Benutzer:CRolker/Spielwiese

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HINWEIS: Die Abschnitte zur Geschichte in den Artikeln "Wappen" und "Heraldik" sollten überarbeitet und dabei voneinander getrennt werden. Auf den Diskussionsseiten wurde das auch schon artikuliert. In beiden Fällen fehlen auch Belege, und vor allem zur Heraldik fehlt viel Inhalt (Merkmale der Heraldik zu verschiedenen Zeiten, Personen und Institutionen, Werke). Hier auf meiner Spielwiese habe ich Entwürfe zu beiden Geschichts-Abschnitten eingestellt und lade alle Interessierten ein, daran mitzuwirken.



Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heraldik ist die Lehre von den Wappen und ihrem Gebrauch. Die Gestaltung der Wappen, der Umgang mit diesen und gegebenenfalls die rechtlichen Regelungen unterscheiden sich nach Raum, Zeit, sozialem Milieu und teilweise nach einzelnen Institutionen. Dementsprechend spricht man z.B. von schottischer Heraldik im Unterschied zur englischen oder von kirchlicher Heraldik im Unterschied zur weltlichen. Historisch war die Heraldik eng verbunden mit den Institutionen, die die Vergabe von Wappen kontrollieren und damit verbundene Konflikte regeln, insbesondere den Heroldsämtern. Dabei kann man drei wichtige Teilbereicht unterscheiden:

  • Für die fachgerechte Beschreibung von Wappen, das Blasonieren, hat die Heraldik eine eigene Fachsprache entwickelt.
  • Die Wappenkunst ist die Gestaltung von Wappen nach heraldischen Regeln.
  • Neben den heraldischen Regeln sind oder waren in vielen Gesellschaften auch rechtliche Vorschriften für die Nutzung von Wappen zu beachten, das Wappenrecht.

Seit dem späten 19. Jahrhundert teilt sich die Heraldik im deutschsprachigen Raum in zwei zunehmend getrennte Disziplinen:

  • Die Heraldik als historische Disziplin beschäftigt sich mit historischen Wappen als Quellen der Geschichtswissenschaft, der Überlieferung von Wappendarstellungen und heraldischen Texten und ihren Deutungsmöglichkeiten. Als Teil der Historischen Hilfswissenschaft ist sie an einigen deutschen Universitäten vertreten.
  • Die Heraldik als normative Disziplin trifft sie regelbasierte Entscheidungen darüber, wie Wappen zu gestalten und darzustellen sind und gibt Auskunft darüber, wer diese Wappen wie nutzen soll. Heraldik in diesem Sinne ist wird heute vor allem von heraldischen Vereinen und freiberuflichen Wappenkünstlern betrieben. Sie beschäftigt sich vor allem mit Familienwappen in der Gegenwart.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung der Heraldik (12. bis 14. Jahrhundert)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heraldik als eine eigene Disziplin hat sich allmählich entwickelt, nachdem Wappen weit verbreitet waren. Diese kamen in Nordwesteuropa im 12. Jahrhundert auf; die ersten Belege stammen aus dem Hochadel im heutigen Nordfrankreich und England. Relativ schnell wurden Wappen aber auch von anderen Gruppen genutzt, insbesondere von Kommunen, Niederadeligen und in der Kirche (Bistumswappen). Wappen wurden in militärischen Kontexten genutzt, als Hoheitszeichen, auf Siegeln und Münzen sowie zu vielen anderen Zwecken. (Siehe den Hauptartikel: Wappen.)

Das früheste Indiz für die Entstehung der Heraldik ist die Ausbildung einer eigenen Terminologie zur Beschreibung von Wappen in England und Nordfrankreich ab dem 13. Jahrhundert. Andere Quellen, die über eine explizite Beschäftigung mit Wappen berichten, fehlen für das 13. Jahrhundert vollständig und auch für das 14. Jahrhundert weitgehend. Zwar wird bereits Ende des 12. Jahrhundert im Chevalier de la charrette ein Herold (hyraut) erwähnt, und die Episode legt auch nahe, dass ein Herold in dieser Zeit den Träger eines Wappen erkennen sollte (wenngleich der Herold im Chevalier daran kläglich scheitert).[1] Aus solchen literarischen Quellen kann man aber nicht schließen, dass Herolde bereits im 12./13. Jahrhundert Experten für Wappen waren oder gar den Gebrauch derselben kontrollierten. Es gibt aus dieser Zeit auch keine Schriftquellen, in denen heraldische Regeln formuliert worden wären.

Im Reich nördlich der Alpen gibt es ab dem 13. Jahrhundert Hinweise auf garzûne und kroijiaere, die wie Herolde als Boten und Diplomaten fungierten und auch Turniere ausrichteten, aber keine Hinweise auf eine heraldische Fachsprache. Die meisten frühen Werke aus dem Reich, die von Wappen, ihrer Beschreibung und ihrem Gebrauch handeln, stammen jedenfalls nicht von Herolden. Der Zürcher Chorherr Konrad von Mure komponierte 1264 den Clipearius Teutonicorum, ein lateinisches Lehrgedicht mit zahlreichen Wappenbeschreibungen. Zahlreiche Wappenbeschreibungen finden sich auch verstreut im Trojanerkrieg des Konrad von Würzburg († 1287). Die in beiden Werken vorkommenden Wappen entsprechen aber keineswegs den späteren heraldischen Regeln und die Beschreibungen lassen auch nur begrenzt den Gebrauch von Fachausdrücken erkennen.

In Italien sind Herolde erst spät belegt, das Wappenwesen war aber ab dem 13. Jahrhundert sehr hoch entwickelt. Familien, Zünfte, Kommunen, Stadtteile, die Parteien der Guelfen und Ghibellinen und andere Gruppen nutzten jeweils eigene Wappen. Die Stadt Florenz kontrollierte im Spätmittelalter die Verwendung von kommunalen und teilweise auch von Familienwappen.[2][3] Giovanni Villani († 1348) beschreibt in seiner Chronik ausführlich Wappen und verwendet dabei fachsprachliche Ausdrücke; er flocht auch Erzählungen zum Ursprung von Wappen ein, wie sie später in der heraldischen Fachliteratur üblich werden.[3] Bartolo da Sassoferato, der vermutlich berühmteste Jurist des 14. Jahrhunderts, verfasste mit seinem Traktat De insigniis et armis die erste Abhandlung, die sich ausdrücklich mit Wappen beschäftigte.[4] Der Traktat wurde handschriftlich und später im Druck in ganz Europa verbreitet. Bartolo begründete darin das Prinzip der freien Wappenzulegung mit Grundsätzen des römischen Rechts, diskutierte aber auch Einschränkungen: Unter bestimmten Umständen, so Bartolo, konnte der Inhaber eines Wappens anderen untersagen lassen, sich das gleiche Wappen zuzulegen, wenn ihm (dem Kläger) sonst ein Schaden entstehe. Der Traktat enthält auch einige (wohl nicht von Bartolo stammende[4]) Anmerkungen zur Darstellung von Wappen, z. B. zur Darstellung von Tieren als Gemeine Figuren und zur Wertigkeit verschiedener Farben: Gold und Purpur bzw. Rot seien die "edelsten" Farben.

Institutionalisierung der Heraldik im 15. und frühen 16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 14. Jahrhundert institutionalisierte sich das Heroldswesen deutlich.[5][6] In England, Frankreich, Burgund und den heutigen Niederlanden sind schon im 14. Jahrhundert nicht nur einzelne Herolde mit Amtsnamen, sondern auch Wappenkönige nachweisbar. Im Reich nördlich der Alpen ist im 15. Jahrhundert ebenfalls eine lockere Hierarchie verschiedener Herolde (mit Romrich als oberstem königlichen Herold) erkennbar.[7] In den westeuropäischen Monarchien bildeten sich im ausgehenden Mittelalter Heroldsämter aus, die die Vergabe von Wappen kontrollierten und in Konfliktfällen Entscheidungen trafen. Den höchsten Grad der Institutionalisierung erreichte die Heraldik dabei in England. Hier entstand 1484 das heute noch bestehende College of Arms.[8] Auch im Reich gab es um 1500 teilweise die Vorstellung, dass (neue) Wappen von Herolden kontrolliert werden sollten, was in der Praxis allerdings nicht geschah.[9]

Aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen auch die meisten Heroldskompendien, von denen zumindest einige auch heraldische Traktate beinhalten.[5] Diese Traktate behandeln unter anderem den oft in der Antike vermuteten Ursprung der Wappen, die fachgerechte Beschreibung derselben, die Wertigkeit der Farben und die Deutung von einzelnen Figuren. Auch die meisten Wappenbücher, die überhaupt sicher mit namentlich bekannten Herolden in Verbindung gebracht werden können, entstanden vereinzelt schon um 1400 (Gelre, Beyeren), vor allem aber in den Jahrzehnten um 1500 (Ingeram, Rüxner, Caspar Sturm). Nur ein kleiner Teil der erhaltenen Wappenbücher wurde allerdings von Herolden produziert oder genutzt.[10] Umgekehrt hatten die Herolde weiterhin viele Aufgaben, die nichts oder wenig mit Wappen zu tun hatten.[5][6][11] Heraldisches Wissen findet sich im 15. Jahrhundert aber in einem größeren Personenkreis. Der Domkanoniker Johannes Rothe zum Beispiel verfasste Anfang des 15. Jahrhunderts einen Ritterspiegel, der auch Hinweise auf normative Vorstellungen gibt, wie ein "richtiges" Wappen aussehen soll.

Insgesamt waren die Jahrzehnte um 1500 eine Blütezeit des Wappenwesens, insofern Wappen in fast ganz Europa sehr weit verbreitet waren und viele Funktionen hatten; während in vielen westeuropäischen Reichen Herolde Kontrollfunktionen ausübten, ist aus Deutschland zu dieser Zeit vergleichsweise wenig an Heraldik im Sinne einer professionellen Beschäftigung mit Wappen und ihrer Führung zu erkennen. Am kaiserlichen Hof war, vor allem zur Zeit Friedrichs III., sicher eine hohe heraldische Kompetenz vorhanden, und auch andere Fürstenhöfe, viele Städte, einige Klöster, adelige Genossenschaften, die Hofpfalzgrafen sowie einzelne Herolde verfügten über entsprechendes Wissen. Im Vergleich zu Westeuropa und vor allem England war das Wappenwesen im Reich aber deutlich weniger geregelt und die Heraldik nur schwach institutionalisiert. Wappenbriefe wurden zum Beispiel vom römischen König bzw. Kaiser, aber auch anderen Fürsten und zahlreichen Hofpfalzgrafen sowie gelegentlich vom Papst ausgestellt, und die freie Annahme von Wappen blieb üblich; eine Kontrolle auch nur der neu angenommenen Wappen war unter diesen Umständen beinahe unmöglich.

Heraldik in Deutschland und Europa in der Frühen Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der gesamten Frühen Neuzeit waren Wappen unverändert ein wichtiger Bestandteil der Adelskultur. Auch in der gelehrten Beschäftigung mit Wappen herrschte inhaltlich Kontinuität vor, methodisch entwickelte sich die Heraldik sehr langsam zu einer gelehrten Disziplin. Im Reichsgebiet gab es allerdings weiterhin kaum zentrale Institutionen der Heraldik; allenfalls an der Reichshofkanzlei entwickelten sich eigene heraldische Standards.[12]

Heraldik war weiterhin eng mit der Genealogie verbunden; gelehrte Beiträge stammten nicht zuletzt von Juristen, die mit Wappen und Stammbäumen schon deshalb zu tun hatten, weil sie Beweismittel für den adeligen Stand einer Person sein konnte. In diesem Sinne war die Heraldik eine Hilfswissenschaft der Rechtswissenschaft und konnte in diesem Rahmen auch an Universitäten gelehrt werden. An Ritterakademien wurde ebenfalls Heraldik gelehrt. Nur vereinzelt formulierten diese Gelehrten auch Regeln zur korrekten Gestaltung von Wappen. Dominante Themen waren vielmehr der "Ursprung" der Wappen, (adels-)rechtliche Fragen und allegorische Auslegungen einzelner Figuren und Farben.

Als Begründer einer wissenschaftlichen Heraldik im deutschsprachigen Raum gilt Philipp Jacob Spener († 1705), der bei der Deutung von Wappen in dem Sinne historisch vorging, dass er die Umstände der Entstehung und Änderung der Wappen und ihrer einzelnen Elemente zum Ausgangspunkt nahm. Der Universalhistoriker Johann Christoph Gatterer († 1799) behandelte die Heraldik als historische Hilfswissenschaft und verschaffte ihr damit eine Stellung innerhalb der universitären Geschichtswissenschaft seiner Zeit.[13]

Das 19. Jahrhundert und die Erneuerung der Heraldik in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert gab es in den meisten europäischen Ländern eigenständige heraldische Traditionen, die oft durch eigene gesetzliche Regeln und Institutionen bestimmt wurden. Im deutschen Sprachraum ist in dieser Zeit allgemein ein verstärktes Interesse an Wappen und Heraldik zu beobachten. Im Kontext von Säkularisierung, Verfassungsänderungen und anderen politischen Umbrüchen änderten viele Staaten ihre eigenen Wappen, teils mehrfach (Bayern zum Beispiel änderte allein zwischen 1799 und 1806 viermal sein Wappen). Die Wappenführung des Adels wurde vor allem im Kontext von Adelsmatrikeln kontrolliert, die Verleihung von Wappen an Bürgerliche stärker verrechtlicht. Kommunale Wappen wurden ebenfalls stärker kontrolliert und teilweise zwangweise geändert. Diese Entwicklungen waren teilweise von starken Konflikten begleitet; Adelsfamilien, Kommunen und Regionen entdecken gerade angesichts staatlicher Eingriffe den Wert von Wappen neu. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verband sich dies einerseits mit einem größeren Interesse an mittelalterlicher Geschichte und andererseits mit der nun auch im Bürgertum wachsenden Interesse an Genealogie und adeligen Repräsentationsformen. Sowohl die staatlichen Kontrollversuche als auch die eher affirmativen Beschäftigungen mit den jeweils eigenen Wappen schuf eine deutliche Nachfrage nach heraldischen Einführungen, gedruckten Wappenbüchern und historischen Arbeiten. Bereits Zeitgenossen erklärten den Aufschwung des Wappenwesens mit dem Beitrag von Wappen und ihrer patrilinearen Weitergabe zum "Familiensinn".[14] Die Ahnentafel, die bei der Verwissenschaftlichung der Genealogie im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielte,[15] wurde oft heraldisch gestaltet.

Ströhls Heraldischer Atlas von 1899 ist ein gutes Beispiel für ein heraldisches Musterbuch und zugleich Lehrbuch der "modernen Heraldik". Die Wappendarstellungen hier sind Nachzeichnungen der Zürcher Wappenrolle.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Heraldik, die die frühneuzeitliche Heraldik scharf ablehnte („Zopfheraldik“) und stattdessen einerseits das mittelalterliche Wappenwesen als vorbildlich erklärte, andererseits eine Systematisierung der Heraldik durch eine einheitliche (nun erstmals deutsche) Fachterminologie, heraldische Regeln und begleitende historisch-genealogische Forschung forderte. Das zentrale Projekt dieser Heraldiker war der sogenannte Neue Siebmacher, dessen Bände ab 1854 erschienen. Wichtige, für die Heraldik und Genealogie auch des 20. Jahrhunderts prägende Vertreter waren Karl von Hohenlohe-Waldenburg, Otto Titan von Hefner, Gustav Adelbert Seyler, Maximilian Gritzner, Adolf Matthias Hildebrandt und etwas später Otto Hupp. Neben einer sehr großen Zahl von Wappenbüchern, die Wappen der eigenen Gegenwart zusammenstellten, erstellten diese Heraldiker auch Musterbücher und publizierten mit großem Aufwand auch verschiedene mittelalterliche Wappenbücher als Faksimile. Viele dieser Publikationen wurden vom Starke-Verlag veröffentlicht.

Ab dem späten 19. Jahrhundert wurden verschiedene genealogisch-heraldische Vereine gegründet, die für die weitere Entwicklung der Heraldik eine große Rolle spielten. Sie sorgten durch Treffen, Kongresse und Publikationen von Zeitschriften für den Austausch innerhalb der Disziplin, popularisierten ihre Themen und stellten eine gewisse Kontinuität sicher. Letzteres war umso wichtiger, als Heraldik und Genealogie kaum an den Universitäten verankert waren. Während die Geschichtswissenschaft im späten 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle an deutschen Universitäten innehatte und insbesondere auch Hilfswissenschaften wie die Diplomatik und Paläographie dort auf sehr hohem Niveau betrieben wurden, war Heraldik in Forschung und Lehre kaum vertreten.

Heraldik in den deutschsprachigen Ländern seit 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Weltkriege, das Ende der Monarchie und die nationalsozialistische Herrschaft bedeuteten dramatische Brüche in der politischen Geschichte der deutschen Staaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Gemessen daran herrschte in der Heraldik eine starke Kontinuität der Institutionen, Personen und Methoden, vor allem in Westdeutschland. Auch in ästhetischer Hinsicht gab es 1918, 1933 oder 1945 jeweils kaum Brüche; der um 1900 kanonisierte historistische Stil blieb im Gegenteil bis heute weitgehend dominant. Wohl aber veränderte die Heraldik sich in bezug auf ihre gesellschaftliche Umwelt. Die Adelskultur, auf die sie sich stark bezogen hatte, war nicht mehr Teil der politischen Ordnung, und auch sonst konnten heraldische Werke rasch von der Geschichte überholt werden. Was als im Rahmen des Neuen Siebmacher als Sammlung der Wappen des "blühenden Adels" verschiedener Territorien des Reichs geplant und begonnen wurde, war nicht viel später ein Wappenbuch des ehemaligen Adels eines ehemaligen Teils des ehemaligen Reichs. Auch von den Monarchien, deren Wappen in der ersten Lieferung des ersten Bandes der ersten Abteilung unter dem Titel Souveraine der deutschen Bundesstaaten gesammelt wurden,[16] waren einige bei Abschluss des Bandes 1927 nicht mehr souverän, andere nicht mehr deutsch, und keine mehr monarchisch verfasst. Angesichts einer solchen Historisierung des eigenen Gegenstandes wurde die Heraldik, bei aller Kontinuität, deutlich stärker vergangenheitsbezogen, als in den Jahrhunderten zuvor.

Während der Bezug zur Adelskultur zunehmend zu einem historischen Aspekt der Heraldik wurde, blieb die Beziehung zur Genealogie sehr eng. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren dabei auch völkische Vorstellungen sehr stark; innerhalb der Heraldik war hier Bernhard Koerner zeitweilig prominent. Er vertrat die These, Wappen hätten sich aus Runen entwickelt und gründete einen eigenen heraldisch-genealogischen Verein (Deutscher Roland), der eine klar völkische, antisemitische Ideologie vertrat.[17] In der Heraldik war Koerner relativ isoliert, aber seine genealogischen Arbeiten (vor allem das Deutsche Geschlechterbuch) waren vor, während und nach dem Dritten Reich einflussreich.[15]

Als tragende Institutionen wurden im 20. Jahrhundert die heraldischen Vereine noch wichtiger, vor allem nachdem sich der Staat bei der Regelung des Wappenwesens weitgehend auf das staatliche und kommunale Wappenwesen beschränkte. Zusätzlich zu ihren bisherigen Tätigkeiten begannen einige Vereine nach Ende der staatlichen Heroldsämter mit der Führung sogenannter Wappenrollen (gedruckte Verzeichnisse der von ihnen registrierten Wappen). Der räumliche Schwerpunkt lag dabei insgesamt eindeutig in der Schweiz und der Bundesrepublik, da in Österreich nach 1918 und in der DDR heraldische Vereine kaum mehr tätig waren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michel Pastoureau: Traité d'héraldique. 5. Auflage. Picard, Paris 2008, ISBN 978-2-7084-0807-4.
  2. Christiane Klapisch-Zuber: Ruptures de parenté et changements d'identité chez les magnats florentins du XIVe siècle. In: Annales. Histoire, Sciences Sociales. Band 43, Nr. 5, 1988, ISSN 0395-2649, S. 1205–1240, doi:10.3406/ahess.1988.283550 (persee.fr [abgerufen am 22. April 2022]).
  3. a b Peter Seiler: Kommunale Heraldik und die Visibilität politischer Ordnung. In: Michael Stolleis, Ruth Wolff (Hrsg.): La bellezza della città Stadtrecht und Stadtgestaltung im Italien des Mittelalters und der Renaissance. Niemeyer, Tübingen, ISBN 978-3-11-094598-0, S. 205–240, doi:10.1515/9783110945980.205 (degruyter.com [abgerufen am 22. April 2022]).
  4. a b Osvaldo Cavallar, Susanne Degenring, Julius Kirshner: A grammar of signs : Bartolo da Sassoferrato's Tract on insignia and coats of arms. Robbins Collection, University of California at Berkeley, Berkeley 1994, ISBN 1-882239-07-5, S. 93–144.
  5. a b c Torsten Hiltmann: Spätmittelalterliche Heroldskompendien : Referenzen adeliger Wissenkultur in Zeiten gesellschaftlichen Wandels (Frankreich und Burgund, 15. Jahrhundert. München 2011, ISBN 978-3-486-85152-6.
  6. a b Nils Bock: Die Herolde im römisch-deutschen Reich. Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter. Thorbecke, Ostfildern 2015, ISBN 978-3-7995-4368-2.
  7. Klaus Graf: Bernhard Sittich, der Herold “Romreich” (um 1500) und seine Amtsvorgänger. In: Archivalia. 22. Januar 2016, abgerufen am 21. April 2022.
  8. Anthony Richard Wagner: Heralds and heraldry in the Middle Ages : an inquiry into the growth of the armorial function of heralds. 2. Auflage. Oxford University Press, London 1956.
  9. Torsten Hiltmann: Arms and Art in the Middle Ages: Approaching the Social and Cultural Impact of Heraldry by its Artisans and Artists. In: Laurent Hablot, Torsten Hiltmann (Hrsg.): Heraldic Artists and Painters in the Middle Ages and Early Modern Times. Thorbecke, Ostfildern 2018, ISBN 978-3-7995-1253-4, S. 11–23.
  10. Elmar Hofmann: Armorials in medieval manuscripts Collections of coats of arms as means of communication and historical sources in France and the Holy Roman Empire (13th-early 16th centuries). Thorbecke, Ostfildern 2022, ISBN 978-3-7995-1554-2.
  11. Torsten Hiltmann: Heralds are not heraldry, heraldry not heralds: On the benefits of clear distinctions. In: Heraldica Nova: Medieval and Early Modern Heraldry from the Perspective of Cultural History (a Hypotheses.org blog). 24. Februar 2014, abgerufen am 21. April 2022.
  12. Michael Göbl: Die Entwicklung heraldischer Normen im Heiligen Römischen Reich und in der Habsburgermonarchie. In: Herold-Jahrbuch N.F. Band 3, 2014, ISBN 978-3-9804875-8-0, S. 53–85.
  13. Martin Gierl: Geschichte als präzisierte Wissenschaft. Johann Christoph Gatterer und die Historiographie des 18. Jahrhunderts im ganzen Umfang. In: Fundamenta Historica. Texte und Forschungen. Band 4. frommann-holzboog, Stuttgart-Bad Cannstadt 2012, ISBN 978-3-7728-2568-2, S. 87–101.
  14. Gustav Adalbert Seyler: Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. Bauer und Raspe, Nürnberg 1890, S. 783–785 (nbn-resolving.de).
  15. a b Amir Teicher: „Ahnenforschung macht frei“: On the Correlation between Research Strategies and Socio-Political Bias in German Genealogy, 1898–1935. In: Historische Anthropologie. Band 22, Nr. 1, 2014, ISSN 0942-8704, S. 67–90, doi:10.7788/ha-2014-0105 (digizeitschriften.de [abgerufen am 22. April 2022]).
  16. Die Wappen der Souveraine der deutschen Bundesstaaten. Neu hrsg. und mit historischen, genealogischen und heraldischen Notizen begleitet von Otto Titan von Hefner. In: J. Siebmachers grosses und allgemeines Wappenbuch. Band 1, Nr. 1. Bauer und Raspe, Nürnberg 1854.
  17. Alexandra Gerstner: Deutscher Roland. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus, Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. de Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-027878-1, S. 181–182, doi:10.1515/9783110278781 (degruyter.com [abgerufen am 22. April 2022]).


Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung der Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen entstanden im Mittelalter aus verzierten Reiterschilden. Verzierungen von Schilden sind aus vielen Gesellschaften überliefert, aber von "Wappen" spricht man nur dann, wenn diese Zeichen überzeitlich stabil sind und ihre Gestaltung gewissen Regeln folgt. Ältere Schildzeichen, auf die dies nicht zutrifft, werden oft als "vorheraldisch" bezeichnet.

Darstellung von vorheraldischen Schildzeichen auf dem Teppich von Bayeux, zweite Hälfte des 11. Jh.

Eine Besonderheit von Wappen im Gegensatz zu anderen Arten von Verzierungen von Schilden ist desweiteren der Gebrauch dieser Zeichen in vielen nicht-militärischen Kontexten und dementsprechend ihre Darstellung in sehr unterschiedlichen Medien (auf Siegeln, Münzen usw.). Die frühesten belegten Wappen stammen von Hochadeligen aus dem heutigen Frankreich und England. Entsprechende Schilde haben sich aus dem 12. Jahrhundert nicht erhalten, aber Darstellungen von Schilden auf Reitersiegeln und vereinzelt anderen Quellen (Grabplastik, Buchmalerei).

Das Siegel, das Richard Löwenherz als Herzog der Normandie nutzte.

Viele der frühesten nachweisbaren Wappen im Hochadel ähneln den Bannern, die in der Schlacht als Feldzeichen dienten, und damit kollektiven (nicht individuellen) Zeichen.[1] Ähnliches gilt für Wappen von Hochstiften und Königreichen, die oft mit den entsprechenden Feldzeichen zusammenhängen. Ob man deshalb annehmen muss, Wappen seien aus Bannern und als Zeichen von Lehnsverbänden entstanden, ist umstritten.[2] Die Wappenbilder von Familien und Kommunen sind teilweise schon deutlich früher als Siegel- oder Münzbilder nachweisbar.[3] Eine ältere, aber immer noch oft wiederholte These erklärt die Verbreitung von Wappen mit dem Aufkommen von geschlossenen Rüstungen (speziell des Topfhelms) um 1200; Wappen sollen nach dieser Theorie geholfen haben, Freund und Feind in der Schlacht zu unterscheiden.[4] Eine andere Theorie betont, dass Wappen ähnlich wie die zur gleichen Zeit aufkommenden Familiennamen zur Markierung bestimmter (patrilinearer) Verwandtschaftsgruppen genutzt worden seien.[5] Die meisten dieser Erklärungen zur Entstehung von Wappen widersprechen einander nicht, werden in der Forschung aber unterschiedlich gewichtet. Sicher ist, dass Wappen sich im 12. und 13. Jahrhundert rasch in verschiedenen sozialen Gruppen verbreiteten (Hochadel, Klerus, Niederadel, Städte), dass sie sowohl in militärischen auch auch vielen nicht-militärischen Kontexten verwendet wurden und dass das gleiche Wappen oft mehrere Bedeutungen gleichzeitig hatte und haben sollte: Ein Familenwappen konnte gleichzeitig den Träger als Person, seine Familie und seinen Lehnsherren darstellen, ein Stadtwappen sowohl einen Amtsträger als auch die Kommune als auch den Stadtherren repräsentieren.

Wappen im 12.-14. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild des Konrad von Thüringen um 1230/40, einer der wenigen original erhaltenen und relativ sicher datierbaren Schilde des 13. Jahrhunderts mit heraldischer Gestaltung. Die Hauptfigur ist der Thüringische Löwe, klein ist ein Deutschordens-Wappen zu erkennen.

Im Lauf des späteren Mittelalters verbreiteten sich Wappen in ganz Europa. Sie sind unter anderem auf Siegeln und Münzen belegt, zunehmend aber auch in anderen Medien (Buchmalerei, Glasmalerei, Skulptur). In der höfischen Kultur spielte der Umgang mit Wappen eine große Rolle, wie Beschreibungen von Festen in höfischen Romanen, aber auch Chroniken und erhaltene Realien belegen. In Städten konnten Wappen die Kommune selbst und ihre Amtsträger, einzelne Personen, Familien und diverse Körperschaften und Gruppen (Zünfte, Stadtteile, Bruderschaften) markieren; die Grenzen zu anderen Zeichen wie Hausmarken oder Beschauzeichen war manchmal fließend. Auch bei der Begegnung von vielen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen konnten Wappen wichtig sein, um Informationen auszutauschen. Das gilt für alltägliche Kommunikation (z.B. Fernhandel) ebenso wie besondere Ereignisse, die viele Menschen in die Stadt brachten, z.B. Hoftage, Konzilien oder Turniere.

Neben Wappen von Familien und Körperschaften entwickelten sich manche Wappen auch zu Territorialwappen. Diese Wappen wurden von (wechselnden) Herrschern anstatt oder zusätzlich zu den eigenen Familienwappen geführt und änderten sich bei einem Dynastiewechsel gerade nicht. Das Herzogtum Franken zum Beispiel hatte im Spätmittelalter ein Wappen, obwohl der Herzogstitel effektiv mit keinen Herrschaftsrechten verbunden war.

Die Wappen des 12. bis 14. Jahrhunderts waren meist einfach gestaltet. Sie zeigten oft eine einzelne Gemeine Figur oder ein durch wenige gerade Linien gebildetes Heroldsbild und kommen mit zwei oder drei Farben aus, die einen starken Kontrast bilden (z.B. Rot/Weiß oder Blau/Gelb). Im Lauf der Zeit bildeten sich Konventionen aus, sowohl zur Darstellung einzelner Figuren (z. B. Löwen) als auch zur Gestaltung der Wappen insgesamt. Tendenziell nahm die Komplexität der Wappen im Lauf der Zeit zu, weil es immer mehr unterschiedliche Wappen gab. Parallel dazu entstand im 13. Jahrhundert in Frankreich und England eine eigene Fachsprache zur knappen Beschreibung (Blasonierung) von Wappen; sie gilt als Ursprung der Heraldik als eigener Wissenschaft von den Wappen. Eine Gruppe, die diese Sprache nutzte, waren Herolde, deren Aufgaben als Boten, Diplomaten und Experten für höfische Kultur sie immer wieder mit Wappen in Berührung brachte.

Wappen im 15. und frühen 16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Helmschau: Herolde und adelige Damen prüfen die Helmzier der Turnierteilnehmer (Grünenbergs Wappenbuch, Ende 15. Jh.)

Die Zeit vom späten 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert war in vielfacher Hinsicht eine Blütezeit der Wappen in Europa. Darstellung zum Wappenwesen aus dieser Zeit behandeln Wappen oft als Zeichen, die es "schon immer" gegeben habe und die auf der ganzen bekannten Welt genutzt würden. Daran ist zumindest richtig, dass Wappen in dieser Zeit von ganz unterschiedlichen Gruppen genutzt werden konnten: Adelige und Nicht-Adelige, Kleriker und Laien, Juden und Christen (seltener auch Muslime, z. B. die Nasriden) kommunizierten über Sprachgrenzen hinweg mit Wappen. Vor allem in der höfischen Kultur und im städtischen Leben waren Wappen allgegenwärtig.[6]

Ein quantitativer wie qualitativer Höhpunkt des Wappenwesens lag im späten 15. Jahrhundert. Die Überlieferung zeigt, dass Wappen in ganz unterschiedlichen Materialien, Größen und Techniken dargestellt wurden, sowohl in monumentaler Größe (z.B. Stadttore) und sehr repräsentativer Form (z.B. Goldschmiedearbeiten) als auch auf alltäglichen und/oder sehr vergänglichen Trägermedien, z.B. Spielkarten, Lebensmittel oder Süßwaren. Langfristig wichtig waren Wappenbücher, von denen zwischen ca. 1450 und 1530 besonders viele produziert wurden.[7] Zwischen 1479 und 1487 fanden die Turniere der Vier Lande statt, die im deutschen Sprachraum bis heute sehr stark das ideale Bild eines mittelalterlichen Turniers und der dort gebrauchten Wappen prägten, z. B. hinsichtlich Teilnahmebedingungen, des Ablaufs oder speziell der sogenannten Helmschau (siehe die Abbildung aus Grünenbergs Wappenbuch); die Helme einzelner Teilnehmer wurden dabei von Herolden, Schiedsrichter und/oder adeligen Damen begutachten und die Würdigkeit der jeweiligen Träger diskutiert.

Vor allem im Adel (einschließlich des Stadtadels) war seit dem späten 15. Jahrhundert der Nachweis möglichst vieler adeliger Vorfahren wichtig geworden, was ebenfalls die Darstellung von Wappen (z.B. in Adelsproben und auf Grabmälern) förderte. Der frühe Buchdruck trug dazu bei, dass Wappenbücher, Turnierberichte und genealogische Werke eine noch weitere Verbreitung fanden; eine wichtige Rolle spielte dabei insbesondere Georg Rüxners Turnierchornik.

Wappen in der Frühen Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Fürstbischofs Damian von Schönborn-Buchheim am Schloss Bruchsal (1726)

In der Frühen Neuzeit waren Wappen in ganz Europe sehr weit verbreitet; ihr Gebrauch wurde zunehmend reglementiert. Sogenannte Heroldsämter kontrollierten die Vergabe und Führung von Wappen vor allem im Adel und schlichteten eventuelle Konflikte. In England besteht diese Tradition schon seit dem Spätmittelalter und bis heute (siehe College of Arms). Mit der Kolonialisierung wurden Wappen auch außerhalb Europas verbreitet.

Im 17. und 18. Jahrhundert verloren Wappen teilweise an Bedeutung, blieben aber ein wichtiger Teil der Repräsentation von Individuen, Familien, Körperschaften und Staaten. Vor allem in der frühneuzeitlichen Adelskultur spielten Wappen aus praktischen Gründen (Adelsproben) und zur oft sehr aufwändigen Selbstdarstellung eine wichtige Rolle. Im Vergleich zum 15. Jahrhundert ändern sich die Schildformen und auch der Stil der Darstellungen deutlich. Frühneuzeitliche Staatswappen weisen oft sehr viele Felder auf, die sich meist auf die beherrschten (oder auch beanspruchten) Territorien beziehen. Bei der Darstellung der Wappen spielten ferner Prunkstücke in dieser Zeit oft eine besondere Rolle (Devisen, Wappenmäntel, Helme, Schildhalter), mit denen insbesondere der Rang und spezifische Würden des jeweiligen Staates und der Dynastie oder (bei geistlichen Fürsten) des Herrschers ausgedrückt wurden.

Die Assoziation von Wappen mit "Adel" war so eng, dass Wappen in der Französischen Revolution zwischenzeitlich abgeschafft wurden; unter Kaiser Napoleon I. wurden sie dann neu geregelt (siehe Napoleonische Heraldik). Auch in Österreich wurden Wappen als spezifisch adelig angesehen und mit dieser Begründung 1918 abgeschafft. In der Schweiz hingegen gab (und gibt) es ein lebhaftes Interesse für Familien- und kommunale Wappen, ohne dass darin ein Widerspruch zum Republikanismus gesehen würde.

Wappen im 19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für Wappen im historistischen Stil und ihre Verwendung für genealogische Darstellungen (aus Ströhls Atlas, 1899)

Im 19. Jahrhundert wurden Wappen zwar immer wieder als archaisch wahrgenommen, erlebten insgesamt aber eindeutig einen erneuten Zuwachs an Bedeutung, aber auch Reglementierung. Viele Monarchien regelten nicht nur staatliche Wappen, sondern auch Familienwappen. Neben dem Adel interessierte sich zunehmend auch das Bürgertum für Genealogie und Heraldik, und das Wappenwesen profitierte auch vom starken Interesse am Mittelalter seit der Romantik. Im deutschen Sprachraum entstand ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Heraldik, die mit großem Aufwand sowohl die Geschichte der Wappen untersuchte als auch Regeln zur Gestaltung von Wappen aufstellte. Dabei bildete sich ein neuer ästhetischer Konsens aus, der sich stark an der mittelalterlichen Buchmalerei orientierte; vor allem die Zürcher Wappenrolle, der Codex Manesse und Grünenbergs Wappenbuch spielten eine besondere Rolle. Die Darstellung von Wappen in der zweiten Hälfte des 19. und im gesamten 20. Jahrhundert ist daher sehr stark an die Formensprache dieser spätmittelalterlichen Werke angelehnt. Viele Wappen werden deutlich vereinfacht, z. B. hat das Wappen Württembergs ab 1817 zwei statt vorher achtzehn Felder.

Das Ende der Monarchie 1918 in Deutschland und Östrereich war zwar ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte der Wappen im deutschsprachigen Raum, aber nicht das Ende ihrer vielfältigen Nutzungen. Im gesamten 20. Jahrhundert blieben Familienwappen populär; das Interesse an Heraldik war und ist dabei eng mit dem für Genealogie und Adelskultur verbunden. Entsprechende Vereine waren und sind vielerorts wichtige Träger der Kontinuität trotz aller Brüche in der politischen Geschichte. Zwischen den 1950er und den 1970er Jahren gab es in Deutschland zudem ein auffällig starkes Interesse an kommunaler Heraldik, das sich in zahlreichen Wappenänderungen sowie entsprechenden Publikationen niederschlug. Wappen sind hier sowohl für lokalgeschichtliche Forschungen als auch als Ausdruck lokaler und regionaler Identität bis heute wichtig. Die Nutzungen von Wappen durch Fußballvereine oder auch in der Werbung knüpfen ebenfalls an solche Funktionen von Wappen an.

Sammelmarken mit Stadtwappen (Kaffee HAG, um 1930): Deutsche Ortswappen Neue Reihe, Heft 2
  1. Michel Pastoureau: Traité d'héraldique. 5. Auflage. Picard, Paris 2008, ISBN 978-2-7084-0807-4.
  2. Steen Clemmensen: The Proverbial Banner - An Axiom Revisited: A Re-Examination of the Evidence of Early Heraldry pre-1200. In: Jan T. Anema, Rob J. F. van Drie, Roelof K. Vennik, Bob Kernkamp (Hrsg.): Frontiers in Genealogy and Heraldy: Proceedings of the XXXth International Congress of of Genealogical and Heraldic Sciences, Maastricht 24–28 September 2012. Den Haag 2014, S. 95–106.
  3. Wilfried Schöntag: Kommunale Siegel und Wappen in Südwestdeutschland. Ihre Bildersprache vom 12. bis zum 20. Jahrhundert. Thorbecke, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-5266-0.
  4. Ludwig Biewer, Eckart Henning: Handbuch der Heraldik. Als "Wappenfibel" begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt; bearbeitet von Ludwig Biewer und Eckart Henning. 20., aktualisierte und neugestaltete Auflage. Böhlau, Köln 2017, ISBN 978-3-412-50372-7, S. 25.
  5. Georg Scheibelreiter: Heraldik. 2. Auflage. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-59124-8, S. 11–12.
  6. Werner Paravicini: Gruppe und Person. Repräsentation durch Wappen im späteren Mittelalter. In: Otto Gerhard Oexle, Andrea von Hülsen-Esch (Hrsg.): Die Repräsentation der Gruppen. Texte, Bilder, Objekte. Vandenhoeck & Ruprecht, Gottingen 1998, ISBN 3-525-35456-8, S. 327–389.
  7. Elmar Hofmann: Armorials in medieval manuscripts Collections of coats of arms as means of communication and historical sources in France and the Holy Roman Empire (13th-early 16th centuries). Thorbecke, Ostfildern 2022, ISBN 978-3-7995-1554-2.