Bosco Ntaganda

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Bosco Ntaganda (* 5. November 1973[1] in Kiningi, Virunga, Ruanda[2]) ist ein ehemals führender Milizenführer der Tutsi/Banyamulenge in der schwer umkämpften Provinz Nord-Kivu im Osten des Kongo.[3]

Er hatte eine leitende Funktion im Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes inne. Nach dessen Auflösung wurde er General in der kongolesischen Armee, von der er sich im April 2012 trennte. Gegen ihn besteht seit Jahren ein internationaler Haftbefehl. Er trägt den Beinamen Terminator und Angaben über seinen Nachnamen schwanken. Bekannt sind Tanganda, Ntanganda, Ntangana, Ntagenda, Baganda oder Taganda. Er stellte sich am 18. März 2013 der US-Botschaft in Ruanda und wurde daraufhin an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruanda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Völkermord in Ruanda kämpfte Ntaganda in den Forces Rwandaises de Défense der Tutsi unter Paul Kagame, der 1994 die Regierung in Ruanda übernahm.

Kongo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ntgaganda war am ersten Kongokrieg (1996–1997) und zweiten Kongokrieg (1998–2003) beteiligt.[5] Ende 2002 wurde Ntaganda einer der Stellvertreter von Thomas Lubanga in der Forces patriotiques pour la Libération du Congo (FPLC). Die FPLC war die bewaffnete Miliz der politischen Bewegung Union des Patriotes Congolais. Zusammengesetzt aus Hema-Nomaden, kämpfte die FPLC in der Region Ituri im Nordosten des Lands gegen die sesshaften Lendu.[6] Die FPLC wurde beschuldigt, von 2002 bis 2003 in dieser Region Massaker an Zivilisten verübt, Kindersoldaten rekrutiert und über 100.000 Menschen in die Flucht getrieben zu haben.[5]

Im Januar 2009 wurde er Stabschef der CNDP-Miliz, die überwiegend aus Tutsi besteht, und sorgte schnell für die Absetzung ihres berüchtigten Anführers Laurent Nkunda.[7] Noch im selben Jahr schloss die CNDP Frieden mit der kongolesischen Regierung und wurde in die kongolesischen Streitkräfte FARDC eingegliedert.[8] Er diente in der FARDC im Rang eines Generals [9] und lebte bis April 2012 in Goma.[3]

Ruanda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 ging die Versöhnung mit der kongolesischen Zentralregierung jedoch wieder in die Brüche und ab April gab es verstärkte Bemühungen der kongolesischen Regierung, ihn an den internationalen Strafgerichtshof zu überstellen. Im April desertierte Ntaganda und unternahm eigenständige Operationen mit etwa 300–600 Anhängern.[10][11] Am 6. Mai wurde die Gründung der Bewegung 23. März (M23) unter dem Oberkommando von Sultani Makenga bekanntgegeben[12], die hauptsächlich aus ehemaligen CNDP-Mitgliedern bestand. Sie konnte in den nächsten Monaten längerfristig die Kontrolle über Teile Nord-Kivus erringen. Manche Stellen vermuten, dass Ntaganda an der Gründung beteiligt war[13] und eine Führungsrolle in der M23 einnahm[14]. Die M23 stritt jedoch eine Verbindung mit Ntaganda stets ab.[15] Die Beziehung zwischen Ntaganda und Makenga galt als problematisch, Makenga als Nkunda-treu.[16][17]

Flucht und Anklage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Februar bis Mitte März 2013 kam es zu Kämpfen zwischen der Fraktion von Sultani Makenga und einer als Ntaganda nahestehend eingeschätzten Fraktion, die auch den politischen Präsidenten der M23, Jean-Marie Runiga Lugerero, mit einschloss. Sultani Makenga setzte diesen am 27. Februar ab – er warf ihm vor, mit Ntaganda zu kooperieren. Es kam zu Kämpfen im Gebiet Rutshuru mit mehreren Dutzend Toten. Makenga konnte den Konflikt für sich entscheiden, sodass schließlich zum 16. März mehrere hundert Anhänger der unterlegenen Fraktion über die Grenze nach Ruanda flohen.[18]

Haftbefehl des IStGH und Gerichtsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ntaganda wurde mit einem (bis zum 28. April 2008 unveröffentlichten) Haftbefehl vom 22. August 2006 vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen 2002 und 2003 begangenen Kriegsverbrechen mit Haftbefehl gesucht.[19] Konkret werden ihm die Rekrutierung von Kindersoldaten im Alter unter 15 Jahren, mehrere Morde und Vergewaltigungen vorgeworfen.[20] 2012 wurde sein ehemaliger Vorgesetzter Lubanga vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen ebensolcher Verbrechen verurteilt. Ntaganda soll auch in den illegalen Goldhandel verstrickt sein.

Am 18. März 2013 stellte sich Ntaganda als mutmaßlicher Kriegsverbrecher in der US-Botschaft in Kigali.[21] Er bat den Botschafter Donald W. Koran um die Überstellung an den Internationalen Strafgerichtshof,[22] was vier Tage später geschah.[23]

Am 10. Februar 2014 eröffnete der Internationale Strafgerichtshof das Vorverfahren gegen Ntaganda.[24] Das Hauptverfahren begann am 2. September 2015. Anklagepunkte sind Kriegsverbrechen in 13 Fällen, darunter Rekrutierung von Kindersoldaten, Verbrechen gegen die Menschlichkeit in fünf Fällen, darunter Vergewaltigung und sexuelle Versklavung. Die Taten soll er als stellvertretender Stabschef der FPLC begangen haben.[25]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.youtube.com/watch?v=fSM7fi-V_J4
  2. BBC News - Profile: Bosco Ntaganda the Congolese 'Terminator' vom 15. Mai 2012
  3. a b Dominic Johnson: Dollars, Goldstücke und ein General. In: die tageszeitung. 8. Februar 2011, abgerufen am 10. Februar 2011 (deutsch).
  4. Der "Terminator" flüchtet in US-Botschaft, abgerufen am 18. März 2013.
  5. a b Kampf gegen Straflosigkeit: Verfahren gegen Rebellenführer Bosco Ntaganda verschoben. Konrad-Adenauer-Stiftung, August 2013, abgerufen am 19. April 2014.
  6. Kabila fordert Festnahme von gesuchtem Kriegsherrn. In: FAZ. 12. April 2012, abgerufen am 16. April 2014.
  7. List of individuals and entities subject to the measures imposed by paragraphs 13 and 15 of Security Council resolution 1596 (2005) (PDF-Datei; 105 kB) vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
  8. Simone Schlindwein: Rachefeldzug gegen die Späher. In: die tageszeitung. 19. Januar 2012, abgerufen am 24. Januar 2012 (deutsch).
  9. Thomas Scheen: Der Herr über die mordenden Kinder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. März 2012, abgerufen am 19. März 2012 (deutsch).
  10. Bosco ‘Terminator’ Ntaganda takes over DR Congo towns. BBC, 30. April 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  11. CNDP Quits FARDC as Joseph Kabila Asks Paul Kagame to Arrest General Ntaganda. AfroAmerica Network, 4. April 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  12. Nord-Kivu : des déserteurs des FARDC créent un mouvement politico-militaire dénommé M23. Radio Okapi, 9. Mai 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  13. Bosco Ntaganda. UN News Centre, 19. März 2013, abgerufen am 23. März 2013.
  14. Bosco Ntaganda: 'Terminator' chief of DR Congo mutiny. Agence France-Presse, 13. Juli 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  15. Dominic Johnson: M23 gründet eine Art Regierung. 18. August 2012, abgerufen am 23. März 2013.
  16. Jason Stearns: From CNDP to M23. The evolution of an armed movement in eastern Congo. Rift Valley Institute, 2012, ISBN 978-1-907431-05-0, S. 40, 68 (online (PDF; 3,5 MB)).
  17. Pilipp Sandner: Rebellenchef Ntaganda an Den Haag überstellt. Deutsche Welle, 22. März 2013, abgerufen am 23. März 2013.
  18. Nord-Kivu: les hommes de Makenga délogent Bosco Ntaganda et ses combattants de Kibumba. Radio Okapi, 16. März 2013, abgerufen am 18. März 2013.
  19. Mandat d'arrêt ICC-01/04-02/06. Chambre Préliminaire 1, 22. August 2006, abgerufen am 18. März 2013.
  20. Haftbefehl Internationaler Strafgerichtshof
  21. Bosco Ntaganda: Wanted Congolese 'in US mission in Rwanda'
  22. Tagesschau.de: Ruanda: Kongo-Rebellenchef flüchtet in US-Botschaft (Memento vom 19. März 2013 im Internet Archive) vom 18. März 2013
  23. Rebellenführer Ntaganda an IStGH übergeben ORF, 22. März 2013
  24. Weltstrafgericht eröffnete Verfahren gegen Ex-Rebellenchef des Kongo
  25. „Terminator“ vor dem Weltgericht