Blue Origin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Blue Origin, LLC

Rechtsform Limited Liability Company
Gründung 2000
Sitz Kent, Washington, Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Leitung Bob Smith (CEO)[1]
Mitarbeiterzahl über 1500[2]
Branche Raumfahrt
Website www.blueorigin.com

Blue Origin (engl. für Blauer Ursprung) ist ein privates US-amerikanisches Raumfahrtunternehmen, das im September 2000 von Amazon-Gründer Jeff Bezos gegründet wurde. Das Unternehmen konzentrierte sich zunächst auf die Durchführung von suborbitalen Flügen mittels wiederverwendbarer Flugsysteme. Die Erkenntnisse aus den Flügen der Suborbitalrakete New Shepard fließen in die Entwicklung der Orbitalrakete New Glenn ein. Außerdem arbeitet Blue Origin an dem Mondlandegerät Blue Moon.[3]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptsitz befindet sich in Kent (Washington), einem Vorort südlich von Seattle, wo die Forschungs- und Entwicklungsabteilung angesiedelt ist. Das Testgelände befindet sich auf der Corn Ranch in Culberson County (Texas), nördlich der Ortschaft Van Horn.[4]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

New Shepard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unfertige New-Shepard-Crewkapsel am Firmensitz in Kent

Die ursprüngliche Vision des Unternehmens ist die Entwicklung von wiederverwendbaren Trägersystemen und Raumfahrzeugen, die senkrecht starten und landen, um Menschen an den Rand des Weltraums zu befördern. Das suborbitale System, das zu Ehren des ersten US-amerikanischen Astronauten Alan Shepard den Namen „New Shepard“ bekam,[5] soll komplett mit Onboard-Computern und somit ohne Bodenkontrolle geflogen werden können. Es besteht aus einem Trägersystem, das die Kapsel auf eine ballistische Flugbahn bringt, sodass drei Passagiere an den Rand des Weltraums befördert werden, und das danach senkrecht landet und wiederverwendet werden kann. Die Landung der Kapsel erfolgt mittels Fallschirmen.

Ein unbemannter Probeflug dieses Fahrzeuges mit einer erzielten Höhe von 100,5 km und erfolgreicher Fallschirmlandung der Crew-Kapsel sowie einer ebenfalls erfolgreichen Senkrechtlandung des Antriebsboosters mittels wiedergezündetem Haupttriebwerk gelang erstmals am 23. November 2015 auf dem texanischen Testgelände. Die Erkenntnisse aus den suborbitalen Flügen fließen in die Entwicklung von orbitalen Raumfahrtsystemen ein.[6]

Blue Origin erhielt für seine New-Shepard-Kapsel die Collier Trophy 2016.

Der erste bemannte Flug erfolgte am 20. Juli 2021. An Bord waren Firmengründer Jeff Bezos, dessen Bruder Mark, die 82-jährige Mary Wallace Funk und der 18-jährige zahlende Tourist Oliver Daemen.[7] Der Flug dauerte insgesamt rund 10 Minuten und erreichte eine Höhe von 106 km.[8]

Konzeptstudie des nicht verwirklichten Raumschiffs

Commercial Crew Development Program[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Commercial-Crew-Development-Programms fördert die NASA Unternehmen, die an bemannten Raumfahrtprogrammen arbeiten. Es wird darauf hingearbeitet, dass private Dienstleister bemannte Flüge zur ISS durchführen können. Im Rahmen der ersten Runde dieses Programms erhielt Blue Origin im Jahre 2010 3,7 Millionen US-Dollar.[9] In späteren Runden wurde das Unternehmen nicht mehr berücksichtigt.

New Glenn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blue Origin arbeitet seit den frühen 2010er Jahren an einer Orbitalrakete mit wiederverwendbarer Erststufe. Hieraus entstand das New-Glenn-Projekt mit den Triebwerken BE-4 und BE-3. Mit einer geplanten Höhe von 96 Metern und einer angekündigten Nutzlastkapazität von bis zu 45 Tonnen zählt die New Glenn zu den größten jemals entwickelten Trägerraketen.

Mondlander[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2020 wählte die NASA drei Gewinner einer Ausschreibung aus, die die Entwicklung einer Mondlandefähre weiterverfolgen sollen. Ein Konsortium aus Blue Origin, Lockheed Martin, Northrop Grumman und Draper Laboratory ist einer davon und wurde mit 579 Millionen US-Dollar bedacht.[10][11] Blue Origin wird als Konsortialführer das Abstiegsmodul auf Basis des bereits vorgestellten Blue-Moon-Landers entwickeln.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 2021 veröffentlichten 21 frühere und gegenwärtige Mitarbeiter einen offenen Brief in welchem vielfältige Kritik am Unternehmen geäußert wurde. Eine der 21 Personen nannte ihren Namen. In dem Brief wird dem Unternehmen vorgeworfen, Sexismus und sexistische Handlungen ignoriert und die Sicherheit vernachlässigt zu haben, die Angestellten zu überlasten und entgegen dem Unternehmensmotto "eine bessere Welt schaffen" zu wollen, keinerlei konkrete Anstrengungen in Richtung Reduzierung der Umweltbelastung und Verbesserung der Klimaneutralität unternommen zu haben. In einem Einzelfall wird von einer früheren männlichen Führungskraft berichtet, welche weibliche Angestellte "baby girl", "baby doll" oder "sweetheart" genannt und sie über deren "Dating"-Leben ausgefragt habe. Einige Frauen hätten demnach neue Mitarbeiterinnen vor ihm gewarnt. Er wurde dem Brief nach erst entlassen, nachdem er eine Frau betatscht hatte. Auch ein früherer NASA-Astronaut aus der Führungsspitze soll sich gegenüber einer Gruppe von Mitarbeiterinnen sexistisch geäußert haben. Das Arbeitsklima soll die psychische Gesundheit vieler Mitarbeiter angegriffen haben. Memos aus der Führungsspitze zeigen den Wunsch die Angestellten bis an ihre Grenzen zu bringen und loben Burnout als Teil der Arbeitsstrategie. Bei Treffen der Vorsitzenden sei eine übliche Frage gewesen, wann Elon Musk oder Richard Branson fliegen würden. Die Autoren und Autorinnen kritisieren die Geschwindigkeit, mit welcher gestartet werden sollte, dass die Einschätzungen von Ingenieuren übergangen und darunter die Flugsicherheit leiden würde. Von "einigen" Starts sollte laut dem Brief auf 40 Starts pro Jahr hochskaliert werden. Dabei vergleichen die Schreibenden die Situation mit jener der Challenger STS-L51 Mission, bei welcher die Startrate von 24 Starts pro Jahr aufrechterhalten werden sollte[12][13].

Blue Origin reagierte bereits auf den Brief und meinte, "New Shepard ist das sicherste Weltraumfahrzeug, das je gebaut oder entwickelt wurde".[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikinews: Blue Origin – in den Nachrichten
Commons: Blue Origin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Sheetz: Blue Origin’s new rocket engine will be able to launch ‘100 full missions,’ CEO says. In: CNBC.com. CNBC, LLC, 18. April 2018, abgerufen am 1. August 2018.
  2. Eric M. Johnson: Bezos throws cash, engineers at rocket program as space race accelerates. In: Reuters.com. 3. August 2018, abgerufen am 27. August 2018.
  3. tagesschau.de: "Blue Moon": Amazon-Chef präsentiert Mondlandefähre. Abgerufen am 10. Mai 2019.
  4. Megan Gannon: Amazon CEO Jeff Bezos' Secretive Blue Origin Test-Fires Rocket Engine (Video). Space.com, 3. Dezember 2013, abgerufen am 25. April 2014 (englisch).
  5. FAA report reveals details of Blue Origin space tourism vehicle planned by Amazon.com founder Jeff Bezos Flight international, 26. Juni 2006
  6. About Blue Origin – Reliable, cost-effective human access to space. (Nicht mehr online verfügbar.) Blue Origin, 2014, archiviert vom Original am 27. Mai 2014; abgerufen am 25. April 2014 (englisch).
  7. Astrid Dörner: Blue Origin: Ambitionierter Weltraumflug geglückt: Amazon-Gründer Jeff Bezos kehrt sicher zurück zur Erde. In: Handelsblatt.com. 20. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  8. Jeff Bezos nach Weltraum-Flug wieder auf der Erde gelandet. 20. Juli 2021, abgerufen am 20. Juli 2021.
  9. Press Release Archives: CONTRACT RELEASE : C10-004, NASA
  10. Erin Mahoney: NASA Selects Blue Origin, Dynetics, SpaceX for Artemis Human Landers. 30. April 2020, abgerufen am 13. Januar 2021.
  11. NASA selects three companies for human landing system awards. 30. April 2020, abgerufen am 6. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).
  12. COMMITTEE ON SCIENCE AND TECHNOLOGY: Bericht über den Unfall der STS 51-L Mission. COMMITTEE ON SCIENCE AND TECHNOLOGY FOR THE NINETY-NINTH CONGRESS, 29. Oktober 1986, abgerufen am 3. Oktober 2021 (englisch).
  13. Alexandra Abrams: offener Brief über Blue Origin. 30. September 2021, abgerufen am 3. Oktober 2021 (englisch).
  14. Martin Holland: Bericht von Heise zum Brief. 1. Oktober 2021, abgerufen am 3. Oktober 2021.