Brigitte Young

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Brigitte Young in ihrem Büro

Brigitte Young (* 26. Mai 1946 in Groß Sankt Florian, Österreich) ist eine Professorin (em.) für Internationale Politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit ihrer Emeritierung im Jahr 2011 ist sie weiterhin als Forscherin und Sachverständige für die Europäische Kommission aktiv und hat zudem zahlreiche wissenschaftliche und journalistische Beiträge zur Finanz- und Eurokrise publiziert.[1][2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brigitte Young studierte von 1978 bis 1982 an der University of California, Santa Barbara and UC Davis und von 1984 bis 1990 an der University of Wisconsin–Madison. Nach Erlangung des Ph.D. in Internationaler/Vergleichender Politischer Ökonomie wurde sie Professorin an der Wesleyan University, Connecticut (1991–1997). Zwischen 1994 und 1995 war Brigitte Young zudem Research Fellow in „German and European Studies“ an der „School of Foreign Service“ der Georgetown University in Washington D.C. Von 1997 bis 1999 lehrte Brigitte Young am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Dort habilitierte sie sich bei Elmar Altvater mit dem Thema „Globalisation and Gender Regimes“. Von 1999 bis 2011 war sie Professorin für Internationale/Vergleichende Politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 2011 war sie unter anderem Gastprofessorin an der Science-Politique, Paris (CERI – Centre d’Etudes et de Recherches Internationales) sowie an der Science-Politique, Lille; am JF Kennedy Institut, Freie Universität Berlin, dem Centre for the Study of Globalization and Regionalization an der Universität Warwick, und der Central European University in Budapest. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Globalisierung, Weltwirtschaft, Internationale Politische Ökonomie, Finanzkrisen und Finanzmarktregulierung, Welthandel und WTO, Global Governance, und Feministische Makroökonomie (Handel, Finanzen und Soziale Reproduktion).

2016 wurde sie mit dem Käthe-Leichter-Staatspreis auszeichnet.

Young ist Mitglied der Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW).[3]

Arbeit als Sachverständige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde Brigitte Young als Sachverständige in die Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten“ des Deutschen Bundestages berufen, in der sie zwei Jahre lang beratend tätig war. Außerdem arbeitete sie seit 2008 in mehreren Projekten als unabhängige Sachverständige und Gutachterin für die Europäische Kommission.[4]

Brigitte Young ist Mitglied und Leiterin von Projekten des seit 2005 von der Europäischen Union geförderten Forschungsnetzwerkes „GARNET - Network of Excellence (NoE) - Global Governance, Regionalisation and Regulation: The Role of the EU“, an dem europäische Universitäten erstmals gemeinsame Forschungsprojekte zum Zusammenhang von Globalisierung, Governance und Europäischer Union durchführen. Sie wurde für die Dauer des Projektes bis einschließlich 2010 als Vorstandsmitglied in das Management-Komitee des NoE gewählt. Von 2010 bis 2014 war sie Delegierte im Verwaltungsausschuss und gemeinsam mit Christoph Scherrer Projektleiterin der Working Group 1 (Systemic Risks, Crises, and the Search for Financial Stability in Modern Finance) eines EU-finanzierten Forschungsprojekts zu den Ursachen, Dynamiken und Konsequenzen der Subprimekrise.[5]

Im Rahmen des auf fünf Jahre angelegten GARNET-Projektes koordiniert Young in Abstimmung mit den Wirtschaftsinformatikern des European Research Center for Information Systems (ERCIS) den Aufbau eines „Virtuellen Netzwerks“. Die Kommunikations- und Informationsplattform hat die Vernetzung der universitätsübergreifenden Forschungsvorhaben und Aktivitäten zum Ziel. Darüber hinaus leitet Brigitte Young das GARNET-Forschungsprojekt „Gender in International Political Economy“ (GIPE).

2007 wurde Brigitte Young in die „Warwick Commission examining the future of the world trade system“ unter dem Vorsitz von Pierre Pettigrew, ehemaliger kanadischer Handels- und Außenminister, berufen. Die Kommission präsentierte ihren Abschlussbericht „The Multilateral Trade Regime: Which Way Forward?“ am 6. Dezember 2007 in Genf.

Sie ist außerdem seit 2008 Gutachterin (Independent Expert) für die EU-Kommission, DG Science and Innovation, im Bereich der Makroökonomie finanzierten Projekte des EU-FP6, FP7 und Horizon 2020. Des Weiteren ist sie in Aufsichtsräten von der Global Labour University – Combating Inequality Research Projekt (Universität Kassel/Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin); Mitglied im Expertenkreis der Europaministerin, Dr. Schwall-Düren, des Landes Nordrhein-Westfalen (2011–2014)[6]; Mitglied im Fortschrittsforum – Wachstum –Wohlstand – Lebensqualität (Friedrich Ebert Stiftung) 2011–2013[7]; Mitglied des Aufsichtsrates von Gender Studies an der Universität Köln.[8] Seit 2011 ist sie im Wissenschaftlichen Beirat vom EU-FP7 finanzierten Projekt FESSUD: Financialisation, Economy, Society, and Sustainable Development, Projekt Leiter: Malcolm Sawyer, Business School, University of Leeds (2011–2016).[9] Des Weiteren ist Brigitte Young Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.[10]

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brigitte Young war in den Editorial Boards von Global Governance. A review of Multilateralism and International Organizations (2005–2011), und dem International Feminist Journal of Politics (2008–2012). Derzeit ist Brigitte Young Mitherausgeberin der Buchreihen Globale Politische Ökonomie (mit Hans-Jürgen Bieling, Oliver Kessler und Andreas Nölke)[11], Feminist and Critical Political Economy (mit Uta Ruppert)[12], sowie im Redaktionsvorstand von der Buchserie Global Political Economy of Gender and Sexuality[13], und der Zeitschrift Journal of Economic Policy Reform.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewählte Buchpublikationen

Artikel in Sammelbänden und Zeitschriften

  • 2014: Financial Stability as Imaginaries across Phases of Capitalism, in: Bob Jessop, Brigitte Young, Christoph Scherrer (eds), Financial Cultures and Crisis Dynamics, London, New York: Routledge, 145-161.
  • 2014: The Power of German Ordoliberalism in the Eurozone Crisis Management, in Daniel Daianu, Giorgio Basevi, Carlo D’Adda and Rajeesh Kumar (eds.), Eurozone Crisis and the Future of Europe, Houndmills: Palgrave Macmillan, 126-137.
  • 2014: German Ordoliberalism as Agenda Setter for the Euro Crisis: Myth Trumps Reality, in: Journal of Comparative European Policy, Vol. 22:3: 276-287.
  • 2013: Globale Finanzmarktregulierung und Verbraucherschutz (mit D. Schäfer), in: Vierteljahresheft zur Wirtschaftsforschung, Deutsches Institut für Wirtschaft (DIW) (Hrsg.), D. Schäfer, W. Semmler, B. Young, Nachhaltige europäische Konsolidierungspolitik – Chancen und Herausforderungen, 82:4: 45-56.
  • 2013: Einleitung: Von der Dominanz des Finanzsektors zu einer nachhaltigen europäischen Konsolidierungspolitik (D. Schäfer, W. Semmler, B. Young), in: Vierteljahresheft zur Wirtschaftsforschung, Deutsches Institut für Wirtschaft (DIW), (Hrsg. D. Schäfer, W. Semmler, B. Young, Nachhaltige europäische Konsolidierungspolitik – Chancen und erausforderungen, 82:4: 5-13.
  • 2013: Gender, debt, and the housing/financial crisis, Figart, Deborah M. and Tonia L. Warnecke, (eds.) Handbook of Research on Gender and Economic Life, Cheltenham, UK: Edward Elgar, 378-390.
  • 2013: Zwischen Erwartung und Realität – Eine kritische Bilanz der G20 Finanzmarkt- und Wirtschaftsreformen. Hans-Jürgen Bieling, Tobias Haas, Julia Lux (Hrsg.), Die Internationale Politische Ökonomie nach der Weltfinanzkrise, in: Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik (ZFAS), Volume 6, Sonderheft 5: 161-178.
  • 2013: Reflections on Werner Bonefeld’s ‘Freedom and the Strong State: On German Ordoliberalism’ and the Continuing Importance of the Ideas of Ordoliberalism to Understand Germany’s (Contested) Role in Resolving the Euro Zone Crisis, (Volker Berghahn/Brigitte Young) In: New Political Economy, Vol. 18:5: 768-778.
  • 2013: Structural Power and the Gender-Biases of the Technocratic Network Governance in Finance, in: Gülay Caglar, Elisabeth Prügl, Susanne Zwingel (eds.), Feminist Strategies in International Governance, London/New York: Routledge, pp. 267-282.
  • 2013: Ordoliberalismus – Neoliberalismus -Laissez-Faire –Liberalismus, in: Joscha Wullweber, Antonia Graf; Maria Behrens (Hrsg.)., Theorien der Internationalen Politischen Ökonomie, Wiesbaden: Springer VS, 33-48.
  • 2013: Finanzialisierung, Neoliberalismus und der deutsche Ordoliberalismus in der EU-Krisenbewältigung, in: Marcel Heires, Andreas Nölke (Hrsg.), Politische Ökonomie der Finanzialisierung, Wiesbaden: Springer VS, 63-787.
  • 2013: Makroökonomischer Zusammenhang zwischen Finanzen – Handel – Gender, in: Gabriele Wilde/Stefanie Friederich (Hrsg.), Im Blick der Disziplinen. Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der wissenschaftlichen Analyse, Münster: Westfälisches Dampfboot, 90-106.
  • 2012: Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Markt und einem sozialen Europa, in: Gegenblende, 18. September 2012.
  • 2012: Globale Finanzmärkte: Fairness und Gerechtigkeit, in: Klaus Kraemer, Sebastian Nessel, (Hrsg.), Entfesselte Finanzmärkte. Soziologische Analysen des Modernen Kapitalismus. Frankfurt: Campus Verlag (in German), 387-402.
  • 2012: Zwei getrennte Welten? Finanzökonomie und Geschlechterforschung, in: Ingrid Kurz-Scherf/Alexandra Scheele (Hrsg.), Macht oder ökonomisches Gesetz? Zum Zusammenhang von Krise und Geschlecht. Münster: Westfälisches Dampfboot, 36-51.
  • 2012: Structural Power and the Gender-Biases of the Technocratic Network Governance in Finance, in: Gülay Caglar, Elisabeth Prügl, Susanne Zwingel (eds.), Feminist Strategies in International Governance, New York/London: Routledge, pp.267-282.
  • 2011: The Role of Gender in Governance of the Financial Sector (with Helene Schuberth), in Brigitte Young, Isabella Bakker, and Diane Elson (eds.): Questioning Financial Governance From a Feminist Perspective, London/New York: Routledge IAFFE Advances in Feminist Economics 2011: 132-154.
  • 2011: "Neoliberalism", in Bertrand Badie, Dirk Berg-Schlosser, and Leonardo Morlino (eds.): International Encyclopedia of Political Science. Thousand Oaks, CA: SAGE, 2011. 1677–80.
  • 2011: Der privatisierte Keynesianismus, die Finanzialisierung des alltäglichen Lebens und die Schuldenfalle), in: Oliver Kessler (Hrsg.) Die Politische Ökonomie der Weltfinanzkrise, Wiesbaden: VS-Verlag. 2011: 15-36.
  • 2010: From Microcredit to Microfinance to Inclusive Finance: A Response to Global Financial Openness, (2010), in: Geoffrey R.D. Underhill, Jasper Blom, Daniel Muegge (eds.), Global Financial Integration Thirty Years On, From Reform to Crisis, Cambridge: Cambridge University Press, 256-269.
  • 2010: Lost in Temptation of Risk: Financial Market Liberalization, Financial Melt-Down and Policy Reactions (with Willi Semmler) 2010 in: Comparative European Politics, Vol. 8:3: 327-353.
  • 2010: The Global Financial Meltdown and the Impact of Financial Governance on Gender (mit Helene Schuberth), 2010: GARNET Policy Brief, Paris: Science Politique, 1-12.

Dokumentationen

  • 2014: TTIP: Die Unsichtbare Genderproblematik, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin August 2014.
  • 2007: Warwick Commission on the Future of Trade, Final Report, The Multilateral Trade Regime: Which Way Forward? University of Warwick, 6.December 2007.
  • 2002 (mit Diane Elson): Geschlechtergerechtigkeit durch Gender Budgeting? Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin Oktober 2002.
  • 2002: Endbericht der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages, Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten. Juni 2002.
  • 2001: Zwischenbericht der Enquete-Kommission, Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten. Deutscher Bundestag, Drucksache 14/6910, 13. September 2001.
  • 2000 (mit Elmar Altvater, Barbara Riedmüller, Peter Steinbach, Martin Jänicke) (Hrsg.): Berliner Studien zur Politikwissenschaft. Schriftenreihe am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. LIT, 1998–2000.
  • 1992 (mit Elke Biester, Brigitte Geißel, Sabine Lang, Birgit Sauer, Petra Schäfter) (Hrsg.): Staat aus Feministischer Sicht. Arbeitskreis „Politik und Geschlecht“ in der DVPW, Berlin.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Brigitte Young – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Zahlenteufel" Artikel in The European. Abgerufen am 5. Februar 2015.
  2. "Deutschlands verwirrende Rolle in der Eurokrise" in Informationsbrief Weltwirtschaft und Entwicklung. Abgerufen am 5. Februar 2015.
  3. Mitglieder | Gesellschaft für sozioökonomische Bildung und Wissenschaft. Abgerufen am 13. März 2018.
  4. Abschlussbericht "Financial Crisis: Causes, policy responses, future challenges". Abgerufen am 5. Februar 2015.
  5. Webseite des EU-COST Projekts IS0902. Abgerufen am 5. Februar 2015.
  6. Mitglieder Expertenrat FINE. Abgerufen am 24. März 2015.
  7. Broschüre "So Wollen wir Leben". Abgerufen am 24. März 2015.
  8. Mitglieder Aufsichtsrat von Gender Studies. Abgerufen am 24. März 2015.
  9. Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats von FESSUD. Abgerufen am 24. März 2015.
  10. Mitglieder des wissenschaftlichen Beirates. In: Attac. Abgerufen am 13. Juli 2018.
  11. Webseite Buchserie Globale Politische Ökonomie. Abgerufen am 19. Februar 2015.
  12. Webseite Buchserie Feminist and Critical Political Economy. Abgerufen am 19. Februar 2015.
  13. Webseite der Buchserie GPE of Gender and Sexuality. Archiviert vom Original am 19. Februar 2015. Abgerufen am 19. Februar 2015.