Berner Disputation

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Handlung oder Acta gehaltner Disputation zuo Bernn in Üchtland, gedruckt in Zürich (1528)

Die Berner Disputation (auch Berner Religionsgespräch), die vom 6. bis zum 26. Januar 1528 stattfand, war eine obrigkeitlich angeordnete Disputation zwischen Anhängern der Reformation und Vertretern der altgläubigen Kirche. In ihrer Folge führte Bern die Reformation ein und verhalf ihr so in der Schweiz letztlich zum Durchbruch.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Reformation und Gegenreformation in der Schweiz

In Bern hatte es schon vor den Anfängen der Reformation in Zürich ebenfalls reformatorische Strömungen gegeben. in der Kirche Kleinhöchstetten predigte bereits 1522 der aus Deutschland stammende Jörg Brunner wie sein Vorgänger, der seit 1498 in Kleinhöchstetten tätige deutsche Priester Johann Wecker, im Sinne Martin Luthers. Brunner wurde verklagt und ein auf den 29. August 1522 in das Barfüsserkloster einberufenes Gericht von Räten und Theologen sprach ihn frei. Später wirkte der Dichter und Maler Niklaus Manuel mit antiklerikalen Fastnachtsspielen, Ulrich Zwinglis Freund und Briefpartner Berchtold Haller, seit 1520 Chorherr und Leutpriester am Berner Münster, predigte seit spätestens 1525 unter großem Zuspruch der Bürgerschaft im reformatorischen Sinn. Die Mehrheit im Stadtrat vertrat jedoch bis zur Badener Disputation von 1526 eine konservative Position und widersetzte sich einem Anschluss an die Zürcher Reformation. Erst als die Ratswahl von 1527 eine Mehrheitsänderung brachte, entschloss sich der Rat, nach Vorbild der Zürcher Disputationen die Reformation durch ein groß angelegtes Glaubensgespräch legitimieren zu lassen.

Im November 1527 wurden Vertreter der eidgenössischen Stände sowie zahlreicher süddeutscher Städte eingeladen. Ausdrücklich zur Teilnahme aufgefordert wurden die vier für das bernische Gebiet zuständigen Bischöfe von Basel, Konstanz, Lausanne und Wallis. Bei Nicht-Erscheinen sollten sie alle Rechte in Bern verlieren. Das Ergebnis wurde schon vorweggenommen durch die Bestimmung, dass nur die Heilige Schrift Grundlage der Disputation sein dürfe.

Mit der Ausschreibung wurden zehn Thesen veröffentlicht, die der Disputation zugrunde gelegt werden sollten. Sie waren von Haller und Franz Kolb verfasst und bekannten sich zur alleinigen Herrschaft Christi in der Kirche, zum reformatorischen Schriftprinzip und zur Rechtfertigung allein durch Christus. Auf dieser Grundlage wiesen die Thesen 4-10 römisch-katholische Lehren und Gebräuche wie die Transsubstantiationslehre, das Fegefeuer und den Zölibat zurück.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Disputation in der alten Barfüßerkirche nahmen neben dem Großen Rat und den fast 300 Geistlichen der Stadt und des Landgebiets zahlreiche Auswärtige teil. Die 60-köpfige Delegation aus Zürich stand unter der Leitung Zwinglis. Weitere prominente reformierte Theologen waren Johannes Oekolampad aus Basel, Joachim Vadian aus St. Gallen, Martin Bucer und Wolfgang Capito aus Straßburg, Ambrosius Blarer aus Konstanz, Paul Fagius aus Isny und Konrad Sam aus Ulm. Obwohl die vier Bischöfe ebenso wie Vertreter der katholischen Innerschweizer Orte fernblieben, waren auch altgläubige Theologen beteiligt, mit Konrad Träger und Johannes Buchstab als Wortführer. Das Präsidium unterband persönliche Angriffe und sorgte für eine unmittelbare Protokollierung aller Wortbeiträge.

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ende der Disputation unterschrieben 235 der Berner Geistlichen die zehn Thesen, 46 lehnten sie ab. Kurz danach, am 7. Februar 1528, erließ der Rat ein Mandat, mit dem in Bern die zehn Thesen als Norm für die Lehre eingesetzt, Messe und Bilder abgeschafft und die Jurisdiktion der Bischöfe für beendet erklärt wurde. Mit dem Berner Synodus, einer reformierten Kirchenordnung, kam 1532 die Einführung der Reformation zum Abschluss. Als Schutzherr der Genfer Kirche und der reformatorischen Bestrebungen im Berner Aargau, im Wallis und in Neuenburg sorgte Bern für die Festigung und weitere Ausbreitung der Reformation in der Schweiz. In St. Gallen, Mülhausen, Biel und Lindau (Bodensee) erließen die Obrigkeiten mit Berufung auf die Disputation ebenfalls reformatorische Mandate.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berner Synodus mit den Schlußreden der Berner Disputation und dem Reformationsmandat (übersetzt von Markus Bieter), Bern 1978 (Dokumente der Berner Reformation).
  • Wilhelm H. Neuser (Hrsg.): Berner Thesen von 1528. In: Reformierte Bekenntnisschriften. Bd. l/1: 1523–1534. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 2002, S. 197–205.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Wilhelm Locher: Die Berner Disputation 1528: Charakter, Verlauf, Bedeutung und theologischer Gehalt. In: Zwingliana 14 (1978), 542-564 (pdf-Datei).
  • Gottfried Wilhelm Locher: Die Berner Disputation 1528. In: 450 Jahre Berner Reformation. Beiträge zur Geschichte der Berner Reformation und zu Niklaus Manuel. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Bern, Bern 1980/1981 (Archiv des Historischen Vereins des Kt. Bern, Bd. 64-65), S. 138–155.
  • Irena Backus: Das Prinzip "sola scriptura" und die Kirchenväter in den Disputationen von Baden (1526) und Bern (1528). Zürich : Theol. Verl. 1997 (zuerst englisch 1993).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]