Goma

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Goma
Goma (Demokratische Republik Kongo)
(1° 40′ 30″ S, 29° 13′ 30″O)
Koordinaten 1° 41′ S, 29° 14′ OKoordinaten: 1° 41′ S, 29° 14′ O
Basisdaten
Staat Demokratische Republik Kongo

Provinz

Nord-Kivu
Höhe 1489 m
Einwohner 2.000.000 (2019[1])
Goma am Kivusee
Goma am Kivusee
Goma mit dem Vulkan Nyiragongo (2015)

Goma ist eine Großstadt im Osten der Demokratischen Republik Kongo und Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu. Goma liegt im Territorium Nyiragongo.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt zwischen dem Vulkan Nyiragongo im Norden und den Ufern des Kivusees im Süden am Ostafrikanischen Grabenbruch (Zentralafrikanischer Graben). Unmittelbar östlich von Goma liegt die Staatsgrenze zu Ruanda und die zu Ruanda gehörende Stadt Gisenyi. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren durch Bürgerkriegsflüchtlinge stark gestiegen und lag 2007 bei rund 500.000 Einwohnern, 2019 bereits bei etwa 2 Mio. Einwohnern. Nördlich von Goma befindet sich der älteste Nationalpark Afrikas, der Nationalpark Virunga.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goma
  • Himbi 1
  • Himbi 2
  • Kahembe
  • Karisimbi
  • Kasika
  • Katindo
  • Katoyi
  • Kyeshero
  • Lac-Vert
  • Les Volcans
  • Mabanga-Nord
  • Mabanga-Süd
  • Majengo
  • Mapendo
  • Mikeno
  • Mugunga
  • Murara
  • Ndosho

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima ist aufgrund der Äquatornähe im jahreszeitlichen Verlauf sehr ausgeglichen. Die Höhenlage der Stadt auf etwa 1500 m führt zu einer gemäßigten Maximaltemperatur von etwa 25 °C und einer Minimaltemperatur knapp unter 15 °C.

Goma
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Climate-Data.org[2]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Goma
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 25,6 25,7 25,7 25,4 25,3 25,3 25,2 25,8 25,9 25,7 25,3 25,4 Ø 25,5
Min. Temperatur (°C) 14,4 14,6 14,6 14,7 14,6 13,6 13,1 13,9 14 14,2 14,1 14,4 Ø 14,2
Temperatur (°C) 20 20,1 20,1 20 19,9 19,4 19,1 19,8 19,9 19,9 19,7 19,9 Ø 19,8
Niederschlag (mm) 94 84 117 119 108 55 29 70 117 143 138 118 Σ 1192
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Quelle: Climate-Data.org[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend von Goma wurde im Jahr 1894 vom Forschungsreisenden Gustav Adolf von Götzen besucht.[3] Goma wurde ein belgischer Posten gegenüber dem deutschen Militärposten in Gisenyi (Bezirk Rubavu in Ruanda). Am Anfang war das Zusammenleben zwischen diesen beiden Orten nicht einfach. Einmal griffen die traditionellen Häuptlinge Ruandas gemeinsam mit der deutschen Kolonialmacht die Belgier in Goma an. Letztere flüchteten nach Bukavu und ließen die Invasoren die Stadt besetzen. Nach Verhandlungen zogen sich die Deutschen nach Ruanda zurück und die Belgier nehmen ihre ursprüngliche Position als Kolonialmacht wieder ein.

In der Vereinbarung über die afrikanischen Seen zwischen Belgien, dem Deutschen Kaiserreich, und Großbritannien am 14. Mai 1910 wurde Goma als belgische Besitzung bestätigt.[4]

Der Zustrom von Kolonisatoren in das Dorf spielte eine wichtige Rolle bei seiner Entwicklung zu einer großen Agglomeration. Die Kolonisatoren hatten zunächst den Hauptort des belgischen Distrikts in Rutshuru eingerichtet, wo der Kolonialverwalter lebte. Der Hauptort wurde später von Rutshuru nach Goma verlegt.

Zu dieser Zeit blieb Goma ein Handelsposten mit Bukavu, das eine Bergbaustadt war. Später strömte die Menschen aus Städten wie Rutshuru, Masisi, Kalehe und Gisenyi auf der Suche nach Arbeit bei den Kolonisatoren Goma. In dieser Zeit entstand das Birere-Viertel (eine Barackensiedlung in Goma) um die Lagerhäuser, Büros und Häuser der Kolonisten herum. Der Name „Birere“ (wörtlich „Bananenblätter“) kommt daher, dass man damals mit Bananenblättern baute.

Besonders schnell wuchs Goma mit den Hafenbauarbeiten in den 1930er Jahren.[5]

Seit 1959 ist Goma Sitz des römisch-katholischen Bistums Goma.

Ereignisse seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Bürgerkrieges und Völkermords im nahe angrenzenden Ruanda 1994 war Goma eines der Hauptziele für Flüchtlinge. Unter diesen waren nebst Zivilisten auch Mittäter des Genozids. Nachdem über eine Million Flüchtlinge die Stadt erreicht hatten, brach in den Lagern eine Cholera-Epidemie aus, die mehrere Tausend Opfer forderte. In den Jahren 1997 und 1998, als der Bürgerkrieg im Kongo nach dem Sturz von Präsident Mobutu Sese Seko eskalierte, eroberten ruandische Regierungstruppen Goma. Im Zuge der Verfolgung von Hutu, die in der Stadt Zuflucht gesucht hatten, töteten sie auch Hunderte Unbeteiligte.

Im Jahre 2002 wurde die Stadt von einem Lavastrom aus dem etwa 14 km entfernten Nyiragongo im Norden zu großen Teilen zerstört. Viele Gebäude gerade im Stadtzentrum sowie der Flughafen Goma waren betroffen. Von den 3.000 Metern der Start- und Landebahn sind bis heute noch fast 1.000 Meter unter einer Lavaschicht begraben, so dass der internationale Verkehr ihn meidet. Rund 250.000 Einwohner der Stadt mussten flüchten. Es gab 147 Todesopfer, viele Flüchtlinge blieben obdachlos oder haben sich am Rande der Lavafelder Notunterkünfte gebaut. Seit April 2009 wird unter Führung der Welthungerhilfe das Rollfeld des Flughafens von der Lava befreit. Die Bedrohung, dass sich bei einer erneuten Eruption Lavamassen aus dem innerhalb des Vulkankraters befindlichen Lavasee erneut ins Tal und auf die Stadt ergießen, besteht nach wie vor.[6]

Am 15. April 2008 raste nach dem Start vom Flughafen Goma eine Douglas DC-9 mit 79 Passagieren und 6 Besatzungsmitgliedern über das südliche Startbahnende hinaus in das Wohn- und Marktgebiet Birere. Etwa 40 Personen aus dem angrenzenden Siedlungsgebiet kamen ums Leben, mindestens 53 Passagiere und die 6 Besatzungsmitglieder überlebten jedoch. Das Feuer aus dem brennenden Wrack konnte sich aufgrund des starken Regens nicht ausbreiten, Anwohner konnten das Feuer zusätzlich eindämmen.

Zehntausende Menschen flohen Ende Oktober 2008 aufgrund einer Offensive von Tutsi-Rebellen aus der Stadt.[7]

Am 21. November 2012 wurden große Teile der Stadt von der gegen die Zentralregierung unter Präsident Joseph Kabila kämpfenden Rebellenbewegung M23 eingenommen. Dort stationierte UNO-Friedens-Truppen griffen im Gegensatz zu früheren Aktivitäten nicht mehr ein.[8] Am 1. Dezember begannen sie nach Überschreitung eines Ultimatums der Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas und zwei Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, sich aus der Stadt zurückzuziehen.

Im Jahre 2019 wurden mehrere Einzelfälle von Ebola in der Stadt registriert, nachdem die Ebola-Epidemie bereits zuvor im Ostkongo ausgebrochen war.[9]

Bei einem Überfall auf einen Konvoi des Welternährungsprogramms nördlich von Goma starben am 22. Februar 2021 der italienische Botschafter Luca Attanasio und ein Personenschützer.[10]

Am 23. Mai 2021 wurden durch den Ausbruch des Vulkans Nyiragongo und einen folgenden Lavastrom mehr als 500 Häuser in Außenbezirken zerstört.[11][12]

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Stadt wird der Transport durch Fahrradtaxen angeboten, die sogenannten Bodaboda. Es bestehen Busverbindungen zu den umliegenden Dörfern, die von verschiedenen Busunternehmen betrieben werden.

Zu der Stadt Bukavu, am südwestlichen Ufer des Kivusees, direkt an der Grenze zu Ruanda, besteht eine Fährverbindung. Der Straßen- und Brückenbau wurde seit 1997 vorwiegend durch Entwicklungszusammenarbeit ermöglicht. Frachtgut wird in Goma sehr oft mit fahrbaren hölzernen Lastenrollern, den sogenannten Chukudu, transportiert.

2 km östlich vom Stadtzentrum entfernt befindet sich der internationale Flughafen Goma, der mehrmals wöchentlich von Flughafengesellschaften wie Congo Airways oder FlyCAA angeflogen wird.

Bildung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1993 wurde in Goma die staatliche Universität Goma (Université de Goma; UNIGOM) gegründet, die sechs Fakultäten hat.[13] Neben der UNIGOM gibt es in der Stadt noch die private Université libre des Pays des Grands Lacs (ULPGL), die 1991 gegründet wurde und über sieben Fakultäten verfügt.

In Goma findet jährlich auf dem Gelände des Universal College of Mwanga das Amani Festival statt, das von zahlreichen namhaften Sponsoren unterstützt wird. In der Stadt befindet sich ein Kloster der Bernhardinerinnen von Esquermes, das Notre Name du Lac, das im Jahr 1960 eröffnet wurde.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goma am Ufer des Kivusees

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Goma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ebola oubreak: First case discovered in DRC’s Goma city, home to 2 million people. The Independent, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  2. Climate Goma. Abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  3. Gustav Adolf von Götzen: Durch Afrika von Ost nach West, Berlin 1895, S. 199ff. [1]. Das in seinem Reisebericht auf S. 102 erwähnte Dorf namens Ngoma,(ebd., S. 102 [2]) liegt zwischen Ushirombo und Mwanza.
  4. Bulletin de la Société de géographie et d'études coloniales de Marseille, 1910, S. 138.
  5. Perla Berthe, Problématique de la prise en charge des personnes vivant avec le virus du sida de l'hôpital général de Goma en RDC, Institut supérieur de développement rural des grands lacs Goma - Graduat 2012, "I.1. HISTORIQUE DE LA VILLE DE GOMA"
  6. Riesiger Lavasee bedroht afrikanische Großstadt. Spiegel online vom 17. Februar 2011.
  7. Tutsi-Truppen stehen vor Goma In: tagesschau.de (Memento vom 2. November 2008 im Internet Archive)
  8. Rebellen rücken in Goma ein. Spiegel online vom 20. November 2012
  9. Dritter Ebola-Fall in kongolesischer Grossstadt Goma. Abgerufen am 3. August 2019.
  10. https://apnews.com/article/archive-united-nations-38a1a38dbe27608228a968c8a424d6db
  11. tagesschau.de: Vulkanausbruch im Kongo: Großstadt Goma entgeht Katastrophe. In: tagesschau.de. Abgerufen am 23. Mai 2021.
  12. DR Congo’s Goma volcano: Drone images show devastation. BBC News, 24. Mai 2021, abgerufen am 25. Mai 2021 (englisch).
  13. UNIGOM: Facultés, abgerufen am 24. Januar 2021.