Brigitte Schiffer

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Brigitte Schiffer (* 14. Juli 1909 in Berlin; † 18. Januar 1986 in London) war eine deutsche Komponistin, Musikethnologin, Musiklehrerin und Musikkritikerin.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brigitte Schiffer lebte in Kindheit und Jugend an wechselnden Orten, unter anderem in Berlin, Davos und Lausanne (1914–19), Freiburg im Breisgau (1919–23), und in Alexandria, Ägypten (1923-29). In dieser Zeit nahm sie privaten Klavier- und Musiktheorieunterricht bei wechselnden Lehrern. 1929 nach Berlin zurückgekehrt, begann sie ab 1930 ein Studium an der damaligen Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Berlin (Komposition bei Heinz Tiessen). Zusätzlich studierte sie ab 1931 Philosophie und Musikwissenschaft, unter anderem bei Curt Sachs.

Von April bis Oktober 1933 war Brigitte Schiffer im Auftrag des Berliner Phonogramm-Archivs auf einer Forschungsreise nach Ägypten in die Oase Siwa. Bei der Rückkehr nach Berlin war sie wegen ihrer jüdischen Herkunft an der Universität nicht weiter immatrikuliert, durch den Einsatz des Musikwissenschaftlers Arnold Schering, der als Ordinarius für Musikgeschichte an der Universität Berlin lehrte, konnte sie sich jedoch erneut einschreiben.

Das Studium an Hochschule und Universität schloss sie 1935 mit der Promotion „Die Oase Siwa und ihre Musik“ ab. Danach emigrierte sie nach Ägypten und heiratete im September 1935 in Nikosia (Zypern) den Musikethnologen Hans Hickmann.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brigitte Schiffer als Komponistin schuf diverse Werke, darunter ein Streichquartett und ein Concerto grosso. Während ihrer Zeit als Kompositionsstudentin in den 1930er Jahren entstand das Streichquartett in 3 Sätzen, das im Klima der beginnenden Judenverfolgung, unter dem Druck des judenfeindlichen Fritz Stein, 1934 Direktor der Hochschule, nur in kleinem Kreis aufgeführt werden konnte.[2]

Das Streichquartett wurde am 26. Juni 2014 im Konzerthaus Berlin (Veranstaltungsreihe „musica reanimata“, 113. Gesprächskonzert Verfolgung und Wiederentdeckung) wieder aufgeführt und am 6. August 2014 im Deutschlandfunk gesendet.

Ihre Dissertation als Musikethnologin, Die Oase Siwa und ihre Musik[3] konnte 1936 unter schwierigen Umständen bei einem von den Nationalsozialisten geschädigten Verlag [4] noch veröffentlicht werden.

In Kairo war sie ab 1937 bis Anfang der 1960er Jahre am staatlichen Institut für die künstlerische Ausbildung von Frauen (Higher Institute of Education for Women in Fine Arts) tätig als Musiklehrerin, und nach einiger Zeit als Leiterin der Musikabteilung des Instituts (kriegsbedingte Unterbrechung 1943-45, 1958-59 für kurze Zeit gekündigt). Während ihrer Zeit in Kairo verfasste sie zahlreiche Beiträge für den ägyptischen Rundfunk.

1950 erstmals als Vortragende bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik Darmstadt, war sie in der Folgezeit regelmäßig Kursteilnehmerin und Berichterstatterin.

Nach mehr als 20 Jahren in Kairo ließ sich Brigitte Schiffer Anfang der 1960er Jahre in London nieder. Von dort berichtete sie als Musikkritikerin über Musikereignisse, insbesondere in britischen, deutschen und schweizerischen Tageszeitungen und Musikzeitschriften, unter anderem in Melos.

Langjährige Korrespondenzen verbinden sie mit Persönlichkeiten wie Hans Heinz Stuckenschmidt, Carla Henius, Wladimir Vogel und Hermann Scherchen.[5]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Brigitte Schiffer (1909-1986). musica reanimata, abgerufen am 7. August 2014.
  2. Sybill Mahlke: Wie ich sie liebe, die Freunde. Der Tagesspiegel, 27. Juni 2014, abgerufen am 7. August 2014.
  3. Brigitte Schiffer: Die Oase Siwa und ihre Musik. Inaugural-Dissertation, Berlin 1936, Verlag W. Postberg, Bottrop
  4. Historie. Postberg Satz KG, abgerufen am 13. August 2014: „Unter dem Druck des Hitler-Regimes verliert Wilhelm Postberg seine Selbständigkeit, muss seinen Verlag an die UERA GmbH in Berlin verkaufen und "pachten".“
  5. Programm: Vor- und Rückschau. deutschlandfunk, abgerufen am 7. August 2014: „Langjährige Korrespondenzen verbinden sie mit Persönlichkeiten wie Hans Heinz Stuckenschmidt, Carla Henius, Wladimir Vogel oder Hermann Scherchen.“