Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina

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Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina Gedenktafel in Tyumen

Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina (russisch Борис Евдокимович Щербина, ukrainisch Борис Євдокимович Щербина Borys Jewdokymowytsch Schtscherbyna, * 5. Oktober 1919 in Debalzewe, Ukraine; † 22. August 1990 in Moskau) war ein sowjetischer Politiker. Während der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl leitete er die zuständige Regierungskommission.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde er als Sohn eines Eisenbahnarbeiters. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1937 studierte er in Charkow am Institut für Eisenbahnwesen. Das Studium wurde jedoch durch die Teilnahme am sowjetisch-finnischen Winterkrieg unterbrochen, bei dem Boris Schtscherbina freiwillig im 316. separaten Skigeschwader diente.[1] Während des Studiums erhielt er die Ehrenurkunde des Zentralkomitees des Komsomol der Ukraine (1939) für seinen akademischen Erfolg und aktive Öffentlichkeitsarbeit. Im gleichen Jahr trat er der KPdSU bei. Nach Abschluss des Studiums 1942 arbeitete er als Ingenieur bei der Nord-Donezk-Eisenbahn.

In den Jahren 1950/51 war er Sekretär des Charkower Stadtkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine und daran anschließend bis 1961 Sekretär für Ideologie und 2. Sekretär des Parteikomitees der Region Irkutsk.[2] Vom 11. Dezember 1973 bis zum 13. Januar 1984 war er Energieminister der UdSSR. 1984 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR berufen. Er leitete 1986 die Regierungskommission für die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und 1988 die Regierungskommission zum Erdbeben von Spitak. 1990 unterlag er bei den Wahlen um den Vorsitz des Zentralkomitees der KPdSU gegen Boris Jelzin.

Er war mit Raisa Pavlovna Schtscherbina (1919–1984) verheiratet und hatte mit ihr einen gemeinsamen Sohn Juri (* 1941).

Schtscherbina starb 1990 in Moskau und wurde auf dem Nowodewitschi-Friedhof beigesetzt.[2]

Tschernobyl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 leitete Boris Schtscherbina die Regierungskommission zur Beseitigung der Unfallfolgen im Kernkraftwerk Tschernobyl. Bereits am Tag des Unglücks, am 26. April 1986, flog er von Moskau nach Kiew, begab sich von dort in die Stadt Prypjat, um sich ein Bild der Lage zu machen. Es wird allgemein kritisiert, dass er die Bewohner der Stadt erst 36 Stunden nach dem Reaktorunfall evakuieren ließ. Dadurch wurden viele Anwohner einer hohen Strahlung ausgesetzt und litten an Spätfolgen. Gegen Mittag des 27. April wurde auf Schtscherbinas Befehl hin eine kurze Radionachricht gesendet, in der die Bevölkerung von Prypjat aufgefordert wurde, sich auf eine dreitägige Abwesenheit einzurichten. Die Evakuierung erfolgte ab 14 Uhr und wurde mit ca. 1200 Bussen innerhalb von zweieinhalb Stunden durchgeführt.[3]

Unter Schtscherbinas Leitung wurde für die Löschung und Versiegelung des havarierten Reaktors gesorgt und die Stadt Slawutytsch als Ersatz für Prypjat errichtet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.warheroes.ru/hero/hero.asp?Hero_id=15266
  2. a b Eintrag zu Boris Jewdokimowitsch Schtscherbina auf der Webseite des Nowodewitschi-Friedhofs; abgerufen am 29. Mai 2019 (russisch)
  3. Evacuation of Pripyat population. Abgerufen am 29. Mai 2019.