Hanstein (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Hanstein

Hanstein ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus dem Eichsfeld. Später gelangten die Herren von Hanstein auch in Hessen, Thüringen und Pommern zu Besitz und Ansehen. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Rusteberg, besaßen Angehörige der Familie ursprünglich das Amt des Vicedominus der Mainzer Erzbischöfe
Burg Hanstein, der spätere, namensgebende, Stammsitz
Blick von der Burg Hanstein über Bornhagen in das Obere Leinetal
Der Gutshof in Werleshausen, 1556 von den Herren von Hanstein nach einem Brand neu errichtet

Erstmals erwähnt wird die Familie im Jahre 1122 mit „Lamberdus vicedominus“ in Rusteberg als Zeuge in einer Urkunde des Erzbischofs von Mainz für das Kloster Hasungen.[1] Ein weiterer früher Angehöriger des Geschlechts war „Theodorico vicedomino“ in Apolda, erzbischöflich Mainzer Ministerialer, der 1171 urkundlich erscheint. Er wird dort als Sohn von „Heidenrico vicedomino“ in Rusteberec und Bruder des „Helmwico“ genannt.[2] Am 31. Dezember 1235 und am 1. Januar 1236 zu Hasungen erscheinen „Theodericus vicedominus de Rustberge“ und „Heithenricus de Hanenstenge“, Bruder von „Geismar“, urkundlich. Mit „Heithenricus“, der sich als erster von Hanstein nennt, beginnt die Stammreihe.[3]

Burg Hanstein, der gleichnamige Stammsitz der Familie, liegt bei Bornhagen im heutigen thüringischen Landkreis Eichsfeld. Die Burg war ursprünglich im Besitz der Grafen von Northeim. Sie gelangte 1209 an die Erzbischöfe von Mainz, die sie den Enkeln von Heithenricus, Heinrich dem Älteren und Lippold, 1308 mit allem Zubehör als Mannlehn übertrugen.[4]

Ausbreitung und Linien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich starb ohne Nachkommen, doch konnte Lippold den Stamm fortsetzen. Seine Enkel, Lippold der jüngere und Dittmar, wurden die Begründer der beiden Hauptlinien des Geschlechts, der Lippolds- oder Besenhauser Linie, benannt nach dem gleichnamigen Gut bei Friedland, und der Dittmars- oder Ershauser Linie, benannt nach dem heutigen Ortsteil von Schimberg.[4]

Die Lippolds-Linie teilte sich in einen älteren und einen jüngeren Ast. Caspar († 1603), Sohn Lippolds und Nachkomme in der 6. Generation von Lippold, dem Stifter dieser Linie, war Oberaufseher in der Grafschaft Henneberg und begründete den älteren Ast. Ein weiterer Sohn Lippolds, Melchior, wurde Stifter des jüngeren Astes. Die Dittmars-Linie bildete ebenfalls zwei Äste, die von den Söhnen von Heinrich von Hanstein, Nachkomme Dittmars in der 4. Generation, begründet wurden. Den ersten Ast teilten die Söhne von Georg Thilo von Hanstein († 1632), Jobst Dietrich und Georg Burchard, in zwei Zweige. Georg Burchard von Hansteins Urenkel Otto, Werner und Heinrich von Hanstein teilten dann den zweiten Zweig in drei weitere Äste.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Mitglieder der Familie die Burg Hanstein verlassen und sich in deren Umgebung angesiedelt. So entstanden die Adelssitze und Rittergüter zu Bornhagen, Ober- und Unterstein, und Besenhausen (vor 1307–1896), die Güter in Wahlhausen und Werleshausen an der Werra, Rothenbach sowie die entfernteren Besitzungen zu Ershausen und Wiesenfeld. Später konnte auch Grundbesitz in den Herzogtümern Sachsen-Weimar (Schloss Oberellen) und Sachsen-Meiningen (Henfstädt) und im Fürstentum Anhalt erworben werden, so 1620 das Gut Einberg (Rödental). In jüngerer Zeit waren Angehörige in Pommern im Landkreis Stolp und in Ostpreußen begütert. Im Königreich Hannover gehörten sie wegen des Besitzes eines Gutes in Friedland zum landsässigen Adel der Göttingischen Landschaft.[4]

Bereits im 18. Jahrhundert gehörten die Herren von Hanstein zur Reichsritterschaft im Rheinischen Ritterkreis. Ende des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts waren sie auch im Ritterkanton Rhön-Werra des fränkischen Ritterkreises immatrikuliert.[5]

Ein Familienverband besteht seit 1447.

Standeserhebungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf von Pölzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Alexander Freiherr von Hanstein (1804–1884) aus Coburg begründete, seit 1826 gräfliche Linie, erlosch 1903. Alexander war der Stallmeister von Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld und hatte eine Affaire mit Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg, der jungen Frau von Herzog Ernst. Nach dem Bekanntwerden musste Luise das Herzogtum 1824 verlassen und bekam dafür das Fürstentum Lichtenberg zugeteilt. Alexander folgte ihr. Nach dem Tod von Herzog Friedrich IV. wurde Luise Alleinerbin des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg, verzichtete aber auf ihre Ansprüche und wurde dafür zur Fürstin von Lichtenberg erhoben. Am 31. März 1826 erfolgte ihre Scheidung von Herzog Ernst. Alexander wurde zur Schaffung der standesmäßigen Voraussetzungen für eine Ehe mit Luise am 19. Juli 1826 von Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg in den Grafenstand erhoben. Ihm wurde die kleine, zwischen Gera und Altenburg gelegene Grafschaft Pölzig und Beiersdorf zugeteilt. Als Gegenleistung für die Grafschaft und den Grafentitel musste er seine eigenen Landgüter an Herzog Ernst abgeben. Die am 18. Oktober 1826 in St. Wendel geschlossene Ehe zwischen Alexander Graf von Pölzig und Luise Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg blieb kinderlos. Nach dem Tod von Luise (30. August 1831) kam das Fürstentum zurück an Herzog Ernst und Alexander heiratete am 18. April 1833 die 21-jährige Marie Therese von Carlowitz aus Greiz. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor.

Eine „legitimierte“ Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Überlieferung besteht zudem eine Verwandtschaft zu einer Linie, die schon über mehrere Generationen das Wappen des gleichnamigen Uradelsgeschlechts führte. Der Stammvater dieses Zweiges Franz Hanstein († 1637) war Beamter beim Mühlenamt zu Braunschweig und angeblich ein Sohn von Kurt von Hanstein († 1599) zu Witzenhausen und Frielingen. Eine preußische Adelsanerkennung durch Allerhöchste Kabinettsorder als von Hanstein erfolgte am 12. Februar 1855 zu Berlin für den preußischen Major außer Dienst Emil Hanstein. Seinem Bruder Hermann Hanstein, Pfarrer am Invalidenhaus, wurde am 26. Februar 1870 zu Berlin, seinem Bruder Johannes Hanstein, Universitätsprofessor, am 18. Mai 1881 zu Berlin, seinem Bruder Ludwig Hanstein, Pfarrer am Invalidenhaus, am 13. August 1880 zu Babelsberg und seinem Bruder Wolfgang Hanstein, Oberpfarrer und Superintendant außer Dienst, zusammen mit der Schwester Emilie Hanstein am 18. Mai 1881 der Adel anerkannt.[6]

Rittergüter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Verlust der Verteidigungsfunktion der Burg Hanstein im ausgehenden Mittelalter und der beengten Wohnverhältnisse für die Familien derer von Hanstein wurde die Burg Anfang des 16. Jahrhunderts verlassen und die einzelnen Familien errichteten für sich in den ihnen gehörenden Dörfern Rittergüter und Herrensitze. Nachfolgend eine Auflistung der neu entstandenen Herrensitze und Güter im Eichsfeld:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen in Siebmachers Wappenbuch 1605

Stammwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Silber drei (2,1) zunehmende schwarze Halbmonde. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken steht eine mit drei schwarzen und zwei silbernen Hahnenfedern besteckte, silberne Säule, die von zwei auswärts gekehrten schwarzen Halbmonden beseitet ist.

Aufgrund der Wappenähnlichkeit ist eine Stammesverwandtschaft mit den von Bodenhausen aus dem nahe gelegenen Bodenhausen bei Göttingen wahrscheinlich.

Orts- und Gemeindewappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elemente aus dem Wappen der Familie Hanstein, die drei Halbmonde, erscheinen noch heute in einigen thüringischen und fränkischen Kommunalwappen.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helwig (1139), Stadtvogt in Heiligenstadt[7]
  • Heinrich I. von Rusteberg (um 1200-1257), Bischof von Hildesheim[8]
  • Lupold von Hanstein (um 1240-1316), Propst von Nörten[9]
  • Burghard von Hanstein (um 1500-1585), Propst des St. Martinstiftes in Heiligenstadt, Förderer der Reformation[9]
  • Ludwig von Hanstein, Abt im Kloster Helmershausen (1510) und in Hersfeld (1515)[10]
  • Anna von Hanstein (gest. 1575), Äbtissin im Kloster Anrode (1556-1575)[9]
  • Conrad von Hanstein († 1553), kaiserlicher Offizier mit prachtvollem Grabdenkmal in der Katharinenkirche Oppenheim
  • Ernst Friedrich Carl von Hanstein (1735–1802), preußischer Generalleutnant
  • Karl Philipp Emil von Hanstein (1772-1861), Hess. Regierungspräsident und Minister des Inneren
  • Alexander von Hanstein (1804–1884), ab 1826 Graf von Pölzig und Beyersdorf, Ehemann von Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg
  • Edmund von Hanstein (1808–1887), preußischer Generalleutnant
  • Hermann von Hanstein (1809–1878), Maler in Berlin und Düsseldorf. Bruder von Johannes von Hanstein[11]
  • Karl Georg Anton Friedrich von Hanstein (1809–1877), Generalmajor
  • Lebrecht Reinhold Moritz von Hanstein (1819–1876), Generalmajor
  • Marie von Hanstein (1820–1882), Schriftstellerin[12]
  • Johannes von Hanstein (1822–1880), Botaniker
  • Sittig von Hanstein (1837–1904), preußischer Verwaltungsbeamter und Mitglied im preußischen Herrenhaus
  • Johannes Emil Werner Karl von Hanstein (1841–1898), Generalmajor
  • Carlo von Hanstein (1845–1919), preußischer Generalleutnant
  • Max Otto Rudolf Richard von Hanstein (1850–1931), Generalleutnant
  • Peter Hanstein (1853–1925), Gründer des Kunst-Auktionshauses Lempertz
  • Thilo Alexander Friedrich Freiherr von Hanstein (1857–1922), Generalleutnant
  • Friedrich Bernhard Moritz von Hanstein (1858–1936), Generalmajor
  • Adalbert von Hanstein (1861–1904), Dichter und Schriftsteller, Privatdozent an der Technischen Hochschule Hannover
  • Otfrid von Hanstein (1869–1959), Schriftsteller
  • Paula von Hanstein (1883–1966), Schriftstellerin
  • Wolfram von Hanstein (1899–1965), Schriftsteller, Politfunktionär und Geheimagent der DDR in der Bundesrepublik Deutschland
  • Fritz Huschke von Hanstein (1911–1996), Motorsportler und Vizepräsident der Automobilsportkommission

Adliges Gericht Hanstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Inbesitznahme der Burg Hanstein durch die Herren von Hanstein wurden sie auch Besitzer der umliegenden Orte. Die Hansteiner konnten ihren Einfluss weiter ausdehnen, bis schließlich im 16. Jahrhundert 20 Dörfer zum Gesamtgericht Hanstein gezählt wurden: von Hohengandern in Nordwesten bis Wiesenfeld im Südosten. Weitere heute nicht mehr existierende Orte (Schelmerode, Hottenrode, Bösenrode und andere) gehörten ebenfalls der Familie von Hanstein. In weiteren Dörfern besaßen sie Güter und Rechte (z.B in Besenhausen, Ershausen, Großtöpfer). Mit den Lehnsbriefen der Kurmainzer Landesherren, sowie hessischen (über Wüstheuterode) und braunschweigischen Lehnsbriefen erhielt die Familie von Hanstein die Gerichtsbarkeit.[13] Gerichtsorte waren in früheren Zeiten Schwobfeld und Gerbershausen, 1771 wurde das Gericht nach Wahlhausen verlegt. Bis 1849 bestand im Rittergut Oberhof in Wahlhausen das Hansteinsche Patrimonial-Gesamt-Gericht, bestehend aus einem Justizamtmann, einem Aktuar, je zwei Kanzlisten und Gerichtsboten sowie einem Justiz-Kommissar.[14] Die dazugehörenden Gefängnisse befanden sich auf der Burg Hanstein und den Gerichtsorten Gerbershausen und Wahlhausen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Familienarchiv derer von Hanstein auf Besenhausen wird heute im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt verwaltet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hanstein (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urkundenbuch des Eichsfeldes 1. S. 29. Nummer 47.
  2. Urkundenbuch des Eichsfeldes 1. S. 74. Nummer 126.
  3. Urkundenbuch des Eichsfeldes 1. S. 150–151. Nummer 263, 265.
  4. a b c Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 4, S. 190–192.
  5. Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. C. H. Beck, München, 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, 7. Auflage, S. 253.
  6. Genealogisches Handbuch des Adels (= Adelslexikon) Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, S. 429.
  7. Johann Wolf: Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt mit Urkunden. Göttingen 1800, §6, Seite 12 (Helmvicus advocatus de Heilgenstadt)
  8. Hans-Dieter von Hanstein: Überblick über die Geschichte der Familie von Hanstein in Burg Hanstein. Zur 700-jährigen Geschichte einer eichsfeldischen Grenzfeste. Mecke Duderstadt 2008, Seite 25
  9. a b c Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968
  10. Friedrich Rehm: Handbuch der Geschichte beider Hessen. Band 1 Marburg-Leipzig 1842, Seite 270
  11. Kurzbiographie: Hermann von Hanstein (* 1809 in Löwenberg; † 1878 in Berlin), Genre-, Landschafts-und Bildnismaler, Miniaturist, Aquarellist, Porzellanmaler, Schüler von Wilhelm Herbig in Berlin, wechselnd in Berlin und Düsseldorf tätig, 1828-1877 regelmäßig auf den Berliner Akademie-Ausstellungen vertreten.
  12. Marie von Hanstein, auf literaturport.de
  13. Hans-Dieter von Hanstein: "Das Semmelhansloch" Zum Gesamtgericht Hanstein. in Burg Hanstein. Zur 700-jährigen Geschichte einer eichsfeldischen Grenzfeste. Mecke-Druck-und-Verlag, Duderstadt (Eichsfeld) 2008, Seite 145-187
  14. Über das früher von Hanstein'sche Patrimonial-Gesamt-Gericht in Wahlhausen an der Werra. in: Eichsfelder Heimatzeitschrift, Mecke Duderstadt 2017, Heft 1, Seiten 6-9