Historische Kommission beim SPD-Parteivorstand

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Historische Kommission beim SPD-Parteivorstand (HiKo) fungiert seit 1982 als geschichtspolitisches und traditionsbewahrendes Gremium des SPD-Parteivorstandes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorschlag, eine Historische Kommission beim SPD-Parteivorstand einzurichten, wurde auf eine Anregung des damaligen Bundesgeschäftsführers der SPD, Peter Glotz, hin im Oktober 1981 vom Parteivorstand der SPD unter der Führung des Parteivorsitzenden Willy Brandt angenommen. 1982 trat die vom Parteivorstand ernannte Kommission erstmals zusammen. Erste Vorsitzende der Historischen Kommission wurde Susanne Miller. Die ursprüngliche Intention von Peter Glotz war die Stärkung der sozialdemokratischen Identität in einer für die SPD schwierigen Phase gewesen. Im Zuge der Diskussion über den NATO-Doppelbeschluss, Leistungskürzungen im Sozialbereich und den Schwierigkeiten mit dem damaligen Koalitionspartner hatte sich die Bundespartei in Flügelkämpfen aufgerieben. Mit einer Rückbesinnung auf die eigene, bereits damals schon über 100-jährige Tradition sollte das Identitätsgefühl der Partei wieder gestärkt werden.

Ende Juli 2018 wurde durch den SPD-Vorstand angekündigt, die Arbeit der Historischen Kommission und weiterer Gesprächsforen aus Kostengründen einzustellen.[1][2] Historiker mit unterschiedlichen politischen Präferenzen kritisierten dieses Vorhaben.[3]

Aufgaben und Zielsetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Wahrung der sozialdemokratischen Tradition agiert die Historische Kommission als aktiver Berater des SPD-Parteivorstandes und anderer sozialdemokratischer Gremien in Fragen der Geschichts- und Erinnerungspolitik. Jährlich veranstaltet die Historische Kommission wissenschaftliche Foren zu verschiedenen (zeit-)geschichtlichen Themen. Die historische Dimension aktueller politischer Fragen steht hierbei im Mittelpunkt. Darüber hinaus veranstaltet sie Workshops für junge Nachwuchshistoriker/innen, die sich thematisch mit Aspekten sozialdemokratischer Geschichte befassen. Ebenso bringt sich die Kommission durch Stellungnahmen in aktuelle politische Debatten ein.

Auswahl von Foren der Historischen Kommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 „Vertreibungen im 20. Jahrhundert. Geschehen und Vergegenwärtigung“
  • 2004 „Sozialstaat in Europa. Geschichte und Zukunft eines Erfolgsmodells“
  • 2005 „Deutschland, Europa und deutsche Katastrophe. Gemeinsame und gegensätzliche Lernprozesse“
  • 2007 „Das sozialdemokratische Projekt im Wandel – Zur Frage der Identität der SPD“.
  • 2009 „Die europäische Idee der Freiheit – Zur historischen und gegenwärtigen Bedeutung von 1989“

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernd Faulenbach, 2010

Die Mitglieder der Historischen Kommission werden vom Parteivorstand der SPD ernannt. Höchstes Beschlussgremium ist die jährlich tagende Jahresversammlung. Zwischen den Jahresversammlungen fungiert der Arbeitsausschuss der Historischen Kommission als ausführendes Organ. Der Historischen Kommission angegliedert ist das Sekretariat der Historischen Kommission in der SPD-Parteizentrale, welches vom Sekretär der Kommission geleitet wird. Seit 1989 ist Bernd Faulenbach, Ruhr-Universität Bochum, Vorsitzender der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand[4]. Entsprechend der Gliederung der Partei gibt es auch regionale Historische Kommissionen der SPD auf Länder-, Bezirks- und kommunaler Ebene (u. a. Historische Kommission der Berliner SPD oder der Partei in Nordrhein-Westfalen).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faulenbach, Bernd / Adler, Gunther (Hrsg.): Europa, Deutschland und die „deutsche Katastrophe“. Gemeinsame und gegensätzliche Lernprozesse, Essen, Klartext Verlag, 2007.
  • Faulenbach, Bernd / Adler, Gunther (Hrsg.): Sozialstaat in Europa. Geschichte und Zukunft eines Erfolgsmodells, Essen, Klartext Verlag, 2006.
  • Faulenbach, Bernd / Helle, Andreas (Hrsg.): Zwangsmigration in Europa. Zur wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung um die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten, Essen, Klartext Verlag, 2005.
  • Faulenbach, Bernd / Eckert, Rainer (Hrsg.): Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft? Mythos und Realität der 60er und 70er Jahre Ost und West, Essen, Klartext Verlag, 2003.
  • Faulenbach, Bernd / Potthoff, Heinrich (Hrsg.): Die deutsche Sozialdemokratie und die Umwälzung 1989/1990, Essen, Klartext Verlag, 2000.
  • Faulenbach, Bernd / Stadelmaier, Martin (Hrsg.): Diktatur und Emanzipation. Zur russischen und deutschen Entwicklung 1917–1991, Essen, Klartext Verlag, 1993.
  • Faulenbach, Bernd / Timmermann, Heinz (Hrsg.): Nationalismus und Demokratie. Gesellschaftliche Modernisierung und nationale Idee in Mittel- und Osteuropa, Essen, Klartext Verlag, 1993.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mike Szymanski: Sparmaßnahme. Das Ende der Geschichte, Süddeutsche Zeitung (online) 24. Juli 2018. Aufgerufen am 25. Juli 2018.
  2. Edgar Wolfrum: Die Geschichtsdemenz der SPD. In: Die Tageszeitung, 24. Juli 2018, aufgerufen am 25. Juli 2018.
  3. Paul Ingendaay: Das Gedächtnis der SPD soll abgeschafft werden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (online), 6. August 2018, Abruf am 6. August 2018.
  4. Andrea Nahles (Hrsg.) "Jahrbuch 2011–2012 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" 2013, Seite 91