Bismarcksäule (Rengsdorf)

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Die Bismarcksäule von Rengsdorf.

Die Bismarcksäule von Rengsdorf im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz wurde zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck (1815–1898) erbaut. Der einem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis (1873–1955) nachempfundene Turm ist 13 Meter hoch und wurde 1903 eingeweiht.

Geschichte[Bearbeiten]

Planungszeit[Bearbeiten]

Nach dem Tod Bismarcks im Jahr 1898 gab es im Deutschen Kaiserreich eine breite Bewegung, die Denkmäler für den früheren Reichskanzler errichten ließ. In Rengsdorf regte der Verschönerungsverein für den unteren Westerwald im Sommer 1901 an, in dem Ort eine Bismarcksäule zu bauen. Im März 1902 wurde dann ein sogenannter Ausschuss zur Errichtung der Rengsdorfer Bismarcksäule gegründet.

Der Ausschuss beauftragte den Bonner Architekten und Baumeister, Baurat Hans Bloemers, die Säule zu bauen. Dieser hatte zuvor bereits den Bismarckturm in Bonn-Gronau errichtet und erklärte sich bereit, die Bauleitung für die Rengsdorfer Bismarcksäule unentgeltlich zu übernehmen. Dennoch belief sich Bloemers Kostenvoranschlag immer noch auf 14.000 Goldmark.

Bloemers Pläne lehnten sich deutlich an den Modellentwurf Götterdämmerung an, den sein Architektenkollege Wilhelm Kreis für Bismarcksäulen und -türme erarbeitet hatte. Kreis hatte 1899 mit seinem Entwurf einen Wettbewerb der Deutschen Studentenschaft gewonnen. Nach einer Idee der Studentenschaft sollte in ganz Deutschland ein Netzwerk von sogenannten Feuersäulen errichtet werden, um auf diesen an bestimmten Tagen zu Ehren Bismarcks große Feuerschalen zu entzünden. Die Bismarcksäule vom Modell Götterdämmerung wurde bis 1911 im Deutschen Kaiserreich als sogenannter Typenbau insgesamt 47-mal gebaut.

Als Bauplatz für die Bismarcksäule in Rengsdorf wurde der Kaisereichenplatz ausgewählt, weil man von dort eine gute Aussicht auf das Rheintal hat. Die Finanzierung des Bauwerks war rasch gesichert, weil es in der Bevölkerung eine große Bereitschaft für Spenden gab. Allein die Bürger von Rengsdorf sowie der Nachbargemeinden Neuwied und Anhausen trugen mehr als 7.800 Goldmark zusammen. Hinzu kamen 2.000 Mark aus Rücklagen der Stadt Rengsdorf und 5.000 Mark aus einem Darlehen.

Einweihungsfeier der Bismarcksäule von Rengsdorf am 21. Juni 1903.

Bauzeit[Bearbeiten]

Am 30. Juli 1902, dem vierten Todestag Bismarcks, wurde für die Feuersäule der Grundstein gelegt und mit dem Bau begonnen. Die Bauarbeiten wurden unter Leitung von Baurat Bloemers durch die Rengsdorfer Maurermeister Wilhelm Kestner und Peter Jung ausgeführt, die Steinmetzarbeiten übernahm die Firma Bochem & Co. aus Königswinter. Als Baumaterial diente vorwiegend Trachyt, das aus Steinbrüchen im nahe gelegenen Siebengebirge und Westerwald stammte.

Die Bauarbeiten kamen rasch voran, sodass die Bismarcksäule von Rengsdorf am 21. Juni 1903, dem Tag der Sommersonnenwende, feierlich eingeweiht werden konnte. Am Abend des Einweihungstages wurde auch die Feuerschale auf dem Turm zum ersten Mal entzündet. An der Vorderseite der Säule war ein eineinhalb Meter hohes Bismarck-Relief aus Bronze angebracht, das von Baurat Bloemers entworfen und durch die Bildgießerei von Hermann Gladenbeck in Berlin-Friedrichshagen angefertigt wurde. Die Gesamtkosten für das Bauwerk betrugen gut 15.500 Goldmark.

Erste Jahrzehnte[Bearbeiten]

Nach der Einweihung wurde die Feuerschale auf der Säule regelmäßig an bestimmten Tagen abends entzündet – so am 27. Januar (dem Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.), am 1. April (Bismarcks Geburtstag) und am 2. September (dem Sedantag). Diese Gedenkfeuer wurden jedoch schon nach wenigen Jahren nicht mehr veranstaltet und vermutlich auch nach Ende des Ersten Weltkriegs und der Besetzung des Rheinlandes nicht wieder aufgenommen.

Die folgenden Jahrzehnte und den Zweiten Weltkrieg überstand die Bismarcksäule weitgehend unbeschadet. Allerdings wurde das große Bismarck-Relief von der Vorderseite der Säule entfernt. Es ist unklar, ob die Bronzetafel für eine Metallsammlung während des Krieges eingeschmolzen oder erst danach von den französischen Besatzungstruppen abmontiert wurde.

Seitenansicht der Bismarcksäule.

Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bismarcksäule von Rengsdorf mehrfach ausgebessert und im September 1963 erhielt die Säule ein neues Bismarck-Relief mit der Inschrift "OTTO V. BISMARCK / 1815-1898". In den 1990er Jahren wurde das Bauwerk grundlegend saniert und kann seitdem mit Hilfe einer Beleuchtungsanlage angestrahlt werden. Der hundertste Jahrestag der Einweihung der Bismarcksäule wurde im Juni 2003 mit einer Jubiläumsfeier, einer Festschrift und einer Ausstellung zur Entstehungsgeschichte begangen.

Die Säule steht unter Denkmalschutz und kann normalerweise nicht bestiegen werden. Sie wird mittlerweile ohnehin durch den Baumbestand des sie umgebenden kleinen Parks überragt, sodass das Bauwerk kaum noch eine Aussicht bietet.

Architektur[Bearbeiten]

Die Bismarcksäule von Rengsdorf wurde wie der Modellentwurf Götterdämmerung von Wilhelm Kreis auf einem quadratischen Grundriss errichtet. Auch die Säule selbst ist ähnlich gestaltet und quadratisch angelegt. Wie beim Vorbild wird auch hier die wuchtige Wirkung durch Dreiviertelsäulen an den Ecken des Säulenkörpers abgemildert. Als Baumaterial wurde vorwiegend hell- und dunkelgrauer Trachyt aus Siebengebirge und Westerwald verwendet.

Die Bismarcksäule ist in vier Teile gegliedert: Den untersten Teil bildet ein knapp ein Meter hohes Podest, das eine quadratische Grundfläche von sieben mal sieben Metern hat. Auf dem Podest steht das knapp zwei Meter hohe Sockelgeschoss der Säule, das sich nach oben hin leicht verjüngt. Podest und Sockelgeschoss bestehen aus dunkelgrauem Trachyt. Auf der Rückseite ist in der Mitte eine Tür eingelassen, zu der zwei Stufen führen und durch die man in das Innere des Bauwerks gelangen kann. Das Podest ist an dieser Stelle auf einer Breite von einem Meter unterbrochen.

Über dem Sockelgeschoss erhebt sich der eigentliche, rund sieben Meter hohe Turmkörper, der aus hellerem Trachyt erbaut wurde. Er ist gegenüber dem Sockelgeschoss etwas zurückgesetzt und an den Ecken durch Dreiviertelsäulen abgerundet. Am oberen Abschluss des Turmkörpers ist ein umlaufendes Fries mit Eichenlaubmotiven angebracht, das von Baurat Bloemers selbst entworfen wurde. Auf der Rückseite der Säule befindet sich unterhalb des Frieses ein schmales, wie eine Schießscharte aussehendes Fenster. Die Vorderseite ist mit einem Bismarck-Relief aus Bronze verziert.

Oberhalb des Turmkörpers folgt das etwa drei Meter hohe Obergeschoss, das aus einem Architrav und einem zweistufigem Oberbau besteht. Der Oberbau ist gegenüber dem Turmkörper etwas zurückgesetzt und wurde von einer großen viereckigen Feuerschale aus feuerfesten Schamottesteinen gekrönt. Die Säule hat eine Höhe von 13 Metern.

Zur Befeuerung der sogenannten Feuersäule wurde die Schale auf der Säule mit Holz und Petroleum gefüllt und angezündet. Heute wird das Bauwerk nicht mehr als Feuersäule genutzt und die Feuerschale nicht mehr entzündet.

Durch die auf der Rückseite der Säule angebrachte Tür kann man das Innere betreten und dort mit Hilfe von an den Wänden angebrachten Eisensprossen zum Turmkopf gelangen. Im Obergeschoss befindet sich auf der Rückseite des Bauwerks eine rundbogenartige Öffnung, die auf den Architrav mündet und von dem aus man früher auch die Feuerschale erreichte.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Kloss, Sieglinde Seele: Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Eine Bestandsaufnahme. Michael Imhof Verlag, Petersberg 1997, ISBN 3-932526-10-4.
  • Sieglinde Seele: Lexikon der Bismarck-Denkmäler. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, ISBN 3-86568-019-4.

Weblinks[Bearbeiten]

50.4987137.498379Koordinaten: 50° 29′ 55″ N, 7° 29′ 54″ O