COVID-19-Pandemie in Deutschland/Testung

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Hinweisschild Covid-19 Test für Einreisende Bundesautobahn 73 am 23. September 2020

Die Ende 2019 erstmals beschriebene Infektionskrankheit COVID-19 breitet sich in Deutschland seit dem 27. Januar 2020 aus. Sie wird durch eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht. Seit dem 11. März 2020 wird die Ausbreitung dieser Krankheit von der WHO als Pandemie eingestuft.

Tests, insbesondere der PCR-Test, sind ein essentielles Mittel, um individuelle Infektionen zu erkennen und die gesellschaftliche Ausbreitung des Virus zu messen.[1] Es gibt dabei unterschiedliche Testverfahren. Zum Nachweis auf Bestandteile des Virus wird der RT-PCR-Test als Standard verwendet, daneben gibt es unter anderem noch den nachher entwickelten Antigen-Schnelltest, der weniger empfindlich, aber einfacher nutzbar ist. Der Antikörper-(Schnell)test zeigt, dass einmal eine Infektion (oder evtl. auch Impfung) stattgefunden hat und der Körper dagegen Antikörper bildete.

Vor allem der PT-PCR-Test wurde von Beginn an umfassend eingesetzt. Dafür wurden die Testkapazitäten seit Beginn der Pandemie in Deutschland laufend ausgebaut und verschiedene Teststrategien entworfen, um die begrenzte Zahl der durchführbaren Tests effektiv zu nutzen.

Nationale Teststrategie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Corona-Testzentrum Hauptbahnhof, Köln am 18. September 2020

Tests auf SARS-CoV-2 ermöglichen die Identifikation von infizierten Personen. Sie sollen auch zu einem aktuelleren und besseren Lagebild beitragen. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht seit Beginn der Pandemie Empfehlungen, welche Personen getestet werden sollen. Die Empfehlungen sind inzwischen Teil der „Nationalen Teststrategie“.[1]

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) wird in § 20i Abs. 3 SGB V, § 24 IfSG ermächtigt, sofern der Deutsche Bundestag nach § 5 Absatz 1 Satz 1 des Infektionsschutzgesetzes eine epidemische Lage von nationaler Tragweite festgestellt hat, durch Rechtsverordnung zu bestimmen, dass Versicherte Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Severe-Acute-Respiratory-Syndrome-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2) haben. Mit der Coronavirus-Testverordnung hat das BMG von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht.[2]

Die Kriterien für die Auswahl der zu testenden Personen änderten sich mehrfach, abhängig von der Anzahl der verfügbaren Tests und vom Verlauf der Pandemie. Aufgrund der zunächst knappen Testkapazitäten empfahl das RKI Tests ursprünglich nur für einen relativ engen Personenkreis. Mit Stand vom 24. März 2020 sollten nur Menschen getestet werden, die respiratorische Symptome zeigten und zusätzlich bestimmte Kriterien erfüllten (bspw. Kontaktpersonen von Infizierten, Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, Angehörige von Risikogruppen).[3] Ab dem 24. April 2020 empfahl das RKI die generelle Testung aller Atemwegserkrankungen, da mittlerweile ausreichend Kapazitäten zu Verfügung stünden und die Erkältungssaison vorbei sei.[4] Später wurde die Gruppe der zu testenden Personen weiter ausgedehnt, beispielsweise auf Reiserückkehrer. Für Herbst und Winter 2020/21 empfahl das RKI wegen knapper Testressourcen, Tests auf einen engeren Personenkreis zu konzentrieren: Personen, die starke klinische Symptome aufwiesen, eine hohe Gefahr für einen schweren Verlauf hatten oder ein hohes Risiko, weitere Personen anzustecken bzw. Teil eines Clusters zu sein.[5] Im Januar 2021 wurde die Gruppe der zu testenden Personen wieder stark ausgeweitet und u. a. alle Personen mit leichten Atemwegserkrankungen und asymptomatische Kontaktpersonen wurden einbezogen.[6]

Am 3. März 2021 beschlossen Bund und Länder, Antigen-Schnelltests in die Teststrategie einzubeziehen. In Schulen und bei Präsenzarbeit in Unternehmen soll jeder Person mindestens ein kostenloser Schnelltest pro Woche zur Verfügung stehen. Auch asymptomatische Bürger sollen die Gelegenheit zu einem kostenlosen Schnelltest pro Woche erhalten, inkl. einer Bestätigung über das Testergebnis.[7]

Das Robert Koch-Institut empfiehlt grundsätzlich zielgerichtetes Testen, weil anlasslose Tests zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen könnten, das Risiko falsch positiver Ergebnisse erhöhen könnten und die vorhandene Testkapazität belasten würden. Antigen-Schnelltests hält das RKI wegen der geringeren Sensitivität und Spezifität nur in besonderen Situationen für eine sinnvolle Ergänzung von PCR-Tests.[1] Der aktuelle Stand der nationalen Teststrategie findet sich auf der Webseite des RKI.[1]

Teststrategie in der Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Drive-in“-COVID-19-Teststelle des DRK Tübingen (26. März 2020)

Am 3. November 2020 wies der Berufsverband der akkreditierten medizinischen Labore (ALM) darauf hin, dass die fachärztlichen Labore mit den Anforderungsmassen der PCR-Tests überlastet sind. In der 44. Kalenderwoche (26. Oktober bis 1. November 2020) sei die Testkapazität bundesweit zu 100 Prozent ausgereizt gewesen. Nach Ansicht des ALM sollten nun zuallererst Tests mit hoher Priorität durchgeführt werden. Es würden zu viele asymptomatische und damit Personen mit sehr niedriger Priorität getestet.[8][9]

Manche Kliniken arbeiteten mit sogenannten Drive-in-Testzentren: Verdachtsfälle konnten nach vorheriger Absprache in ihrem Auto vorfahren und der Abstrich wird der zu untersuchenden Person entnommen, ohne dass sie aussteigen muss.[10][11]

Ab Ende März 2021 kamen verstärkt privatwirtschaftlich organisierte Test-Zentren mit medizinisch geschultem Personal in den Einsatz. Unternehmen wie C2[12], EcoCare[13] und der Medizindienstleister MediCan[14] errichteten bundesweit mobile und stationäre Testzentren. Anlass war ein „Modell Tübingen“, nach welchem flächendeckende Schnelltests weitergehende Öffnungen flankieren sollten.[15] Ende Mai 2021 häuften sich Medienberichte zu Unregelmäßigkeiten bei Testabrechnungen des Anbieters Medican.[16]

Testkapazitäten, durchgeführte Tests und Anteil positiver Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut RKI werden zur Diagnostik von akuten SARS-CoV-2-Infektionen bundesweit ausschließlich genbasierte Tests wie PCR-Tests genutzt.[17] Den Tests wird grundsätzlich eine hohe Sensitivität und Spezifität bescheinigt,[18] diese hängen jedoch von Testzeitpunkt und der Abnahmetechnik ab.[17] In der Laborpraxis werden nicht plausible Befunde in der Regel durch Testwiederholung oder zusätzliche Testverfahren bestätigt bzw. verworfen. Bei korrekter Durchführung der Teste und fachkundiger Beurteilung der Ergebnisse geht das RKI demnach von einer sehr geringen Zahl falsch-positiver Befunde aus, die die Einschätzung der Lage nicht verfälscht.[19]

Seit dem 26. März 2020 veröffentlicht das RKI mittwochs in seinem Lage-/Situationsbericht Informationen zur Anzahl der Testungen und dem Anteil der Positivtests.[20][21] Seit dem 15. April 2020 gibt das RKI außerdem die maximale Kapazität von Labortests pro Woche bekannt.[22][21] Das RKI weist auf Unschärfen durch die Möglichkeit von Nachmeldungen der in vergangenen Kalenderwochen durchgeführten Tests sowie auf Mehrfachtestungen von Patienten hin.[23] Die Kapazitäten in deutschen Laboren stieg von Anfang März mit 84.000 Tests pro Woche[24] bis Mitte Mai 2020 auf über 1.000.000 Tests pro Woche an.[25] Die Zahl der tatsächlich durchgeführten Tests pro Woche lag in der Anfangszeit im März und April 2020 zwischen etwa 100.000 bis 400.000, die Positivrate zwischen 3,1 % und 9 %. In den Monaten Juni bis September 2020 waren von den anfangs etwas mehr als 300.000 bis Mitte August knapp über 1.000.000 durchgeführten Tests pro Woche 0,6 % bis 1,4 % positiv und im Oktober dieses Jahres stieg die Positivrate bei etwa gleichbleibender Anzahl Tests wieder auf bis zu 5,2 %.

Die Daten beruhen auf einer deutschlandweiten Laborabfrage des RKI, ergänzt durch drei weitere Datenerhebungen vom Netzwerk für respiratorische Erkrankungen (RespVir, RKI), dem nationalen Netzwerk zur Surveillance der Antibiotikaresistenz in Deutschland (ARS, RKI) und dem ALM e. V. Seit dem 15. April 2020 gibt das RKI außerdem die maximale Kapazität von Labortests pro Woche bekannt.[22][21] Das RKI weist im Hinblick auf die Möglichkeit von Nachmeldungen der in vergangenen Kalenderwochen durchgeführten Tests auf die Unschärfe seiner wöchentlichen Testzahlen hin, da es dadurch zu einer nachträglichen Erhöhung kommen könne. Außerdem können in den Angaben Mehrfachtestungen von Patienten enthalten sein.[23]

Diagramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Testkapazität, Testanzahl und Positivenanteil nach RKI[26][Anm. 1]

  1. Die gemeldeten Testkapazitäten können niedriger liegen als die gemeldeten Tests, da sich nicht alle Labore an der Erfassung der Kapazitäten beteiligen.

Tabellarische Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durchgeführte Tests auf SARS-CoV-2 und Testkapazitäten der übermittelnden Labore je Kalenderwoche der Jahre 2020 und 2021 (Nur PCR-Tests berücksichtigt; Schnelltests wurden nicht erfasst)[21]
Kalenderwoche Kalenderdatum Anzahl Tests Positive Tests Positivenanteil Übermittelnde
Labore (Tests)
theor. Testkapazität
pro Woche[27]
Übermittelnde
Labore (Kapazitäten)
< 11 –8. März 2020 69.184 1.722
11 9.–15. März 129.291 7.470 5,80 % 118 39.000 27
12 16.–22. März 374.534 25.886 6,91 % 154 117.750 38
13 23.–29. März 377.599 33.139 8,78 % 159 128.000 107
14 30. März–5. April 417.646 37.649 9,01 % 163 136.660 126
15 6.–12. April 386.241 30.829 7,98 % 175 259.650 132
16 13.–19. April 339.983 22.724 6,68 % 172 589.620 138
17 20.–26. April 363.659 18.127 4,98 % 180 667.170 135
18 27. April–3. Mai 327.799 12.600 3,84 % 178 701.268 138
19 4.–10. Mai 385.638 10.181 2,64 % 181 777.476 135
20 11.–17. Mai 431.682 7.142 1,65 % 183 825.063 139
21 18.–24. Mai 356.489 5.315 1,49 % 181 837.380 139
22 25.–31. Mai 408.078 4.335 1,06 % 175 821.554 146
23 1.–7. Juni 342.328 3.219 0,94 % 178 904.760 146
24 8.–14. Juni 327.980 2.956 0,90 % 175 907.022 144
25 15.–21. Juni 384.834 5.588 1,45 % 175 951.456 141
26 22.–28. Juni 472.823 3.919 0,83 % 182 950.136 143
27 29. Juni–5. Juli 512.969 3.204 0,62 % 154 961.246 147
28 6.–12. Juli 513.572 3.042 0,59 % 182 989.576 152
29 13.–19. Juli 544.219 3.608 0,66 % 182 1.011.165 155
30 20.–26. Juli 556.634 4.537 0,82 % 187 1.009.137 155
31 27. Juli–2. August 589.201 5.888 1,00 % 175 1.029.124 159
32 3.–9. August 719.476 7.374 1,02 % 174 1.009.346 158
33 10.–16. August 871.191 8.545 0,98 % 189 976.187 155
34 17.–23. August 1.034.449 8.868 0,86 % 197 1.035.958 164
35 24.–30. August 1.133.623 8.273 0,73 % 196 1.126.195 171
36 31. August–6. September 1.052.942 8.203 0,78 % 195 1.089.353 171
37 7.–13. September 1.148.465 10.403 0,91 % 197 1.130.813 171
38 14.–20. September 1.147.879 13.647 1,19 % 206 1.206.181 172
39 21.–27. September 1.220.279 15.178 1,24 % 200 1.292.743 174
40 28. September–4. Oktober 1.129.127 19.930 1,77 % 198 1.378.063 169
41 5.–11. Oktober 1.218.988 30.220 2,48 % 198 1.527.677 173
42 12.–18. Oktober 1.284.349 46.000 3,58 % 205 1.505.312 173
43 19.–25. Oktober 1.445.463 80.097 5,54 % 209 1.578.454 188
44 26. Oktober–1. November 1.663.992 118.111 7,10 % 210 1.648.626 183
45 2.–8. November 1.634.729 128.537 7,86 % 208 1.622.662 185
46 9.–15. November 1.467.454 128.986 8,79 % 206 1.710.271 182
47 16.–22. November 1.400.145 131.185 9,37 % 204 1.821.960 181
48 23.–29. November 1.381.117 128.882 9,33 % 206 1.868.184 177
49 30. November–6. Dezember 1.395.790 138.305 9,91 % 208 1.958.814 181
50 7.–13. Dezember 1.516.038 169.520 11,18 % 206 1.954.270 180
51 14.–20. Dezember 1.672.033 188.283 11,26 % 212 2.029.684 180
52 21.–27. Dezember 1.090.372 141.413 12,97 % 208 1.284.895 187
53/2020 28. Dezember–3. Januar 845.729 129.930 15,36 % 205 1.190.932 185
1/2021 4.–10. Januar 1.231.405 157.772 12,81 % 206 1.891.309 183
2 11.–17. Januar 1.187.564 124.037 10,44 % 206 2.020.530 183
3 18.–24. Januar 1.113.690 110.163 9,89 % 208 2.149.827 182
4 25.–31. Januar 1.151.633 97.383 8,46 % 208 2.180.930 183
5 1.–7. Februar 1.101.499 82.436 7,48 % 208 2.208.506 182
6 8.–14. Februar 1.060.602 67.882 6,40 % 213 2.247.447 183
7 15.–21. Februar 1.103.231 67.379 6,11 % 207 2.219.267 187
8 22.–28. Februar 1.171.798 72.059 6,15 % 210 2.319.328 183
9 1.–7. März 1.153.270 71.715 6,22 % 211 2.274.497 185
10 8.–14. März 1.280.050 85.655 6,69 % 215 2.264.447 187
11 15.–21. März 1.370.314 108.108 7,89 % 210 2.304.591 187
12 22.–28. März 1.420.289 132.249 9,32 % 208 2.251.915 183
13 29. März–04. April 1.181.417 129.155 10,93 % 208 2.221.205 181
14 05.–11. April 1.172.533 141.279 12,05 % 210 2.229.117 183
15 12.–18. April 1.315.269 163.743 12,45 % 211 2.248.479 184
16 19.–25. April 1.430.459 177.589 12,42 % 213 2.317.515 185
17 26. April–02. Mai 1.364.159 152.376 11,17 % 212 2.317.015 184
18 3.–9. Mai 1.258.370 128.980 10,25 % 213 2.318.615 186
19 10.–16. Mai 1.102.491 90.504 8,21 % 211 2.362.560 187
20 17.–23. Mai 1.221.100 70.443 5,77 % 210 2.326.988 184
21 24.–30. Mai 951.220 39.462 4,14 % 209 2.380.781 184
22 31. Mai–06. Juni 883.832 27.561 3,11 % 209 2.350.458 184
23 7.–13. Juni 835.367 19.298 2,31 % 209 2.362.843 185
24 14.–20. Juni 730.722 10.462 1,43 % 205 2.339.383 185
25 21.–27. Juli 714.477 6.927 0,97 % 209 2.350.535 181
26 28. Juni–04. Juli 726.832 5.890 0,80 % 214 2.335.619 185
27 5.–11. Juli 612.225 6.872 1,12 % 212 2.246.181 186
28 12.–18. Juli 607.770 9.854 1,62 % 208 2.246.051 184
29 19.–25. Juli 594.342 13.804 2,32 % 208 2.348.243 183
30 26. Juli–1. August 583.319 17.108 2,93 % 207 2.241.949 184
31 2.–8. August 589.841 22.500 3,81 % 209 2.252.467 184
32 9.–15. August 567.948 34.255 6,03 % 204 2.252.209 185
33 16.–22. August 690.888 53.966 7,81 % 205 2.253.909 184
34 23.–29. August 861.596 70.512 8,18 % 208 2.258.159 185
35 30. August–5. September 946.737 82.091 8,67 % 210 2.355.657 187
36 6.–12. September 1.010.977 80.004 7,91 % 211 2.349.449 188
37 13.–19. September 982.150 72.640 7,40 % 213 2.368.947 187
38 20.–26. September 963.508 61.625 6,40 % 212 2.396.089 191
39 27. September–3. Oktober 965.423 61.738 6,39 % 211 2.251.419 188
40 4.–10. Oktober 959.326 62.201 6,48 % 210 2.249.327 188
41 11.–17. Oktober 859.494 69.675 8,11 % 208 2.227.353 188
42 18.–24. Oktober 906.919 98.591 10,87 % 204 2.212.664 183
43 25.–31. Oktober 1.163.564 141.219 12,14 % 212 2.206.814 182
44 1.–7. November 1.191.458 188.760 15,84 % 210 2.221.594 186
45 8.–14. November 1.625.710 278.921 17,16 % 210 2.276.492 186
46 15.–21. November 1.857.591 365.787 19,69 % 209 2.296.673 185
47 22.–28. November 1.915.621 405.919 21,19 % 201 2.427.395 184
48 29. November–5. Dezember 2.467.643 177
Gesamtzahl
(Summe bis KW 53/2020)
85.782.441
(36.086.322)
6.451.808
(1.913.002)

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mangel an Antigen-Schnelltests[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte Februar 2021 erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass ab Anfang März alle Bürger mit Antigen-Schnelltests getestet werden könnten,[28] was dann nicht der Fall war. Im März 2021 wurde gegenüber der Bundesregierung der Vorwurf erhoben, dass die Corona-Schnelltests zu spät und in zu geringer Zahl bestellt worden seien.[29] Gegenüber der BILD-Zeitung erklärte Spahn dazu: „Einige Länder drücken sich vor ihrer Verantwortung, Corona-Tests für Schulen und Kitas zu besorgen. Das ist ureigene Aufgabe der Länder. Doch statt diese wahrzunehmen, zeigen sie auf den Bund.“[30] In einer anderen Gesprächsrunde erklärte er, es sei „nie vereinbart gewesen, dass der Bund die Tests beschafft“.[31]

Ein für den 5. März geplantes Treffen von Wirtschaftsverbänden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde kurzfristig abgesagt, weil die Bundesregierung mit den Vorschlägen der Wirtschaft zum Testen in den Betrieben unzufrieden sei.[32]

Einführung der Kostenpflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juli 2021 plädierte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann für die Abschaffung der Kostenfreiheit von Tests auf SARS-CoV-2 Infektion; seiner Meinung nach müssten sich Ungeimpfte an den Kosten der Tests beteiligen, sobald allen ein Impfangebot gemacht wurde.[33]

Bundesinnenminister Horst Seehofer dagegen sprach sich Ende Juli gegen die Einführung der Kostenpflicht aus und warnte: „Was glauben Sie, wie viele Leute den Test nicht mehr machen oder machen können, wenn er nicht kostenfrei ist? Damit könnte ein verstecktes Infektionsgeschehen stattfinden“.[34]

Nach einem Beschluss der Bund-Länder-Konferenz vom 10. August 2021 soll es für die Allgemeinheit ab dem 11. Oktober 2021 keine kostenlosen Tests mehr geben.[35] Da ein anerkannter Test bei Ungeimpften vielfach Voraussetzung für die Teilhabe am öffentlichen Leben ist und diese Tests evtl. mehr als 20 Euro kosten könnten,[36] wird kritisiert, dass damit Menschen mit wenig Geld de facto zur Impfung gezwungen werden.[37]

Ein Antigen-Schnelltest ist ab dem 18. Oktober 2021 weiterhin kostenlos für

  • Personen mit medizinischer Kontraindikation (diese muss von der Apotheke überprüft werden);
  • vormals Schwangere und Stillende (bis zum 10. Dezember), generell gilt für Schwangere eine Ausnahmeregelung bis Jahresende;
  • Schwangere im ersten Trimenon (bislang keine generelle Impfempfehlung);
  • Covid-Patienten, die einen Test zur Beendigung der Absonderung benötigen;
  • Minderjährige (bis 31. Dezember 2021);
  • Studierende aus dem Ausland, die mit einem in Deutschland nicht zugelassenen Impfstoff geimpft wurden;
  • Probanden klinischer Studien zu einem Corona-Impfstoff sowie
  • unter 12-Jährige oder Jugendliche, die erst in den letzten drei Monaten vor der Testung zwölf Jahre alt geworden sind.[38]

Vollständig Geimpfte erhalten einen von ihnen gewünschten Schnelltest nur dann kostenlos, wenn bestimmte abschließend in den §§ 2 bis 4b der Coronavirus-Testverordnung genannte Bedingungen erfüllt sind.

Zusätzlich problematisch wird der Ausschluss vom öffentlichen Leben dadurch, dass die Vorschriften vom Staat vorgegeben werden, es also wenig Handlungsfreiheit z. B. für einen Lokalbetreiber gibt, sich „gastfreundlicher“ zu verhalten: Während ein ungeimpfter Stammgast ohne Test, aber mit keinerlei Erkältungssymptomen nicht eingelassen werden darf, darf ein geimpfter Stammgast, der dem Augenschein nach zumindest eine leichte Erkältung hat, ohne Test hereingelassen werden (dem Lokalbetreiber ist es allerdings erlaubt, den Einlass Begehrenden mit einer Atemwegserkrankung abzuweisen). Dabei hat die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC Ende Juli 2021 festgestellt, dass es bei der Delta-Variante bei Geimpften zu vielen Impfdurchbrüchen kommt und die infizierten Geimpften für ihre Umgebung vermutlich ähnlich infektiös sind wie infizierte Ungeimpfte.[39]

Wiedereinführung der kostenfreien Tests[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2021 wurden die kostenfreien Tests per Verordnung durch den (zu diesem Zeitpunkt geschäftsführenden) Bundesgesundheitsminister Spahn wieder eingeführt. Die wahrscheinlich zukünftige Regierung (Ampelkoalition) hatte sich ebenso für diesen Schritt ausgesprochen.[40] So besteht seit dem 13. November 2021 ein erneuter Anspruch auf einen kostenfreien Antigen-Schnelltest durch geschultes Personal pro Woche.[41]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Nationale Teststrategie – wer wird in Deutschland getestet? Robert Koch-Institut, 9. Februar 2021, abgerufen am 6. März 2020.
  2. Verordnung zum Anspruch auf Testung in Bezug auf einen direkten Erregernachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronavirus-Testverordnung – TestV) vom 8. März 2021, BAnz AT 9. März 2021 V1.
  3. COVID-19: Neue Kriterien für den Test. In: PTA heute. 25. März 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  4. Corona-Pandemie – RKI empfiehlt Tests für alle Atemwegsinfekte. In: tagesschau.de. 24. April 2020, abgerufen am 24. April 2020.
  5. Testkriterien für die SARS-CoV-2 Diagnostik: Anpassungen für die Herbst- und Wintersaison 2020/2021. RKI, 9. November 2020, abgerufen am 15. November 2020.
  6. Bundesministerium für Gesundheit: Coronavirus-Testverordnung. In: Bundesanzeiger. 27. Januar 2020 (bundesanzeiger.de [PDF]).
  7. Videoschaltkonferenz der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 3. März 2021. In: www.bundesregierung.de. 3. März 2020, abgerufen am 6. März 2020.
  8. Die rote Ampel haben wir schon überfahren. Jetzt gilt es, die Zahl der Tests durch Fokussierung auf das Wesentliche zu reduzieren! › ALM – Akkreditierte Labore in der Medizin e. V. Abgerufen am 3. November 2020.
  9. SARS-CoV-2-Diagnostik – Update KW 44 (26.10.2020 – 01.11.2020). (PDF) Abgerufen am 3. November 2020.
  10. Corona-Testzentrum mit Drive-in in Nürtingen und Leinfelden-Echterdingen kommt. SWR, abgerufen am 5. März 2020.
  11. Markus Schug: „Corona-Drive-In“ eröffnet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. März 2020, abgerufen am 4. März 2020.
  12. Standorte. In: Corona Testzentrum C2. Abgerufen am 27. Mai 2021.
  13. EcoCare - Coronatests: EcoCare. Abgerufen am 27. Mai 2021.
  14. Standorte | MediCan Corona Testzentren. Abgerufen am 27. Mai 2021.
  15. Tübinger Modellprojekt: Palmer scheitert - schuld sind wieder die bekannten Feindbilder. 30. März 2021, abgerufen am 30. März 2021.
  16. tagesschau.de: Corona-Pandemie: Schnelltests außer Kontrolle. Abgerufen am 28. Mai 2021.
  17. a b AG Laborkapazität beim RKI: Bericht zur Optimierung der Laborkapazitäten zum direkten und indirekten Nachweis von SARS-CoV-2 im Rahmen der Steuerung von Maßnahmen. 7. Juli 2020 (rki.de [PDF]).
  18. Heinz Zeichhardt, Martin Kammel: Kommentar zum Extra Ringversuch Gruppe 340 Virusgenom-Nachweis – SARS-CoV-2. (PDF) 3. Juni 2020, abgerufen am 29. Juli 2020.
  19. Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2 / Krankheit COVID-19. RKI, 17. September 2020, abgerufen am 19. September 2020.
  20. Robert Koch-Institut: Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), 26.03.2020
  21. a b c d Aktueller Lage-/Situationsbericht des RKI zu COVID-19 (mit Links zum Archiv). Tabellen „Anzahl der SARS-CoV-2-Testungen in Deutschland“ und „Testkapazitäten der übermittelnden Labore pro Tag und Kalenderwoche“. Robert Koch-Institut, abgerufen am 2. Dezember 2021.
  22. a b Robert Koch-Institut: Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), 15.04.2020
  23. a b Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19) – 22.04.2020. (PDF; 1.393 kByte) Robert Koch-Institut, 22. April 2020, S. 8 u. 9, abgerufen am 5. Mai 2020.
  24. Irene Berres, Katherine Rydlink, Nina Weber: Coronavirus und Covid-19: So testet Deutschland. In: Der Spiegel. Spiegel-Verlag Rudolf Augstein, 5. März 2020, abgerufen am 22. März 2020.
  25. Robert Koch-Institut: Erfassung der SARS-CoV-2-Testzahlen in Deutschland (Update vom 2.7.2020). In: Epid Bull. Nr. 27/28(2020), 2. Juli 2020 (rki.de [PDF]).
  26. Tabellen zu Testzahlen, Testkapazitäten und Probenrückstau pro Woche. RKI, 10. März 2020, abgerufen am 2. Dezember 2021.
  27. anhand von Wochenarbeitstagen
  28. Spahn will Schnelltests für alle. In: tagesschau.de. 16. Februar 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  29. CSU kritisiert Jens Spahn für Versäumnisse bei Schnelltests. In: zeit.de. 6. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  30. "Warum soll ich jetzt Tests beschaffen?" Wut-Ausbruch von Spahn bei Treffen mit Wirtschaftsbossen. In: focus.de. 6. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  31. „Es war nie vereinbart, dass …. “ – SPAHN verteidigt Teststrategie gegen Kritik. In: lokalo.de. 6. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  32. Die Langsamkeit der Schnelltests: Nicht warten, bis Spahn "aus den Puschen kommt". In: tagesschau.de. 6. März 2021, abgerufen am 6. März 2021.
  33. Kretschmann: Tests für Ungeimpfte nicht mehr kostenlos. In: idowa.de. 27. Juli 2021, abgerufen am 31. Juli 2021.
  34. Kostenpflichtige Corona-Tests für Nichtgeimpfte? Seehofer positioniert sich klar. In: rnd.de. 29. Juli 2021, abgerufen am 19. August 2021.
  35. Beschluss: Keine kostenlosen Corona-Tests mehr. In: mdr.de. 10. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  36. Corona-Schnelltests könnten künftig bis zu 40 Euro kosten. In: haz.de. 18. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  37. Kostenpflichtige Corona-Tests setzen vor allem arme Menschen unter Druck. In: augsburger-allgemeine.de. 13. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  38. Alexandra Negt: Kostenlose Tests auch für vollständig Geimpfte möglich. 8. Oktober 2021, abgerufen am 13. Oktober 2021.
  39. Vaccinated People With Breakthrough Infections Can Spread The Delta Variant, CDC Says. In: npr.org. 30. Juli 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  40. Ampel-Pläne im Bundestag: 3G im Job und wieder Gratis-Tests? Abgerufen am 21. November 2021.
  41. tagesschau.de: Corona-Tests wieder gratis: "Das wird ein Chaos geben". Abgerufen am 21. November 2021.