Bilzingsleben

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bilzingsleben
Bilzingsleben
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bilzingsleben hervorgehoben
Koordinaten: 51° 17′ N, 11° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sömmerda
Verwaltungs­gemeinschaft: Kindelbrück
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 16,79 km²
Einwohner: 692 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06578
Vorwahl: 036375
Kfz-Kennzeichen: SÖM
Gemeindeschlüssel: 16 0 68 004
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Puschkinplatz 1
99638 Kindelbrück
Webpräsenz: www.bilzingsleben.de
Bürgermeister: Matthias Bogk
Lage der Gemeinde Bilzingsleben im Landkreis Sömmerda
Alperstedt Andisleben Beichlingen Bilzingsleben Büchel Buttstädt Buttstädt Eckstedt Ellersleben Elxleben Eßleben-Teutleben Frömmstedt Gangloffsömmern Gebesee Griefstedt Großbrembach Großmölsen Kölleda Großneuhausen Großrudestedt Günstedt Guthmannshausen Hardisleben Haßleben Henschleben Herrnschwende Kannawurf Kindelbrück Kleinbrembach Kleinmölsen Kleinneuhausen Kölleda Mannstedt Markvippach Nöda Olbersleben Ollendorf Ostramondra Rastenberg Riethgen Riethnordhausen (bei Erfurt) Ringleben (bei Gebesee) Rudersdorf Schillingstedt Schloßvippach Schwerstedt Sömmerda Sprötau Straußfurt Udestedt Vogelsberg Walschleben Weißensee Werningshausen Witterda Wundersleben ThüringenKarte
Über dieses Bild

Bilzingsleben ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Sömmerda, am Nordrand des Thüringer Beckens. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Rande des Ortes fließt die Wipper, ein Nebenfluss der Unstrut.

Blick auf Bilzingsleben von Süden

Angrenzende Gemeinden sind Frömmstedt, Kannawurf und Kindelbrück im Landkreis Sömmerda sowie die Stadt Bad Frankenhausen, Kyffhäuserland, Oberbösa und Oldisleben im Kyffhäuserkreis.

Die Gemeinde setzt sich aus den beiden Ortsteilen Bilzingsleben und Düppel zusammen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Germanischer Sonnenkultstein

Bilzingsleben wurde 1174 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits im 12. Jahrhundert wurde Travertin als begehrtes Baumaterial in Steinbrüchen abgebaut. 1350 verpfändeten die Grafen Heinrich und Hermann von Beichlingen das Dorf Bilzingsleben an die Stadt Erfurt. Zwischen 1400 und 1450 wurde die Kirche erbaut.

Bilzingsleben war 1669–1674 von Hexenverfolgung betroffen. Liese, Frau von Nicol Gräser, geriet in einen Hexenprozess und wurde verbrannt.[2] Der Ort gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Sachsenburg. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Landkreis Eckartsberga im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1944 gehörte.[3] 1819 wurde auf dem Gut von Ludwig von Helmolt, Landrat des Kreises Eckartsberga, Thüringens erster Geschichtsverein gegründet.[4]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Endung -leben geht vermutlich auf das althochdeutsche Wort leiba zurück, das so viel wie Überbleibsel oder Hinterlassenschaft bedeutet, also kurz das Erbe der Väter bezeichnet. In der ersten Hälfte des Ortsnamens ist dann in der Regel der Name derjenigen Person enthalten, die die Siedlung oder Besitzung seinen Nachkommen hinterließ. So ist in der ersten Hälfte des Ortsnamens Bilzingsleben der Personenname Bulzo enthalten, und die Endung -leben kennzeichnet das Dorf als das Erbe Bulzos.

Die älteste Namensform ist aus den Urkunden des Klosters Roßleben festzustellen. Hier lauten die Ortsnamen Bulzingeslove bzw. Bulzingsleiben. Dieselbe Namensform ergibt sich auch aus den ersten Vorkommen des nach dem Siedelhofe sich nennenden Rittergeschlechts (Rudolf von Bulzingsleiben, 1216).

Kirche St. Wigberti in Bilzingsleben

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994 - 874
  • 1995 - 879
  • 1996 - 880
  • 1997 - 860
  • 1998 - 862
  • 1999 - 847
  • 2000 - 842
  • 2001 - 833
  • 2002 - 809
  • 2003 - 802
  • 2004 - 804
  • 2005 - 794
  • 2006 - 780
  • 2007 - 761
  • 2008 - 762
  • 2009 - 762
  • 2010 - 740
  • 2011 - 729
  • 2012 - 709
  • 2013 - 710
  • 2014 - 691

Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundplatz Bilzingsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Fundplatz Bilzingsleben

1,5 km südlich von Bilzingsleben wurden im ehemaligen Steinbruch Steinrinne die Reste eines Rastplatzes altsteinzeitlicher Jäger gefunden, der längere Zeit und wiederholt genutzt wurde. Dieser Ausgrabungsort zählt zu den bedeutendsten Fundstätten Europas.

Die erste schriftliche Erwähnung von fossilen Kieferknochen und Zähnen aus dem Steinbruch stammt von 1710, als David Siegmund Büttner in dem Werk Rudera diluvii testes i.e. Zeichen und Zeugen der Sündfluth Bilzingsleben erwähnte.

Die ausgegrabenen Überreste von Homo erectus werden auf ein Alter von ca. 370.000 Jahren geschätzt. Die Funde stammen aus Sandschichten, die unter Travertin-Vorkommen lagern. Neben Steingeräten haben sich erstmals in Mitteleuropa in größerem Umfang Knochen- und Geweihwerkzeuge, Feuerstellen und Arbeitsplätze erhalten. Zahlreiche Pflanzen- und Tierreste erlauben eine genaue Rekonstruktion der Umweltbedingungen jener Zeit.

Die Ausgrabungsstätte ist ein Ausflugsziel mit professionellen Führungen.

Opferstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Dorfmitte, im Schenksgarten, an der Hauptstraße direkt gegenüber dem Bürgerhaus, steht eine als Opferstein bezeichneter runde Steinscheibe, vermutlich aus germanischer Zeit. Über ihre Entstehungszeit und Funktion gibt es nur Vermutungen. Sie ist kreisrund mit einem Durchmesser von über zwei Metern und einer Dicke von 22 cm. In der Mitte ist eine deutliche Vertiefung festzustellen, zu der von nach allen Seiten des Randes strahlenförmig Rillen in gleichen Abständen verlaufen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bilzingsleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 561; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 253.
  3. Orte des preußischen Landkreises Eckartsberga im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Frank Boblenz: Der „Verein für Erforschung des vaterländischen Altertums in Kunst und Geschichte“. Thüringens erster Geschichtsverein wurde 1819 in Bilzingsleben gegründet. In: Heimat Thüringen 18 (2011) H. 1, S. 23–31.