C/1961 O1 (Wilson-Hubbard)

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C/1961 O1 (Wilson-Hubbard)[ i ]
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 9. August 1961 (JD 2.437.520,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,999962
Perihel 0,040 AE
Aphel 2116 AE
Große Halbachse 1058 AE
Siderische Umlaufzeit ~34.400 a
Neigung der Bahnebene 24,2°
Periheldurchgang 17. Juli 1961
Bahngeschwindigkeit im Perihel 210 km/s
Geschichte
Entdecker A. S. Wilson, W. B. Hubbard u. a.
Datum der Entdeckung 23. Juli 1961
Ältere Bezeichnung 1961 V, 1961d
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1961 O1 (Wilson-Hubbard) ist ein Komet, der im Jahr 1961 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird von einigen zu den „Großen Kometen“ gezählt.[1]

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komet war noch unbeobachtet am 18. Juli 1961 von 5:53 Uhr bis 8:56 Uhr UT von der Erde aus gesehen vor der Sonne vorübergezogen. Etwa fünf Tage später entdeckte ihn der Pilot A. Stewart Wilson am Morgen des 23. Juli (Ortszeit) von Bord eines Verkehrsflugzeugs vom Typ Boeing 707 auf dem Flug von Honolulu nach Portland (Oregon) aus 8800 m Höhe. Er erkannte einen schwachen vertikalen Lichtstreif am Horizont und verglich sein Aussehen mit einem fernen Suchscheinwerfer, während seine Kollegen im Cockpit es für ein Polarlicht hielten. Wilson beobachtete es weiter mit einem Fernglas und erkannte es schließlich als einen Kometen. Er schätzte seine Helligkeit auf 3,5 mag. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte William B. Hubbard, ein Student am McDonald-Observatorium in Texas den Kometenschweif, als er gerade einen künstlichen Satelliten am Osthimmel beobachtete. Er schätzte die Helligkeit zu 3 mag.

Die erste Person, die vermutlich den Kometen gesehen hatte, war jedoch Anna Ras, eine Stewardess, die den Kometenschweif in einer Länge von 15° bereits während eines Fluges über Libyen vor Sonnenaufgang am 23. Juli (Ortszeit) und damit etwa 8 Stunden vor Wilson und Hubbard bemerkt hatte.

Auch einen Tag später gab es noch zahlreiche unabhängige Entdeckungen, eine in Spanien vom Erdboden aus und drei weitere durch die Piloten von Verkehrsflugzeugen über den Vereinigten Staaten. Zur gleichen Zeit wurde die Entdeckung auch von Astronomen bestätigt, darunter Kōichirō Tomita und George Van Biesbroeck. Die Nachricht über den Kometen verbreitete sich rasch wegen der zahlreichen Entdeckungen. Im restlichen Verlauf des Juli wurde der Komet intensiv beobachte. Um den 25. Juli wurde von mehreren Beobachtern außer dem bis zu 25° langen Schweif des Kometen auch ein etwa 2–3° langer Gegenschweif beschrieben. Die Helligkeit des Kometen nahm rasch wieder ab und lag Ende des Monats nur noch bei 4–5 mag. In den ersten Augusttagen konnte er letztmals mit bloßem Auge gesehen werden und bis Mitte August war der Schweif fast verschwunden und die Helligkeit des Kometen auf nur noch 11–12 mag gesunken.

Der Komet konnte nur noch wenige Male im September und Oktober photographisch erfasst werden. Die letzte Beobachtung erfolgte schließlich am 9. November 1961 durch Tomita in Tokio.[2]

Der Komet erreichte eine maximale Helligkeit von 3 mag.[3]

Wissenschaftliche Auswertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der letzten Juliwoche erfolgten spektrographische Beobachtungen des Kometen am Observatoire de Haute-Provence[4] und am Portage Lake-Observatorium in Michigan.[5] Die Spektrogramme zeigten kometentypische Emissionslinien von CN, C2 und NH2 (aber kein CH oder C3), sowie starke Natrium-D-Linien.

Nach einer ersten vorläufigen Bahnbestimmung durch Michael Philip Candy 1961 hatte Branham 1968 in einer Untersuchung Elemente einer elliptischen Umlaufbahn für den Kometen aus 38 Beobachtungen über einen Zeitraum von 107 Tagen abgeleitet.[6] Diese Bahnelemente benutzten Marsden, Sekanina und Everhart für Berechnungen des ursprünglichen und zukünftigen Werts der Große Halbachse der Bahn.[7]

Siebzehn Jahre nach seinen Bahnberechnungen zeigte sich Branham unzufrieden mit seinen früheren Berechnungen, da sie auf inzwischen veralteten mathematischen Verfahren beruhten und die verschiedenen Ursachen für Bahnstörungen nur teilweise berücksichtigten. Daher wiederholte er seine Untersuchung noch einmal unter Einbeziehung von 84 Beobachtungen über einen Zeitraum von 107 Tagen, sowie unter Berücksichtigung des gravitativen Einflusses aller Planeten und der relativistischen Effekte beim nahen Vorbeiflug des Kometen an der Sonne.[8] Diese neu ermittelten Bahnelemente sind in der Infobox angegeben. Sie unterscheiden sich numerisch nur geringfügig von den zuvor ermittelten, die Differenzen haben allerdings deutliche Auswirkungen auf die Extrapolation der Bahn des Kometen weit in die Vergangenheit bzw. in die Zukunft. Daher führten Everhart und Marsden mit den neuen Bahnelementen ebenfalls neue Berechnungen des ursprünglichen und zukünftigen Werts der Großen Halbachse der Bahn durch.[9]

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kometen konnte aus 84 Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 107 Tagen eine elliptische Umlaufbahn bestimmt werden, die um rund 24° gegen die Ekliptik geneigt ist.[10] Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 17. Juli 1961 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 6,0 Mio. km Sonnenabstand nur etwa 7,6 Sonnenradien über deren Oberfläche. Am 22. Juli ging er im Abstand von 27,6 Mio. km am Merkur und am 30. Juli im Abstand von 56,5 Mio. km an der Venus vorbei. Am 14. August erreichte er mit 0,79 AE/118,3 Mio. km die größte Annäherung an die Erde.[11]

Der Komet bewegt sich auf einer extrem langgestreckten elliptischen Bahn um die Sonne. Nach den mit einer gewissen Unsicherheit behafteten Bahnelementen hatte seine Bahn vor seiner Passage des inneren Sonnensystems im Jahr 1961 noch eine Exzentrizität von etwa 0,99996 und eine Große Halbachse von etwa 1270 AE, so dass seine Umlaufzeit bei etwa 45.000 Jahren lag. Durch die Anziehungskraft der Planeten, insbesondere durch einen relativ nahen Vorbeigang am Jupiter am 22. August 1962 in etwa 4 ½ AE Abstand, wurde die Bahnexzentrizität auf etwa 0,99991 und die Große Halbachse auf etwa 444 AE verringert, so dass sich seine Umlaufzeit auf nunmehr etwa 9345 Jahre verkürzte.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John E. Bortle: International Comet Quarterly – The Bright-Comet Chronicles. Abgerufen am 25. September 2015 (englisch).
  2. G. W. Kronk, M. Meyer: Cometography - A Catalog of Comets. Volume 5: 1960–1982. Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-87226-3, S. 38–42.
  3. P. Moore, R. Rees: Patrick Moore’s Data Book of Astronomy. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-89935-2, S. 271.
  4. J. Dufay, A. Barann: Le spectre de la comète Wilson-Hubbard (1961 d). In: Annales d’Astrophysique. 25e Année, No. 5, 1962, S. 301–309, bibcode:1962AnAp...25..301D.
  5. F. D. Miller: On the Spectrum of Comet Wilson (1961 d). In: Publications of the Astronomical Society of the Pacific. Vol. 73, No. 435, 1961, S. 462–463, bibcode:1961PASP...73..462M.
  6. R. L. Branham, Jr.: Orbit of Comet 1961 V (Wilson-Hubbard). In: The Astronomical Journal. Vol. 73,No. 2, 1968, S. 97–98, bibcode:1968AJ.....73...97B.
  7. B. G. Marsden, Z. Sekanina, E. Everhart: New Osculating Orbits for 110 Comets and Analysis of Original Orbits for 200 Comets. In: The Astronomical Journal. Vol. 83, No. 1, 1978, S. 64–71 doi:10.1086/112177.
  8. R. L. Branham, Jr.: A new orbit of Comet 1961 V (Wilson-Hubbard). In: Celestial Mechanics. Vol. 36, 1985, S. 365–373, bibcode:1985CeMec..36..365B.
  9. a b E. Everhart, B. G. Marsden: Original and future cometary orbits. III. In: The Astronomical Journal. Vol. 93, No. 3, 1987, S. 753–754, bibcode:1987AJ.....93..753E.
  10. NASA JPL Small-Body Database Browser: C/1961 O1. Abgerufen am 29. September 2015 (englisch).
  11. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Archiviert vom Original am 18. September 2015, abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).