Beth Shalom (München)

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Beth Shalom (hebräisch בַּיִת שָׁלוֹם „Haus des Friedens“) ist eine liberale jüdische Gemeinde in München mit über 500 Mitgliedern (Stand 2016).[1] Die Gemeinde ist Mitglied in der Union progressiver Juden in Deutschland und darüber in der World Union for Progressive Judaism. Sie ist assoziiert mit dem britischen Movement for Reform Judaism und mit der Israelischen Bewegung für Reformiertes und Progressives Judentum - התנועה הרפורמית - יהדות מתקדמת בישראל. Ihre Partnergemeinde in Israel ist die Congregation Darchei Noam in Ramat HaSharon.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Abzug der US-Truppen 1992 endeten deren liberalen jüdischen Gottesdienste, an denen auch deutsche, vor allem aber englischsprachige liberale jüdische Münchner ohne Bezug zur US-Armee teilgenommen hatten.[3] Mehrere Eltern gründeten einen zunächst informellen Kreis, der eine Sonntagsschule für den Religionsunterricht ihrer Kinder organisierte. Ab 1994 gab es regelmäßigen Religionsunterricht und einmal im Monat einen liberalen Kabbalat-Schabbat-Gottesdienst am Freitagabend, kurz nach Sonnenuntergang. Im September 1994 war der Rabbiner Allen Podet aus den USA zu Gast und feierte mit den Münchner liberalen Jugend erstmals die großen Feiertage.

1995 fand die formelle Gründung der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom e. V. statt und die Aufnahme in die World Union for progressive Judaism. Seit 1996 hatte die Gemeinde erstmals eine (Teilzeit-) Mitarbeiterin, die Religionsunterricht gab. Im selben Jahr erhielt die Gemeinde eine eigene Tora-Rolle (Sefer Tora), die die Gemeinde Rodef Shalom aus Pittsburgh als Dauerleihgabe stellt. Im September 1996 hielt Gastrabbiner Moshe Zemer aus Tel Aviv die Feiertagsgottesdienste in München und der in Augsburg geborene Rabbiner Walter Jacob aus Pittsburgh wurde ehrenamtlicher Oberrabbiner von Beth Shalom. Die Gemeinde kann seit diesem Jahr die Räume der Katholischen Integrierten Gemeinde in der Münchner Ludwigsvorstadt mitnutzen.

1997 findet die erste Bat Mizwa bei Beth Shalom statt, die Gemeinde erhält ein eigenes Gräberfeld auf dem Waldfriedhof und Walter Homolka wird der erste feste Rabbiner der Gemeinde, der allerdings schon 1998 nach Hamburg umzieht. 1999 findet die erste Chuppa (jüdische Hochzeit) statt und ab 2003 mietet Beth Shalom erstmals eigene Räume in der Isarvorstadt. Seit 2004 hat Beth Shalom einen Toravorhang und eine weitere Tora-Rolle. 2005 übernimmt Tom Kučera noch im seinem letzten Studienjahr am Abraham-Geiger-Kolleg die Stelle des Rabbiners bei Beth Shalom. Er wird 2006 zusammen mit zwei Mitstudenten der erste liberale, in Deutschland ausgebildete Rabbiner seit der Shoa und führt bis heute die Gemeinde.

2008 erklärt Architekt Daniel Libeskind, dass er unentgeltlich Entwürfe für eine liberale Synagoge in München erstellt. Die Stadt München reserviert ein Grundstück im Lehel für diesen Zweck; weder sie, noch der Freistaat Bayern machen aber Zusagen zur Finanzierung.[1] Problematisch an dieser fehlenden finanziellen Unterstützung ist, dass Stadt, Land und Bund sich in erheblichem Maße am Bau der Synagoge Ohel Jakob und des Jüdischen Zentrums München der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) beteiligt haben. Insbesondere stellte die Stadt München den Verkaufserlös des Grundstücks zur Verfügung, auf dem bis zum Abriss 1939 im Dritten Reich die Münchner Hauptsynagoge gestanden hatte. Weil die Hauptsynagoge eine liberale Gemeinde war und die IKG trotz der Bezeichnung Einheitsgemeinde eine Einrichtung des orthodoxen Judentums ist, beklagen sich die liberalen Juden von Beth Shalom, dass Gelder, die aus dem liberalen Judentum stammten, an die orthodoxe Gemeinde Münchens gegangen sind und für sie keine Mittel zur Verfügung stehen sollen.

2011 legt Libeskind die Pläne vor, eine weitere Tora-Rolle wird der Gemeinde von einer befreundeten New Yorker Gemeinde zur Verfügung gestellt und Beth Shalom kann in wesentlich größere Räume in Mittersendling umziehen.

Seit 2014 hat Beth Shalom einen (Teilzeit-) Kantor und im selben Jahr gab es erstmals eine gemeinsame Veranstaltung mit der orthodoxen Gemeinde Ohel Jakob in der Synagoge am Münchner Sankt-Jakobs-Platz.

Zum zehnten Dienstjubiläum von Tom Kučera geben Mitglieder und Förderer der Gemeinde eine eigene Tora-Rolle in Auftrag, die von Sofer Bernard Benarroch in London geschrieben und am 24. September 2017 in die Gemeinde eingebracht wurde.[4]

Gemeindeleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beth Shalom hält regelmäßig Gottesdienste in den Liturgiesprachen Hebräisch und Deutsch ab, teilweise auch auf Englisch. Frauen und Männer sind dabei in jeder Hinsicht gleichberechtigt, werden also auch beide zur Alijah laTorah, der Lesung aus der Tora gerufen.[5] Beth Shalom erteilt staatlich anerkannten Religionsunterricht und bietet Bildungsveranstaltungen für Erwachsene an. Dabei werden der jüdische Glaube und die Gebote im Geist des liberalen Judentums vermittelt. Beth Schalom verwaltet einen kleinen Teil des Waldfriedhofs als Neuen jüdischen Friedhof.

Oberrabbiner ist Walter Jacob in Pittsburgh, Gemeinderabbiner ist Tom Kučera, Kantor Boris Rosenthal. Vorsitzender des Vereins ist der Physiker und pensionierte Journalist Jan Mühlstein.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Süddeutsche Zeitung: Ein unerfüllter Traum, 8. November 2016
  2. Beth Shalom: Über uns (abgerufen am 14. Juni 2019)
  3. Soweit nicht anders angegeben, beruht die Darstellung der Geschichte auf Beth Shalom: Gemeindechronik (abgerufen am 14. Juni 2019)
  4. Jüdische Allgemeine: Zehn Jahre in München, 9. Oktober 2017
  5. Beth Shalom: Wofür wir stehen (abgerufen am 14. Juni 2019)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]