Siegendorf

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Dieser Artikel behandelt Siegendorf im Burgenland. Siehe auch Siegendorf Oberschwarzach, Franken, bzw. Siegensdorf, Niederbayern.
Siegendorf
Cindrof
Wappen von SiegendorfCindrof
Siegendorf (Österreich)
Siegendorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 23,04 km²
Koordinaten: 47° 47′ N, 16° 32′ OKoordinaten: 47° 46′ 56″ N, 16° 32′ 26″ O
Höhe: 176 m ü. A.
Einwohner: 2.951 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 128 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7011
Vorwahl: 02687
Gemeindekennziffer: 1 03 15
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
7011 Siegendorf
Website: www.siegendorf.at
Politik
Bürgermeister: Rainer Porics (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
19
4
19 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Siegendorf
Cindrof im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Siegendorf im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Siegendorf (kroatisch: Cindrof, ungarisch: Cinfalva) ist eine Marktgemeinde mit 2951 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Eisenstadt-Umgebung im Burgenland in Österreich. Ein relativ großer Anteil der Gemeindebevölkerung sind Angehörige der Volksgruppe der Burgenland-Kroaten.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland 7 km von der Landeshauptstadt Eisenstadt an der Grenze zu Ungarn und in der Nähe des Neusiedler Sees.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Im Schuschenwald zweieinhalb Kilometer außerhalb der Ortschaft weisen vier Hügelgräber aus der späten Bronzezeit auf eine frühere Besiedlung hin.

Später unter den Römern lag das heutige Siegendorf dann in der Provinz Pannonia.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Cinfalva verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Siegendorfer im politischen Widerstand (1939–1945)[1]

Nach den Aufzeichnungen der Dokumentationsarchives der Österreichen Widerstands und den Opferführsorgeakten der Sozialabteilung des Landes Burgenland waren mindestens 14 Siegendorfer aus politischen Gründen vorübergehend in Nazihaft bzw in Konzentrationslagern interniert. Weiters wurden 3 Mitglieder einer kommunistischen Widerstandszelle im Ort hingerichtet.

Durch Impulse aus Wiener Neustädter Zellen formierte sich schon vor dem Anschluss an das Dritte Reich ein politischer Zirkel, bestehend aus ehemaligen Sozialdemokraten, Funktionären der Kommunistischen Partei und Revolutionären Sozialisten. Ursprung nahm dieser bei der gemeinsam Arbeit im Zillingdorfer Bergwerk und die Tätigkeiten umfassten das Gestalten von Druckschriften und das Sammeln von Solidaritätsbeiträgen für in Not geratene Genossen und deren Familien. Die Leitung hatte bis zu seiner Einberufung 1941 Johann Wild und danach der Hilfsarbeiter Mathias Karlovits inne.

1942 fand die Zelle ihr tragisches Ende: Fünf Mitglieder wurden zu je drei Jahren Zuchthaus, Mathias Karlovits und der Kassierer zum Tod verurteilt und am 2. November 1943 hingerichtet. Andreas Posteiner, ein weiteres Mitglied des Zirkels, wurde zu vier Jahren in der Strafanstalt Stein an der Donau verurteilt. Dort wurde er während des Massakers im Zuchthaus Stein am 6. April 1945 durch Alarmeinheiten der Schutzpolizei, des Kremser Volkssturms, der Wehrmachts-Garnison sowie der Waffen-SS erschossen.

Weiters wurde der Panzer-Grenadier Thomas Novak zum Tode verurteilt, der sich gegen Ende des Krieges unerlaubt von seiner Einheit entfernt hatte. Er wurde jedoch gefasst und das Urteil wurde am 14. März 1945 vollstreckt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Auf dem Gemeindegebiet von Siegendorf leben sowohl Angehörige der deutschsprachigen- als auch burgenland-kroatischen Volksgruppe. Nach der Volkszählung von 2001 bekennen sich 49 % der Bevölkerung zur deutschsprachigen und 38 % zur burgenland-kroatischen Volksgruppe. Zusätzlich bezeichneten sich 6,4 % als Kroaten.

85 % der Gemeindebevölkerung sind Angehörige der römisch-katholischen Kirche.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Rainer Porics von der SPÖ.

Die Mandatsverteilung (23 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 19, ÖVP 4.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Renner-Denkmal in Siegendorf
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Siegendorf
  • Pfarrkirche Siegendorf: Die Pfarrkirche – in erhöhter Lage – wurde 1659 erbaut. In ihr befindet sich die so genannte Glockenmadonna.
  • Der Klosterkeller ist als Kastell aus dem 16. Jahrhundert erhalten.
  • Im frühen 18. Jahrhundert wurde eine Dreifaltigkeitssäule erbaut.

Siegendorf

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Siegendorf befand sich bis 1989 eine traditionsreiche Zuckerfabrik, deren Besitzer auch im kulturellen Leben der Region eine wichtige Rolle spielten. Die Gewerbezone-Ost in Siegendorf ist heute Standort mehrerer Handels- und Industriebetriebe.

Der Fremdenverkehrsort ist wegen seines milden Klimas und der vielen Sonnentage ein beliebtes Urlaubsziel. Der lokal angebaute Wein wird in Buschenschenken und Landgasthöfen ausgeschenkt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Siegendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marktgemeinde Siegendorf (Hrsg.): Geschichte&Kultur "750 Jahre Siegendorf" Chronik-Band 1. Band 1. Marktgemeinde Siegendorf, 2006.