Bibra (Grabfeld)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 28′ 11″ N, 10° 26′ 24″ O

Bibra
Gemeinde Grabfeld
Ehemaliges Gemeindewappen von Bibra
Höhe: 362 m ü. NN
Fläche: 9,7 km²
Einwohner: 582 (30. Jun. 2015)
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 2007
Postleitzahl: 98631
Vorwahl: 036944
Karte

Lage von Bibra in Grabfeld

Luftaufnahme des Ortes, Blickrichtung Nord

Luftaufnahme des Ortes, Blickrichtung Nord

Bibra ist ein Dorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im fränkisch geprägten südlichen Thüringen. Seit dem 1. Dezember 2007 ist die ehemals politisch selbständige Gemeinde ein Ortsteil der Gemeinde Grabfeld.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibra liegt etwa zwölf Kilometer südlich von Meiningen im Tal des gleichnamigen Baches Bibra und bildet das Tor zur historischen Landschaft Grabfeld zwischen Thüringen und Bayern (Grabfeldpforte).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibra wurde 825 erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt. 1119 nannte man den Adligen "Rubertus de Bybera". Diese Herren waren reichsfrei und wurden deshalb sehr von der Obrigkeit umworben. Schließlich gelang es dem Hochstift 1343, die Lehnshoheit zu sichern. 1486 wurde durch Kaiser Friedrich III. das Marktrecht verliehen. Die Burg Bibra stürmten 1525 Bauern und zerstörten sie. 1526 erfolgt der Wiederaufbau. Nach einer erneuten Zerstörung 1646 wurde wieder auf- und umgebaut. Am 30. November 1693 wurde der größte Sohn des Ortes, der Komponist Christoph Förster, in Bibra geboren, wo er auch bei dem Organisten Johann Phillip Pitzler (gestorben 1722) ersten Unterricht erhielt, bevor er sich nach Weißenfels zu Johann David Heinichen, der sein Kompositionslehrer wurde, begab. Die Herren von Bibra nahm man 1805 in den Reichsritterstand auf. 1808 erwarben die Herzöge von Sachsen-Meiningen den Ort und gliederten ihn dem Amt Maßfeld an.[2] Heute ist die gut erhaltene Anlage im Besitz der Bibraer Adelsgesellschaft.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzte Bürgermeisterin vor der Eingemeindung war Antje Vogler.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal am Oskar-Meyer-Platz
  • Der Oskar-Meyer-Platz erinnert seit 1992 an das letzte Mitglied der jüdischen Gemeinde, das 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde. Die 1846 erbaute Synagoge in der Hauptstraße 10 war beim Novemberpogrom 1938 geschändet worden und diente später der Firma Johannes Herbig als Warenlager. Bis 1938 gab es im Ort auch ein Hachschara-Lager, das jüdische Jugendliche auf die Auswanderung nach Palästina vorbereitete. Die Juden des Ortes emigrierten oder wurden der Vernichtung durch das NS-Regime ausgeliefert. 2007 wurde am Oskar-Meyer-Platz in Erinnerung an die Juden, die in den Jahren 1933 bis 1945 vertrieben, verschleppt und ermordet wurden, ein Denkmal errichtet

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibra hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen. Zwei Kilometer südlich befindet sich die Anschlussstelle Rentwertshausen der Bundesautobahn 71.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Freiherr von Bibra: Geschichte der Familie der Freiherrn von Bibra. Kaiser, München 1870, (Digitalisat).
  • Wilhelm Freiherr von Bibra: Beiträge zur Familien Geschichte der Reichsfreiherrn von Bibra. 3 Bände. Kaiser, München 1880–1888, (online).
  • Heinrich Hartmann: Der Marktflecken Bibra. Eine Darstellung seiner politischen und kirchlichen Entwicklung. Festschrift zur 400jährigen Jubelfeier der Grundsteinlegung der Kirche, den 17. Juli 1892 (= Schriften des Vereins für Meiningische Geschichte und Landeskunde. Heft 13, ZDB-ID 513328-2). L. v. Eyes Buchhandlung, Meiningen 1892, (Digitalisat).
  • Herbert von Hintzenstern: Die Altäre in Bibra. Aus Riemenschneiders Werkstatt. 2. Auflage. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1969.
  • Herbert von Hintzenstern: Von Würzburg nach Bibra, Riemenschneideraltäre in Thüringen. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1987, ISBN 3-374-00214-5.
  • Martin Stingl: Reichsfreiheit und Fürstendienst. Die Dienstbeziehungen der von Bibra. 1500 bis 1806 (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. Reihe 9: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte. 41). Degener & Co, Neustadt a. d. Aisch 1994, ISBN 3-7686-9131-4 (Zugleich: Erlangen, Universität, Dissertation, 1993).
  • Werner Wagenhöfer: Die Bibra. Studien und Materialien zur Genealogie und zur Besitzgeschichte einer fränkischen Niederadelsfamilie im Spätmittelalter (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. Reihe 9: Darstellungen aus der fränkischen Geschichte. 45). Degener & Co, Neustadt a. d. Aisch 1998, ISBN 3-7686-9147-0 (Zugleich: Würzburg, Universität, Dissertation, 1996/1997).
  • Die Untersuchung und Restaurierung des Verkündigungsaltares und eines Corpus Christi aus der Evangelischen Kirche St. Leo in Bibra (= Arbeitshefte des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege. NF 3). Reinhold, Altenburg 2001, ISBN 3-910166-53-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bibra (Grabfeld) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Bibra in der Topographia Franconiae (Mathäus Merian) – Quellen und Volltexte
Panorama von Bibra

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  2. Gebietsaustausch 1808 im Rhönlexikon
  3. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 247.