Blau-Gold-Haus

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Das Blau-Gold-Haus ist ein denkmalgeschütztes Geschäftshaus in der Kölner Altstadt-Nord in unmittelbarer Nähe zum Kölner Dom mit der Adresse Domkloster 2.

Blau-Gold-Haus bei Nacht (September 2011)

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Stelle des heutigen Blau-Gold-Hauses standen nacheinander zwei Bauwerke der Gründerzeit. Bedeutsam für die Identifizierung der Vorgängerbauten ist der Straßenverlauf der Straße Domkloster und die Nummerierung der dort stehenden Bauwerke. Sie verlief vom heutigen Wallrafplatz in östlicher Richtung über den heutigen Roncalliplatz und endete mit der Dommädchenschule in Domkloster Nr. 8. Die damaligen Hausnummern auf dieser Straße entsprachen nicht vollständig den heutigen, denn Domkloster 4 ist heute die Adresse des Kölner Doms, früher befand sich unter dieser Nr. 4–6 das Stadtpalais von Abraham Oppenheim gegenüber dem noch unfertigen Dom.

Vorgängerbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Domkloster 1, Haus Oppenheim (links) mit angrenzendem Eckhaus am Wallfrafplatz (um 1835)
Domkloster 4–8 – Palais Oppenheim mit dem Anbau von 1835 (Domkloster 4–6), links die Dommädchenschule (Domkloster 8; um 1880)
Domkloster 2 – Ansicht des Domklosters von Norden mit Dom-Hotel und Hotel Großer Kurfürst; links das Dom-Hotel (Postkarte, um 1895)

An der Adresse Domkloster 2 befand sich an der Südseite ein 1843 als Wohn- und Geschäftshaus errichtetes Palais für den Kölner Bankier Simon Oppenheim, der von der Trankgasse 9 hierhin umzog.[1] Simon Oppenheims Bruder Abraham Oppenheim wohnte seit 1843 im neuerrichteten Domkloster Nr. 4–6,[2] für das Jacob Kaaf die Innenausstattung ausführte. Oppenheim wohnte hier bis 1873 und zog danach in seinen Sommersitz Gut Bassenheim.

Um dem Kölner Dom mehr Freiraum zu schaffen, wurde der gesamte Gebäudekomplex, wo heute das Dom-Hotel steht (Domkloster 2–8), ab November 1886 abgerissen,[3] wobei auch das Nachbargebäude der Dommädchenschule (Domkloster 8) dem Abriss zum Opfer fiel. Einzig das Oppenheim-Palais in Domkloster 2 blieb erhalten. Das neue Dom-Hotel kam – anders als im Stübben-Plan vom Oktober 1885 vorgesehen[4] – an drei Seiten frei zu liegen, weil das Grundstück Domkloster 4 an der Nordseite des Baublocks in den Hotelkomplex einbezogen wurde.

Der Kölner Parfümhersteller Ferdinand Mülhens ließ Oppenheims Palais in Domkloster Nr. 2 im Jahre 1892 durch Architekt Wilhelm Kurth[5] zum „Savoy Hotel Großer Kurfürst“ umbauen.[6] Es entstand ein Hotel mit 65 Zimmern, das sich neben den durch Giebel gekrönten seitlichen Erkern und der durch Zwiebelturm geschmückten Ecke zum Wallrafplatz an der Nordfassade durch eine zentrale Kuppel mit Laterne auszeichnete. Die Einweihung fand am 2. November 1893 mit einem großen Essen statt, am Tag danach gab es die offizielle Eröffnung.[7] Bauherr Mülhens investierte seine Gewinne aus der Parfümherstellung in den Bau dieses Hotels[8] und erklärte niemandem, warum er den recht ungewöhnlichen Hotelnamen gewählt hatte. Er ließ das Hotel 1905 durch Architekt Ludwig Paffendorf umbauen, eine Innensanierung erfolgte 1910, seitdem hieß es „Savoy-Hotel“. Im Jahre 1931 gab es einen Dach- und Fassadenumbau.[9] Das im Zweiten Weltkrieg durch eine Sprengbombe zerstörte Hotel wurde 1950 niedergelegt.

Blau-Gold-Haus bei Nacht (Säulenabschluss mit Kölner Wappen und dem 4711-Haus in der Glockengasse)

Neubau nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 4711-Hausarchitekt Wilhelm Koep fertigte im Auftrage der Familie Mülhens bis Oktober 1951 Bauzeichnungen für ein Geschäftshaus an, dessen Fertigstellung im Oktober 1952 erfolgte. Die Baupläne sahen eine mit dekorativen Elementen reich verzierte Fassade aus Aluminium, Stahl und Glas vor, die einen sechsgeschossigen Stahlskelettbau umgab. Das System-Profil der Aluminiumverkleidung stammte von Hueck. Optisch besonders eindrucksvoll ist das Gebäude bei Nacht, wenn die türkis-goldfarbene Vorhangfassade (sichtbar an Domkloster und Wallrafplatz) mit indirekter Beleuchtung insbesondere in der ausgeprägten Dachkehle erkennbar ist. Tagsüber präsentieren das goldfarben eloxierte Aluminium und die türkisfarbenen Brüstungen die Farbkombination, die dem von Peter Joseph Mülhens 1839 als „Corporate Design“ für die Marke 4711 definierten Türkis-Gold entspricht. Daraus entstand allmählich im Volksmund der Name „Blau-Gold-Haus“.

Der Eckbau reicht in den zum Domhof führenden Wallrafplatz hinein, wo Koep in Nr. 6 als Nachbargebäude ebenfalls im Oktober 1952 den eingeschossigen „Kristallpalast“ – mit Nebeneingang zum Blau-Gold-Haus – fertigstellen konnte. Es handelte sich um eine eingeschossige Ladenpassage, die ihren Namen von der hierin eingezogenen „Kristall-Passage Cox GmbH“ erhielt. Das Gebäude wird einem fünfgeschossigen Neubau von Architekt Johannes Kister (er verantwortete die Restaurierung des Blau-Gold-Hauses) weichen.

Der Firmensitz von 4711 lag zwar seit Oktober 1964 in der Glockengasse 4, doch sollte der Neubau am Dom an exponierter Lage auf der südlichen Domplatte als Werbeträger die Zielgruppe der Touristen erreichen. Im Gebäude befand sich lediglich in der Frühphase ein Laden von 4711, heute finden sich hier Luxusläden von Louis Vuitton, Hermès oder Lacoste. Erste Sanierungen des Gebäudes erfolgten 1979 und 1991, seit dem 18. Juni 1991 steht es unter Denkmalschutz.

Hauptsanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Blau-Gold-Haus gehört seit Januar 2010 der Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden, die auch Eigentümerin des benachbarten Dom-Hotels (Domkloster 2a) ist. Zwecks Erweiterung des Dom-Hotels wurde das Blau-Gold-Haus zwischen Juni 2010 und August 2012 von Architekt Johannes Kister entkernt und neu gestaltet. Dabei schuf er ab dem 2. Obergeschoss Platz für nunmehr 42 Hotelsuiten vom angrenzenden Dom-Hotel (mit dann 162 Zimmern), einschließlich einer 88 m² großen „Präsidentensuite“ auf der 4. Etage. Rechtzeitig vor Beginn des Weihnachtsmarkts am Dom konnte das sanierte Blau-Gold-Haus im September 2012 übergeben werden. Es erhielt im Juni 2012 einen Sonderpreis des Bundesbauministeriums und des Deutschen Stahlbaus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Judith Breuer, Die Kölner Domumgebung als Spiegel der Domrezeption im 19. Jahrhundert, 1981, S. 18
  2. Karl Möckl, Wirtschaftsbürgertum in den deutschen Staaten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, 1996, S. 427
  3. Ute Grefe, Köln in frühen Fotografien 1847–1914, S. 83
  4. Joseph Stübben, Die Freilegung des Domes zu Köln, in: Deutsche Bauzeitung, XIX (1885), S. 152–154
  5. Köln-Süd, Stadt-Magazin Nr. 6/2012, Dezember 2012, S. 14 f.
  6. Historische Kommission für Westfalen, Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiografien, Band 12, 1986, S. 175
  7. Wilhelm Treue: Ferdinand Mülhens (1844–1928). In: Kölner Unternehmer im 18., 19. und 20. Jahrhundert. (= Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Band 12). Aschendorff, Münster 1986, S. 175
  8. Rudolf Vierhaus (Hrsg.), Deutsche Biografische Enzyklopädie, Band 7, 2007, S. 235
  9. Judith Breuer, Die Kölner Domumgebung als Spiegel der Domrezeption im 19. Jahrhundert, 1981, S. 148.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blau-Gold-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 56′ 26″ N, 6° 57′ 25″ O