Walter Homolka

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Walter Homolka (2007)
Papstaudienz vom 28. Oktober 2015 aus Anlass von 50 Jahren Nostra Aetate. Papst Franziskus begrüßt Rabbiner Walter Homolka

Walter Homolka (* 21. Mai 1964 in Landau an der Isar) ist ein deutscher Rabbiner und Hochschullehrer. An der Universität Potsdam ist er Rektor des 1999 von ihm mitgegründeten Abraham-Geiger-Kollegs und seit 2014 ordentlicher Universitätsprofessor für Jüdische Religionsphilosophie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach eigenen Angaben war Walter Homolka von der jüdischen Lehre „eines verborgenen Gottes“ fasziniert; auch habe er sich vom „Sinnmonopol“ seiner katholischen Umgebung abgrenzen wollen.[1] „Meine persönliche Entscheidung als Jugendlicher für das Judentum will ich nicht als Wertentscheidung gegenüber anderen Religionen verstanden wissen“, betont Homolka. „Es ist eher so, dass Gott Menschen eben da hinstellt, wo Gott eine Aufgabe hat. Nicht mehr und nicht weniger.“[2]

Nach dem Abitur studierte er die Fächer Theologie, Philosophie und Judaistik mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.[3] Er graduierte 1986 zum „Baccalaureus theologiae seu divinitatis“ (Ludwig-Maximilians-Universität München). Sein Studium setzte er am Leo Baeck College in London fort. 1989 erwarb er ein Zertifikat für Erwachsenenpädagogik (Hochschule für Philosophie München). 1992 promovierte er am King’s College London mit einer Arbeit über Rabbiner Leo Baeck und den deutschen Protestantismus. Einen MPhil in Jüdischen Studien (1993) und einen PhD über die jüdische Leben-Jesu-Forschung als postkoloniales Phänomen und ihre Auswirkungen auf den jüdisch-christlichen Dialog (2015) erwarb er am St. David’s University College Lampeter, University of Wales. Nach Abschluss der Prüfungen am Leo Baeck College war er 1997 zum Rabbiner ordiniert worden. Er war Rabbiner der liberalen Gemeinde in München und Landesrabbiner von Niedersachsen.

Nach einem beruflichen Werdegang unter anderem bei Bertelsmann, Greenpeace, der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft für internationalen Dialog und der Kultur-Stiftung der Deutsche Bank AG wurde Walter Homolka im September 2002 zum Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs, des ersten Rabbinerseminars in Deutschland seit der Schoah, ernannt.

Von 2006 bis 2015 war er Kolumnist der österreichischen Wochenzeitung Die Furche.

Von Mai 2007 bis Mai 2014 lehrte er als Honorarprofessor der Philosophischen Fakultät an der Universität Potsdam und hatte verschiedene Gastprofessuren inne, z. B. an der New York University, der Katholischen Péter-Pázmány-Universität in Budapest, dem Kanonistischen Institut Potsdam, dem Theologischen Studienjahr an der Dormitio-Abtei in Jerusalem und der Old Dominion University in Norfolk, Virginia.

Aus Protest gegen die Neuformulierung der Karfreitagsfürbitte für die Juden durch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2008 sagte Homolka seine Teilnahme am 97. Deutschen Katholikentag ab, da das Gebet die Judenmission billige. Er erklärte, Gott habe die Juden zum „Licht unter den Völkern“ berufen,[4] daher sei sicher keine Erleuchtung durch die katholische Kirche nötig. Außerdem warf er der katholischen Kirche vor, ihre „antisemitischen Tendenzen“ nicht im Griff zu haben. Homolka engagiert sich jedoch weiter im interreligiösen Dialog.

2014 wurde er Ordinarius für Religionsphilosophie der Neuzeit, Schwerpunkt Denominationen und interreligiöser Dialog, an der 2013 gegründeten School of Jewish Theology der Universität Potsdam.[5]

Homolka ist Oberstleutnant der Reserve beim Bundesverteidigungsministerium.

Weitere Ämter und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist Mitglied im

Homolka war Mitglied im „Jewish Studies Advisory Board“ der Princeton University, Moses Mendelssohn-Fellow und German Marshall Fund Fellow, außerdem stellvertretendes Stiftungsratsmitglied der Berliner Philharmoniker, Mitglied der Hessischen Kulturkommission und Mitglied des Aufsichtsrates der Österreichische Bundestheater Holding. Von 1997 bis 2000 und wieder ab 2004 war er Mitglied im Governing Body der World Union for Progressive Judaism. Von 1997 bis 2000 war er Mitglied im Vorstand der Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, von 2003 bis 2015 Vorsitzender des Kuratoriums der Ursula-Lübbe-Stiftung und bis 2014 Mitglied im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Umweltfonds. Investieren in die Zukunft. Economica, Bonn 1990, ISBN 3-92-683179-0.
  • Ein dem Untergang naher Aramäer war mein Vater … Das „kleine geschichtliche Credo“ und seine Wirkungsgeschichte im Midrasch der Pessach-Haggada. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach 1993.
  • Leo Baeck: Jüdisches Denken – Perspektiven für heute. Herder, Freiburg 2006.
  • Das Jüdische Eherecht. De Gruyter, Berlin 2009.
  • Jesus von Nazareth im Spiegel jüdischer Forschung. Herausgegeben von Centrum Judaicum, Hentrich & Hentrich, Berlin 2009; 2. Auflage 2010; 3. Auflage 2011, ISBN 978-3-942271-01-1 (= Jüdische Miniaturen. Band 85).
    • englische bearbeitete und erweiterte Ausgabe: Jesus Reclaimed – Jewish Perspectives on the Nazarene. Berghahn, New York/Oxford 2015.
  • Jewish Jesus Research and its Challenge for Christology Today. Brill, Leiden 2016.

Als Mitautor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Albert H. Friedlander: Von der Sintflut ins Paradies. Der Friede als Schlüsselbegriff jüdischer Theologie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993.
  • Mit Jonathan Romain: Progressives Judentum. Leben und Lehre. Knesebeck, München 1999.
  • Mit Kenneth Dyson: Culture First. Promoting Standards in the New Media Age. Cassell, London 1996.
  • Mit Gilbert S. Rosenthal: Das Judentum hat viele Gesichter. Die religiösen Strömungen der Gegenwart. Knesebeck, München 1999.
  • Mit Martin Bauschke und Rabeya Müller: Gemeinsam vor Gott. Gebete aus Judentum, Christentum und Islam. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004. 2. Auflage 2006.
  • Mit Elias H. Füllenbach OP: Leo Baeck. Eine Skizze seines Lebens. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006.
  • Mit Hans Küng: Weltethos aus den Quellen des Judentums. Herder, Freiburg 2008.
    • englische Übersetzung: How to Do Good and Avoid Evil – A Global Ethic from the Sources of Judaism. SkyLight Paths Publishers, Woodstock 2009.
  • Mit Andreas Nachama und Hartmut Bomhoff: Basiswissen Judentum. Herder, Freiburg im Breisgau 2015, ISBN 978-3-451-32393-5.
  • Lexika: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG 4. Auflage), Staatslexikon (8. Auflage), Encyclopedia of the Bible and its Reception (EBR), Evangelischen Lexikon für Theologie und Gemeinde

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schalom Ben-Chorin. Ein Leben für den Dialog. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1999.
  • Leo Baeck – Philosophical and Rabbinical Approaches. Frank & Timme, Berlin 2007.
  • Frieden in Fülle komme vom Himmel – Die schönsten Gebete des Judentums. Herder, Freiburg 2011.

Als Mitherausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Jonathan Magonet: Das Jüdische Gebetbuch. Übersetzung aus dem Hebräischen von Annette Böckler. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1997.
  • Mit Alexander Deeg und Heinz-Günther Schöttler: Preaching in Judaism and Christianity. Encounters and Developments. De Gruyter, Berlin 2008.
  • Mit Dirk Hartwig, Michael J. Marx, Angelika Neuwirth: „Im vollen Licht der Geschichte“. Die Wissenschaft des Judentums und die Anfänge der kritischen Koranforschung. Ergon, Würzburg 2008.
  • Mit Erich Zenger: „... damit sie Jesus Christus erkennen.“ Die neue Karfreitagsfürbitte für die Juden. Herder, Freiburg 2008.
  • Mit Tobias Barniske: Ernst Ludwig Ehrlich: Von Hiob zu Horkheimer. Gesammelte Schriften zum Judentum und seiner Umwelt. De Gruyter, Berlin 2009.
  • Mit Johannes CS Frank: Ein Leben in Deutschland. Inspiration für kommende Generationen. Berlin 2012.
  • Mit Heinz-Günther Schöttler: Rabbi – Pastor – Priest. Their Roles and Profiles Through the Ages. De Gruyter, Berlin 2013.
  • Mit Christian Wiese und Thomas Brechenmacher: Jüdische Existenz in der Moderne – Abraham Geiger und die Wissenschaft des Judentums. De Gruyter, Berlin 2013.
  • Mit Hans-Gert Pöttering: Theologie(n) an der Universität – Akademische Herausforderung im säkularen Umfeld. De Gruyter, Berlin 2013.
  • Mit Hanna Liss und Rüdiger Liwak: Die Tora. Die fünf Bücher Mose und die Prophetenlesungen (hebräisch-deutsch) in der revidierten Übersetzung von Rabbiner Ludwig Philippsons. Herder, Freiburg 2015
  • Reihe Aus Religion und Recht beim Verlag Frank & Timme

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Caroline Fetscher: Der Rabbi am grünen Ruder. Der Tagesspiegel, 30. Mai 1998. Online-Version (PDF; 13 kB)
  2. Yvonne Jennerjahn: Rabbiner mit grüner Vergangenheit, PNN vom 19. Oktober 2012
  3. 90 Jahre, 90 Köpfe auf der Webseite der Studienstiftung, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  4. Vgl. etwa Jes 60,1–22 EU sowie zu Jes 49,5 EU Walter Homolka, Esther Seidel (Hrsg.): Nicht durch Geburt allein: Übertritt zum Judentum. Frank & Timme, 2006, S. 23f.
  5. Rabbiner Homolka ist jetzt Uni-Professor, PNN vom 21. Mai 2014
  6. leo-baeck-foundation.org: http://www.leo-baeck-foundation.org/de/vorstand.htm. Stand 6. November 2009.
  7. Impressum der Website des Zacharias Frankel College
  8. Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg
  9. Friedmann Eißler Trägerverein für interreligiöses Zentrum in Berlin gegründet In: EZW-Materialdienst, Jg. 2011, Nr. 12, S. 466.
  10. Dekret vom 13. November 2002
  11. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  12. huc.edu: http://huc.edu/newspubs/pressroom/article.php?pressroomid=297. Stand 6. November 2009.
  13. Burkhard Schmidtke: Walter Homolka mit Ehrenkreuz der Bundeswehr ausgezeichnet. 2. Dezember 2010, archiviert vom Original am 6. Dezember 2010, abgerufen am 11. Januar 2014.
  14. Pressemitteilung des BMVg
  15. Zur Verleihung der Tschelebi-Friedenspreise 2011 an Rabbiner Walter Homolka, abgerufen am 15. Dezember 2015.
  16. Evangelischer Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte: Auszug aus der Rede von Professor Homolka anläßlich der Aushändigung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Walter Homolka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien