Briese Schiffahrt

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Briese Schiffahrts GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH
Gründung 1984
Sitz Leer, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Roelf Briese (CEO)
Mitarbeiter ~2.200 (2009)
Branche Logistik, Transport
Website www.briese.de
Forschungsschiff Maria S. Merian im Kieler Hafen

Das Unternehmen Briese Schiffahrts GmbH & Co. KG ist eine Reederei der Briese-Gruppe in der ostfriesischen Stadt Leer. Mit über 130 Mehrzweck-, Schwergut- und Containerschiffen sowie Massengutschiffen im Kernunternehmen, die größtenteils Einschiffsgesellschaften der Briese Schiffahrt gehören, ist das 1984 von Kapitän Roelf Briese gegründete Unternehmen die größte Reederei im zweitgrößten deutschen Reedereistandort.[1][2] Nach eigenen Angaben ist es im Bereich Projekt- und Schwergutladung zusammen mit der Tochterfirma BBC Chartering der weltweit führende Anbieter. Daneben liegt das Hauptaugenmerk auf der Verschiffung von Gefahrgut, Militärgut, Bulkladungen und Containern. Im Bereich der Projektschifffahrt werden überdurchschnittlich viele Windenergieteile verschifft. Das Firmenmotto lautet Our Objective: Charterer's Happiness (zu Deutsch: Unser Ziel: Zufriedenheit des Befrachters).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reederei wurde im Jahre 1984 von Kapitän Roelf Briese gegründet. Bereits Ende der 1980er Jahre wurden die ersten Neubauserien projektiert. Die ersten Expansionen, beispielsweise in die Volksrepublik China, erfolgten Anfang der 1990er Jahre. Durch das Tochterunternehmen China Supervision mit Sitz im chinesischen Tianjin nahe der Xingang Shipyard, kann die Zertifizierung und Bauaufsicht eigener und fremder Neubauten mittlerweile mit geringem Aufwand geschehen. Mittlerweile (2011) existieren Dependancen in 20 Ländern auf sechs Kontinenten.[3]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flotte der Briese Schiffahrt besteht zurzeit (2011) aus über 120 Mehrzweckschiffen, Containerschiffen und Bulkern. Nach eigenen Angaben beträgt das Durchschnittsalter der Schiffe durch Neubauten und Schiffsverkäufen unter fünf Jahre.[3] Die Tragfähigkeit der Schiffe liegt zwischen 2.500 und 37.300 t, damit wird im Bereich der Container- und Schüttgutfahrt eher der untere und mittlere Bereich im Vergleich mit aktuellen Seeschiffen abgedeckt. Im Bereich der Mehrzweck- und Schwergutfahrt wird der mittlere bis obere Bereich abgedeckt. Die meisten Frachter sind mit Zwischendecks (Tweendecks) und eigenen Kranen (bis 700 t) ausgestattet sowie mit Eisklassen (bis schwedisch/finnisch 1A/E3) zertifiziert und somit nach Reedereiangaben vielseitig einsetzbar.[1] Außerdem verfügen sie über ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001:2000, was durch den Germanischen Lloyd zertifiziert wird.

Die Rumpffarbe der meisten reedereieigenen Schiffe ist blau. Außerdem ziert die meisten Schiffe, die von der Tochterfirma BBC Chartering & Logistic befrachtet werden, der von Weitem sichtbare Schriftzug BBC Chartering.

Außerdem bereedert das Unternehmen mehrere Forschungsschiffe, und zwar die Alkor, die Heincke, die Poseidon, die Maria S. Merian, die Elisabeth Mann Borgese sowie das reedereieigene Schiff Grinna. Seit dem 1. Januar 2013 gehört außerdem das vormals von der Reederei F. Laeisz bereederte Forschungsschiff Meteor zur Briese-Flotte, und am 17. November 2014 wurde die Sonne in Dienst gestellt.[4]

Im Jahr 2010 wurde der im selben Jahr fertiggestellte Schwergutfrachter BBC Polonia vor Nigeria von Piraten überfallen und die Besatzung entführt. Alle Seeleute kamen nach wenigen Tagen wieder frei.

Charter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2004 und 2008 entstanden fünf Containerschiffe, die sich momentan in Zeitcharter bei verschiedenen großen Reedereien wie Maersk Line, CMA CGM oder MSC befinden. Die acht Schiffe umfassende Neubauserie der BBC-Everest-Klasse, die zwischen 2010 und 2012 entstand, ist langfristig an BBC Chartering verchartert und wird dort in der BBC Americana Line, einer Projekt-Schwergut-Linie, zwischen dem Mittelmeer und Südamerika eingesetzt. Neben der BBC Everest zählt die zwischen 2003 und 2009 entstandene BBC-Europe-Klasse zu den Schwergutfrachtern. Einen großen Teil der Tonnage machen die Flussschiffe der BBC-Ems-Klasse aus, die weltweit operieren. Von der in Insolvenz befindlichen Reederei Beluga Shipping hat Briese einen Teil der Schiffe übernommen, darunter einige Schiffe der BBC-Campana-Klasse. Im Jahr 2010 hat die Reederei zwei Handysize-Bulker der BBC-Neptune-Klasse mit einer Tragfähigkeit von 37.300 dwt in Dienst gestellt.

Nach der Insolvenz der Reederei Beluga übernahm Briese das Schiff Beluga SkySails, das mit einem 320 m² großen Zugdrachen ausgerüstet ist. Der Drachen 'leistet' maximal bis zu 2000 kW.[5] Das 132 Meter lange Schiff mit knapp 10.000 dwt ist das erste kommerziell eingesetzte Schiff mit dieser Technologie. Seit dem Kauf ist das Schiff langfristig an BBC Chartering verchartert und heißt BBC SkySails.

Schiffe (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Schiffstyp Baujahr Tragfähigkeit Länge Breite Tiefgang Flagge
BBC-Neptune-Klasse Bulker 2010 37.300 dwt 189,99 m 28,50 m 10,40 m Liberia
BBC-Leer-Klasse Mehrzweckschiff 1998–2000 20.000 dwt 153,22 m 23,60 m 9,73 m Liberia
Norderoog-Klasse Containerschiff 2004–2008 16.921 dwt 161,35 m 25,00 m 9,90 m Antigua & Barbuda, Gibraltar
BBC-Everest-Klasse Schwergutfrachter 2011/2012 9.300 dwt 125,79 m 22,00 m 7,60 m Deutschland, Antigua & Barbuda
BBC-Ems-Klasse Mehrzweck-Schwergutfrachter 2006–2012 17.500 dwt 143,14 m 22,80 m 9,70 m Deutschland, Antigua & Barbuda
BBC-Bergen-Klasse Mehrzweckschiff 2011/2012 8.000 dwt 128,45 m 16,50 m 7,00 m Antigua & Barbuda
BBC-Europe-Klasse Mehrzweck-Schwergutfrachter 2003–2009 7.700 dwt 119,80 m 20,20 m 7,60 m Antigua & Barbuda, Deutschland, Vereinigte Staaten
BBC-Campana-Klasse Mehrzweck-Schwergutfrachter 2004–2011 12.780 dwt 138,50 m 21,00 m 8,00 m Gibraltar, Antigua & Barbuda, Zypern, Liberia
Stocznia Gdanska 8203 Mehrzweckschiff 2000 7.612 dwt 107,74 m 18,20 m 7,50 m Antigua & Barbuda
Schillplate-Klasse Kümo / Mehrzweckschiff 2009–2012 3.300 dwt 86,00 m 12,40 m 6,70 m Gibraltar
BBC Polonia Schwergutfrachter 2010 7.787 dwt 122,45 m 18,20 m 9,00 m Antigua & Barbuda
Alkor Forschungsschiff 1990 - 54,59 m 12,50 m 4,16 m Deutschland
Heincke Forschungsschiff 1990 - 54,59 m 12,50 m 4,16 m Deutschland
Poseidon Forschungsschiff 1976 - 60,70 m 11,40 m 4,50 m Deutschland
Maria S. Merian Forschungsschiff 2005 - 94,80 m 19,20 m 6,50 m Deutschland
Elisabeth Mann Borgese Forschungsschiff 1987 - 56,50 m 10,80 m 3,65 m Deutschland
Sonne Forschungsschiff 2014 - 116,00 m 20,60 m 6,40 m Deutschland

Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Tochterfirma BBC Chartering

Die Briese Schiffahrt ist Kopf und Teil der Briese Group. In dieser Gruppe sind neben der Briese GmbH & Co. KG unter anderem:[6]

  • Briese Shipping BV mit Sitz im niederländischen Scheemda
  • Abteilung Forschungsschifffahrt mit Sitz in Leer
  • Ems Offshore Service GmbH & Co. KG mit Sitz in Leer (Hafenschlepper und Pontons)
  • Ems-Leda Shipping (gegründet am 1. November 2011) mit Bulkern [7]
  • BBC Chartering & Logistic GmbH & Co. KG als größte Tochterfirma und Hauptcharterer der Briese Schiffahrt mit Sitz in Leer und Büros u. a. in Bremen, Sankt Petersburg, Singapur und Shanghai und 21 weiteren Städten
  • Briese Chartering GmbH und Co. KG als Charterer mit Sitz in Leer
  • Bremer Reederei E & B GmbH mit Sitz in Bremen
  • Peak Shipping AS mit Sitz in Bergen
  • EPAS GmbH & Co. KG als Emder Hafenagent
  • BERA GmbH & Co. KG als Papenburger Hafenagent
  • Leda Shipping GmbH als Crew-Agent
  • Briese Swallow St. Petersburg und Sewastopol Ltd. als Crew-Agent
  • Nesse Reparaturwerft in Leer als hauseigene Werft

Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reederei wird intern in neun Abteilungen unterteilt:[8]

  • Einkauf / Logistik: Einkauf von technischen und nautischen Teilen; Anlieferung zu den Schiffen sowie Lagerung von Ersatzteilen o.ä.
  • IT / EDV: Wartung von Bürokommunikationsmitteln, Entwickeln von eigenen Computerprogrammen
  • Verwaltung: Ausflaggungen, Proviantlieferungen, Personalmanagement (Land) und sonstiges
  • Finanzen mit Unterabteilungen
Accounting / Buchhaltung: normale Buchhaltung
Controlling: Kontrolle der Rentabilität der Seeschiffe und Überprüfen von eingehenden Rechnungen
Schiffsfinanzierung: Finanzierung der Neubauten und Zukäufe durch Darlehen, Kommanditisten oder anderes
  • Chartering (Briese Chartering) mit
Befrachtung: Vermittlung der Ladung für die einzelnen Schiffe, Aushandlung der Frachtrate
Operating: Überwachung und Steuerung des täglichen Schiffsbetriebs
  • An- und Verkauf: Kauf und Verkauf von Seeschiffen
  • Bemannung (Briese Crew Management): Personalmanagement (See)
  • Inspektion mit
technischer Inspektion: Gewährleistung des reibungslosen technischen Ablaufes (bspw. Hauptmaschine)
nautischer Inspektion: Gewährleistung des reibungslosen nautischen Ablaufes (bspw. Ladungssicherung)
  • Management: Geschäftsleitung, Personalleitung

Fonds[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen bietet verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten an[9], darunter Beteiligungen an sogenannten Einschiffsgesellschaften als auch an kompletten Flottenfonds. Der sogenannte Chancenfonds (Sechste Briese Tonnagesteuer Rendite Fonds) wurde beispielsweise 2011 von einer renommierten Internetseite zum Fond des Jahres gewählt.[10] Die durchschnittliche Rendite dieses Fonds lag bei knapp 28 %.

Aufsehen erregte der Schnäppchenfonds I der Oltmann-Gruppe als diese zwei Containerschiffe der Reederei Briese zu je 19 Millionen Euro verkaufte. Ein Jahr zuvor wurden die Schiffe für knapp 14 Millionen Euro gekauft. Nach Aussage der Reederei und des Emissionshauses betrug die Rendite für die Anteilseigner 79 % nach Steuern.[11]

Beschäftigte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Briese Schiffahrt GmbH & Co. KG sind 2011 über 225 Personen an Land und 2840 auf See direkt beschäftigt.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Übersicht der Flotte, Briese Schiffahrt
  2. Über Briese Schiffahrt, Briese Schiffahrt
  3. a b Geschichte des Unternehmens, Briese Schiffahrt
  4. Übergabe des Forschungsschiffes „Sonne“. 17. November 2014, abgerufen am 17. November 2014.
  5. SkySails Technologie, SkySails GmbH
  6. Organigramm der Briese Group, Briese Schiffahrt
  7. Ems-Leda Shipping
  8. Abteilungen der Briese Schiffahrt, Briese Schiffahrt
  9. Schiffsbeteiligungen bei Briese Schiffahrt
  10. Briese Chancenfonds - „Fonds des Jahres 2011“ (Memento vom 27. Mai 2011 im Internet Archive)
  11. THB - Briese verkauft Wadan-Neubauten
  12. Website Briese Schiffahrt