Bildungssystem in Namibia

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Aufbau des namibischen Bildungssystems (Stand August 2014)[1]
Ein Klassenzimmer in Namibia

Das Bildungssystem in Namibia basiert auf 1723 Schulen (Stand 2013,[2] davon 119 private und 26 im Bau befindliche) und rund 20 staatliche und private Hochschulen. Darüber hinaus gibt es in Namibia landesweit Ableger des Namibia College of Open Learning (NAMCOL), eine Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung, die Schulbildung für nicht Schulpflichtige anbietet.

Die namibische Verfassung regelt neben dem allgemeinen Recht auf Bildung (Art. 20, Abs. 1) auch die Dauer des Schulbesuchs (Abs. 3): kein Kind soll die Schule verlassen dürfen, ehe es die siebenjährige Primarschulbildung beendet oder das Alter von sechzehn Jahren erreicht hat. Die Aufnahme in Klassenstufe 1 erfolgt in dem Jahr, in dem ein Kind das Alter von sieben Jahren erlangt (Education Act 2001: 53 (1)). Praktisch werden die Kinder jedoch mit fünf bis sieben Jahren eingeschult.

Die Grundbildung ist in Namibia seit dem Schuljahr 2013 kostenlos (vorher waren es umgerechnet etwa € 30 pro Trimester), weiterführenden Schulen sind seit dem Schuljahr 2016 kostenlos. Die Wiedereinführung von Gebühren ist (Stand August 2017) geplant.[3]

Der Bildungsetat im namibischen Haushalt beträgt 13,1 Milliarden Namibia-Dollar (2014/15) und ist damit 100 Prozent mehr als 2010/2011.

87 Prozent der schulpflichtigen Kinder besuchten 2011 eine Schule. Die Alphabetisierungsrate in Namibia beträgt 89 %.[4]

Bildungsreform 2015–2022[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2014 wurde die umfangreichste Bildungsreform in der Geschichte Namibias vorgestellt. Die Bildungsreform soll 2015 beginnen und 2022 abgeschlossen sein. Unter anderem soll der muttersprachliche Unterricht in allen Fächern bis einschließlich der 5. Klasse eingeführt werden. Ein freiwilliges 13. Schuljahr soll in Zukunft Abgänger besser auf den Übertritt in eine Universität vorbereiten.[5]

Die neuen Lehrpläne für alle Klassenstufen wurden im August 2014 vorgestellt. Die Implementierung beginnt mit der Grundschule 2015 und endet 2022 mit der 13. Klasse (A-Level).

Unter anderem sieht die Reform folgende Punkte vor:

  • Untere Grundschule (Klasse 1-3): Unterricht in der Muttersprache; zudem Pflichtfächer Englisch, Mathematik, Umweltwissenschaft, Kunst, Sport und Religion
  • Obere Grundschule (Klasse 4-7): Pflichtfächer sind Englisch, Muttersprache, Mathematik, Naturwissenschaft, Gesundheitswissenschaft, Sozialwissenschaft
  • Untere Oberschule (Klasse 8 und 9): Pflichtfächer sind Englisch, Mathematik, Biowissenschaft, Physik, Geografie und Geschichte
  • Obere Oberschule (Klasse 10 bis 12 und 13): Pflichtfächer sind Englisch und Mathematik[1]

Schulsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassenstufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schulische Entwicklung eines Schülers durchläuft vier Phasen: Die Grundschulbildung (primary education) gliedert sich in die Vorschule und Grundschule (pre-primary und junio primary, Klassenstufen 0-3; ehemals „Standard 1“ und „Standard 2“ sowie Klassenstufe 1 und 2) und die höhere Grundschulphase (senior primary, Klassenstufen 4-7). Hier endet die Schulpflicht und der Übergang in die Sekundarstufe ist möglich. Diese teilt sich wiederum in eine untere (junior secondary, Klassenstufen 8-10 - entsprechend Nationaler Qualifikationsstufe (NQF) 2) und obere Sekundarschulphase (senior secondary, Klassenstufen 11-12; NQF 3 und 4).[1]

Privatschulen wie die Deutsche Höhere Privatschule Windhoek weichen von diesem System ab.

Unterrichtssprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sprachenregelung für namibische Schulen[6] regelt die Unterrichtssprachen für Namibia. In den Klassenstufen 1 bis 3 soll in der Muttersprache oder der Hauptsprache der Region unterrichtet werden. Ein Antrag für Unterricht auf Englisch muss jede Schule beim Bildungsministerium stellen. In der Klassenstufe 4 soll der Übergang zu Englisch als Unterrichtssprache geschaffen werden. In den darauf folgenden Klassenstufen 5-7 ist Englisch einzige Unterrichtssprache, jedoch kann die Muttersprache bzw. Hauptsprache unterstützend eingesetzt werden. Sie muss zudem als normales Unterrichtsfach unterrichtet werden. In den Klassenstufen 8-12 wird auf Englisch unterrichtet und die Muttersprache bzw. Hauptsprache ist Schulfach.

Grundsätzlich sind die folgenden Sprachen als erste Sprachen zugelassen: Afrikaans, Deutsch, Englisch, Ju'hoansi, Khoekhoegowab, OshiNdonga, RuKwangali, Setswana, Thimbukushu, OshiKwanyama, OtjiHerero, Rumanyo und Silozi. Als zweite Sprachen müssen Afrikaans und Englisch unterrichtet werden. Weitere Sprachen sind nach Absprache mit dem Ministerium anzubieten. Als Fremdsprachen sind Französisch, Deutsch und Portugiesisch anzubieten. Alle Sprachen sind grundsätzlich gleichberechtigte Unterrichtssprachen.

Englisch ist zudem Pflichtunterrichtsfach ab Klasse 1. Eine weitere Sprache muss von der 1. Klasse an gelernt werden. Ausnahmen gibt es ausschließlich für Kinder von ausländischen Arbeitern und Diplomaten.

Den Privatschulen ist die Unterrichtssprache in den Klassenstufen 1-7 freigestellt, wobei mindestens eine namibische Nationalsprache unterrichtet werden muss und das Fach Sozialkunde auf Englisch angeboten werden muss.

Unterrichtsfächer und -zeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fächerkanon der Primar- und Sekundarschulphase deckt ein breites Wissensspektrum ab. Während in der Grundschule Alphabetisierung, die Erlangung mathematischer Fähigkeiten und eine gesundheitliche, sprachliche und religiöse Ausbildung im Vordergrund stehen, bieten die secondary schools auch naturwissenschaftlichen Unterricht an. Ein Unterrichtsraum ist zumeist einem Lehrer zugeordnet, so dass Schüler fast jede Stunde den Raum wechseln müssen.

Im Allgemeinen besuchen die Schüler in jeder Stufe die Schule Montag bis Freitag von etwa 7.15 Uhr bis 13.00 Uhr. Einige Schulen bieten Nachmittagsunterricht bzw. -betreuung. Eine Schulstunde dauert generell 40 Minuten.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewertung der Schülerleistung durch den Lehrer erfolgt in den einzelnen Klassenstufen unterschiedlich: In der unteren Primarphase die Schülerleistung kontinuierlich bewertet, und es finden keine Prüfungen statt (continuous assessment). In allen anderen Klassenstufen werden am Ende jedes Trimesters Prüfungen abgelegt. Besonderen Wert besitzen dabei die Examen in den Klassenstufen 7, 10 und 12. Durch diese werden die einzelnen Schulphasen abgeschlossen und die Zulassung zur nächsthöheren Stufe erlangt.

Die Schülerbewertung erfolgt ab Klassenstufe 1 über Noten. Diese variieren in Abhängigkeit von Klassenstufe und Schulart, in den Sekundarstufen wird ein Punktesystem (0-15) vergleichbar der Gymnasialen Oberstufe verwendet, in einigen Schulen und Stufen ein Buchstabensystem (A-F) bzw. Prozentsystem. Nach jedem Trimester bekommt der Schüler ein Informationsschreiben, in dem seine Noten aufgeführt sind.

Versetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versetzung ins nächste Schuljahr erfolgt zu Ende des letzten Trimesters, im Dezember des Jahres. Innerhalb der einzelnen Schulphasen erfolgt die Versetzung automatisch, "sitzen bleiben" kann ein Schüler grundsätzlich nicht mehr. Schüler die die 10. Klasse (Junior Secondary Certificate) nicht erfolgreich abschließen (in 2015 etwa 46 Prozent[7]), müssen das Schulsystem verlassen. Lediglich Schüler die bei der Prüfung jünger als 17 Jahre waren, dürfen die 10. Klasse wiederholen. Die 12. Klasse kann auf eigenen Wunsch wiederholt werden.

Abschlüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeder Absolvent der 12. Klasse bekommt das Namibia Senior Secondary Certificate (NSSC) nachdem eine landesweit einheitliche Prüfung durchgeführt wurde. Ein Nichtbestehen ist nicht möglich. Das 12. Schuljahr kann jedoch freiwillig zur Verbesserung der Abschlussnoten wiederholt werden. Für namibischen Universitäten gilt das NSSC als Hochschulzugangsberechtigung, jedoch können die Universitäten eigene Mindestanforderungen festlegen. Der internationale Abschluss Advanced Level (A-Level) kann an einigen Schulen in einem freiwilligen 13. Schuljahr erworben werden.

Im Ausland, mit Ausnahme der SADC-Region, wird der Abschluss der namibischen Sekundarstufe generall nicht anerkannt. Um trotzdem eine international anerkannte Hochschulreife zu erlangen, muss ein zusätzlicher Schulabschluss erreicht werden (z.B. das Abitur der Deutschen Höheren Privatschule oder das International Baccalaureate), das nur von Privatschulen angeboten wird.

Seit 2007 wird zudem nicht mehr der auch international anerkannte und durch die Universität von Cambridge vergebene Abschluss Higher International General Certificate of Secondary Education (HIGCSE) nach Klasse 12 erreicht. So müssen nun auch namibische Absolventen besondere Sonderprüfungen ablegen um ein Studium in Südafrika aufnehmen zu dürfen. So wird für eine Universitätszulassung in Südafrika neben anderen Bestimmungen ein Prüfungsergebnis von mindestens fünf Fächern auf "Higher Level" (hohem Standard) und einer Mindestnote von jeweils 55 % gefordert. [8]

Tertiäre Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tertiäre Bildung wird in Namibia durch Berufsschulen (englisch Vocational Education) und Universitäten sichergestellt.

Zahlen und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Daten aus 2016. Trend zum Vorjahr 2015.[9]

Region Schüler Lehrer Schulen Schüler
je Lehrer
Erongo 40.204 1512 066 26
Hardap 24.110 0917 057 26
ǁKaras 22.085 0922 052 24
Kavango-Ost 58.387 1840 162 32
Kavango-West 38.835 1354 172 29
Khomas 83.119 3372 104 25
Kunene 28.163 1078 068 26
Ohangwena 99.156 3853 257 26
Omaheke 22.111 0833 043 27
Omusati 91.231 3914 276 23
Oshana 52.524 2290 135 23
Oshikoto 67.544 2816 219 24
Otjozondjupa 44.542 1607 077 28
Sambesi 35.867 1578 109 23
Gesamt 707.878 27.886 1796 25

Deutsches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Schulen in Namibia haben deutschen Ursprung, bieten den Unterricht auf Deutsch als Muttersprache an beziehungsweise sind Partner der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ PASCH des Auswärtigen Amtes (Stand: 2014[10]). Lediglich die DHPS in Windhoek ist eine vollwertige Deutsche Auslandsschule.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Implementation of the Revised Curriculum for Basic Education. Office of the Minister of Education, Ministry of Education; in: The Namibian, 22. August 2014, S. C2/C3.
  2. Nine regions need 55 schools. The Namibian, 20. August 2013 abgerufen am 10. November 2014
  3. Free education to fall. Namibian Sun, 13. August 2017.
  4. Namibia 2011 Population and Housing Census Indicators., Namibia Statistics Agency, März 2013 (PDF; 2,9 MB) abgerufen am 29. März 2013
  5. Minister beendet Sprachknebelung. Allgemeine Zeitung, 14. März 2014 abgerufen am 14. März 2014
  6. Sprachenregelung für Schulen in Namibia
  7. Grade 10 and 12 exam results improve slightly. Namibia Press Agency, 16. Dezember 2015
  8. Zwei Wege zum Erfolg: die Schulabschlüsse an der DHPS. In: 100 Jahre DHPS. (PDF; 8,0 MB) Jubiläumsbeilage in der Allgemeinen Zeitung. S. 10-11. (Schulabschlüsse)
  9. Ministry of Education, Arts and Culture (Hrsg.): Namibia, Fifteenth School Day Report 2016. Windhoek 2016.
  10. Weltkarte der Partnerschulen, PASCH-Net (PDF; 2,9 MB)