Bilder deiner großen Liebe

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Bilder deiner großen Liebe (Untertitel: Ein unvollendeter Roman) ist ein postum veröffentlichtes Romanfragment, geschrieben von Wolfgang Herrndorf. Es erschien 2014, herausgegeben von Marcus Gärtner und Kathrin Passig, im Rowohlt Verlag und ist eine Fortsetzung des Romans Tschick aus der Sicht der Protagonistin Isa Schmidt in Form einer Road-Novel zu Fuß.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 14-jährige Ich-Erzählerin Isa bricht aus einer Anstalt aus. In einem Dorf, das sie per Anhalter und zu Fuß erreicht, klaut sie aus einem Supermarkt Essen, wobei sie sich Schnittwunden zuzieht. Nach einer Übernachtung im Kornfeld und einer nicht unentdeckt gebliebenen Dusche im Rasensprenger eines Fußballplatzes, inspiriert ein abgelegenes Haus Isa zu den Gedanken einer Romanerzählung mit ihr als Hauptfigur, die auf ihren aus dem Krieg heimkehrenden Mann wartet.

Im Anschluss verschafft sie sich unerlaubt Zutritt auf einem Lastkahn, nachdem ihr der Schiffer diesen ursprünglich verwehrte, verbindet er ihr die Füße und erzählt ihr seine Lebensgeschichte, nämlich von einem lange zurückliegenden Bankraub. Bevor der Schiffer an einer Schleuse nach einem versprochenen Absacker die Polizei verständigen kann, gelingt Isa die Flucht, auf der sie eine Tasche eines Mannes findet, der sich umgebracht hatte.

Im Folgenden folgt ihr ein, wie sie einem Schild entnimmt, taubstummer Junge, mit dem sie sich aber dennoch unterhält, weil er nicht mehr von ihr ablassen will, erzählt sie ihm die Geschichte eines im Spanienurlaub ausgesetzten Hundes, der bis nach Deutschland zurück zu seinem Herrchen gelaufen sei. So dann beschreibt sie mehrere kurze Szenen mit einem Passanten, der ihr ein Sandwich schenkt, Beobachtung zweier Obdachloser und die Begegnung mit einem Bauarbeiter, der in ihr seine erste Liebe wiedererkennt.

Schließlich beobachtet sie einen Mann, wie er den Rasen seines Gartens mäht und bietet ihm an, das zu übernehmen, der Schriftsteller entlohnt sie und bietet ihr Kleider seiner Tochter an. Isa entwendet samt den Kleidern den Schulranzen und entdeckt in einem Zimmer eine abgemagerte Frau, den Kopf lediglich mit einem Flaum bedeckt, die sie offenbar nicht von ihrer Tochter Angela unterscheiden kann. Sie verlässt das Haus unbemerkt über ein Dachfenster. Ihr weiterer Weg führt sie in einen Wald, wo sie erfolglos bei Wanderern um Essen bittet und anschließend einen toten Rehbock und einen toten Mann findet, dessen Pistole und 50 Euro sie entwendet. Die folgende beschriebene Nacht verbringt sie in einem heruntergekommenen Hotel.

Als nächstes beschreibt sie, wie sie per Anhalter vom Fahrer eines Tiertransporters mitgenommen wird, bei einem Stopp entblößt der Fahrer sein Genital, was sie aber nicht davon abhält, die transportierten Schweine mit Wasser zu versorgen. Ihr erneut zu Fuß weitergeführter Weg führt sie auf eine Müllkippe. Dort findet sie eine Schatulle für Pistole und Tagebuch und trifft auf zwei Jugendliche, denen sie an einer nahe gelegenen Tankstelle hilft, Benzin aus einem Auto abzuzapfen, worauf diese sie mitnehmen. Zum Ende wird eine Szene in den Bergen beschrieben, wo sie nah am Abgrund stehend mit der Pistole in die Luft schießt und die Kugel wieder millimetergenau zurück in den Lauf fällt.

Nachwort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Nachwort beschreiben die Herausgeber Marcus Gärtner und Kathrin Passig den Werdegang des Manuskripts, mit Zitaten aus Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur als zunächst wieder verworfenen Idee einer Fortsetzung des Romans Tschick. Als er sie wieder aufgriff, habe er sie aufgrund der fortgeschrittenen Krankheit nicht mehr selbst fertigzustellen vermocht. Nachdem dem Autorenwunsch nach einer Ko-Autorenschaft keiner seiner Freunde nachkommen wollte, willigte er kurz vor seinem Tod schließlich in die Veröffentlichung mit einem erklärenden Nachwort ein. Den Titel legte er selbst fest. Die Herausgeber beschreiben im Weiteren ihre Arbeit, aus verschiedenen alternativen Passagen gewählt, zwei dem Sinn nach aufgeschriebene ausgeführt, die Reihenfolge festgelegt, Überleitungen eingefügt sowie zwei LKW-Fahrer zu einem verschmolzen zu haben.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„..., in einer so grundumstürzenden Weise aus den literarischen Üblichkeiten heraus, dass man nun doch zu den allergrößten germanistenscheißartigen Vergleichen ansetzen und das Romanfragment in die Liga der weltberühmten Außenseiterromane einreihen möchte: Isa ist so verrückt wie Büchners Lenz, so verloren wie Robert Walsers Jakob von Gunten, so empfindsam und kalt wie CamusFremder.“

Die Zeit[1]

„Und wie bei seinem Meisterwerk, dem Wüstenroman ‚Sand‘, hat man hier bei der Lektüre der knapp 130 Seiten den Eindruck, dass dieses Buch in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seinesgleichen sucht, ja, dass es einzigartig ist – so kaputt, krank und daneben einerseits, gerade bezüglich der Dialoge. So voller Poesie, Schönheit, Traumverhangenheit, Trauer, Strahlkraft und auch Komik andererseits.“

Der Tagesspiegel[2]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe: Ein unvollendeter Roman. Herausgegeben von Marcus Gärtner und Kathrin Passig. Rowohlt, Berlin 2014, ISBN 978-3-87134-791-7; Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2015, ISBN 978-3-499-26909-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rezension in Die Zeit
  2. Rezension im Tagesspiegel