Bunyavirales

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Bunyavirales
Rift Valley Fieber Virus.jpg

Rift-Valley-Fieber-Viren in Gewebe

Systematik
Klassifikation: Viren
Bereich: Riboviria[1][2]
Reich: Orthornavirae[2]
Phylum: Negarnaviricota
Subphylum: Polyploviricotina
Klasse: Ellioviricetes
Ordnung: Bunyavirales
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA segmentiert
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Bunyavirales
Links

Die Bunyaviren (Ordnung Bunyavirales, früher Familie Bunyaviridae) umfassen behüllte Viren mit einer einzelsträngigen, segmentierten RNA als Genom. Die RNA-Segmente sind vorwiegend negativer Polarität, z. T. jedoch auch ambisense RNA.

Die ersten Vertreter der Bunyaviren wurden in dem Ort Bunyamwera (Uganda) isoliert, von dem sich der Name der Ordnung ableitet.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Virionen der Bunyaviren haben eine runde bis unregelmäßige Gestalt und sind je nach Gattung 80–120 nm groß. In die Virushülle sind zwei 5–10 nm lange Glykoprotein-Spikes (Virusproteine Gn und Gc) eingelagert. Das Kapsid (ein Ribonukleokapsid) ist 2 bis 2,5 nm dick und je nach Länge des RNA-Stranges 200–3000 nm lang und von helikaler Symmetrie.

Das virale Genom besteht aus je einem Molekül von drei einzelsträngigen RNAs mit negativer oder gemischter (d. h. ambisense, +/-) Polarität. Sie werden als L (large), M (medium) und S (small) bezeichnet. Die Enden der einzelnen RNA-Segmente sind jeweils komplementär, so dass sie sich zu drei nicht-kovalent geschlossenen Ringen (mit ringförmigen Kapsiden) schließen. Die Sequenz dieser terminalen RNA-Abschnitte sind innerhalb einer Gattung hoch konserviert. Durch die Segmentierung des Genoms ist ähnlich wie bei den Orthomyxoviridae (z. B. Influenzaviren) ein genetisches Reassortment (Reassortierung) möglich, was bereits bei einigen Spezies in vitro und in vivo gezeigt werden konnte.

Alle Bunyaviren besitzen vier Strukturproteine: die zwei Hüllproteine Gc und Gn (codiert auf dem M-Segment), dem Nukleokapsidprotein N (auf dem S-Segment) und einem großen RNA-Polymerase-Molekül L (auf dem L-Segment). Weitere 1–2 Nicht-Strukturproteine (NSm und NSs) noch wenig erforschter Funktion werden je nach Gattung auf dem M- oder S-Segment codiert; die Gattung Hantavirus besitzt kein weiteres Nicht-Strukturprotein.

Biologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bunyaviren (mit Ausnahme der Familie Fimoviridae und der Gattung Tospovirus) können sich in Vertebraten und alternativ in Insekten vermehren. Bei der Replikation in Vertebraten-Zellen lösen sie die Zelle auf (cytolytisch) während in Insektenzellen keine oder nur geringe cytopathologische Veränderungen festzustellen sind. Die einzelnen Virusspezies sind sehr eng auf ihren Vertebraten- und Insektenwirt angepasst.

Die verschiedenen Virusspezies werden durch Stechmücken, Zecken, Sandmücken (Gattung Phlebotomus) und andere Insekten als Vektoren übertragen. Für die Hantaviren ist bislang noch kein derartiger Vektor bekannt; bei ihnen ist eine aerogene Übertragung beschrieben und eine nicht cytopathogene Persistenz in Nagetieren als Wirt. Die Gattung Tospovirus nimmt eine Sonderstellung, da sie ausschließlich Pflanzen befallen (ebenso wie die Familie Fimoviridae) und von Fransenflüglern (Thysanoptera) übertragen werden.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Struktur von Peribunyaviren (links) und TEM-Aufnahme ihres Mitglieds Kalifornien-Enzephalitis-Virus (CEV, rechts)

2016 wurde die bisherige Familie Bunyaviridae vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) in mehrere Familien (Hantaviridae, Nairoviridae, Peribunyaviridae, Phenuiviridae, Tospoviridae) der neu gebildeten Ordnung Bunyavirales geteilt, die auch die Familie Arenaviridae der Arenaviren und weitere kleinere Familien mit einschließt. Die hier angegebene Systematik stellt den Stand vom November 2018 dar (Typusspezies der Familien sind mit ‚(*)‘ markiert. Zu einigen ausgewählten Spezies sind zugehörige Viren (Subspezies) ausgeführt.[3]

  • Familie Peribunyaviridae – hier sind die meisten der früher den Bunyaviridae zugerechneten Arten zusammengefasst:
  • Genus Orthohantavirus, vormals Hantavirus, mit 35 Spezies, darunter:
    • Spezies Hantaanvirus, offiziell Hantaan orthohantavirus (*) – natürliche Infektionen vor allem bei Nagetieren, von denen einige auch hämorrhagisches Fieber beim Menschen auslösen können
    • Spezies Sin-Nombre-Virus, offiziell Sin Nombre orthohantavirus– natürliche Infektionen vor allem bei Nagetieren, von denen einige auch hämorrhagisches Fieber beim Menschen auslösen können
  • Genus Loanvirus mit 2 Spezies
    • Spezies Longquan loanvirus (*)
  • Genus Mobatvirus mit 3 Spezies
    • Spezies Nova mobatvirus (*)
  • Genus Thottimvirus mit 2 Spezies
    • Spezies Thottopalayam thottimvirus (*)
  • Genus Orthophasmavirus mit 5 Spezies, darunter:
  • Genus Feravirus (früher in eigener Familie Feraviridae) mit 1 Spezies:
  • Genus Inshuvirus mit 1 Spezies
    • Spezies Insect inshuvirus (*)
  • Genus Jonvirus (früher eigene Familie Jonviridae) mit 1 Spezies, darunter:
    • Spezies Jonchet-Virus, offiziell Jonchet jonvirus, veraltet Jonchet orthojonvirus (*)
  • Genus Wuhivirus mit 1 Spezies
    • Spezies Insect wuhivirus (*)

Dazu kommt Anzahl von Virenspezies, die für die Ordnung Bunyavirales vorgeschlagen wurden, aber noch nicht einer Gattung zugeordnet wurden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ICTV Master Species List 2018b v1 MSL #34, Feb. 2019
  2. a b ICTV: ICTV Taxonomy history: Akabane orthobunyavirus, EC 51, Berlin, Germany, July 2019; Email ratification March 2020 (MSL #35)
  3. ViralZone: ICTV 2016 Master Species List #31 with Acronyms, (Excel XLSX), SIB Swiss Institute of Bioinformatics
  4. SIB: Orthotospovirus, auf: ViralZone
  5. SIB: [1], auf: ViralZone
  6. a b Piet Maes et al.: Expansion of the order Bunyavirales, ICTV Technical Report, Juni 2018, doi:10.13140/RG.2.2.25861.40163
  7. a b Ein alternativer Vorschlag war zuvor: Spezies ‚Tick-borne phlebovirus‘ (TBPV) der Gattung Phlebovirus; Shu Shen, Xiaomei Duan, Bo Wang, Liying Zhu, Yanfang Zhang, Jingyuan Zhang, Jun Wang, Tao Luo, Chun Kou, Dan Liu, Chuanwei Lv, Lei Zhang, Chenchen Chang, Zhengyuan Su, Shuang Tang, Jie Qiao, Abulimiti Moming, Cheng Wang, Abulikemu Abudurexiti, Hualin Wang, Zhihong Hu, Yujiang Zhang, Surong Sun, Fei Deng: A novel tick-borne phlebovirus, closely related to severe fever with thrombocytopenia syndrome virus and Heartland virus, is a potential pathogen, in: Nature: Emerging Microbes & Infections, Band 7, Artikel-Nr. 95, 25. Mai 2018, doi:10.1038/s41426-018-0093-2

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C.M. Fauquet, M.A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses, London, San Diego, 2004
  • David M. Knipe, Peter M. Howley et al. (eds.): Fields´ Virology, 4. Auflage, Philadelphia 2001

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]