Bergisches Haus

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bergisches Haus (Begriffsklärung) aufgeführt.
Das Deutsche Röntgen-Museum in Remscheid-Lennep befindet sich in einem voll verschieferten Patrizierhaus im Stil des Bergischen Landes
Haus mit „Bergischer Nostalgiemetzgerei“ in Odenthal

Das Bergische Haus (auch Bergischer Dreiklang oder Bergische Bauweise genannt) ist ein im Bergischen Land verbreiteter Fachwerkhaustyp.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typisch für den Fachwerk-Ständerbau sind die grünen Fensterläden (im Bergischen Schlagläden genannt), weiße Tür- und Fensterlaibungen in Verbindung mit schwarzem Ständerwerk und weißem Lehmgefache sowie die grau-schwarzen Schieferfassaden und/oder Bruchsteinsockel. Oft führt eine Steintreppe zur Haustüre hinauf.

Die Schieferfassade diente als Wetterschutz für das Gefache und war – je nach Stand und Reichtum des Hausbesitzers – entweder lediglich auf der primär windzugewandten Seite angebracht oder an allen vier Seiten, um das gesamte Gefache schützen zu können. Der Schiefer zeigt den regionalen Bezug des Hauses zur geologischen Einheit des Rheinischen Schiefergebirges.

Für den Bauernhaustyp (im Gegensatz zum ansonsten identischen, aber etwas größeren Kleinstadttyp) ist die grüne Haustür mit separater Ober- und Untertür ein weiteres Merkmal des Bergischen Hauses.

Neubergischer Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhaus des Neubergischen Stils in Solingen-Burg

Um 1900 versuchte man vor dem Hintergrund der Heimatschutzbewegung als bergische Bauweise erkannte Architekturformen zu sammeln, zu bewahren und zu fördern. Man orientierte sich nicht nur am ländlichen Bauernhaustyp, der auch in den Ortschaften in verkleinerter Form vorkam. Auch typische bergische Formen wie der Schleifkotten, Hammerkotten oder das Bleicherhaus kamen hierbei nicht zum Zuge.

In den bergischen Städten mit Ausnahme der rheinischen Teile des ehemaligen Herzogtums Berg prägten die schieferbeschlagenen 2½- bis 3½-geschossigen Häuser aus dem Zeitraum 1750 bis 1850 mit Stilmerkmalen von Spätbarock, Rokoko und Empire maßgeblich das Ortsbild. Insbesondere dieser bürgerliche Typ wurde von Denkmalpfleger Paul Clemen 1903 gegenüber dem Bergischen Geschichtsverein als Vorbild angeregt und propagiert, da es den modernen Bedürfnissen als geeigneter erschien. Diese Rückbesinnung auf die bergische Bautradition insbesondere der Bergischen Bürgerhäuser barocker Prägung wird auch als Neubergischer Stil bezeichnet, für den der Bergische Dreiklang von dunklem Schiefer, grünen Schlagläden und weißen Fenstern sowie die Errichtung markanter Zwerchhäuser kennzeichnend sind.[1] Dieser Typ war aber nur noch in den Neubaugebieten am Ortsrand möglich. In den Ortskernen entstanden tatsächlich bereits Häuser in 4½- bis 5½-geschossiger Bauweise.

Zugleich wurden „Bergische Stuben“ eingerichtet, in denen traditionelles Mobiliar gesammelt und ausgestellt wurde. Zu den Verfechtern bergischer Bauweise bei Fabrikbauten zählten Otto Schell und Friedrich Wilhelm Bredt.

Beispielbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Schmidt-de Bruyn: Das Bergische Patrizierhaus bis 1800. Köln 1983
  • J. de Jonge: Beschreibung des Bergischen Bürgerhauses. In: Bergische Bauweise, herausgegeben vom Ausschuss zur Förderung Bergischer Bauweise, Seite 6
  • Florian Speer: Heimatschutz-Stil. Anmerkungen zu einem Stilphänomen in der Architektur der Jahrhundertwende. Hausarbeit zum Seminar „Kunst in der Wupperregion“. 1994/95

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Solingen – Untere Denkmalbehörde, 8. Januar 2014, Denkmalfachliche Beschreibung und Beurteilung des Objektes Heresbachstr. 16, S. 1 (PDF; 2,8 MB) auf www2.solingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2015