Brucellen

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Brucellen
Brucellen unter dem Lichtmikroskop (Gram-Färbung)

Brucellen unter dem Lichtmikroskop (Gram-Färbung)

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Alphaproteobacteria
Ordnung: Rhizobiales
Familie: Brucellaceae
Gattung: Brucellen
Wissenschaftlicher Name
Brucella
Meyer & Shaw 1920

Brucellen sind kurze, stäbchenförmige Bakterien der Gattung Brucella. Diese gramnegativen und aeroben Bakterien kommen im Harn- und Geschlechtsapparat von Kühen, Schafen und Schweinen vor. Sie können bei Übertragung auf den Menschen sehr selten eine generalisierte Infektion auslösen. Deshalb werden Milchprodukte in den meisten Ländern pasteurisiert. Ein Nachweis in der Milch kann mittels einer Abortus-Bang-Ringprobe erfolgen.

Der Name ehrt den englischen Militärarzt David Bruce.

Taxonomie und Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1986 wurden in der Gattung Brucella zahlreiche Spezies unterschieden. Auf Grund von DNA-Stammbäumen gab es Bestrebungen, diese in nur einer Spezies Brucella melitensis zusammenzufassen. In der Praxis wurde jedoch meist an der alten Arteneinteilung festgehalten. 2003 beschloss daher das Subcommittee on the taxonomy of Brucella wieder zur Systematik von vor 1986 zurückzukehren.[1] Früher wurden sie gesammelt als Parvobakterien bezeichnet.

Aktuell (Stand 2017) werden in der Gattung folgende Arten geführt, B. melitensis ist die Typusart.[1]

Brucellose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pathogenese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren oder indirekt über kontaminierte Lebensmittel (v. a. nicht pasteurisierte Milch). Der Erreger dringt durch die Schleimhäute und nistet sich in Phagocyten (Mikro- und Makrophagen) ein. Hierdurch werden sie in Lymphknoten, Leber, Milz, Knochenmark und weitere Gewebe transportiert, in deren Zellen sie überleben und sich sogar vermehren können. Aus diesen Unterschlüpfen können sich die Erreger schubweise ins Blut verteilen.

Klinik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brucellen sind Erreger der Brucellose. Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 4 Wochen kommt es nach Befall der Darmschleimhaut, Ausbreitung über Makrophagen in das Lymphsystem durch eine Besiedelung der Lymphknoten zu einer Lymphadenitis. Von hier erfolgt eine Streuung über das Blut (hämatogen) und Befall von Organen (v. a. Leber, Milz, Knochenmark) und dortiger Bildung von Granulomen. Bei den Patienten treten schubweise Fieberanfälle auf, welche auch mit Schüttelfrost einhergehen können. Der schubweise Verlauf der Symptome ist durch Freisetzung der sich vermehrenden Bakterien aus den befallenen Organen in die Blutbahn und dortiger Stimulation von Zytokinen bedingt.

Die durch Brucellen, genannt auch Bang-Bakterien, verursachte Erkrankung wird auch undulierendes Fieber (lateinisch Febris undulans), Bang’sches Fieber, beim Erreger Brucella melitensis Maltafieber oder beim Erreger Brucella abortus Morbus Bang[2] (benannt nach Bernhard Bang) genannt.

Biowaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA werden Brucellen im Zusammenhang mit biologischen Waffen untersucht.[3]

Meldepflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der direkte oder indirekte Nachweis von Brucella sp. namentlich meldepflichtig nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), soweit der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist. Die Meldepflicht betrifft in erster Linie die Leitungen von Laboren (§ 8 IfSG).

In der Schweiz ist der positive laboranalytische Befund zu Brucella spp. meldepflichtig für Laboratorien und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 3 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Brucellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jean Euzéby, Aidan C. Parte: Genus Brucella. In: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN). Abgerufen am 21. Oktober 2014.
  2. Hans von Kress (Hrsg.): MüllerSeifert. Taschenbuch der medizinisch-klinischen Diagnostik. 69. Auflage. Verlag von J. F. Bergmann, München 1966, S. 1062.
  3. Schlamperei in Biowaffen-Labor monatelang verschwiegen, Spiegel Online, 3. Juli 2007