Bund Sozialdemokratischer Akademikerinnen und Akademiker, Intellektueller, Künstlerinnen und Künstler

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BSA
Logo des BSA
Präsident Andreas Mailath-Pokorny
Andi Mailath
Stellvertretende Vorsitzende Barbara Auracher-Jäger
Marcus Köller
Josef Neumayer
Johann Moser
Günther Sidl
Christian Forsterleitner
Doris Kampus
Generalsekretärin Anna Vukan
Gründung 9. Mai 1946
Ausrichtung Sozialdemokratie
Farbe Rot Pantone 485
Website bsa.at

Der Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller & KünstlerInnen (kurz BSA) ist eine österreichische Interessenvertretung. Der Verein wurde 1946 als Bund sozialistischer Akademiker gegründet. Er versteht sich nach eigener Definition als „offenes Forum für Akademiker, Intellektuelle und Künstler, die sich der sozialdemokratischen Bewegung zugehörig fühlen oder mit ihr sympathisieren. Das Ziel des BSA ist es, Bestrebungen nach Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität zu fördern und zu verwirklichen.“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kurz nach Gründung der österreichischen Sozialdemokratie in der Monarchie entstanden Vorläuferorganisationen des BSA, schon damals landesweit tätige sozialdemokratische Akademiker- und Studentenvereinigungen, die auch in der Ersten Republik ihre Fortsetzung fanden.

Am 9. Mai 1946 wurde der Verein „Bund sozialistischer Akademiker“ bei der Vereinsbehörde angemeldet. Über die Ziele des BSA heißt es im Bericht der konstituierenden Sitzung: „Es ist ein erster Versuch, dessen Ziele in drei Richtungen liegen. Die sozialistische Partei ist im Begriffe, Staatspartei dieses Landes zu werden. Sie ist nicht länger allein die Partei der Arbeiter und Angestellten, sondern aller anderen Schichten, die sich um diesen Kern gruppieren. Dieses Eindringen in die Schichten der Intellektuellen muss der Bund Sozialistischer Akademiker organisieren. Die Aufgabe ist nicht, ein Diskutierklub zu sein, sondern die Intellektuellen zu gewinnen. Ferner gilt es, Fachleute zu stellen.“

Zentral hierfür war es, die bereits bestehenden sozialistischen Akademikerorganisationen wie etwa die Sozialistische Ärztevereinigung, den Verband sozialistischer Ingenieure oder die Vereinigung sozialistischer Juristen unter einem Dach zusammenzuschließen. Nach der Gründung des BSA für Wien, Niederösterreich und Burgenland formierten sich im Herbst 1946 die Landesorganisationen Steiermark und Oberösterreich, 1947 in Salzburg, Tirol und Vorarlberg, 1948 in Kärnten.

Präsident im ersten Jahr des Bestehens des BSA war Alfred Migsch, der jedoch 1947 das Energieministerium übernahm und als Präsident ausschied. Ihm folgten 1947 Theodor Körner, 1950 Karl Waldbrunner, 1973 Leopold Gratz, 1990 Sepp Rieder, 2002 Caspar Einem, 2008 Maria Berger, 2009 geschäftsführend Wolf Frühauf und 2010 Andreas Mailath-Pokorny.

Der Wille zum aufrechten Gang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wechselhafte Geschichte des BSA birgt so wie die Geschichte anderer politischer Organisationen Österreichs nicht nur Schönes. Als erste parteinahe Institution arbeitete der BSA seine historische Rolle nach 1945 mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands im Rahmen eines Forschungsauftrages und mit der Herausgabe des Buches Der Wille zum aufrechten Gang im Jahr 2005 wissenschaftlich auf. Durch eine vorbehaltlose Aufarbeitung seiner Geschichte hat der BSA die Weichen für eine Zukunft jenseits aller „braunen Flecken“ gestellt. Dieser Prozess wurde in dem Buch dokumentiert. Heute kann der BSA als linksliberal orientiertes, proeuropäisches und gegen Ausländerfeindlichkeit aktives Netzwerk im politiknahen Bereich charakterisiert werden. Bedingt durch die Ereignisse zwischen 1933 (Zerschlagung der Arbeiterbewegung im Februar 1934, die Errichtung des autoritären „Ständestaates“ (siehe auch Austrofaschismus) und schließlich der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938) drängten die Sozialdemokratische Partei in Illegalität und Verfolgung. Durch die Vertreibung und Ermordung vor allem ihrer jüdischen Funktionäre erlitt die SPÖ einen unersetzlichen Verlust an intellektuellen Eliten. Während die SPÖ-Führung nach 1945 auf eine systematische Rückholung ihrer vertriebenen Parteifunktionäre verzichtete, stellte sie vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlich rückläufigen Entnazifizierung die Weichen in Richtung Öffnung gegenüber den ehemaligen Nationalsozialisten.

Während in einer relativ kurzen Phase 1945/1946 von österreichischer Seite unter alliierter Ägide die Voraussetzungen für eine konsequente Entnazifizierung geschaffen (vgl. Verbotsgesetz 1947) worden waren, ging man von diesem Prinzip in den Folgejahren wieder ab. Ab Anfang 1947 begann der BSA mit dem Werben um ehemalige Nationalsozialisten. Während in den westlichen Bundesländern (Salzburg, Oberösterreich, Steiermark, Tirol) infolge des spürbaren Mangels an technischen und wirtschaftlichen Fachkräften die Aufnahme der Nazis stark forciert wurde, gab es vor allem in den Wiener Fachverbänden mit dem größten Anteil an ehemaligen KZ-Häftlingen, Widerstandskämpfern und Emigranten kritische Stellungnahmen zu dieser Integration. Da die Kompetenz der Aufnahme von Mitgliedern bei den Landesorganisationen bzw. Fachverbänden lag, existierte diesbezüglich 1947/1948 im BSA noch keine einheitliche Regelung.

Vielen „Belasteten“ wurde zudem der Eintritt in den BSA durch die inflationär geübte Gnadenpraxis nach § 27 des NS-Gesetzes, der die Möglichkeit zur Umwandlung eines „Belasteten“ in einen „Minderbelasteten“ bzw. zur Befreiung von den Sühnefolgen bot, erleichtert. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte Jahrzehnte später der Fall des Arztes Heinrich Gross, der während der NS-Diktatur in Österreich als Arzt im Rahmen des Euthanasie-Programmes am Spiegelgrund an der Tötung von neun behinderten Kindern mitgewirkt haben soll, jedoch nie rechtskräftig verurteilt wurde. Nach dem Krieg machte er erfolgreich unter anderem als Gerichtsmediziner Karriere und war dabei Mitglied der SPÖ und des sozialdemokratischen Akademikerbundes [1].

Dazu meint die vom BSA eingesetzte Historikerkommission:

„Diese Vorgangsweise, von ‚Belasteten‘ keine Glaubhaftmachung ihres Gesinnungswandels, ihrer Einsicht oder ihrer Umkehr bzw. ‚Reue‘ gefordert zu haben, stellt aus heutiger Sicht ein schweres Versäumnis dar. An sich war die Hinführung von Menschen, die in ihrer Jugend politisch geirrt hatten, zur Demokratie, die Integration in Beruf, Gesellschaft und Politik demokratiepolitisch zulässig und notwendig. Offensichtlich wurde kein Wert darauf gelegt, eine Abwendung vom nazistischen Gedankengut glaubwürdig zum Ausdruck zu bringen. Statt dessen wurde die NS-Vergangenheit verdrängt, wurden kollektiv alle Österreicher als Opfer des Nationalsozialismus hingestellt; wurde auf eine kritische Aufarbeitung der Zeitgeschichte und auf politische Bildung bis in die siebziger Jahre verzichtet, um eine reibungslose Integration der ehemaligen Nationalsozialisten nicht zu gefährden.“[2]

Der BSA heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 leitet der Wiener Kultur- und Wissenschafts- und Sportstadtrat, Andreas Mailath-Pokorny, die Geschicke des BSA.[3] Mailath-Pokorny betonte bei seiner Wahl insbesondere die Rolle des BSA als Netzwerk für Kreative und Kulturschaffende: „Wir müssen die politische Kommunikation neu denken. Der BSA soll als Plattform für kritische und innovative Ideen und als spannendes Netzwerk Kreativer dienen und als intellektueller Impulsgeber für die SPÖ wieder an Dynamik gewinnen.“[4]

In seiner Präsidentschaft legt er einen Fokus darauf, diese Rolle des BSA als Impulsgeber und Think Tank zu stärken. Zu diesem Zweck wurden Jahresschwerpunkte im BSA geschaffen, wodurch die breite inhaltliche Expertise im BSA wieder verstärkt Eingang in die öffentliche und parteiinterne Diskussion gefunden hat. Insbesondere die Ausarbeitung eines umfassenden Bildungsprogramms[5], das den gesamten Bildungsbereich abdeckt – von Kindergarten über Schule und Hochschule bis zum lebensbegleitenden Lernen – sei an dieser Stelle erwähnt. Darüber hinaus ist es Ziel des Präsidenten, den BSA wieder als Gesamtverband zu stärken, indem fachgruppenübergreifende Veranstaltungsformate wie die BSA Lectures und BSA Kontrovers ins Leben gerufen wurden, ebenso wie ein zentrales Exkursionsprogramm, die BSA Erkundungen, zur informellen Vernetzung der Mitglieder untereinander.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gliederung des BSA ist sowohl vertikal als auch horizontal. Die Wiener Fachgruppen und die Bundesländerorganisationen sind primär nach regionalen und themenorientierten Prinzipien gegliedert.

Fachgruppen sind derzeit (2018):

  • Bundesfachgruppe Medienberufe im BSA
  • Gesellschaft für Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Sozialdemokratische Ärztinnen und Ärzte
  • Verband sozialdemokratischer Ingenieure Wiens
  • Verband Sozialdemokratischer Offiziere und Beamter des Bundesheeres
  • Verein für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften
  • Verein für Psychologie, Pädagogik und Psychotherapie
  • Vereinigung sozialdemokratischer Angehöriger in Gesundheits- und Sozialberufen
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen
  • Vereinigung sozialdemokratischer Künstler und Kulturschaffender
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden höheren Schulen
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Maturantinnen und Maturanten
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Tierärztinnen und Tierärzte
  • Vereinigung Sozialdemokratischer Universitäts- und FachhochschullehrerInnen

Neben diesen Fachgruppen existieren eigene Interessengruppen für Frauen, Junge, Europa, ÖBB und Senioren. Sie sind quer durch die Fachgruppen und Länderorganisationen etabliert.

Neben den Fach- und Interessensgruppen existieren eigene Unterorganisationen in acht österreichischen Bundesländern. In Wien sind darüber hinaus 21 BSA-Bezirksgruppen präsent und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verankerung des BSA und seiner Werte in den Bezirksparteien vor Ort.

BSA-Arbeit in der Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der BSA unterstützt die Arbeit der Sozialdemokratischen Partei Österreichs durch die Entfaltung einer regen Veranstaltungstätigkeit. Aufgrund seiner dezentralen Organisation wird den einzelnen Gruppen (sowohl den fachlichen, als auch den Bezirksgruppen) dabei viel Freiraum gewährt.

Zwar gehen wesentliche Impulse von der „Zentrale“ des Generalsekretariats aus, z. B. Veranstaltungsreihen wie die BSA Lectures und die BSA Erkundungen. Die meisten Veranstaltungen und Aktionen beruhen aber bewusst auf Eigeninitiative der einzelnen Gruppen.

In den letzten Jahren wurden dutzende Informationsveranstaltungen zur aktuellen Politik, zu Entwicklungen in der Partei und gesellige Zusammentreffen organisiert. Durch die Setzung von Jahresschwerpunkten soll die Einbindung von akademisch gebildeten Menschen mit sozialer und menschlicher Gesinnung in das politische System unterstützt und zu kritischer Reflexion angeregt werden.

Funktionäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder des Präsidiums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generalsekretärin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anna Vukan

Finanzreferent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Bock

Landesvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burgenland: Michael Gerbavsits
  • Kärnten: Markus Krainz
  • Niederösterreich: Günther Sidl
  • Oberösterreich: Christian Forsterleitner
  • Salzburg: Josef Pultar
  • Steiermark: Doris Kampus
  • Tirol: Walter Peer
  • Vorarlberg: Thomas Hopfner

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vom BSA wird halbjährlich die Vereinszeitschrift "Akzente" herausgegeben. Vorgänger der "Akzente" ist "Der sozialistische Akademiker". [6]
  • Das Monatsprogramm des BSA erscheint monatlich.
  • BSA Visonen – Ideen & Konzepte für ein neues SPÖ-Parteiprogramm [7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz: Der Wille zum aufrechten Gang. Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Der Wille zum aufrechten Gang. Hrsg. vom Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen, Czernin, Wien 2005, ISBN 3-7076-0196-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Ladstätter: Heinrich Gross ist gestorben – Das erwartete Ende eines Nachkriegsskandals. In: bizeps.or.at. 22. Februar 2006, abgerufen am 23. März 2018.
  2. Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz: Historikerbericht – Zwischenbericht: Die Rolle des Bundes Sozialistischer Akademiker (BSA) bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Kurzfassung. In: bsa.at. Abgerufen am 3. März 2018.
  3. Wienerrathaus (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wienerrathaus.at
  4. Andreas Mailath-Pokorny zum neuen BSA-Präsidenten gewählt. Pressemitteilung des BSA. In: ots.at. 13. November 2010, abgerufen am 14. März 2018.
  5. BSA-Bildungsmanifest: Leistung statt Herkunft, Ein gerechtes Bildungssystem für alle
  6. BSA Akzente
  7. BSA Visonen – Ideen & Konzepte für ein neues SPÖ-Parteiprogramm