Binntal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Binntal
Blick auf Schmidighischere
Karte Gemeinde Binn.png

Das Binntal – auch Binnatal – ist ein Tal im südlichen Teil des Bezirks Goms im Schweizer Kanton Wallis. Das Binntal ist ein Seitental des Rhonetals. Das Tal ist beinahe deckungsgleich mit dem Gebiet der Munizipalgemeinde Binn, die Hauptsiedlung ist Schmidighischere. Die Wirtschaft ist vom Tourismus und der Landwirtschaft geprägt. Ein Grossteil des Tales steht im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler der Schweiz. 2005 lebten etwa 200 Personen, verteilt auf verschiedene Weiler, im Tal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gräberfunde aus dem 5. Jh. v. Chr. lassen auf eine keltische Besiedelung schliessen. Der Albrunpass war bereits zur Zeit der Römer ein wichtiger Übergang nach Italien. Im 13. Jahrhundert zogen die Walser über diesen Pass nach Italien. Bis zum Bau der Strasse in den Jahren 1936–1938 erschwerte die enge Twingischlucht unterhalb von Binn den Zugang ins Binntal. Die Strasse wurde erst durch den Bau des 1,9 km langen Tunnels durch den Felskopf der „Aebne Matte“ in den Jahren 1963/1964 wintersicher.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Binntal wird von der Binna durchflossen. Im Tal liegen mehrere Bergseen, darunter der Mässersee, der Halsensee und der Züesee. Der grösste See ist der Geisspfadsee am Geisspfadpass.

Mineralfunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Binntal, vor allem die dort ansässige Grube Lengenbach, ist ein bekannter Fundort für Minerale und ihre Varietäten.[1] Sie gehört zu den zehn berühmtesten Mineralfundstellen und Typlokalitäten der Welt und ist seit dem 18. Jahrhundert bekannt.[2] Bisher konnten dort insgesamt 165 Minerale und 14 Varietäten nachgewiesen werden (Stand: 2019). Für 44 Minerale gilt Lengenbach zudem als Typlokalität wie unter anderem den Baumhauerit, den nach dem bekannten Schweizer Mineralfotografen und Experten der Lengenbachminerale Walter Gabriel (* 1943) benannten Gabrielit,[3] die bisher nur in Lengenbach gefundenen Minerale Hatchit und Quadratit sowie den nach seiner Typlokalität benannten und ebenfalls bisher nur dort gefundenen Lengenbachit.[4]

Im gesamten Binntal konnten bisher über 330 Minerale und Varietäten, davon 288 eigenständige Mineralarten und 61 Typlokalitätminerale, entdeckt werden (Stand 2019).[5]

Es gibt geführte Exkursionen in die Berge, um Mineralien zu finden. Zwei Berufstrahler (Kristallsucher) können noch von ihrer Tätigkeit leben. Der grösste Quarzkristall der im Binntal gefunden wurde, wurde am Turbhorn gefunden und ist 75 cm gross.[6]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Binntal wird ein sanfter Tourismus gepflegt. Den Touristen stehen einige kleine Hotels, Ferienwohnungen sowie der Campingplatz Giessen zur Verfügung. Sämtliche Wander- und Bergwege im Binntal sind zusammen etwa 150 km lang. Unterhalb des Albrunpasses befindet sich die sogenannte „Binntalhütte“ des Schweizer Alpen-Clubs SAC. Im Jahre 2002 starteten die Gemeinden Binn, Ernen und Grengiols das Projekt «Landschaftspark Binntal». Neun Jahre später und erweitertet um die Gemeinden Bister, Blitzingen und Niederwald erhielt der Landschaftspark Binntal im September 2011 definitiv das Label «Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung».[7] Der «Landschaftspark Binntal» grenzt im Süden unmittelbar an den italienischen Naturpark Alpe Veglia und Alpe Devero an. Der zusammenhängende grenzüberschreitende (I/CH) Naturpark (Binntal – Devero – Binntal) bietet heute ein umfangreiches überregionales Netz von Wanderwegen.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Ruppen: Das Binntal. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 221). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1992, ISBN 978-3-85782-221-6.
  • Johannes Schwanz: Das Binntal und seine Mineralien. (Mineralienführer durchs Binntal)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Mineralfundstelle Lengenbach im Binnatal. Separatdruck aus Jahrbuch des Naturhistorischen Museums der Stadt Bern 1966-1968. Harteveld Rare Books Ltd., Fribourg, Schweiz 1968 (epic.awi.de [PDF; 11,3 MB; abgerufen am 16. Juli 2019]).
  2. Top-50-Liste der Typlokalitäten (Most prolific type localities). In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juli 2019 (englisch).
  3. Gabrielite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 200 kB; abgerufen am 19. August 2018]).
  4. Typlokalität Steinbruch Lengenbach, Im Feld, Binntal, Kanton Wallis, Schweiz (Lengenbach Quarry, Fäld (Imfeld; Im Feld; Feld), Binn Valley, Valais, Switzerland). Fundortbeschreibung und Mineralliste. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juli 2019 (englisch).
  5. Typlokalität Binntal, Kanton Wallis, Schweiz (Binn Valley, Valais, Switzerland). Fundortbeschreibung und Mineralliste. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Juli 2019 (englisch).
  6. Landschaftspark Mechtenberg / Mechtenberg Landscape Park. In: Unter freiem Himmel / Under the Open Sky. De Gruyter, Berlin, Boston, ISBN 978-3-0346-1105-3, doi:10.1515/9783034611053.80.
  7. Ein regionaler Naturpark. In: landschaftspark-binntal.ch. Landschaftspark Binntal, abgerufen am 16. Juli 2019.
  8. Wanderungen in Binn. In: outdooractive.com. Outdooractive, abgerufen am 16. Juli 2019.

Koordinaten: 46° 22′ 0″ N, 8° 11′ 30″ O; CH1903: 657948 / 135310