Kreislaufwirtschaft

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In der Kreislaufwirtschaft (engl. circular economy meint, an den Ursprung zurückführen) sollen die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Eine wichtige Rolle spielen in der Kreislaufwirtschaft daher das Recycling von Gütern, um Abfallprodukte als Sekundärrohstoffe wiederverwerten zu können sowie die Kaskadennutzung, bei der ein Rohstoff über mehrere Stufen genutzt wird.

Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft“) genannt; es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleich der Prozessketten in der Linear- und Kreislaufwirtschaft

Grundlage für Überlegungen zum Kreislaufprinzip war die Erkenntnis, dass in einer Welt mit endlichen Ressourcen nur Produktionsverfahren mit einem wirklichen stofflichen Kreisschluss unbeschränkt fortgeführt werden können. In einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten werden die bislang genutzten nichterneuerbaren Rohstoffe als Quellen aufgezehrt sein, während die zur Verfügung stehenden stofflichen Senken für Abfall- und Reststoffe ausgeschöpft sein werden. Kreislaufwirtschaft nimmt daher den Stoffkreislauf der Natur zum Vorbild und versucht kaskadische Nutzungen ohne Abfälle (zero waste) und ohne Emissionen (zero emission) zu erreichen.[2]

Im Jahr 2005 betrugen die Materialflüsse der Weltwirtschaft etwa 62 Milliarden Tonnen, wobei 58 Milliarden Tonnen aus neu gewonnenen Rohstoffen stammten und vier Milliarden Tonnen (bzw. ca. sechs Prozent) aus recycelten Gütern. 44 Prozent der gesamten Materialflüsse (28 Milliarden Tonnen) wurden zur Energiegewinnung eingesetzt, insbesondere fossile Energieträger, die bei der Nutzung verbraucht werden und daher prinzipbedingt nicht recycelt werden können. Daher ist die Energiewende, der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energien, eine wichtige Vorbedingung zum Erreichen der Kreislaufwirtschaft.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprüngliches menschliches Wirtschaften, wie es noch heute in den traditionellen Landwirtschaftssystemen der sogenannten Entwicklungsländer existiert, war seit jeher ein Kreislaufsystem, da die verwendete Produktionsenergie in Form von menschlicher und ggf. tierischer Muskelkraft direkt von der bewirtschafteten Fläche stammte und da sowohl die Abfälle der Produkte (etwa Ausscheidungen, Küchenabfälle), als auch die Produktionsrückstände (etwa Stroh, Asche bei der Brandrodung) direkt in die Produktion zurückgeführt wurden.[4]

Das moderne Konzept der Kreislaufwirtschaft (circular economy) wurde 1990 von dem britischen Wirtschaftswissenschaftler David W. Pearce eingeführt. Es hat sich aus dem Konzept der industriellen Ökologie (engl. industrial ecology) entwickelt, das die Minimierung von Ressourcen und den Einsatz sauberer Technologien befürwortet. Bei der Kreislaufwirtschaft sollen nicht nur die Verwendung der Umwelt als Senke für Abfall- und Reststoffe der industriellen Fertigung, sondern auch der Einsatz neuer Materialien bei der Herstellung minimiert werden.[5]

Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intuitiv erscheint die Kreislaufwirtschaft nachhaltiger als die Linearwirtschaft. Die Minimierung der Ressourceneinbringung in das System und des Ressourcenverlusts durch Abfall und Energieverluste schonen Rohstofflagerstätten und reduzieren Umweltverschmutzung. Diese Betrachtung wird jedoch potenziellen Schwachstellen des Konzepts Kreislaufwirtschaft nicht gerecht. So werden beispielsweise soziale Aspekte in vielen Quellen eher nachrangig behandelt und es gibt Fälle in denen andere Strategien, wie die Beschaffung energieeffizienterer Technologien, vorteilhafter für die Umwelt sind. In einer Untersuchung konnten Forscher aus Cambridge und Delft darlegen, dass es deshalb neben Autoren, die die Kreislaufwirtschaft für eine Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem sehen, auch Wissenschaftler gibt, die die kreislaufwirtschaftliche Überlegungen als eine von vielen Strategien sehen oder das Konzept sogar als nachteilig beschreiben.[6]

Cradle to Cradle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interview mit Michael Braungart über „Cradle to Cradle“

Ein Ansatz für Kreislaufwirtschaft ist Cradle to Cradle (engl., dt. sinngemäß „Von der Wiege zur Wiege“), entwickelt seit Ende der 1990er Jahre von dem Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough. Cradle-to-Cradle-Produkte sind nach Braungart und McDonough Produkte, die entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fang Läpple: Abfall- und kreislaufwirtschaftlicher Transformationsprozess in Deutschland und in China: Analyse – Vergleich – Übertragbarkeit. Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2007.
  2. www.umweltdatenbank.de
  3. Haas et al., How Circular is the Global Economy? An Assessment of Material Flows, Waste Production, and Recycling in the European Union and the World in 2005. In: Journal of Industrial Ecology 19, Issue 5, (2015), 765–777, doi:10.1111/jiec.12244.
  4. Christian Lauk: Sozial-Ökologische Charakteristika von Agrarsystemen. Ein globaler Überblick und Vergleich. In: Social Ecology Working Paper 78. Institute of Social Ecology, Wien 2005. ISSN 1726-3816. S. 24.
  5. Mikael Skou Andersen: An introductory note on the environmental economics of the circular economy. Sustainability Science 2, 2007, S. 133–140, doi:10.1007/s11625-006-0013-6.
  6. Martin Geissdoerfer, Paulo Savaget, Nancy M. P. Bocken, Erik Jan Hultink: The Circular Economy – A new sustainability paradigm? In: Journal of Cleaner Production. Band 143, 1. Februar 2017, S. 757–768, doi:10.1016/j.jclepro.2016.12.048 (sciencedirect.com [abgerufen am 9. Juni 2017]).
  7. Braungart, Michael, 1958-: Cradle to cradle : remaking the way we make things. Vintage, 2009, ISBN 978-0-09-953547-8.