Peter Lieb

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Peter Lieb (* 1974 in Garmisch-Partenkirchen) ist ein deutscher Militärhistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Wehrdienst (W12) 1993/94 beim Fallschirmjägerbataillon 251 in Calw studierte Lieb 1994/95 Volkswirtschaftslehre und von 1995 bis 2001 Neuere Geschichte, Geschichte Osteuropas und Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Pau und der Universität Paris XII. Nach dem Magister Artium (M.A.) in München war er Visiting Scholar am Deutschen Historischen Institut Paris. Von 2001 bis 2005 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte. 2005 wurde er bei Horst Möller an der LMU München mit der Dissertation Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44 zum Dr. phil. promoviert.

Darin zeichnet Lieb die völkerrechtswidrige deutsche Besatzungspolitik und Kriegführung auf dem westlichen Kriegsschauplatz nach. Er differenziert dabei zwischen den Verbänden der Wehrmacht und der SS. Letztere hätten einen ideologischen Kampf geführt, während die Wehrmacht sich am Gedanken der militärischen Zweckmäßigkeit orientiert, zugleich aber auch nur selten gegen diese Aufgabenteilung protestiert habe.[1] Für seine Arbeit, die im Rahmen des am Institut für Zeitgeschichte angesiedelten Projekts Wehrmacht in der NS-Diktatur entstand, wurde Lieb 2006 mit dem Förderpreis des Werner-Hahlweg-Preises für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften und dem Prix Guillaume-Fichet/Octave-Simon ausgezeichnet. Die 2007 erschienene Buchfassung von Liebs Dissertation wurde einerseits positiv rezensiert. Der Neuzeithistoriker Sönke Neitzel etwa lobte sie als „vorbildliche Untersuchung“,[2] während Roman Töppel vom Institut für Zeitgeschichte von einem „Standardwerk zur Geschichte des Krieges im Westen 1943/44“ sprach.[3] Armin Nolzen warf Lieb andererseits vor, „seinen Stoff nur unzureichend durchdrungen“ zu haben. Lieb übernehme „die Perspektive der Quellen, sodass er die verbrecherische Rolle der Wehrmacht in Frankreich“ unterschätze.[4]

Lieb war von 2005 bis 2015 Senior Lecturer am Department of War Studies an der Royal Military Academy Sandhurst (RMAS) und wurde 2006 Research Fellow am Centre for European Security der University of Salford. Außerdem lehrte er u. a. an der University of Reading. 2015 wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung, Bereich Grundlagen am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam. Lieb forscht zur Thematik Militärgeschichte und ist u. a. Mitglied im Arbeitskreis Militärgeschichte, in der Army Records Society und im Deutschen Komitee für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges.[5] 2009 war er Sachverständiger im Prozess gegen Josef Scheungraber am Landgericht München I. Beratend war er etwa für Arte tätig. Überdies ist er Mitglied des Advisory Boards des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung in Graz-Wien-Raabs. Lieb veröffentlichte u. a. in Militärgeschichtliche Zeitschrift, Journal of Strategic Studies und Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.

Lieb ist seit 2004 Reserveoffizier des Heeres und bekleidet derzeit den Dienstgrad eines Majors bei der Gebirgsjägertruppe. Reservedienstleistungen absolviert er beim Führungsstab der Streitkräfte in Bonn und als Ausbilder an der Gebirgs- und Winterkampfschule (Geb/WiKpfS) in Mittenwald.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander Brakel: Lieb, Peter: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. München 2007 (Rez.). H-Soz-u-Kult, 4. Januar 2008.
  2. Sönke Neitzel: Der Ostfront angenähert. Die deutsche Kriegführung in Frankreich 1943/1944 (Rez.). In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 35, 11. Februar 2009, S. 7.
  3. Roman Töppel: Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? (Rez.). Sehepunkte, Ausgabe 11 (2011), Nr. 12.
  4. Rezension Armin Nolzen in: Archiv für Sozialgeschichte, 30. Oktober 2007.
  5. Deutsches Komitee für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, MGFA, abgerufen am 22. März 2014.