Berliner Dekret

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Wortlaut des Berliner Dekrets, mit dem Napoleon 1806 die Kontinentalsperre verschärfte

Als Berliner Dekret bezeichnet man eine von Napoleon I. am 21. November 1806 in Berlin erlassene Verordnung, mit dem die gegen Großbritannien gerichtete Kontinentalsperre eine erste wesentliche Verschärfung erfuhr.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon seit 1793 wurden die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Großbritannien und Frankreich von einem wenig wirksamen Wirtschaftskrieg begleitet. Mit der französischen Hegemonie über das kontinentale Europa und als Folge der Niederlage in der Schlacht von Trafalgar 1805 suchte Napoleon, Großbritannien durch einen totalen Wirtschaftskrieg niederzuringen. Nach den verlorenen Schlachten von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 gegen Napoleon während des Vierten Koalitionskrieges, musste König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und seine Familie die Hauptstadt Berlin fluchtartig in Richtung Ostpreußen verlassen. Napoleon hielt wenig später, am 27. Oktober 1816, feierlich Einzug in Berlin. Er nahm im Berliner Schloss Quartier in den Räumen die zuvor Friedrich Wilhelm II. bewohnte.[2]

Von seinem Hauptquartier im Berliner Schloss erließ Napoleon zahlreiche Gesetze und Verordnungen. So ließ er die drei deutschen Fürsten, den Herzog von Nassau, den Kurfürsten von Hessen und den Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Absetzen und Enteignen.[2] Er veranlasste die Errichtung des Ruhmestempels La Madeleine in Paris und die Benennung der Brücke gegenüber der Pariser Militärschule in Pont d’Iéna. Am bedeutendsten wurde das am 21. November 1806 erlassene Dekret über den Blockadezustand der Britischen Inseln. Napoleon verfasste und unterzeichnete das Dekret ohne Wissen seines Außenministers Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord. Er wollte, wie er selbst verkündete, das Meer durch die Macht des Landes besiegen.[2] Noch wenige Tage zuvor empfing er im Schloss von Berlin eine Abordnung französischer Senatoren, denen er auch schriftlich eine Rechtfertigung seiner Absichten mitteilte.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Berliner Dekret, in dem der Begriff Kontinentalsperre noch nicht genannt wird, ist in zwei Teile gegliedert.

Der erste Teil beinhaltet in zehn Artikeln eine Begründung bzw. Rechtfertigung der Blockade gegen Großbritannien. So wird unter anderem in zahlreichen Anschuldigungen England ein Bruch des Seerechts und Völkerrechts vorgeworfen. Das Dekret wird als Grundsatz für Frankreich und die von ihm annektierten Gebiete sowie Frankreichs Alliierte betrachtet.[1]

Im zweiten zwölf Artikel umfassenden Teil wurden die konkreten Maßnahmen gegen Großbritannien aufgeführt. So z. B. in Artikel 1 der Blockadezustand der Britischen Inseln erklärt, der Handel und die Korrespondenz mit Großbritannien verboten (Artikel 2), jeder englische Untertan wurde zum Kriegsgefangenen erklärt (Artikel 4), alle Lager, jede Ware und jedes Eigentum eines englischen Untertanen wurde zur Prise (Artikel 5), kein Schiff aus England oder aus dessen Kolonien durfte einen Hafen anlaufen (Artikel 8). Mit der Ausführung des Dekretes wurden die Außenminister, Kriegsminister, Marineminister, Finanzminister, Polizeiminister und Generalpostdirektoren beauftragt (Artikel 12).[1]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel → Kontinentalsperre

Mit dem Berliner Dekret verhängte der französische Kaiser ein vollständiges Handelsembargo über die Britischen Inseln. Sofort nach dem Inkrafttreten des Dekrets wurden Kuriere an die Regierungen nach Holland, Spanien und Italien abgesandt, die Verordnungen unverzüglich umzusetzen. Marschall Adolphe Édouard Casimir Joseph Mortier, erhielt den Befehl, die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck zu besetzen sowie die Häfen von Mecklenburg und Pommern bis zur Oder. Er sollte die Waren englischer Herkunft beschlagnahmen und britische Händler gefangen nehmen.[3]

Großbritannien antwortete kurze Zeit später mit den Orders in Council vom 7. Januar und 11. November 1807, was faktisch eine Gegenblockade bedeutete. So wurde am 7. Januar bestimmt, dass neutrale Schiffe keine Häfen anlaufen dürfen, die zu Frankreich oder dessen Verbündeten gehörten oder von ihnen kontrolliert würden. Bei Nichtbeachtung drohte die Konfiskation der Ladung. Am 11. November wurde das Verbot auf alle Häfen und Plätze Frankreichs und seiner Verbündeter einschließlich ihrer Kolonien, generell auf mit Großbritannien Krieg führende Staaten sowie jene Länder erstreckt, welche den Handel mit britischer Flagge untersagten. Als gesetzwidrig wurde auch der Verkauf von Schiffen der Kriegsgegner an neutrale Staaten betrachtet.[4] Die britische Regierung unterstütze nun aktiv den Schmuggel von Waren, vor allem von der Insel Helgoland aus, auf den europäischen Kontinent.

Auszüge aus dem Berliner Dekret vom 21. November 1806[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artikel 1: Die Britischen Inseln sind in Blockade-Zustand erklärt.

Artikel 2: Aller Handel und alle Correspondenz nach den Britischen Inseln sind verboten.

Artikel 4: Jedes Individuum, welches Englischer Unterthan ist, es möge seyn, von welchem Stande es wolle, welches man in den Ländern finden wird, die von unseren Truppen, oder von den Truppen der Alliireten besetzt sind, soll zum Kriegsgefangenen gemacht werden.

Artikel 5: Jedes Magazin, jede Waare, jedes Eigentum, es sey von welcher Art es wolle, welches einem Englischen Unterthan gehört, soll für gute Prise erklärt werden.

Artikel 6: Der Handel mit Englischen Waaren ist verboten, und jede Waare, die England gehört, oder aus seinen Fabriken oder Colonien kommt, wird für gute Prise erklärt.

Artikel 10: Gegenwärtiges Dekret soll von unserem Minister der auswärtigen Angelegenheiten den Königen von Spanien, von Neapel, von Holland und Hetrurien und Unseren andern Alliirten mitgetheilt werden, deren Unterthanen, so wie die Unsrigen, das Opfer der Ungerechtikeit und der Barbarey der Englischen Gesetzgebung zur See sind.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Walter Demel / Uwe Puschner (Hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 6: Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongress. 1789−1815. Reclam, Stuttgart 1995, ISBN 978-3-15-017006-9, Seite 300−306.
  2. a b c Frank Bauer: Napoleon in Berlin. Preußens Hauptstadt unter französischer Besatzung 1806−1808. Berlin-Story-Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-929829-36-5, Seite 147−152.
  3. Adolphe Thiers: Geschichte des Consulats und des Kaiserreichs. Band 2: Das Kaiserreich. Carl B. Lorck, Leipzig 1849, Seite 252−254.
  4. Kontinentalsystem oder Kontinentalsperre. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 10. Band, S. 600.