls eine Ortsumgehung geplant ist, die auch Jesuborn umfassen soll. Zwischen Ilmenau-Ost und Gehren/Pennewitz (Abzweig L 1047 und L 1144) nimmt die B 88 den Durchgangsverkehr zwischen der von Erfurt kommenden A 71 und dem Thüringer Schiefergebirge auf und ist deshalb relativ stark belastet. Der folgende Abschnitt bis Rudolstadt erfuhr hingegen durch die Eröffnung der nördlich parallel neugebauten Bundesstraße 90 ohne Ortsdurchfahrten 2017 eine verkehrliche Entlastung. Deshalb wurde die nördliche Neutrassierung der B 88 für den Bereich Pennewitz/Dörnfeld an der Heide/Königsee nicht mehr weiter verfolgt, womit hier die engen und durch starke Steigungen geprägten Ortsdurchfahrten auch längerfristig bestehen bleiben werden. Besonders in Königsee, wo die B 88 nach wie vor direkt über den historischen Marktplatz führt, wird die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erheblich beeinträchtigt. Im weiteren Verlauf folgt die Bundesstraße dem Rinnetal nach Bad Blankenburg über die Orte Oberköditz, Unterköditz, Rottenbach, Quittelsdorf, Leutnitz (mit Ortsumgehung) und Watzdorf. Die Bad Blankenburger Altstadt wird südlich umgangen, es folgt Schwarza, wo die Bundesstraße auf das Tal der Saale trifft. Schwarza als Mittelpunkt des Saalebogens erhielt nach der Wiedervereinigung bereits eine östliche Ortsumgehung für die B 85, eine südliche für die B 88 befindet sich in Planung. Bis nach Rudolstadt verlaufen beide Bundesstraßen anschließend gemeinsam mit insgesamt vier Fahrstreifen. In der Rudolstädter Innenstadt besteht ein Einbahnstraßensystem mit getrennten Verläufen für beide Fahrtrichtungen.

Rudolstadt – Jena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt von Rudolstadt nach Jena folgt dem Saaletal und ist von einer hohen Verkehrsdichte gekennzeichnet, da hier auch der Fernverkehr von Rudolstadt/Saalfeld zur A 4 verläuft. Die zahlreichen Ortsdurchfahrten auf diesem Abschnitt sollen durch Ortsumgehungen ersetzt werden, was topografisch mitunter anspruchsvoll ist. So sind in Uhlstädt zwei Tunnel geplant, westlich unter dem Kreuzenberg und östlich unter dem Kienberg. Die Ortsumgehung Zeutsch wird zwischen 2018 und 2021 gebaut, die Kosten liegen bei rund 12,9 Millionen Euro und die Länge beträgt 1,5 Kilometer. Dabei wird auch der Bahnübergang der Kreisstraße nach Niederkrossen an der Saalbahn beseitigt und deren Einmündung nach Norden verlegt. Die neue Trasse der B 88 wird dann parallel neben der Bahnstrecke verlaufen. In Kahla wurde die B 88 schon zu DDR-Zeiten aus der Innenstadt heraus an den westlichen Stadtrand verlegt. Der nördliche Bereich der Ortsdurchfahrt soll frühestens ab 2023 dreispurig und weitestgehend kreuzungsfrei ausgebaut werden.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren[4] Größtes Bauprojekt ist die Ortsumgehung Rothenstein mit einem Tunnel, die sich seit 2016 in Bau befindet und 2021 freigegeben werden soll. Die Kosten belaufen sich auf 27,3 Millionen Euro, die Länge beträgt 2,6 Kilometer. Die neue Trasse verläuft westlich des Ortes unter dem Trompeterfelsen hindurch. An der Anschlussstelle Jena-Göschwitz erreicht die B 88 die A 4.

Stadtverkehr Jena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jenaer Stadtgebiet verlief die B 88 ursprünglich komplett westlich der Saale gemeinsam mit einer baulich nicht getrennten Straßenbahnlinie über Winzerla zum Stadtzentrum, wo sie auf die B 7 trifft. Nach der Wiedervereinigung wurde die B 88 auf die östlich der Saale verlaufende Stadtrodaer Straße, die als Schnellstraße von Neulobeda ins Stadtzentrum führt, verlegt. Nördlich des Stadtzentrums wurde ursprünglich die Dornburger Straße (ebenfalls gemeinsam mit der Straßenbahn) genutzt, ehe mit der Camburger Straße ein östlicher Neubau angelegt wurde. Es ist geplant, die Bundesstraße erneut östlich auf die Wiesenstraße zu verlegen, dessen nördlicher Lückenschluss zur bestehenden Trasse jedoch noch nicht erfolgt ist.[5][6]

Die B 88 ist die bedeutendste Verkehrsader der Großstadt Jena, die sich an ihrem Verlauf entlang im Saaletal erstreckt. Hier erreicht die Bundesstraße ihre höchste Verkehrsdichte.

Jena – Naumburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Jena und Dornburg verläuft die B 88 auf dem linken Saaleufer, es folgen ein Bahnübergang mit der viel befahrenen Saalbahn sowie eine Brücke über den Fluss nach Dorndorf-Steudnitz. Von hier bis nach Naumburg verläuft die Straße nicht im Saaletal, sondern dem direkten Weg folgend auf der östlich gelegenen ackerbaulich intensiv genutzten Hochfläche. Die Kleinstadt Camburg wird bisher noch direkt von der Bundesstraße durchschnitten, soll aber zukünftig auch eine östliche Ortsumgehung erhalten. Nach der Überquerung der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt endet die B 88 in Naumburg am Stadtring an der B 87/B 180.

Ausbauplanungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktueller Bundesverkehrswegeplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht folgende Projekte vor.[7]

Projekt Einstufung Länge (km) Kosten (Mio. €) NKV
Ortsumgehung Wutha-Farnroda weiterer Bedarf 5,4 49,5 1,7
Spange Nauendorf vordringlicher Bedarf 3,7 8,7 6,4
Ortsumgehung Gehren weiterer Bedarf 4,4 18,9 1,0
Ortsumgehung Schwarza-Süd vordringlicher Bedarf 2,3 10,5 3,7
Ortsumgehung Rudolstadt-Ost/Kirchhasel vordringlicher Bedarf 4,5 14,9 1,8
Ortsumgehung Uhlstädt weiterer Bedarf 2,3 61,9 1,8
Ortsumgehung Großeutersdorf weiterer Bedarf 2,3 13,4 2,2
Ortsumgehung Camburg weiterer Bedarf 2,1 12,6 1,2

Bundesverkehrswegeplan 2003[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bundesverkehrswegeplan 2003 sah folgende Projekte vor.[8]

Projekt Einstufung Verbleib
Ortsumgehung Friedrichroda Weiterer Bedarf gestrichen
Spange Nauendorf Vordringlicher Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (vordringlicher Bedarf)
Ortsumgehung Crawinkel Weiterer Bedarf gestrichen
Ortsumgehung Frankenhain/Gräfenroda Weiterer Bedarf gestrichen
Ortsumgehung Ilmenau-Ost Vordringlicher Bedarf ausgeführt
Ortsumgehung Gehren Vordringlicher Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (weiterer Bedarf)
Ortsumgehung Schwarza-Süd Vordringlicher Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (vordringlicher Bedarf)
Ausbau Rudolstadt Volkstedt/Schwarza-Ost Fest disponiert ausgeführt
Ortsumgehung Kirchhasel Weiterer Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (vordringlicher Bedarf)
Ortsumgehung Uhlstädt Vordringlicher Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (weiterer Bedarf)
Ortsumgehung Zeutsch Vordringlicher Bedarf in Ausführung
Ortsumgehung Großeutersdorf Vordringlicher Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (weiterer Bedarf)
Ortsumgehung Kahla Vordringlicher Bedarf gestrichen
Ortsumgehung Rothenstein Vordringlicher Bedarf in Ausführung
Vierstreifiger Ausbau
Rothenstein – A 4
Weiterer Bedarf ausgeführt
Ortsumgehung Dorndorf-Steudnitz Weiterer Bedarf gestrichen
Ortsumgehung Camburg Weiterer Bedarf Übernahme in BVWP 2030 (weiterer Bedarf)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bundesstraße 88 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in Jena vierstreifig; Eisenach – Wutha vierstreifig autobahnähnlich
  2. Manuelle Verkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen 2015
  3. Gerd Dolge: B 88: Erstes Etappenziel in Sicht. Freies Wort, Ilmenau 13. April 2011 (Zeitungsartikel).
  4. Ausbau der B88: Millionenprojekt bei Kahla nimmt Gestalt an. In: OTZ. (otz.de [abgerufen am 18. September 2018]).
  5. Wiesenstraße in Jena soll endlich innerstädtische Ortsumgehung in Jena werden. In: OTZ. (otz.de [abgerufen am 18. September 2018]).
  6. Straßenbahnbau in Jena: Das dicke Ende kommt zum Schluss. In: Thüringer Allgemeine. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 18. September 2018]).
  7. Projektinformationssystem
  8. Projektliste Bundesverkehrswegeplan 2003