Bisacodyl

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Strukturformel
Strukturformel von Bisacodyl
Allgemeines
Freiname Bisacodyl
Andere Namen
  • [4-[(4-Acetyloxyphenyl)-pyridin-2-yl-methyl]phenyl]acetat (IUPAC)
  • [4,4′-(Pyridin-2-ylmethylen)diphenyl]­diacetat (Arzneibuch)
Summenformel C22H19NO4
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 603-50-9
EG-Nummer 210-044-4
ECHA-InfoCard 100.009.132
PubChem 2391
ChemSpider 2299
DrugBank DB09020
Wikidata Q417874
Arzneistoffangaben
ATC-Code

A06AB02, A06AG02

Wirkstoffklasse

Laxans

Eigenschaften
Molare Masse 361,40 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

132,4 °C[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [2]
Toxikologische Daten

4320 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Bisacodyl ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Laxantien zur Behandlung von Darmträgheit, insbesondere auch bei neurologisch bedingter. Bisacodyl kann als Triphenylmethan-Derivat betrachtet werden, bei dem ein Phenylrest durch einen Pyridinrest ersetzt wurde. Wie das ältere, strukturell ähnliche Phenolphthalein wird Bisacodyl als Abführmittel eingesetzt. Es wurde lange Zeit nur unter dem Namen Dulcolax® verkauft und ist mittlerweile auch als Generikum in der Apotheke erhältlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die chemische Verbindung wurde erstmals im Jahre 1953 – neben anderen Verbindungen – in einer Patentschrift der Firma Dr. Karl Thomae GmbH (heute zu Boehringer Ingelheim gehörend) beschrieben.[3]

Zur Synthese wurden in dem Patent mehrere Wege genannt. Ausgangsstoff (Edukt) war Pyridin-2-carbaldehyd, welcher mit verschiedenen Phenolen und aromatischen Aminen wie Anilin kondensiert wurde. Mit Phenol wurde Bis-(4-Hydroxyphenyl)-2-pyridylmethan (4,4'-Dihydroxyphenyl-2-pyridylmethan) gebildet. Acetylierung der Hydroxyphenyl-Substituenten führte zum Diacetat, d. h. doppelten Essigsäureester. Unter dem Handelsnamen Dulcolax wurden verschiedene Darreichungsformen von Thomae mit großem Erfolg vertrieben.


Formelschema einer Synthese von Bisacodyl

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisacodyl ist erhältlich als Dragees oder Zäpfchen. Als Zäpfchen tritt die Wirkung nach 15 bis 30 Minuten, als Dragee nach 6 bis 12 Stunden ein.

Wirkungsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zäpfchen wirkt es nur im Enddarm, während es, oral eingenommen, zunächst über den enterohepatischen Kreislauf in den Dickdarm gelangt und dort von Bakterien zu Diphenolen umgesetzt wird. Die Umsetzungsprodukte führen zu einer erhöhten Motilität des Darms und bewirken, dass durch den schnelleren Transport dem Darminhalt weniger Wasser entzogen werden kann. Aus dem Umweg über die Leber erklärt sich der spätere Wirkungsbeginn und die länger anhaltende Wirkung bei oraler Gabe. Der genaue Wirkmechanismus bei Anwendung als Suppositorium (Zäpfchen) ist dagegen noch unklar.[4]

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Anwendung in Zäpfchenform können lokale Reizerscheinungen auftreten. Elektrolytverschiebungen im Serum konnten auch nach jahrzehntelanger Einnahme nicht beobachtet werden. Auch die häufig genannte Gewöhnung tritt in der Realität auch bei langem Gebrauch sehr selten auf. Nachgewiesene Nebenwirkungen können krampfartige Bauchschmerzen, auf Grund der motorischen Wirkung, sein. Ein Übertritt in die Muttermilch findet nur minimal statt und ist wirkungslos auf das gestillte Kind.[5]

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Bekunis Dragées (D), Bisco-Zitron (D), Drix (D), Dulcolax (D, A), Dulcolax-Bisacodyl (CH), Florisan (D), Laxagetten (D), Laxans (D), Medibudget Abführdragées (CH), Mediolax (D), Muxol (CH), Prontolax (CH), Pyrilax (D), Tavolax (CH), Tirgon (D)

Kombinationspräparate

A. Moll´s Abführdragées (A), Laxabene (A), Prepacol (D, A)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mathkar, S.; Kumar, S.; Bystol, A.; Olawoore, K.; Min, D.; Markovich, R.; Rustum, A.: The use of differential scanning calorimetry for the purity verification of pharmaceutical reference standards, In: J Pharm Biomed Anal., 2009, 49, S. 627–631; doi:10.1016/j.jpba.2008.12.030.
  2. a b c Datenblatt Bisacodyl bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 3. November 2016 (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Name nicht angegeben
  3. Britisches Patent Nr. 730243A, GB730243A, https://patents.google.com/patent/GB730243A/en?oq=GB730243
  4. Flig, E. et al.: Is bisacodyl absorbed at all from suppositories in man?, in: Int J Pharm., 2000, 196, S. 11–20; PMID 10675703.
  5. awmf.org: S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie (Memento vom 22. August 2017 im Internet Archive) (PDF; 588 kB), Stand 2/2013, abgerufen am 16. November 2013.