Bnei Akiva

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bne Akiwa)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der Bne Akiwa

Bnei Akiva (hebräisch בני עקיבא, (Kinder Akiwas)), in der Schweiz: Bne Akiwa, ist ein religiös-zionistischer jüdischer Jugendverband. Mit über 50.000 Mitgliedern in mehr als 30 Ländern ist er die größte derartige Jugendorganisation der Welt. Er wurde am 28. Mai 1929[1] in Jerusalem gegründet und basiert auch heute noch auf dem gleichen Wahlspruch: „Tora we’Awoda“ (sinngemäß: Religion und Arbeit).

Nach dem Holocaust war ein enormer Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen. Sie verfolgten das Ziel, einen jüdischen Staat Israel zu gründen, zu bewirtschaften und zu bewohnen. Später begann auch der Ausbau zu einer Organisation mit internationalen Beziehungen.

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Motto von Bnei Akiva „Am Yisrael be-Eretz Yisrael al pi Torat Yisrael.“ („Das Volk Israel im Land Israel nach der Tora Israels“). Bnei Akiva zielt darauf ab, jüdische Jugendliche nach den Werten von Tora va-Avodah (Tora und Gottesdienst, letzteres wörtlich eigentlich Arbeit) zu erziehen. Bnei Akiva glaubt, dass es ein Gebot des Judentums sei, nach Israel auszuwandern. Der Name bezieht sich direkt auf die Geschichte von Rabbi Akiba, einem Mitbegründer des Rabbinischen Judentums.

Bnei Akiva ist dem national-religiösen Spektrum zuzuordnen und hatte starken Einfluss auf die Entstehung der israelischen Siedlerbewegung.[2]

Bnei Akiva lehnt Mischehen und Assimilation in der Galut ab und tritt für eine Stärkung der Verbindung des jüdischen Volkes im Ausland mit den Werten des religiösen Zionismus und mit dem Staat Israel ein.[3]

Nach dem Sechs-Tage-Krieg gründete Bnei Akiva an der Klagemauer im Jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt eine Jeschiwa.[4] Nach Angaben der britischen BA-Sektion lassen sich Mitglieder von Bnei Akiva, die nach Israel auswandern, meist in israelischen Siedlungen und Groß- bzw. Entwicklungsstädten nieder.[5]

Kontroversen um Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2012 leitete der Rektor der Bnei-Akiva-Schulen und Knesset-Abgeordnete für die Nationalreligiöse Partei Chaim Druckman gemeinsam mit dem Rabbiner Dov Lior aus der Siedlung Kirjat Arba und dem Knesset-Abgeordneten Arieh Eldad in der israelischen Siedlung Schilo im besetzten Westjordanland eine Abschiedsfeier für Zvi Struck (Sohn der Knesset-Abgeordneten Orit Struck von Habajit Hajehudi), der als verurteilter Krimineller eine Gefängnisstrafe antreten musste. Struck hatte im Juli 2007 gemeinsam mit einem zweiten Täter einen palästinensischen Jugendlichen verprügelt, gefesselt, neben ihm Schusswaffen abgefeuert, ihn ausgezogen und nackt am Straßenrand zurückgelassen. Bereits drei Monate vorher hatten die beiden denselben Jugendlichen verprügelt und eine seiner Ziegen getötet.[6]

Im Dezember 2013 verteidigte Chaim Druckman den Rabbiner Moti Elon, der wegen sexueller Übergriffe auf zwei seiner Studierenden verurteilt worden war. Er konnte trotz des Urteiles an der Jeschiwa Or Etzion unter der Leitung von Druckman unterrichten, was zu Protesten gegen Elon und gegen Druckman führte.[7]

Am 30. August 2014 schrieb der internationale Generalsekretär von Bnei Akiva, Noam Perel, auf Facebook:

Die Leichen von dreien unserer Söhne[8] wurden auf dem Feld gefunden; ein ganzes Volk und eine vieltausendjährige Geschichte schreien nach Rache. Die Regierung Israels beruft eine Racheversammlung ein, bei der es nicht um Trauer geht. Der Hausherr hat angesichts der Leichen seiner Söhne den Verstand verloren. Die Regierung wird die Armee, die nach ihnen gesucht hatte, in rachsüchtige Soldaten verwandeln, die sich nicht mit dreihundert Vorhäuten der Philister zufriedengeben werden. … Die Schande wird durch das Blut unseres Feindes gesühnt werden, nicht durch unsere Tränen.

Oberrabbiner David Lau sprach sich gegen solche Aufrufe zur Rache auf und die Knessetabgeordnete Michal Rozin kritisierte Noam Perel für diesen rassistischen Aufruf zur Blutrache scharf. Daraufhin entschuldigte sich Noam Perel „für den Ärger, den [seine] Worte ausgelöst haben mögen“.[9] Seine Äußerung hatte eine Petition und Aufrufe für seine Absetzung zur Folge.[10]

Meir Kahane war zunächst Mitglied des Betar; da ihm der Betar nicht radikal genug war, wurde er Mitglied der Bnei Akiva, für die er mehrere Ortsgruppen in den USA leitete.[11]

Bnei Akiva in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist "Bnei Akiva Deutschland e.V." seit 2017 im Vereinsregister eingetragen. Die deutsche Niederlassung sieht sich als Nachfolger der 1927 gegründeten Thora-Wa- Awoda-Stiftung und verweist darauf, dass Bnei Akiva nach 79 Jahren in Deutschland wieder als eine offiziell anerkannte rechtliche Organisation gilt, nachdem Vorläufer der Bewegung bereits 1910 in Deutschland aktiv waren. [12]

Bnei Akiva in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1949 wurde der Grundstein für eine österreichische Vertretung gelegt.

Bne Akiwa in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1935 wurde der „Bne Akiwa Schweiz“ gegründet, welchen es heute in Zürich und Basel gibt. In Genf gab es früher auch einen Snif („Filiale“), dieser wurde jedoch von der Dachorganisation in Israel mangels genügend Mitgliedern geschlossen. Momentan zählt Bne Akiwa Schweiz rund 140 aktive Mitglieder. Seit Sommer 2011 sind Doron und Naomi Schächter als Schlichim tätig. Im Sommer 2013 hörten Doron und Naomi auf, und an ihrer Stelle übernahmen Uri und Jael Rothschild. In der Schweiz organisiert Bne Akiwa jedes Jahr zwei Lager, eines im Sommer und eines im Winter. Alle zwei Jahre gibt es auch ein Wanderlager („Sayarim“), für die beiden ältesten Kwutzot (Gruppen) auch aus anderen Ländern Europas. Im Jahr darauf findet dann eine vierwöchige Israelreise statt, welche den „Chanichim“ (Teilnehmenden) den Gedanken von Tora we’Awoda näher bringen soll, sowie die Möglichkeit bietet, das Land genau kennenzulernen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bnei Akiva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mordecai Naor: Eretz Israel: das 20. Jahrhundert, Könemann, Köln, 1998, ISBN 3-89508-594-4, S. 154
  2. Jeremy Sharon: National-religious icon Rabbi Avraham Zuckerman dies at 98, Jerusalem Post, 20. Oktober 2013;
    Meron Rapoport: Israel’s exit strategy, Le monde diplomatique, August 2005;
    Uri Avneri: The Settler State, CounterPunch, 19. April 2011.
  3. Or Kashti: World Bnei Akiva chief calls for price of 'blood' for Israeli teens’ murder, Haaretz, 2. Juli 2014.
  4. Bnei Akiva, Jewish Virtual Library.
  5. Ideology, Bnei Akiva UK.
  6. Chaim Levinson: Prominent Israeli Figures Hold Send-off for a Settler Who Abused Palestinian Teen. In: Haaretz, 7. Oktober 2012.
  7. Nir Hasson: Religious Zionist Leader Rabbi Moti Elon Convicted of Sexually Assaulting Minors. In: Haaretz, 7. August 2013;
    Allison Kaplan Sommer: Israeli Parents Turn to U.S. Donors to Stop Sex Offender Rabbi From Teaching. In: Haaretz, 25. Dezember 2013;
    Allison Kaplan Sommer: Have Protest Vigils Driven Convicted Sex Offender Rabbi Moti Elon From the Classroom? In: Haaretz, 7. April 2014.
  8. Gemeint sind Ejal Jifrah, Gil‘ad Schaar und Naftali Frenkel, drei israelische Jugendliche, die im Juni 2014 in der Nähe der israelischen Siedlung Alon Schewut im besetzten Westjordanland entführt und ermordet worden waren.
  9. Max Blumenthal: The 51 Day War. Ruin and Resistance in Gaza. New York: Nation, 2015, S. 17f.; Jessica Elgot: Noam Perel, Head Of Jewish Youth Movement Bnei Akiva, Calls For Israeli Army To Take 300 Palestinian Foreskins, Huffington Post, 2. Juli 2014;
    Jeremy Sharon: Bnei Akiva secretary general calls for 'blood of enemy,' subsequently apologizes, Jerusalem Post, 3. August 2014.
  10. Anton Goodman: Rabbi Perel’s anti-Arab remarks reflect how World Bnei Akiva has lost its path, Haaretz, 4. Juli 2014;
    Stuart Winer: Norway Jews demand dismissal of Bnei Akiva official who urged vengeance, Times of Israel, 4. Juli 2014;
    Michael Melchior: Rabbi Noam Perel, go home!, Times of Israel, 3. Juli 2014.
  11. Ami Pedahzur: The Triumph of Israel’s Radical Right. Oxford University Press, 2012;
    Libby Kahane: Rabbi Meir Kahane. His Life and Thought. Institute for the Publication of the Writings of Rabbi Meir Kahane, 2008, Bd. 1: 1932–1975, S. 27f.
  12. Mitteilung des Bnei Akiva Deutschland e.V. vom 20. September 2017