Baikal-Helmkraut

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Baikal-Helmkraut
Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis)

Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Scutellarioideae
Gattung: Helmkräuter (Scutellaria)
Art: Baikal-Helmkraut
Wissenschaftlicher Name
Scutellaria baicalensis
Georgi

Das Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis, chinesisch huang qin, japanisch kogane-bana, koreanisch hwang-geum) ist eine Pflanzenart in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie wird in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze eingesetzt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenständig am Stängel angeordnete Laubblätter

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Baikal-Helmkraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze. Die aufsteigenden bis aufrechten Sprosse erreichen eine Wuchshöhe von meist 35 bis 85, maximal bis 120 Zentimeter. Sie entspringen einem verzweigten, fleischigen Rhizom von etwa 2 bis 3 Zentimeter Durchmesser. Die Sprosse entspringen einzeln und sind reich verzweigt. Die gegenständigen Laubblätter sind fast sitzend (kurz gestielt mit einem bis zu 2 Millimeter langen Blattstiel), die oberen sitzend. Sie sind ganzrandig, im Umriss lanzettlich bis linear-lanzettlich mit stumpfem Apex, mit einer Länge von 1,5 bis 4,5 Zentimeter. Ihre Unterseite ist meist spärlich behaart und außerdem dicht mit eingesenkten Drüsen bedeckt.[1][2]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütenstände bilden an den Enden der Triebe jeweils eine dichtblütige, einseitswendige endständige Rispe von etwa 6 bis 7 bis zu 10 bis 15 Zentimeter Länge. Jede Blüte besitzt ein Tragblatt, deren untere den Stängelblättern ähneln, sie werden zur Spitze hin graduell kleiner, die oberen nur noch 4 bis 11 Millimeter lang. Die Einzelblüten sind kurz (etwa 3 mm lang) gestielt. Der zweilippige, weich behaarte Kelch erreicht etwa 4 Millimeter Länge. Der für die Gattung namensgebende „Helm“ (Scutellum) erreicht zur Blütezeit etwa 1,5 Millimeter Höhe, er ist zur Fruchtzeit vergrößert. Die zweilippige Blütenkrone ist blau, blauviolett bis purpurn gefärbt, sie erreicht etwa 2 bis 3 Zentimeter Länge. Die Unterlippe der Blüte ist dreilappig, mit größerem Mittellappen, die Blütenröhre nahe der Basis markant gebogen. Sie ist auf der Innenseite weichhaarig, außen drüsenhaarig.[1][2]

Blütezeit des Baikal-Helmkrauts ist von Juli bis August.

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Baikal-Helmkraut kommt im nördlichen Ostasien vor. Es wächst in Russland in Südost-Sibirien, im Nordosten der Mongolei, im Norden Koreas.[2] In China wächst es im Nordosten, in Gansu, Hebei, Heilongjiang, Henan, Hubei, Jiangsu, Liaoning, Nei Mongol, Shaanxi, Shandong und Shanxi.[1] Es wurde nach Japan und in den Süden Koreas im 18. Jahrhundert als Heil- und Zierpflanze eingeführt.[2]

Die Art besiedelt Grasfluren, Steppen, Kulturland, lichte Eichenwälder, in China bis 2000 Meter Meereshöhe.[1][2]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Baikal-Helmkraut enthält Scutellarin, Baicalin, Wogonosid, Oroxylin, ätherische Öle, Gerbstoffe und Harze.[4]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Baikal-Helmkraut gehört zu den meistgesammelten Heilpflanzen für die Verwendung in der traditionellen chinesischen Medizin.[1] Genutzt wird ein wässriger Extrakt (Dekokt) aus den Wurzeln (und Rhizomen). Er wird eingesetzt bei Infektionskrankheiten, Rheuma, Arrhythmie, Bluthochdruck, Lungenentzündung und Tuberkulose.[2]

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baikal-Helmkraut wirkt antiallergen, entzündungshemmend und antibakteriell.[5] Untersuchungen haben ergeben, dass Wogonin, ein Wirkstoff des Baikal-Helmkrauts, die „Selbstmordfunktion“ (Apoptose) in Krebszellen auslöst, gesunde Zellen aber völlig unbehelligt bleiben.[6] Forschungen der Medizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2011 bestätigen dies.[7] Für den Inhaltsstoff Baicalin konnten im Tierversuch progesteronfördernde und antiabortive Wirkungen beschrieben werden.[8]

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wurde durch den Apotheker, Botaniker und Forschungsreisenden Johann Gottlieb Georgi 1775 in seinem Werk Bemerkungen einer Reise im Russischen Reich im Jahre 1772 erstbeschrieben.[9] Synonyme sind Scutellaria lanceolaria Miquel und Scutellaria macrantha Fischer. Bei der Revision der Gattung stellte sie Alan Paton 1990 in die Scutellaria strigillosa-Artengruppe, Sektion Scutellaria, Untergattung Scutellaria.[10] Der Botaniker Arthur Hamilton hatte sie vorher in eine Sektion Galericulata eingeordnet. Die Einteilung Patons gilt für die chinesische Flora aufgrund unzureichender Taxonabdeckung als nicht sinnvoll verwendbar[1], bei einer genetischen Untersuchung 2017 konnte die Artengruppe nicht reproduziert werden.[11]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Scutellaria baicalensis Georgi. Xi-wen Li & Ian C. Hedge: Family Lamiaceae, in Flora of China online (www.efloras.org), Flora of China, Volume 17 (Lamiaceae, Solanaceae, Verbenaceae).
  2. a b c d e f East Asia Biodiversity Conservation Network (editor): Important Plants of East Asia II. Korea National Arboretum, Pocheon, 2015. ISBN 978-89-97450-29-9.
  3. Scutellaria baicalensis bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  4. Isolation and purification of baicalein, wogonin and oroxylin A from the medicinal plant Scutellaria baicalensis by high-speed counter-current chromatography. Hua-Bin Li and Feng Chen, Journal of Chromatography A, 13 May 2005, Volume 1074, Issues 1–2, pages 107–110, https://doi.org/10.1016/j.chroma.2005.03.088
  5. Andrew Chevallier: Das Grosse Lexikon der Heilpflanzen. Dorling Kindersley, Starnberg 2001, ISBN 3-8310-0167-7, S. 134.
  6. S. Kohlstädt: Pflanzeninhaltsstoff mit selektiver Wirkung auf Krebszellen. – Pressemitteilung des DKFZ vom 12. Dezember 2007
  7. Der Standard: Wie der Tumor in die Lymphe kommt - derstandard.at.
  8. A. T. Ma, X. H. Zhong, Z. M. Liu, W. Y. Shi, J. Du, X. H. Zhai, T. Zhang, L. G. Meng: Protective effects of baicalin against bromocriptine induced abortion in mice. In: The American journal of Chinese medicine. Band 37, Nummer 1, 2009, ISSN 0192-415X, S. 85–95, doi:10.1142/S0192415X09006709, PMID 19222114.
  9. Scutellaria baicalensis Georgi, Tropicos, www.tropicos.org. Missouri Botanical Garden. abgerufen am 10. Juli 2020.
  10. Alan Paton (1990): A Global Taxonomic Investigation of Scutellaria (Labiatae). Kew Bulletin 45 (3): 399–450.
  11. Sareh Seyedipour, Yasaman Salmaki, Chun-Lei Xiang (2017): Molecular phylogeny of Scutellaria (Lamiaceae; Scutellarioideae) in Iranian highlands inferred from nrITS and trnL-F sequences. Progress in Biological Sciences 7 (2): 169–181 doi:10.22059/pbs.2020.270247.1324

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien