Bruno Gmünder Verlag

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Bruno Gmünder GmbH
Logo des Bruno Gmünder Verlages
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 2014
Sitz DeutschlandDeutschland Berlin

Leitung

  • Michael Taubenheim, CEO
Branche Verlag
Website brunogmuender.com

Die Bruno Gmünder GmbH ist ein Berliner Medienunternehmen, das Medien für schwule Männer produziert und zu den weltweiten Marktführern in diesem Bereich zählt. Er hat sich zum Ziel gesetzt, für schwule Männer Bücher zu produzieren, die für die Entfaltung eines schwulen Selbstbewusstseins und eines eigenen Lebensstils gebraucht werden. Mehrheitsgesellschafter war bis 2011 Bruno Gmünder. Nach der Insolvenzanmeldung im Mai 2014 hat Bruno Gmünder als Minderheitsgesellschafter zusammen mit dem Rechtsanwalt Frank Zahn die Gmünder Group wieder gekauft. Sie wird als Bruno Gmünder GmbH fortgeführt.[1] Auch diese GmbH stellte im März 2017 einen Insolvenzantrag.[2][3][4]

Verlagskonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesamtprogramm umfasst neben schwuler Belletristik und Sachbüchern die Schwerpunkte Reiseführer, Fotobände, Ratgeber, Comics, Kunstbände und verschiedene Monatsmagazine. Pro Jahr produziert die Group mit zirka 80 festen Mitarbeitern (2003: 40) zwischen 120 und 150 neue Titel und vertreibt diese weltweit.[5][6] Die Mediengruppe hat einen Mitarbeiterstand von ca. 100 Personen. Der Markt in Deutschland macht etwa 25 Prozent des Umsatzes aus, der größte ausländische Markt sind die Vereinigten Staaten.[7]

Wichtigste Titel sind die Reiseführer der Reihe Spartacus Travel Guides mit dem Hauptprodukt Spartacus International Gay Guide, der auch als regionale Ausgabe für Berlin als Spartacus Berlin Gay Guide (früher Berlin von hinten) erscheint, Fotobände von Rick Day, Mark Henderson, Tom Bianchi, Howard Roffman, Bel Ami, Hot House Entertainment, Comics von Joe Phillips, Mioki, Zack sowie das monatliche Lifestyle-Magazin männer und die Erotikmagazine Dreamboys und Macho und Porn Up.

Mit dem Unternehmen verbunden ist die schwule Einzelhandelsgruppe Bruno’s. Hier sind neben genannten schwulen Publikationen u.a. auch Geschenkartikel, Unterwäsche und Sextoys zu beziehen.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Beteiligung Christian von Maltzahns (1956–1997) wurde im November 1978 in Berlin der Buchladen Eisenherz (früher Prinz Eisenherz Buchhandlung) eröffnet. Ab 1979 gehörte auch Bruno Gmünder (* 1956) zum Eisenherz-Team. Im Jahre 1981 gründeten die beiden damals 25-jährigen Freunde den Verlag unter dem Motto:

„Wir sind homo, wir machen homo und wir wollen dem Homo zum Buch verhelfen.“

Zur Philosophie des Unternehmens meint Bruno Gmünder:

„Wir haben uns nie als ein Unternehmen verstanden, das Bücher macht, die über Homosexualität aufklären. Wir wollten immer Bücher für uns machen. Wir haben immer gesagt, wir müssen die Medien machen, die uns fehlen.“

Bruno Gmünder: Männer Aktuell 7/2006 S. 35

Und zu seiner persönlichen Motivation:

„Ich denke, das ist einfach Neugier. Neugier auf das Leben, auf das Unbekannte. Gerade als Schwuler habe ich gelernt, dass es wichtig ist, immer einen Schritt weiter zu gehen. Und das ist es eigentlich auch, was mein Leben kennzeichnet. Insofern habe ich trotz Verlust meines Partners und sehr vieler anderer geliebter Menschen jede Veränderung immer als eine Herausforderung empfunden, um etwas Neues zu wagen und Dinge intensiver anzugehen.“

Bruno Gmünder: Männer Aktuell 7/2006 S. 35

Buchreihe Städte von hinten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Hinterhof arbeiteten sie an ihrem ersten Buchprojekt, einem Stadtführer über das schwule Berlin. Der Freund Berthold Spangenberg, Inhaber des Heinrich Ellerman Verlags, hatte die Reihen-Idee mit dem Titel von hinten. Die erste Auflage von 5000 Stück, welche selbst in die Berliner Szene ausgeliefert wurde, war zu einem Preis von 10 DM innerhalb von vier Wochen ausverkauft. Im Frühjahr 1982 erschien München von hinten und kurz darauf Hamburg von hinten. Es gab mit dem Verlag Rosa Winkel schon längere Zeit einen schwulen Verlag, doch fehlten Gmünder und Maltzahn dort bestimmte Produkte. Im selben Jahr verlegten sie unter Vermittlung von Spangenberg mit Der fromme Tanz, den frühen schwulen Roman von Klaus Mann. Ebenfalls 1982 riefen sie mit Michael Föster und Theo Düppe das Magazin Torso ins Leben, welches einen Mix aus Lifestyle und politisch-engagierten Journalismus bot und zwei Jahre später wieder eingestellt wurde. 1983 gründeten Mediziner, Journalisten, Barbesitzer und Bruno Gmünder die Deutsche AIDS-Hilfe, um eine Organisation zu schaffen, damit andere Medien in Bezug auf Aids nicht gegen, sondern mit Schwulen arbeiteten.

Die Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten waren nicht optimal. Schon alleine Druckereien zu finden war schwer. Oft hieß es, dass sie Auszubildende hätten und deshalb so etwas nicht drucken könnten. Damals ging es dabei nicht um Sex oder Porno, sondern schwule Inhalte allein reichten dafür aus. Konservative Medien verweigerten Werbeeinschaltungen komplett und auch liberale Medien wie etwa Die Zeit oder Der Spiegel sträubten sich, um nicht als Promoter der „Homosache“ zu erscheinen. Hilde von Lang, Lebensgefährtin des Zeit-Herausgebers Gerd Bucerius, verfasste die Absage – anscheinend wegen der Peinlichkeit – sogar eigenhändig, inklusive vieler Tippfehler[7]. Auch im Buchhandel wurde kaum schwule Literatur angeboten und es gab nur wenige schwule Buchläden in den großen Metropolen. Trotz dieser Widrigkeiten wuchs der Verlag, indem er in den szeneeigenen Medien warb, Flyer verteilte und einen Versandhandel aufbaute. Wegen des zunehmenden Platzmangels zog der Verlag in den folgenden Jahren mehrmals innerhalb Berlins um.

Der jährliche Spartacus wurde 1986 ins Verlagsprogramm aufgenommen und bis 2006 wurden davon 1,5 Millionen Exemplare verkauft. Ab 1987 orientierte sich der Verlag international. Im selben Jahr erschien die erste Ausgabe von Männer. Konzeptionell leicht verändert erschien das Magazin ab 1989 unter dem Namen Männer aktuell, im Oktober 2007 kehrte man jedoch zum ursprünglichen Titel zurück. In Berlin eröffnete dann 1988 der Laden Bruno’s, von dem es 2006 jeweils zwei in Berlin und Köln gab, sowie jeweils einen in Hamburg und München. Im Jahre 1997 starb Gmünders Partner Maltzahn an den Folgen von Aids.

Seit 2004 war der langjährige Mitarbeiter Michael Taubenheim gemeinsam mit Gmünder Mitgeschäftsführer des Verlags und des Handels. Am 3. Juni 2011 verkaufte Bruno Gmünder die Mehrheit seiner Anteile am Unternehmen an Tino Henn, Nik Reis und Michael Taubenheim. Henn wurde Vorsitzender der Geschäftsführung.

kreuz.net[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2012 setzte die Bruno Gmünder Group ein „Kopfgeld“ von 15.000 € für Hinweise aus, die zur Ermittlung und rechtskräftigen Verurteilung der Betreiber des rechtsextremen und homophoben Blogs kreuz.net führen.[9] Die Koordination der daraus entstandenen Kampagne Stoppt kreuz.net hat der römisch-katholische Theologe David Berger übernommen. In einem Brief an die Deutsche Bischofskonferenz hat die Group diese aufgefordert, die Aktion zu unterstützen.[10]

Während die Deutsche Bischofskonferenz die Unterstützung verweigerte, arbeiteten die römisch-katholische Kirche in Österreich und die Schweizer Bischofskonferenz mit Berger zusammen.[11][12] Im Oktober und November 2012 stellten sich Verbindungen zwischen kreuz.net und dem Netzwerk katholischer Priester heraus.[13][14][15] Am 2. Dezember 2012 wurde kreuz.net aus öffentlich bisher unbekannten Gründen abgeschaltet.[16] Aufgrund der eingegangenen Hinweise geht Berger davon aus, hinter kreuz.net steckten im Dienst der römisch-katholischen Kirche stehende Personen.[17]

Im Verlauf einer Razzia gegen zwei katholische Priester in Österreich, die auch auf gloria.tv aktiv waren, wurde im August 2013 der Rechner von kreuz.net entdeckt und beschlagnahmt.[18] Die beiden Priester erhielten Strafanzeigen und wurden aus ihren Kirchen abgezogen, blieben aber auf freiem Fuß.[19] Der Verlag beschrieb die Kampagne auf seiner Website als erfolgreich.[20]

Insolvenzverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Mai 2014 stellte die Bruno Gmünder Group Insolvenzantrag beim Amtsgericht Charlottenburg.[21] Die im Rahmen der Aktion Stoppt kreuz.net ausgesetzte Prämie sollte nach Mitteilung des damaligen Geschäftsführers Henn nicht in die Insolvenzmasse eingehen und weiter zur Auszahlung bereitstehen.[20] Am 1. November 2014 übernahm Frank Zahn die Geschäfte aus der Insolvenz und führt es mit dem Schwerpunkt Publishing weiter.[22] Nach Abwendung der Insolvenz wurde am 2. Dezember 2014 bekannt, dass die Spendengelder doch in die Insolvenzmasse eingeflossen waren; Gmünder sagte zu, sein Anteil in Höhe von 10.000 € stehe weiter der Person, die zur Verurteilung der kreuz.net-Betreiber führe, als Belohnung zur Verfügung.[23][24]

Konflikt mit der Deutschen AIDS-Hilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2014 kündigte die Deutsche AIDS-Hilfe ihre Anzeigenkampagne in der vom Bruno Gmünder Verlag herausgegebenen Zeitschrift Männer und begründete dies mit angeblich rechtspopulistischen und diskriminierenden Äußerungen des Chefredakteurs David Berger im August und November des Jahres. Der Bruno Gmünder Verlag erklärte zunächst, sich nicht von Berger zu distanzieren und an ihm festzuhalten, was dem Verlag negative Kritik seitens der Website queer.de eintrug.[25] Am 1. Februar 2015 wurde Berger jedoch als Chefredakteur von Männer fristlos entlassen.[26][27][28]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Börsenblatt, 26. November 2014: Zahn und Gmünder übernehmen (Memento vom 4. Dezember 2014 im Internet Archive)
  2. Bruno Gmünder GmbH stellt Insolvenzantrag Queer.de vom 20. März 2017
  3. Bruno Gmünder GmbH in Restrukturierung auf m-maenner.de vom 20. März 2017
  4. Insolvenzverfahren gegen Bruno Gmünder Verlag eröffnet Queer.de vom 5. Juni 2017
  5. Mounia Meiborg: Der Wandelprediger. In: Süddeutsche Zeitung vom 11. Juli 2013, S. 29. Online auf sueddeutsche.de.
  6. Tanja Laninger: Der Aufschwung ist rosa, Welt online, 29. Juni 2003
  7. a b Andreas Marschner: Neugier auf das unbekannte (25 Jahre Bruno Gmünder Verlag), Männer aktuell, Juli 2006, S. 34 f.
  8. Shop
  9. Bruno Gmünder Verlag: „Kopfgeld“ für Informationen über kreuz.net
  10. Betet für uns Süddeutsche Zeitung vom 12. Oktober 2012
  11. Von Himmel und Hölle – Wer steckt hinter kreuz.net?, Kulturzeit, 3sat, 30. November 2012
  12. Stefanie Schütten: Stecken Kirchenleute hinter der homophoben Webseite?, Zeit Online, 31. Oktober 2012
  13. Rudolf Neumaier, Frederik Obermaier: Im Namen des Herrn. Seite 1, Seite 2, Seite 3. Süddeutsche Zeitung, 17. November 2012
  14. Rudolf Neumaier: Neue Hinweise auf Betreiber der Hetzseite, Süddeutsche Zeitung, 22. November 2012
  15. Birger Menke: Priester gibt Textlieferungen an kreuz.net zu, Spiegel Online, 27. November 2012
  16. kreuz.net ist offline, Süddeutsche Zeitung, 2. Dezember 2012
  17. David Berger: "Die Spuren zu kreuz.net verdichten sich", queer.de, 11. Oktober 2012
  18. Rechner von kreuz.net beschlagnahmt, Kölner Stadt-Anzeiger, 10. August 2013
  19. Staatspolizei durchsuchte Büros von "gloria.tv" in Wien, kath.net, 10. August 2013
  20. a b Timo Henn, David Berger: Wir schaffen das, Website des Bruno Gmünder Verlags, 3. Juni 2014
  21. Monatszeitschrift Männer: Bruno Gmünder Group: Insolvenzantrag. Weg für Neuanfang (Memento vom 17. Dezember 2014 im Internet Archive)
  22. Neustart bei Bruno Gmünder auf brunogmuender.com
  23. Bruno Gmünder: Nachtrag zur Stopptkreuznet-Kampagne (Memento vom 14. Dezember 2014 im Internet Archive), Männer, 4. Dezember 2014
  24. Norbert Blech: Spenden gegen kreuz.net landeten in Gmünder-Insolvenzmasse, queer.de, 2. Dezember 2014
  25. Tatjana Kerschbaumer: Streit um Chefredakteur von "Männer" – Zu rechts, um schwul zu sein?, Tagesspiegel vom 10. Dezember 2014
  26. Gmünder-Verlag feuert David Berger. In: queer.de. 2. Februar 2015, abgerufen am 20. Februar 2015.
  27. Jan Feddersen: Schwulen-Magazin „Männer“: David Berger fristlos entlassen. In: taz.de. 4. Februar 2015, abgerufen am 20. Februar 2015.
  28. Der schwule Rechtsruck. die tageszeitung vom 3. Februar 2015