Burgenlandkroatische Sprache

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Burgenlandkroatisch
(gradišćansko-hrvatski jezik)

Gesprochen in

Österreich, Ungarn, Slowakei und Tschechien
Sprecher ca. 50.000–60.000 [1]
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von offiziell im Burgenland neben Deutsch
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

sla

Locale/IETF:

hr-AT

Ivan Čuković: Jezuš i Marija (Jesus und Maria), Burgenlandkroatisches Gebetbuch von 1916.

Die burgenlandkroatische Sprache, einst Wassercroate Sprache[1] (gradišćansko-hrvatski jezik, gradišćanski jezik, ung.: burgenlandi horvát nyelv, őrvidéki horvát nyelv, fehérhorvát nyelv, gradistyei nyelv) ist eine zu den südslawischen Sprachen gehörende Sprache, die im österreichischen Burgenland (kroat. Gradišće) als Minderheitssprache der Burgenlandkroaten anerkannt ist. Im Burgenland wird sie nach amtlichen Angaben von 19.412 Personen gesprochen (Stand: 2001). Außerdem gibt es größere Sprechergruppen z. B. in Wien und Graz.

Die kleineren kroatischen Minderheiten in Westungarn, der südwestlichen Slowakei und dem südlichen Tschechien werden oft ebenfalls als Burgenlandkroaten bezeichnet. Sie verwenden entweder die burgenland- oder die standardkroatische Schriftsprache und sind historisch und kulturell eng mit den Kroaten in Österreich verbunden. Die Gesamtzahl der Sprecher in allen vier Ländern sowie in der Migration wird von Vertretern der Burgenlandkroaten auf rund 55.000 Personen geschätzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Burgenlandkroatische kam durch kroatische Flüchtlinge, die während der Türkenkriege aus Kroatien (insbesondere aus der Militärgrenze) flohen und im Westen des damaligen Ungarns angesiedelt wurden, in sein heutiges Verbreitungsgebiet. Unter den burgenländischen Kroaten gibt es Sprecher aller drei kroatischen Dialektgruppen (Čakavisch, Štokavisch, Kajkavisch). Die Sprecher des Čakavischen, die ursprünglich aus dem norddalmatinischen Küstengebiet Kroatiens bzw. aus dem Dalmatinischen Hinterland stammen, bilden jedoch die Mehrheit.

Im 18. Jahrhundert Lőrinc Bogovich, Jeremiás Sosterich, Godfried Palkovich und Simon Knéfacz franziskanische Mönche schaffen die burgenlandkroatische Schriftsprache.

An der Herausbildung einer einheitlichen kroatischen Standardsprache auf der Grundlage des Štokavischen im 19. Jahrhundert waren die burgenländischen Kroaten nicht beteiligt. Der Schriftsteller József Ficzkó wies die serbokroatische Sprache zurück. Hier bildete sich vielmehr eine eigene schriftsprachliche Norm heraus, die vorwiegend auf den örtlichen čakavischen Dialekten basiert. Lediglich das moderne kroatische Alphabet wurde auch von den burgenländischen Kroaten übernommen.

Schriftsprache[Bearbeiten]

Die burgenlandkroatische Schriftsprache basiert vorwiegend auf den örtlichen čakavischen Dialekten, enthält jedoch auch Einflüsse der anderen im Burgenland gesprochenen kroatischen Dialekte. Sie verwendet das lateinische Alphabet mit denselben Sonderzeichen wie das Kroatische. Im Zuge des Ausbaus der Schriftsprache hat sich teilweise eine eigene Fachterminologie entwickelt, die sich von der in Kroatien üblichen unterscheidet.

Im Nordburgenland sowie im Mittelburgenland, genau so wie in den angrenzenden kroatisch besiedelten Gebieten Ungarns wird vorwiegend Čakavisch gesprochen. Lediglich in den am ungarischen Ufer des Neusiedler Sees gelegenen Orten Hidegség und Fertőhomok ist das Kajkavische (kajkavski) verbreitet. Im Süden des Burgenlandes sprechen die Burgenländer Kroaten vorwiegend Štokavisch.

Durch die jahrhundertelange Isolation vom Mutterland wurden für zahllose „moderne“ Errungenschaften oft keine slawischen, sondern ungarische und deutsche Wörter in den Dialekt entlehnt und durch kroatische Betonung integriert. Beispiele dafür sind Mähdrescher oder Kiritof für Kirtag, im burgenländisch-deutschen Dialekt Kiritåg.

Literatur[Bearbeiten]

  • Siegfried Tornow: Burgenlandkroatische Dialekttexte. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2011 (Balkanologische Veröffentlichungen 15,2) ISBN 978-3-447-06412-5
  • Siegfried Tornow: Burgenlandkroatisches Dialektwörterbuch, Die vlahischen Ortschaften. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1989 (Balkanologische Veröffentlichungen 15,1)
  • Siegfried Tornow: Die Herkunft der kroatischen Vlahen des südlichen Burgenlands. Berlin 1971 (Veröffentlichungen der Abteilung für Slavische Sprachen und Literaturen des OEI an der FUB, Band 39)

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnote[Bearbeiten]

  1. A. Trstenjak: Slovenci na Ogrskem, Maribor 2006. ISBN 961-6507-09-5, 50. st.

Weblinks[Bearbeiten]