Begegnungszone

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Verkehrszeichen der Begegnungszone in der Schweiz (Signal 2.59.5)
Begegnungszone in Bremgarten bei Bern
Begegnungszone Mariahilferstraße, Wien

Eine Begegnungszone ist eine Form der Verkehrsberuhigung, in der Fußgänger Vortritt vor Fahrzeugen haben. Sie wurde ursprünglich in der Schweiz, inzwischen aber auch in anderen Ländern wie Belgien, Österreich und Frankreich eingeführt. Sie zielt auf eine Steigerung der Straßenraumattraktivität und eine Erhöhung der Verkehrssicherheit ab,[1] indem die Wohn- und Geschäftsnutzung gegenüber der Verkehrsfunktion stärker gewichtet und die Aufenthalts- und Verkehrsbedingungen für den langsamen Verkehr verbessert werden.

Die Einsatzbereiche sind vielfältig und umfassen hauptsächlich Bahnhofsvorplätze, Innenstadt- und Schulbereiche, Wohn- und zentrale Geschäftsquartiere sowie zentrale Plätze oder Kreuzungen mit hohem Fußgänger- und Fahrradverkehrsaufkommen. Der vielseitige Anwendungsbereich ist eine Innovation auf dem Gebiet der Verkehrsberuhigung und unterscheidet die Begegnungszone vom Verkehrsberuhigten Bereich in Deutschland, der abweichende Verkehrsregeln aufweist und in der Anwendung auf Wohngebiete und Gebiete mit geringem Verkehrsaufkommen beschränkt ist.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz ist das Konzept seit dem 1. Januar 2002 in der Signalisationsverordnung geregelt,[2] in Belgien (seit 2004) und Frankreich (seit 2008) existiert das Verkehrskonzept als Zone de rencontre. So wird es auch im französischsprachigen Teil der Schweiz bezeichnet.

In Österreich wurde am 31. Januar 2013 vom Nationalrat eine Novelle der Straßenverkehrsordnung beschlossen, welche die Schaffung von Begegnungszonen ermöglicht.[3]

In Deutschland gibt es bisher nur den Verkehrsberuhigten Bereich und den Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich, die sich beide in wesentlichen Punkten von der Begegnungszone unterscheiden: Während in der Begegnungszone Tempo 20 und eine Bevorrechtigung der Fußgänger gelten, darf im Verkehrsberuhigten Bereich nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden und Kfz-Fahrer und Fußgänger sind gleichberechtigt. Im Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich gelten zwar höhere Geschwindigkeiten (z.B. als Tempo-20-Zone), jedoch haben Fußgänger keinen Vorrang und teilen auch allgemein nicht die Verkehrsfläche mit Fahrzeugen.

Bestimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz gilt laut Art. 22b der Schweizer Signalisationsverordnung (SSV):

  • Das Signal „Begegnungszone“ (2.59.5) kennzeichnet Straßen in Wohn- oder Geschäftsbereichen, auf denen die Fussgänger und Benützer von fahrzeugähnlichen Geräten die ganze Verkehrsflächen benützen dürfen. Sie sind gegenüber den Fahrzeugführern vortrittsberechtigt, dürfen jedoch die Fahrzeuge nicht unnötig behindern.
  • Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 km/h.
  • Das Parkieren ist nur an den durch Signale oder Markierungen gekennzeichneten Stellen erlaubt. Für das Abstellen von Fahrrädern gelten die allgemeinen Vorschriften über das Parkieren.

Die Anforderungen an die Umgestaltung sind relativ gering: Zwingend vorgeschrieben ist u. a., dass durch Tore oder torähnliche Situationen der Übergang in die Begegnungszone verdeutlicht wird. Darüber hinaus muss in der Begegnungszone konsequent auf die Anlage von Fußgängerüberwegen verzichtet werden. Kantone und Gemeinden haben bei der Anordnung von flankierenden Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung größtmögliche Freiheiten. Nach spätestens einem Jahr sind die realisierten Maßnahmen von den Kantonen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Zu wenig wirksame Maßnahmen müssen nachgebessert werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er Jahren wurden in der Schweiz nach niederländischem Vorbild Wohnstrassen eingerichtet (vgl. Woonerf). Die Auflagen für die Umsetzung einer Wohnstrasse waren wesentlich strenger als heute bei der Begegnungszone: Die aufwendigen baulichen Maßnahmen zur Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität waren in der Regel sehr kostenintensiv und der notwendige Prozess bis zur Bewilligung sehr langwierig. Das Verkehrsschild entsprach etwa dem heutigen Schild der Begegnungszone, jedoch ohne die Höchstgeschwindigkeit in der unteren rechten Ecke. 1995 wurde in Burgdorf ein Versuch einer vereinfachten Wohnstrasse unter dem Namen Flanierzone eingerichtet. Mit dem Erfolg der Flanierzone wurde der Name 2001 in Begegnungszone geändert und 2002 wurde das Konzept offiziell eingeführt.[4]

Im Anschluss an die Novelle der Straßenverkehrsordnung wurden in Österreich ab 2013 in mehreren Städten Begegnungszonen eingeführt, unter anderem in der Mariahilfer Straße in Wien.[5] Ab Oktober 2015 ist die Schleifmühlbrücke, die den Wiener Naschmarkt quert, niveaugleiche Begegnungszone und bleibt somit auch für Pkw als Verbindung bei Tempo 20 erhalten.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Residential area road signs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wohnstraße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fussverkehr Schweiz (Hrsg.): Unfallgeschehen in Begegnungszonen: Analyse der Unfalldaten vorher – nachher in Burgdorf, Biel, Lyss und Einsiedeln. Zürich, April 2008.
  2. SR 741.21 (Signalisationsverordnung) Art. 22b: „Begegnungszone“
  3. 25. StVO-Novelle
  4. Geschichte Schweizer Begegnungszonen
  5. http://www.vcoe.at/de/presse/aussendungen-archiv/details/items/vcoe-begegnungszonen-setzen-sich-langsam-in-oesterreich-durch-25072013 Begegnungszonen setzen sich langsam in Österreich durch, Presseaussendung, VCÖ, 25. Juli 2013
  6. http://wien.orf.at/news/stories/2735092/ Begegnungszone bei Naschmarkt eröffnet, orf.at, 5. Oktober 2015, abgerufen 5. Oktober 2015.