Kreislaufwirtschaft

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In der Kreislaufwirtschaft (engl. circular economy meint, an den Ursprung zurückführen) sollen die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen.

Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft") genannt; es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Vergleich der Prozessketten in der Linear- und Kreislaufwirtschaft

Grundlage für Überlegungen zum Kreislaufprinzip war die Erkenntnis, dass in einer endlichen Welt nur Produktionsverfahren mit einem wirklichen stofflichen Kreisschluss unbeschränkt fortgeführt werden können. In einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten werden die bislang genutzten nichterneuerbaren Rohstoffe als Quellen aufgezehrt sein, während die zur Verfügung stehenden stofflichen Senken für Abfall- und Reststoffe ausgeschöpft sein werden. Kreislaufwirtschaft nimmt daher den Stoffkreislauf der Natur zum Vorbild und versucht kaskadische Nutzungen ohne Abfälle (zero waste) und ohne Emissionen (zero emission) zu erreichen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft (circular economy) wurde 1990 von dem britischen Wirtschaftswissenschaftler David W. Pearce eingeführt. Es hat sich aus dem Konzept der industriellen Ökologie (engl. industrial ecology) entwickelt, das die Minimierung von Ressourcen und den Einsatz sauberer Technologien befürwortet. Bei der Kreislaufwirtschaft sollen nicht nur die Verwendung der Umwelt als Senke für Abfall- und Reststoffe der industriellen Fertigung, sondern auch der Einsatz neuer Materialien bei der Herstellung minimiert werden.[3]

Cradle to Cradle[Bearbeiten]

Ein Ansatz für Kreislaufwirtschaft ist Cradle to Cradle (engl., dt. sinngemäß „Von der Wiege zur Wiege“), entwickelt seit Ende der 1990er Jahre von dem Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough. Cradle-to-Cradle-Produkte sind nach Braungart und McDonough Produkte, die entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden.

Aluminiumkreislauf[Bearbeiten]

Als ein erfolgreiches Beispiel der Kreislaufwirtschaft bezeichnet der Gesamtverband der Aluminiumindustrie die Aluminiumrückgewinnung: „Der wirtschaftliche Wert des Werkstoffes Aluminium hat sich seit jeher lohnend gemacht, Aluminium im Kreislauf von Metallgewinnung, -verarbeitung, -nutzung, -rückgewinnung zu führen. Beim Recycling von Aluminium treten keine Qualitätsverluste auf: Aus Profilschrotten lassen sich neue Profile oder auch andere hochwertige Produkte herstellen, aus Aluminiumblechen und -folien können neue Walzfolien gefertigt werden. Die im Umlauf befindliche Menge an Sekundäraluminium wächst stetig. Die Kreislaufwirtschaft beginnt mit geschlossenen internen Verwertungskreisläufen. So werden bei der Verarbeitung von Aluminium anfallende Fabrikationsschrotte nahezu 100 Prozent in den Produktionsprozess zurückgeführt. Auch Aluminium aus Krätze, die beim Recycling entsteht, wird zurückgewonnen. Zudem werden in der Aluminiumindustrie Betriebs- und Hilfsstoffe - wie z.B. Kernsande für die im Sandgussverfahren benötigten Gießformen für Motorblöcke und Zylinderkörper, Walzöle der Halbzeugfertigung, Lösemittelrückstände der Lackierprozesse von Folien und Natronlauge zur Erzeugung von Aluminiumoxid - im Kreislauf geführt. Ein weiteres Beispiel sind die beim Recycling eingesetzten Salze, mit denen Verunreinigungen von Schrotten gebunden werden: Auch sie werden wieder zurückgewonnen. Auf diese Weise werden die Eingriffe in den Naturhaushalt gemindert und Deponien entlastet [...]. Der geschlossene Materialkreislauf ist zudem wichtiger Bestandteil für den effizienten Umgang mit Energie. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Der Energieeinsatz für das Recycling ist bis zu 95% niedriger als bei der Primärherstellung.“[4]

Der Verbrauch in Deutschland wurde 2014 durch 531.000 t Primäraluminium und 600.000 t Recyclingaluminium gedeckt.[5]. Trotz der Wirtschaftlichkeit des Recyclings wird also nur etwas mehr als die Hälfte des Bedarfs aus einer Kreislaufwirtschaft gedeckt.

Organisiertes Engagement[Bearbeiten]

Ellen MacArthur Foundation[Bearbeiten]

Die Ellen MacArthur Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, den Übergang zu einer regenerativen Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Im Auftrag der Stiftung erschien 2012 der erste und Anfang 2013 der zweite von McKinsey & Company erstellte Bericht zur Kreislaufwirtschaft.[6] Dieser wurde unter anderem auf dem Weltwirtschaftsforum 2013 diskutiert.[7][8][9]

Cradle to Cradle e.V.[Bearbeiten]

Ziel des Vereins Cradle to Cradle ist es, die Denkschule des Cradle-to-Cradle-Ansatzes zu verbreiten. Seit der Gründung im Jahr 2012 sind mehrere Regionalgruppen entstanden, die dieses Ziel in ihrer jeweiligen Region verfolgen.[10] 2014 wurde ein erster Cradle-to-Cradle-Kongress in Lüneburg veranstaltet.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fang Läpple: Abfall- und kreislaufwirtschaftlicher Transformationsprozess in Deutschland und in China: Analyse – Vergleich – Übertragbarkeit. Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg 2007.
  2. www.umweltdatenbank.de
  3. Mikael Skou Andersen: An introductory note on the environmental economics of the circular economy. Sustainability Science 2, 2007, S. 133-140, doi:10.1007/s11625-006-0013-6.
  4. www.aluinfo.de Stand 2009
  5. http://www.aluinfo.de/index.php/gda-news-de/items/aluminiumkonjunktur-entwickelt-sich-positiv.html
  6. Ellen MacArthur Foundation: Reports (abgerufen am 1. Februar 2013).
  7. Jo Confino: Davos 2013: taking the circular economy to scale. The Guardian Sustainable Business, 29. Januar 2013 (abgerufen am 1. Februar 2013).
  8. Ellen MacArthur on the 'circular economy' , BBC, 24. Januar 2013 (Video, 3 min 4 sec; abgerufen am 1. Februar 2013).
  9. Jo Confino: Davos 2013: strong focus on circular economy and collaboration: Interview mit Peter Lacy von Accenture. The Guardian Sustainable Business, 25. Januar 2013 (Video, 7 min 20 sec; abgerufen am 1. Februar 2013).
  10. Cradle to Cradle e.V.: Über uns (Abgerufen am 31. Januar 2014)
  11. Cradle to Cradle e.V.: Pressemitteilung zum Cradle to Cradle Kongress 2014 vom 17. November 2014